(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Zürcher Obergericht: Kein Sterilisierungszwang für transsexuelle Menschen

Endlich – Das Zürcher Obergericht beendet den Sterilisierungszwang von transsexuellen Menschen. Zur Anerkennung des Geschlechts eines Menschen einen operativen Eingriff zu verlangen, verletze die körperliche Integrität der betroffenen Person. Damit folgt das Zürcher Obergericht faktisch den Bestimmungen der europäischen Menschenrechtskonventionen. Zum einem ist das ein Toröffner für die geschätzten 20% der transsexuellen Menschen, die eine genital-angleichende Operation nicht machen können oder wollen. Mehr als das ist es jedoch in meinen Augen ein Paradigmenwechsel, denn begründet wurde dieses Urteil mit den Worten:

Die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen bestimmt sich nicht allein nach seinen körperlichen Merkmalen, sondern nach seiner ganzen Persönlichkeit.

Diese Begründung zeigt ein Denken, das mir ganz neu scheint. Die Forschung der letzten Jahre hat klar gezeigt, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass transsexuelle Menschen nicht den Wunsch haben, dem anderen Geschlecht anzugehören sondern dass transsexuelle Menschen in einem Körper leben, der ihrem eigenen – im Hirn festgelegten – Geschlecht entgegen gesetzt ist. Wir wissen, dass das Geschlecht weder allein durch Genitalien noch alleinbestimmend durch Chromosomen festgelegt wird, das Geschlecht ist ein Aspekt der Persönlichkeit und die Persönlichkeit eines Menschen liegt nicht in den Genitalien sondern im Kopf.

Und das – so habe ich den Eindruck – ist eine Denkweise, die nach einem Jahrhundert Psychopathologisierung erstmals dem gleicht, was Betroffene seit je her für sich in Anspruch nahmen.

Die Frage stellt sich nun auch hier, ob wie beim kürzlichen Fall des deutschen Transsexuellengesetzes nun die Macht der Gutachter umso grösser werden könnte. Das kann noch niemand sagen, weder beim deutschen TSG noch bei diesem Schweizer Grundsatzentscheid. Tatsache ist, dass die Gutachter nun das letzte Glied in der Kette sind, sie sind die alleinige Wache vor dem Tor der Anerkennung – entsprechend übervorsichtig könnten sie da werden und dementsprechend sind diese Sorgen wohl auch berechtigt.

Aber selbst wenn, wäre das nur ein Aufbäumen einer versinkenden alten Zeit, in der Menschen mit vom Geschlecht abweichenden Genitalien psychopathologisiert wurden und die Persönlichkeit des Menschen aufgrund eines Widerspruchs zu den Genitalien als gestört klassifiziert wurde. Mir scheint das wie der Beginn einer Ära, in der man der Persönlichkeit eines Menschen den gebührenden Respekt entgegenbringt, das Wesen ganzheitlich betrachtet und ihm damit das Recht auf Selbstbestimmung und Selbstentfaltung überlässt.

Das mag erst ein kleiner Anfang sein und es ist auch einmal mehr ärgerlich, dass im Tages-Anzeiger von Geschlechtsumwandlung und Wunschgeschlecht geschrieben wird – weit weg von dem worum es wirklich geht – aber es bleibt doch das Novum, dass man hier den transsexuellen Menschen erstmals als ganzheitliche Persönlichkeit wahrgenommen und qualifiziert hat. Das ist ein grosser Tag für uns, davon bin ich überzeugt.

TagesAnzeiger: Wann ist ein Mann … eine Frau?

Transgender-Network: Menschenrechte endlich auch für Schweizer Transmenschen

PS: bei der Gelegenheit habe ich beim Tagi eine neue Funktion entdeckt, links in einer Box. Man kann da mit einem Formular inhaltliche oder grammatikalische Fehler mitteilen. Ich war dann gleich mal so hilfsbereit und habe darauf hingewiesen, dass Ausdrücke wie “Geschlechtsumwandlung” nicht korrekt sind. Dass man das berücksichtigt und den Text ändert, wage ich aus Erfahrung zu bezweifeln, aber soll mir nie jemand kommen, ich hätte nix gesagt ;-)


 

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