(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Two Spirits – die mit den zwei Seelen

In unserer westlichen Kultur dürfte es selten vorkommen, dass jemand in Begeisterung ausbricht, wenn er einem transsexuellen Wesen begegnet. Bei indigenen Völkern wär das selbstverständlich gewesen. Während Transsexuelle hierzulande als “persönlichkeitsgestört” stigmatisiert werden, hatten Transsexuelle bei Indianern ein hohes Ansehen, denn sie hatten zwei Seelen in ihrer Brust, konnten alles aus zwei Blickwinkeln betrachten – sie waren “Two Spirits”.

Als das weisse Pack Amerika entdeckte und die indianische Kultur in Schutt und Asche legte, stiessen sie überall auf das Phänomen von TwoSpirits. Biologische Männer die in Frauenkleidern Frauenarbeiten verrichteten und biologische Frauen, die als Krieger lebten. Es gab Woman Chiefs, also weibliche Häuptlinge, obwohl der Häuptlingsposten klar einem Mann zustand. Two Spirits hatten das Ansehen von Medizinmännern, sie hatten etwas, das alle anderen nicht hatten – die zweite, die erste ergänzende Wesensseite.

Aber wie unsere christlich-abendländische Kultur nunmal ist, was nicht der Norm entspricht, gehört ausradiert. So wurden die ersten Two Spirits gleich mal von den Hunden zerfleischt, die restlichen andersweitig ermordet. Doch dann kam der Kulturkrieg, man verbot Indianern ihre Sprache und Riten, ihre Religion und ihr Denken. Kinder wurden in weisse Schulen gesteckt und ein systematischer Kulturmord vollzogen. Im Rahmen dieser Hirnwäsche wurde auch das ganze indianische Weltbild zerstört und die Wurzeln zerbrochen. Mit dem Kulturverlust, verschwand auch der Wert von TwoSpirits, Indianer “lernten” die westliche Denkweise und TwoSpirits wurden immer mehr zu Geächteten. Schon vor dem zweiten Weltkrieg gab es fast keine TwoSpirits mehr, zumindest keine die offen so lebten.

Eine der letzten TwoSpirits die namentlich bekannt ist, hiess Fred Martinez, ein Navaho Indianer, der in beiden Geschlechtern lebte, also mal ganz Mann war, mal ganz Frau, je nachdem wie es erforderlich war. In einer warmen Sommernacht umarmte er seine Mutter ein letztes Mal und verliess als Frau gekleidet und geschminkt das Haus. Nach ein paar Stunden mit seinen Freunden zusammen ging er nachhause. Nach fünf Tagen fand man seinen übelst zugerichteten Körper in einem Canyon…. der Täter prahlte mit seiner Tat.

Gestern war der Transgender Day of Remembrance 2009, an dem weltweit der ermordeten Transgender gedacht wird. Heute, einen Tag später, ist die Weltpremiere des Films “Two Spirits”, ein Dokumentarfilm, der die Geschichte von Fred Martinez schildert. Ein erschütterndes Dokument, von dem ich sehr hoffe, dass er hierzulande in einem Kino zu sehen ist.

Im Trailer der unten anzusehen ist, steht irgendwann: “the bravest choice you can make, is to be yourself”, etwas simpel übersetzt: “Die mutigste Entscheidung die Du treffen kannst, ist Dich selbst zu sein”. Darüber nachzudenken würde sich lohnen.

Mehr über den Film findet man auf dieser Website: Two Spirits

und hier kann man den Trailer ansehen:

Einmal mehr wären wir besser beraten gewesen, wenn wir das Denken indigener Völker angenommen hätten, anstatt das Ihre zu zerstören.


 

12 Reaktionen zu “Two Spirits – die mit den zwei Seelen”

  1. Michaela

    Hallo Diana,

    ja es wäre schön, wenn die Akzeptanz von transidenten Menschen in unserer Kultur größer wäre. Bei dem Beispiel der amerikanischen Ureinwohnern, darf man aber auch nicht vergessen, daß die Akzeptanz religiös untermauert war. Dies ist denke ich in unserer säkularen Welt nicht mehr möglich. Auch die Akzeptanz der indigenen Völker hatte, was das two Spirit Modell anging, Grenzen. Letztendlich wurde auch die Heteronomativität festgeschrieben, da es einer Transidenten Frau zwar erlaubt war als Frau zu leben und auch einen Mann zu ehelichen, aber soweit ich weiß war eine Verbindung mit einer Frau nicht gestattet und führte automatisch zum Ausschluss aus dem Stammesverband. Ich denke, man kann das Beispiel der amerikanischen Ureinwohner als Vorbild nehmen, solllte es aber unbedingt an die jetzigen kulturellen Gegebenheiten umsetzen und adaptieren.

    Der Trailer zu dem Film sieht sehr interessant aus und ich hoffe auch, daß er irgenwann mal im Kino läuft, befürchte aber, das man so lange warten muß bis man ihn irgendwann mal auf DVD bekommen kann. Der Film Transamerika ist hier in Friedrichshafen damals an genau an einem Tag gelaufen, obwohl der eine Oskarnominierung hatte. Broke Backe Mountain (wo es um zwei schwule Cowboys ging) dagegen, der ja fast zur gleichen Zeit anlief, lief hier mehrere Wochen. Das ist denke ich ein deutliches Zeichen, wie stark unsere Existenz in der Bevölkerung bekannt ist und wie stark das Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Randgruppe von uns Transgendern/Transidenten ist, die über die üblichen Klischees hinaus gehen. Aber es wird zum Glück besser und wenn man die Zustände von vor 20 oder gar 30 Jahren mit heute vergleicht, leben wir ja fast schon im Paradies (Achtung Ironie!). Nichts desto trotz sollte man sich für eine weitere Verbesserung unserer Situation einsetzen.

    Ich hoffe ich habe jetzt nicht zu viel geschrieben ;-)

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    Ganz liebe Grüße vom Bodensee,

    Michaela

  2. Diana

    Zuviel schreiben kann man hier nie, hier ist jeder Gedanke willkommen :-)

    Natürlich gibt es auch im Denken indigener Völker Dinge die ich unschön finde, ich will diese auch nicht als die Heiligen dieses Planeten darstellen. Aber sie haben einen viel “natürlicheren” Umgang und mehr Ehrfurcht vor dem was die Natur emporbringt. Wir hätten beispielsweise bei Weitem nicht so Probleme mit der Natur, wenn wir alles als vom Göttlichen durchdrungen verstehen würden.

    Vielleicht ist genau das unser Problem, dass der westliche Mensch über-säkularisiert ist. Wir glauben an nichts mehr, es gibt nichts wovor wir noch Respekt haben müssten, wer bezahlt hat Recht. Ich bedaure das ganz ehrlich. Wer an eine höhere Macht glaubt, ist dieser verpflichtet, ich wünschte mir wirklich, wir hätten noch Werte, die höher sind als der Kurs des Dollars.

    Aber was dieser TwoSpirits Mythos zeigt und worauf ich hinweisen wollte, ist, dass man das Anderssein auch positiv wahrnehmen könnte. Genau hier happerts bei uns Westlichen gewaltig. Was fremd ist, ist nicht gut und was nicht gut ist, wird geächtet oder zerstört. Diese Denkweise wird unsere Kultur untergehen lassen wie einst Atlantis, der Untergang ist bereits in die Wege geleitet, in einer gewissen Weise hat das aber auch sein Gutes.

    Was uns Transgender anbelangt, können wir nicht mehr auf ein spirituelles Verständnis hoffen, unsere Chance liegt wohl nur noch darin, dass unser sekularisiertes Denken und zu dem Pragmatismus bringt, der Transgender als die selbe Anhäufung von Zellklumpen betrachtet, wie Nicht-Transgender. Das wäre schon mal viel, darauf sollten wir hoffen.

  3. Morag

    Hallo Diana.

    Auch in der christlichen Mythologie ist alles göttliche Schöpfung-aus irgendeinem Grund hat allerdings der Herrgott den Menschen das Zepter in die Hand gelegt und vergessen zu erwähnen, daß Herrschaft auch Kümmern bedeutet-wir beschränken uns halt aufs Plündern und sagen “nutzen” dazu, weils besser klingt.

    Ob eine dem christlichen Glauben stärker verhaftete Gesellschaft ein besserer Platz für Transgender wäre, ist angesichts der Meinung des Vatikans zu dieser “Wunde in der Gesellschaft” fraglich (http://bazonline.ch/ausland/europa/Papst-Schwule-vernichten-Gottes-Werk/story/12892989). Die Schwarzweiß-Malerei der Kirche hat jedenfalls dafür gesorgt, daß Zwischenstufen keinen Platz mehr haben und jetzt hat sich alles dem Diktat des Geldwertes unterzuordnen.

    Westliche Einwanderer (oder sollte ich sagen: Invasoren) sind zu allen Zeiten mit den jeweiligen Ureinwohnern nicht zimperlich umgegangen, da stehen die Indianer in einer Reihe mit den Maori oder den Aborigines-es ging letztlich primär immer darum, den vor Ort lebenden die Resourcen wegzunehmen, um sie selber (auszu)nutzen. Die Schulen und Verbote waren der (meist recht erfolgreiche) Versuch, den verbleibenden billigen Arbeitskräften ihre kulturellen Wurzeln zu nehmen, weil sie sich so halt einfach noch leichter rumschubsen lassen (davon können auch die Schotten ein Liedlein singen).

    Was den Umgang mit Transgender angeht, hast Du meines Erachtens das Schlüsselwort schon ausgesprochen: “denken”. Für den Geldgott ist es gleich, in welcher Aufmachung Du am Schreibtisch sitzt, Hauptsache, Du bist produktiv und konsumierst. Die denkenden Leute um Dich herum akzeptieren und schätzen Dich (hoffentlich) so, wie Du bist-aber es gibt leider viel zu viele, die ihren Kopf nur zum Nachplappern nutzen und für die wird auf lange Sicht alles, was von ihrem einfach gestrickten Weltbild abweicht, eine empfundene Bedrohung bleiben und entsprechend angegangen werden. Es gibt einen prima Spruch dazu im Englischen: “the problem with common sense is that it’s not common enough!”.

    Viele Grüße, Morag (die heute irgendwie alles irgendwie negativ sieht)

  4. Bad Hair Days

    In der Textsammlung:
    männlich – weiblich – menschlich? Trans- und Intergeschlechtlichkeit;
    http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb_ads/gglw/veroeffentlichungen/doku22_trans_und_intergeschlechtlichkeit.pdf?start&ts=1253083880

    Gibt es ab seite 95 interessante Einsichten in den Umgang mit TG / TS und IS in anderen Kulturen. Allen gemein ist, je westlicher orientiert, desto intoleranter. Alles nur dank den Wüstengottreligionen (und noch nicht anmal dank dem Wüstengott selbst, der steht nämlich laut Aussagen des Lieblingsbuchs der Christen recht positiv zu Transsexualität und Intersexualität. ( http://badhairdaysandmore.blogspot.com/2009/08/danke-luther.html ).

    Gestandene Christen glauben aber zu Wissen, was Gott über die Themen “denkt”
    http://www.2jesus.de/bibel-forum/probleme-nach-geschlechtsanpassung-t168.html

    Und so wird so manchen Trans- und Intersexuellen schon mal von Pfarrern, Priestern oder Rabbis nahegelegt, Gott würde beim Selbstmordverbot bei ihnen eine Ausnahme machen.

  5. Diana

    Hallo zusammen

    Das römische Christentum das den Westen überflutete, brachte einen Dualismus, der unseren kelto-germanischen Ahnen meines Wissens fremd war. Ein dualistisches Weltbild funktioniert nur aufgrund der Gegensätze, es gibt nur schwer und weiss, richtig und falsch, männlich und weiblich.

    Würde das heutige Christentum ihre heiligen Texte ernst nehmen anstatt wörtlich, dann müssten sie Transgender als Facettte des göttlichen Schaffens ebenso in ihre Nächstenliebe einschliessen wie alle anderen “Kinder Gottes”. Davon ist Papa-Ratzis

    Eben deshalb bin ich davon überzeugt, dass uns indigene Denk- und Glaubenseinflüsse mehr gebracht hätten als eine der monotheistischen Schwarz-Weiss Religionen.

    In Indianerfilmen sprechen Indianer ja oft vom “heiligen Geist”, was für uns zu gut deutsch nach einem grusligen Gespenst klingt. Das Lakota Wort “Wakan Tanka”, das im englischen “Great Spirit” heisst, wird da völlig missverstanden. Es heisst nicht Great Ghost sondern Spirit und wenn man es sinngemäss und inhaltlich korrekt übersetzt, müsste man sagen: “Das Wesen das in allen Dingen lebt”. Alles ist von Gott durchdrungen, das ist das Denken das da vorherrscht. Und das erfordert einen ganz anderen Umgang mit allem was uns umgibt, auch mit Andersartigen.

  6. Morag

    @Bad Hair Days: Brrrr-ich glaub(!), mir wird schlecht.

    @Diana: Du weißt schon, daß Du es mit dieser Einstellung (und Deiner Haarfarbe) in früheren Jahrhunderten mühelos auf den Scheiterhaufen der Inquisition geschafft hättest?

    Das mit den Kelten habe ich auch so in Erinnerung, aber sie wurden ja leider “bekehrt”.

    Ich komme seit einigen Jahren auch immer wieder zum selben Schluß: viele Ideen des Jesus von Nazareth waren im Grundsatz nicht verkehrt, aber was die testosterongeplagte Institution namens christliche Kirche daraus gemacht hat, kann selbst mit “furchtbar” nicht mal ansatzweise beschrieben werden.

    Eine Kirche, die auf einen einzigen Gott setzt und keinerlei Toleranz hinsichtlich anderen Glaubensrichtungen duldet, neigt wohl dazu, am Ende eine ebenso engstirnige Anhängerschaft zu haben. Da sind spirituelle Gemeinschaften mit mehreren Gottheiten einfach im Vorteil-leider nur bis zu dem Punkt, an dem sie christliche Missionare ins Land lassen.

    Viele Grüße, Morag (die wohl auf dem Scheiterhaufen daneben gelandet wäre)

  7. Juliet

    Boah….echt mal..hab mir kurz den letzten link von Sarah angeguckt und wenn ich das mal so sagen darf- da krieg ich das grosse Kotzen…das Geschwafel von diesem Typen ist echt nicht auszuhalten, wenn der vor mir stehen würde, könnte ich wohl nicht mehr an mich halten…Das ist genau die Art von Kirchenfuzzies, die mich fürchterlich aggressiv machen.

  8. Diana

    @Morag: klar hätte man mich früher auf den Scheiterhaufen geworfen und mich so von diesem Dämon befreit. Wenn ich mal etwas mehr Freiraum im Kopf hab, möchte ich diese Themen beackern. Ich bin grosse Anhängerin der Lehre von Jesus und genauso grosse Gegnerin dessen, was daraus gemacht wurde. Aber das wird eine epische Diskussion geben und die spar ich mir für Tage auf, an denen ich mehr Zeit und Nerven habe ;-)

    Übrigens, Monotheismus ist per Definition intolerant, es geht gar nicht anders. Wenn es viele Götter gibt, erträgt man auch noch einen Weiteren. Wenns nur einen gibt, würde jeder andere den Eigenen zerstören. Deshalb bedingt Monotheismus Intoleranz und Rechthaberei, es entsteht ein alleiniger Wahrheitsanspruch und damit ist man am Ende der Diskussion. Traurig, aber wahr.

    Bei dem Forum habe ich nach dem zweiten Beitrag aufgehört zu lesen. Ich kenne die geistige und moralische Leere evangelikaler Fanatiker mehr als mir lieb ist. Ich habe jahrelang mit diesen Jesus-Taliban herumgestritten und die dort verbreitete Faktenresistenz hat mich halb irre gemacht. Soviel Irrsinn auf einem Platz findet man auf dieser Welt sonst fast nirgends. Es mögen nicht alle gleich sein, aber meines Erachtens ist der amerikanische Evangelikalismus, der hierzulande in sogenannten Freikirchen gepredigt wird, die grösste Pervertierung der christlichen Lehre seit der Inquisition.

  9. Morag

    @Diana.

    Tja, solange die Lehren des Aramäers in seinem Heimatland waren, gings ganz gut. Aber dann wurden sie leider nach Rom gebracht und dort hat man(n) schnell erkannt, welch gewaltiges Potential hinsichtlich Macht und Geld darinnen stecken-und schwups, wars vorbei mit der grenzenlosen Nächstenliebe.

    Der Blogeintrag wird dann aber entweder nur drei Kommentare haben (weil wir Dir mit schlichten Worten zustimmen) oder unendlich viele, wenn sich einer dieser Jesus-Taliban (brillianter Begriff, den muß ich mir merken) hier verbeißt -den werden wir dann nur los, wenn wir ihm einen VW Polo und eine schmucke C4-Weste schenken ( http://www.youtube.com/watch?v=arfNofxBtfY ).

    Viele Grüße, Morag

  10. Diana

    ja schon beim übertragen ins Griechische passierten die grusligsten Dinge und vorallem vermischte es sich mit dem griechischen Denken. Aber als sich dann die Westkirche durchsetzte, ging die Umdeutung erst Recht los. Es ist echt spannend, diese Entwicklung zu verfolgen. Aber eben, das bräuchte fast ein eigenes Blog. Vielleicht mach ich mal ein Häretiker-Bibel-Blog auf oder sowas :-)

    Ich will in diesem Blog möglichst nicht politische oder religiöse Kämpfe austragen, das soll ein Tagebuch bleiben. Aber da und dort werd ich mir sicher nicht verkneifen, auf das eine oder andere hinzuweisen :-)

    geile Werbung ;-)

  11. maxi

    hallo diana? ich habe mal eine frage da du dich mit two-spirit viel auseinandergesetzt haben scheinst, ich suche schon seit langem das indianische symbol für “two-spirit” werde aber nicht fündig.. weißt du vll etwas darüber oder kennst du eine quelle?

  12. Diana

    @Maxi: ich habe mich nur im Internet etwas durchgegoogelt zu diesem Thema und kenne mich deshalb nicht so gut aus und von einem Symbol weiss ich nichts. Falls Du mehr findest, darfst Du es gerne hier posten :-)

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