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Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Und trotzdem empfehle ich das UniSpital

In den letzten Wochen habe ich mich hier mehrmals über Fehler am Zürcher Universitätsspital und an den Behandlungsstandards ausgelassen, es ist überfällig, dass ich auch mal die andere Seite beleuchte, denn neben allem Ärgerlichen habe ich viel profitiert und bin allen Beteiligten für ihre Hilfe dankbar. Damit will ich keinesfalls meine Kritik relativieren, die Kritik bleibt aufrecht erhalten. Ich habe mich in den letzten Wochen öfters gefragt, ob ich es bereue, dass ich mich dort in Behandlung gegeben habe oder ob ich das UniSpital anderen transsexuellen Menschen empfehlen darf und soll. Zu meiner Überraschung (nach dem Frust der letzten Zeit), halte ich das UniSpital nachwievor für den richtigen Ort und würde ihn empfehlen.

Behandlungsstandards
Meine Hauptkkritik am UniSpital ist ja, dass sie einem antiquierten Behandlungsstandard folgen, der gemäss EU-Ministerrat gegen die europäische Menschenrechtskonvention verstösst, der uns diese schwere Übergangsphase ein Jahr länger macht als medizinisch notwendig wäre. Darüber habe ich hier genug geschrieben. Aber schlussendlich könnte ich hier in der Schweiz hingehen wohin ich will, im Grossen und Ganzen halten sich alle an diesen Standard, weil ein umfangreiches Abweichen von diesem Standard die Krankenkasse mit Sicherheit zur Kostenverweigerung verführen würde. Das ist kein spezifisches Vergehen UniSpitals……. und doch gehören sie zu denen, die als Kompenzzentrum für Transsexualität den grössten Einfluss hätte auf diese Standards.

Vernetzung verschiedener Fachbereiche
Der grösste Vorteils eines Kompetenzzentrums wie dem UniSpital ist die Vernetzung aller Spezialisten, die für diese Behandlung notwendig sind. Sie arbeiten Tür an Tür, man ist sozusagen vom ganzen Team umgeben. Neben der psychologischen Abteilung, die den gesamten Prozess steuert, gibt es die Endokrinologie für die Hormontherapie, Logopädie und Phoniatrie für Stimmschulung und dann natürlich die Rekonstruktionsmedizin, die am Schluss die geschlechtsangleichende Operation durchführt. Man hat eine Anlaufstelle, an der man sozusagen von Abteilung zu Abteilung gereicht wird. Man hat dabei nichts zu tun, es heisst einfach: “ich melde Sie an” und wenige Tage später kriegt mam nächsten Departement einen Termin. Man muss auch niemandem was erklären, sie werden informiert und haben auf alle Informationen Zugriff. Da geht man sozusagen wie am Förderband durch diesen Prozess. Der Haken ist, dass man das Förderband nicht schneller laufen lassen kann, eben wegen den Standards, aber dafür kommt auch sicher eines nach dem Anderen.

Qualifizierte Fachleute, die Erfahrung mit transsexuellen Menschen haben
An Universitätsspitälern gibt es in der Regel viele gute Fachleute mit viel Erfahrung. Gerade die Erfahrung mit transsexuellen Menschen machen diese Ärzte zu perfekten Helfern. Ich möchte beispielsweise nicht von einem Chirurgen operiert werden, der keine Erfahrung mit GaOps hat. Da bietet das UniSpital einiges an Erfahrung, von der ich profitieren kann.


Freundlicher und einfühlsamer Umgang

Was mir sehr viel bedeutet, ist der freundliche und einfühlsame Umgang mit uns. Gerade weil die betroffenen Abteilungen seit Langem transsexuelle Menschen behandeln, sind wir nichts Ausserirdisches für sie, da gibts keine Berührungsängste. Ich wurde von allen, die mich direkt betreut haben, immer behandelt wie eine normale Frau, die “nur” ein Problem hat, das man gemeinsam lösen will. Dabei hatte ich immer den Eindruck, als Frau wahrgenommen zu werden…… Das hat rgendwie auch etwas surreales. Wenn man bedenkt, dass unsere Behandlung darauf basiert, dass man uns für gestört erklärt, ist der respektvolle Umgang schon etwas unerwartet. Und das hat zumindest mir das Selbstbewusstsein wirklich gestärkt. Mit meiner Logopädin habe ich unterdessen privat Kontakt, wir gehn demnächst mal was Trinken am Abend, ich find das sagt doch einiges aus :-)

Das Gutachten
Ein weiterer Vorteil des UniSpitals, den ich für enorm wichtig halte, ist die Sache mit dem Gutachten resp. der Kostenübernahme der Krankenkasse. Das UniSpital hat als Kompetenzzentrum einen entsprechend hohen Status. Es wär völlig absurd, wenn ein Vertrauensarzt der Krankenkasse ein Gutachten eines Kompetenzzentrums in Frage stellen würde, das zwei Jahre lang die Betroffenen betreut hat. Bei mir war es genauso. Ein Brief des Oberarztes und ohne Rückfragen oder Einbezug eines Kassenarztes bekam ich innert weniger Tage die Kostengutsprache für die GaOp.

Trotzdem meckern ist angebracht
Nun mag man sich mit Recht fragen, warum ich dann in letzter Zeit so rumgemeckert habe. Es gibt sehr viel, das es zu loben gibt, es gibt aber auch viel, das man kritisieren muss und es gibt Dinge, die man bekämpfen muss. Das Eine schliesst das Andere nicht aus. Diie Frage ist ja, ob etwas mehr gut oder mehr schlecht ist. Und dabei schneidet das UniSpital in meinen Augen gut ab. Die Frage ist vorallem auch, was für Alternativen man hat und im Vergleich dazu, scheint es mir doch der beste Weg zu sein. Aber solange es Dinge gibt, die gegen Menschenrecht und gesunden Menschenverstand verstossen, muss halt gemeckert werden, manchmal auch laut…….. und das, so scheint es mir, ist meine Berufung ;-)


 

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