(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Wer braucht schon Menschenrechte

Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, in diesem Blog nie über Politik zu reden. Aber der hierzulande grasierende Trivialfaschismus und Deppennationalismus nimmt so lustige Ausmasse an, dass ich mich doch wenigstens in satirischer Weise ein wenig über den Niedergang der Schweiz lustig machen möchte, soviel Spass muss sein.

Wir erinnern uns, Anfang Dezember wurde in diesem Land mittels Minarettverbot die Rechtsgleichheit und das Diskriminierungsverbot faktisch abgeschafft. Damit konnten wir uns erfolgreich weltweit zum Affen machen und haben nun endlich die ersten Schritte eingeleitet, um aus diesen schönen Land einen Gottesstaat zu machen. Infolgedessen ist nun eine Diskussion entbrannt, ob das Volk wirklich das letzte Wort haben darf, selbst wenn internationales Völkerrecht damit verletzt würde. Das Volk hat das letzte Wort, rufen Nationalisten, wer braucht schon Menschenrechte.

Die NSAP SVP hat nun die Lösung für diesen Konflikt gefunden, sie will mit einer Initiative erreichen, dass die direkte Demokratie über allem steht und das Schweizer Volk das Recht hat, notfalls auch zwingendes Völkerrecht kippen zu dürfen (guckst Du hier). Es ist ja auch nicht einzusehen, weshalb uns irgend jemand vorschreiben darf, ob wir Menschen foltern, ausgrenzen oder auf Scheiterhaufen verbrennen, wenn wir das wollen, dürfen wir das als suveräner Staat auch. Nun drängt sich natürlich die Frage auf, was für Initiativen SVP, EDU und Konsorten zukünftig vors Volk bringen möchten, wenn sie dazu erst die Völkerrechte für nichtig erklären müssen. Lassen wir unserer Fantasie doch einfach mal freien Lauf……..

  • SVP: Invalide kosten viel zuviel Geld, ohne zwingendes Völkerrecht könnte man sie für Tierversuche verwenden, das würde der Pharma Geld einsparen und die IV-Kosten massiv senken.
  • EDU: Die Frau ist des Mannes Untertan, steht in der Bibel geschrieben. Wegen so sinnlosen Gleichstellungsgesetzen dürfen Frauen aber nicht mal mehr auf dem Scheiterhafuen verbrannt werden. Eine Wiedereinführung der Inquisition gäbe Männern wieder die Möglichkeit, renitente Weibsbilder mittels Folter zu bändigen und notfalls wegen Hexerei anzuklagen und auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Damit werden Scheidungskosten in Milliardenhöhe eingespart und in der Familie wäre endlich wieder Ruhe.
  • SVP: Der Rechtsstaat ist in Gefahr, die Polizei hat keine effizienten Verhörmethoden zur Verfügung. Die Behörden sollen die Möglichkeit haben, Verdächtige oder sonst irgendwie Auffällige mittels Folter zum Reden zu bringen. Damit sparen wir ne Menge Geld für Ermittler, die ohne Foltertechniken schliesslich keine Erfolge vorweisen können.
  • EDU: Ein zu mildes Rechtssystem hat keine abschreckende Wirkung. Die Wiedereinführung der mosaischen Gesetze wären da viel erfolgversprechender und öffentliche Steinigungen von Andersgläubigen Rechtsbrechern würde den religiösen Zusammenhalt der Gesellschaft verstärken.
  • SVP: Weil Ausländer auch eingebürgert werden können, verfälscht das die Kriminalitätsstatistik. Eine Tätowierung aller Ausländer – beispielsweise ein Visier auf der Stirn – würde da Klarheit schaffen.
  • Die Haltung von Sklaven würde das Bruttosozialprodukt der Schweiz enorm erhöhen und unseren Lebensstandard in neue Höhen katapultieren. Es ist doch nicht zumutbar, dass beispielsweise wir Mädels unsere Einkaufstaschen selber schleppen müssen, wir würden uns sehr über einen Einkaufssklaven freuen.
  • Die AHV ist nicht mehr finanzierbar, eine Ausrottung aller über 65-jährigen wäre ein wichtiger Schritt zur Gesundung unserer Sozialwerke.
  • Viele Eidgenossen sind traurig, weil die 1. August Feuer nur einmal im Jahr brennen. Die Wiedereinführung der Inquisition würde das ganze Land 365 Tage im Jahr in ein Flammenmeer verwandeln. Das sieht schön aus, das Volk hat etwas zur Belustigung und renitente Weiber, Transsexuelle, Schwule und Linke wären bald mal von der Bildfläche verschwunden.

Vor fünfzig Jahren hat uns Deutschland vorgelebt, dass eine Nation ohne Einhaltung von Menschenrechten viel effizienter vorwärts kommt. Das Volk wird geeint, neue Autobahnen entstehen, billige Arbeitskräfte stehen zur Verfügung……. dieses Modell hätte Erfolg gehabt, wenn die bösen Aliierten nicht alles zugebombt hätten. Aber uns kann man nicht zubomben, wir sind ein christlicher Gottesstaat und die Engel der Apokalypse werden uns beistehen, wenn uns das Ausland wieder so idiotische Menschenrechte aufzwingen will.

Wir sind auf einem guten Weg, dass unser glorreiches Land in 50 Jahren einen genauso prominenten Platz in den Geschichtsbüchern aller Länder bekommt wie Deutschland. Wir sind zwar nur ein kleines Land, aber mit Hilfe von SVP und EDU wird uns bald die ganze Welt kennenlernen.


 

3 Reaktionen zu “Wer braucht schon Menschenrechte”

  1. Klaus

    Hallo Diana,

    trefflich formuliert!

    Gruß Klaus


  2. Vielen, vielen Dank, Diana!

    Du hast meine Empfindung zur eidgenössischen Gesamtsituation sehr schön zusammengefasst.
    Hätte es 1939 auch ein Plebiszit zur Frage der “Endlösung” in D gegeben, hätte das Ergebnis wohl niemanden überrascht. Man braucht nur genug Demagogen, Brunnenvergifter und Brandstifter und schon hilft der verunsicherte Stimmbürger von der nichtexistenten politschen Kompetenz abzulenken.
    Wenn alle Stricke reissen, kann man noch einen Krieg vom Zaune brechen. In diesem Sinne warte ich noch auf den Vorschlag der SVP Schweizer Soldaten gen Tripolis zu entsenden.

    Als Biodeutscher (obwohl nach Nürnberger Rassegesetzen nicht ganz…) masse ich mir an einen Nazi als solchen zu bezeichnen, wenn ich ihn erkenne. Denn – Wer hat’s erfunden?…

    Hätte man seinerzeit in den USA das Volk, anstatt des obersten Gerichtshofes, über die Aufhebung der Rassentrennung entscheiden lassen, wäre der aktuelle Präsident heute ein uneheliches Kind, das im Bus ganz hinten sitzen müsste…

    Grüsse aus Basel

  3. Diana

    Aber das Volk ist ja immer soooo vernünftig, vorallem wenn es mit jahrelanger brauner Hirnwäsche weichgekocht wurde. Das Böse ist formuliert, die Ziele gesteckt, eigentlich könnte es schon fast Richtung Endlösung gehen. Man mag mich für paranoid halten, aber ich mach mir ernsthaft Sorgen, wie sich das noch weiter entwickeln wird.

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