(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Wozu die Hölle fürchten, solange es Menschen gibt?

Musik kann manchmal unvorstellbar viel auslösen, kann tiefer gehen als jede Klinge, mit einfachen Klängen, vielfach gehörten Worten und längst gesehenen Bildern. Aber wenn die Mischung stimmt und der Moment passt, kann es einem zutiefst erschüttern. Ich wünschte mehr, das würde öfters geschehen, hier in meinem kleinen Herzchen und dort draussen, in den Herzen all dieser Menschen………..

Weshalb, frage ich mich in so einem Moment, gibt es Menschen, die eine Hölle fürchten, wo wir doch Jahrzehnt um Jahrzehnt unsere eigene Hölle bauen? Was fürchten wir Geister und Dämonen, wenn wir doch selber Gewehre bauen, Splittergranaten, Personenminen, Napalmbomben, Atombomben? Was fürchten wir den Tod, wenn wir doch selbst der Tod sind?

Wir beklagen uns über eine verrohte Jugend, aber wer hat ihnen die Grausamkeit gelernt? Entstehen Kriege aus sich selbst heraus, wachsen sie wie Pilze im Wald?

Es sind so Momente, in denen mir wieder bewusst wird, wie grausam der Mensch doch ist. Es sind nicht die Anderen, es sind nie die Anderen, wir selbst sind es. Was wir im Kleinen beginnen, wird vom Gesellschaftskollektiv im Grossen vollendet.

Und das wirklich Grausame daran, wir haben uns alle längst daran gewöhnt, an all das sinnlose Sterben, all die vielen Toten, die zerfetzen Kinderleichen – auch ich – und das tut fast am meisten weh.

Und so tut der Schmerz in so einem Moment irgendwie gut, wenn ich tief in mir spüre, dass es mir doch nicht ganz egal ist, dass ich mich noch nicht ganz daran gewöhnt habe, dass für uns das Leben eines Menschen nicht den Wert des Papiers einer Dollarnote übersteigt.

Ich höre das Echo des Protests, der mich anschreit: Nein! Wir sind nicht so! Aber wäre die Welt eine Solche, wenn wir anders wären? Wäre der Mensch so menschlich wie er sich gern gibt, gäbe es nicht all diese Erschossenen und Zerfetzen, diese Verhungerten und Erfrorenen, dann würde man das Lachen von fröhlichen Kindern hören, ohne dass eine Detonation den Klang durchbricht.

Wie gut es doch tut, dass diese Gleichgültigkeit doch manchmal für einen Moment durchbrochen wird und ich wieder daran zu denken vermag, wieviel Leid es doch gibt auf dieser Welt, verursacht von Menschen dort, finanziert von Menschen hier, die sich gegen Waffenexportverbote stellen um das Bruttosozialprodukt zu erhalten, die Waffen an beide Seiten verkaufen um neutral zu bleiben.

Was bleibt sind die Schreie der Kinder, was bleibt ist das Wimmern in den Schützengräben, was bleibt sind verschlossene Augen und verschlossene Herzen, die all das erst möglich machen, indem sie nichts tun sondern nur still daran verdienen.

Wird irgendwann sogar die Zeit kommen, in der niemand mehr die Zeit findet, um wenigstens noch eine letzte Träne zu vergiessen, für all die, denen Unrecht getan wird? Oder wird doch irgendwann die Zeit kommen, in der wir erkennen, dass wir alle es sind und dass nur wir Menschen die Hölle vernichten können, die wir selbst erschaffen haben?

Ich weiss es nicht, echt nicht. So bleibt in mir einzig diese kleine Hoffnung, dieses seltene Gefühl, wenn mich all das trotz aller Gewöhnung mal wieder zutiefst erschüttert. Solange auch nur ein Mensch noch eine Träne zu vergiessen mag, um all dieses menschgemachten Elends willen, solange wird die Hoffnung weiter leben. Weint, meine lieben Menschen, weint, denn unsere Tränen sind der einzige Ausgang aus dieser unserer Hölle.


 

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