(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Wenn Emanzipation und Feminismus zum Rohrkrepierer werden

Seit längerem wollte ich etwas schreiben über Emanzipation und – wie ich es nenne – Radikal-Feminismus. Aus aktuellem Anlass drängt sich mir das Thema heute auf, also scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein, auch wenn sich das Thema teils mit meinem letzten Beitrag über Klischees kreuzt und ich mich teils widerholen muss.

Emanzipation war dringend nötig und der Feminismus verhalf diesem bitter nötigen Menschenrecht zur Geburt. Es liegt in der Natur der Sache, dass man, wenn man etwas Festgefahrenes aufbrechen will, radikale Forderungen stellen muss, um wenigstens kleine Fortschritte zu machen. Aber man kann damit auch über’s Ziel rausschiessen.

Ich selber habe mal schockiert von einer gleichaltrigen Freundin hören müssen, dass ihr Vater heute noch den Stimmzettel seiner Frau ausfüllt, weil “Frauen eh nix von Politik verstehen”. Es gab Zeiten, da waren Frauen schon fast Unmündige vor dem Gesetz, kein Wahlrecht, keine Politikerinnen, keine Karriere, tiefere Löhne und vieles mehr. Die Notwendigkeit von Veränderungen zugunsten der Frau dürften heute kaum von jemandem bestritten werden. Aber wie weit soll sich diese Emanzipation ausweiten und was soll vom Feminismus bekämpft oder erkämpft werden?

Heute noch gibt es Lohnunterschiede und heute noch sind Frauen in Geschäftsleitungen und in der Politik in der Minderheit. Aber es wurde schon viel erreicht, es gibt Geschäftsleiterinnen, hierzulande haben wir Bundesrätinnen und in Germanien herrscht Angela Merkel. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel. Aber in meinen Augen hat der Feminismus oder wie ich es zu nennen pflege, der Radikal-Feminismus, Grenzen gesprengt die nicht gesprengt werden sollten.

Männlein und Weiblein sind nunmal nicht gleich, es gibt nicht nur Rollenmuster, die indoktriniert wurden sondern auch Rollenmuster, die tatsächlich Aspekte der Geschlechter sind. Wäre dem nicht so, gäbe es keine Transsexuellen, sie sind der lebende Beweiss, dass alle Indoktrination und aller Rollenzwang nichts daran ändert, dass Mädels tendenziell eher so fühlen und reagieren und Jungs auf ihre Weise. Vieles wird gesellschaftlich zur Norm und zum Zwang erhoben, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es tatsächlich Geschlechterunterschiede gibt. Diese sind nicht in Stein gemeiselt, auch Männer können weinen und auch Frauen können fluchen, aber sie tun’s tendenziell weniger oder mehr, je nach Geschlecht. Das gilt es zu respektieren.

Kürzlich las ich in einem anderen Blog eine Geschichte: An einer Bar sitzen ein Mann und eine Frau. Er will sie einladen, sie besteht darauf, sie könne selber bezahlen. Nach langem hin und her sagt plötzlich der Barkeeper zur Frau: “Ach jetzt lass ihn doch endlich zahlen, mit Eurer Gleichberechtigung zerstört ihr noch das letzte bisschen Romantik”.

Wie Recht er doch hat. Warum sollte ich als Frau ein Problem haben, wenn mir jemand charmant den Hof macht oder mich zu einem Drink einlädt? Wenn mir jemand die Tür aufhält, sich an den Ladies-first-Kodex hält? Wenn mir ein Mann die schwere Tasche trägt? …… Wenn mir jemand die Autotür aufhält, nehme ich nicht an, dass er mich für zu blöd hält um sie selber zu öffnen, es ist Ausdruck seiner Wertschätzung. Und wenn er mir Rosen schenkt, ist auch das eine Form der Anerkennung, die mir nicht im Geringsten schadet und nichts, einfach gar nichts mit Emanzipation zu tun hat resp dagegen spricht.

Ich selbst erlebte noch Zeiten, in denen Frauen gelegentlich auch mal Komplimente bekamen. Heute traut sich kein Mann mehr, einer Teamkollegin zu sagen: “hey Du siehst ja super aus in diesem Kleid” oder “wow das sind ja Hammer-Schuhe”. Sie befürchten, mit der Emanzipationskeule erschlagen zu werden oder gleich einen Prozess wegen sexueller Belästigung zu erhalten. Ich persönlich bedaure das ganz ehrlich.

Emanzipation darf nicht in Gleichmacherei ausarten, aber in den Köpfen gewisser Leute passiert genau das. Wenn ich als Frau keinen kurzen Rock tragen darf, nur weil wir Frauen früher Röcke tragen mussten, dann hat die Gleichberechtigung nichts geschenkt sondern gestohlen, dann wird Emanzipation zum Rohrkrepierer.

Ich will nicht gleich sein wie ein Mann, ich will nur gleiche Rechte, das ist ein ganz grosser Unterschied.


 

5 Reaktionen zu “Wenn Emanzipation und Feminismus zum Rohrkrepierer werden”

  1. Nili

    Hach Diana, wirklich sehr schön und treffend geschrieben!

  2. Marietta

    Rohrkrepierer… im Zusammenhang mit Emanzipation und Feminismus ein mehr als eigenartiges und unpassendes Wort. Aber vielleicht aus deiner Sicht gar nicht so weit hergeholt.

    Jedem seine Meinung und wie er es braucht.

  3. Diana

    @Marietta: eigenartig, dass ausgerechnet eine Frau beim Wort “Rohr” nur an das Eine denkt. Ein Rohrkrepierer hat in der Regel etwas mit Gewehren und Kanonen zu tun. Aber eben, jedem seine Fantasien ;-)

  4. Bernadette

    Mein eigentlich ;-) moderner (und gleichberechtigter!) Mann hatte da am Anfang auch so seine Schwierigkeiten – das eigenartigste war das er in der Öffentlichkeit der perfekte Gentleman war und zuhause war ich (überspitzt gesagt) froh wenn er mir nicht den Stuhl unter dem Popo wegnahm um sich als erster zu setzen…;-).
    Das seltsame war von zu viel Gentleman war ich irritiert und von zu wenig not amused ;-) – muss aber auch mit meinen Eigenarten und meiner Persönlichkeit zusammenhängen ;-) und ist zugegebenermaßen für einen Mann auch erstmal nicht leicht es jemandem wie mir rechtzumachen ;-) bzw. es einzuordnen…
    Inzwischen ergänzt sich das gut (wozu Gespräche doch alles gut sind) und jeder fühlt sich wohl und verstanden und ich bringe ihm gern mal ein Bier – DENN ich bekomme morgends auch immer einen schönen guten Kaffee mit selbstgedrehter Zigarette ans Bett (ich mache so gut wie nie Kaffee – ich schlafe länger) – das finde ich fair!
    Natürlich bin auch ich froh über vieles was die Emazipation uns ermöglicht hat! aber nicht um jeden Preis – mir persönlich reicht ein miteinander – nicht mehr und nicht weniger (umgarnt/hofiert werden möchte ich natürlich schon ;-) aber selbiges gebe ich auch auf meine Weise wieder zurück.

    Lg, Bernadette

  5. Diana

    @Bernadette: das mein ich, etwas hofiert zu werden spricht ja nicht gegen Emanzipation. Ich mag Komplimente und wenn mir jemand die Tür aufhält, dann geniesse ich diees ladies-first sehr.

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