(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transsexualität und Anpassungsdruck

Transsexuelle Menschen stehen von frühster Kindheit an vor einem unlösbaren Problem. Sie können nicht sich selbst sein, was jede Selbstentfaltung im Keim erstickt. Es sind ganz kleine Zeichen, die ein transsexuelles Kind von Anfang an empfängt. Als Junge spielst man doch nicht mit Puppen – nein so Farben sind für Mädchen – ein Junge weint doch nicht….. und Viele laufen dadurch schneller in die Falle als sie verstehen, wie ihnen geschieht. Ein kleines Kind lernt durch Nachahmung und es lernt durch Feedback. Es tut etwas, beobachtet wie die Welt darauf reagiert und passt dann gegebenenfalls das Verhalten an. Es gibt zwar diese beneidenswerten Ausnahmen, die mit einer ungeheuren Renitenz sich selbst treu bleiben und für ihre geschlechtliche Identität einstehen. Aber den Meisten dürfte es so gehen wie mir, sie wollen nicht abnormal sein, sie wollen Erwartungen erfüllen und lernen sich anzupassen.

Es war zumindest bei mir nicht so, dass ich von meinem Umfeld umkonditioniert wurde, ich zeigte keinerlei Anzeichen, dass mit mir etwas anders ist. Ich war sehr lernfähig und bemerkte schnell, wie ein Junge zu sein hat und habe das auch von klein an erfüllt. Ein Kichern vor dem Puppenhaus reichte, damit ich kapierte, dass ich da nix zu suchen hatte. Es gab zwar eine Unzahl von Momenten, bis in die Pupertät hinein, in denen ich zwischendurch auflief und mich in einer Weise verhielt, die mir Spott einbrachte und meinen Selbstverleugnungs-Lernprozess optimierte, aber in der Regel war ich bemüht, den Rollenvorstellungen zu entsprechen.

Schlussendlich hatte ich das “Spiel des Lebens” perfektioniert, ich spielte meine Rolle als Junge, erfüllte alle Klischees die man sich nur vorstellen kann, war unartig, frech, lernte gehörig zu fluchen, Streiche zu spielen und all das tat ich stets ein wenig überzogen. Cowboys im TV waren die grosse Vorlage, fluchen und auf den Boden spucken war angesagt. Und auch im Erwachsenenalter lief diese Anpassung weiter. Der “Höhepunkt” meiner Entwicklung war, dass ich in Leder gekleidet auf einer Harley durch die Gegend fuhr, Mitglied eines Motorradclubs war, dort den starken Mann spielte, Securitydienste leistete und alles tat um den harten Kerl gut zu spielen.

Das Verblüffendste war jedoch, dass sich meine Anpassungsfähigkeit so verselbstständigte, dass ich irgendwann nur noch Rollen spielte, auch wenn es gar keine geschlechtsspezifischen Aspekte waren. Ich wurde wie ein Chamäleon, das seine Farbe immer dem Umfeld anpasste. War ich mit intellektuellen Menschen zusammen, klugscheisserte ich genauso versnobbt. War ich mit Rockern zusammen, wurde ich zum coolen Macker. Begegnete ich einem Schwiegervater, war ich vernünftig und verantwortungsbewusst. Mich selbst, gab es nie, es gab immer nur die Idealvorstellung meines Gegenübers. Und das wirklich Verrückte daran war, dass ich all das nie bewusst steuerte, es passierte einfach mit mir.

Natürlich hatte ich auch Ausbrüche, teils sogar heftige, war in der Jugendzeit mal in der Punk-Szene um den nirgends ausgesprochenen und doch stets unsichtbaren Vorstellungen zu entgehen, kettete mich im Greenpeace-Overall an Eisenbahngeleise um endlich aufzubegehren. Ich tat vieles und doch rutschte ich ständig in diesen Anpassungsautomatismus zurück. Ich wollte, dass man mich mag, dass ich von der Welt für ok befunden werde. Und so verbrachte ich vier Jahrzehnte ohne mich selbst.

Ein Leben lang fühlte ich mich von der Welt unverstanden und ich verübelte es dieser Welt aufs Tiefste. Aber ich wusste selbst nicht mal, was die Welt denn hätte verstehen müssen, weil es mich gar nie gab. Und die Welt hatte auch keine Chance, mich wahr!zunehmen, weil ich mich der Welt nie zeigte. Ich sass tief in mir verborgen im Kerker meiner Seele und zog die Fäden, führte Regie in einem absurden Theater, dessen Handlung ich nicht verstand.

Aber ich wusste, wie ich Menschen zum Lachen bringe, auch wenn ich traurig war. Ich konnte stark wirken, auch wenn ich schwach war. Und die Tragik daran war, dass ich nicht nur Anderen etwas vorspielte, ich spielte mir selbst etwas vor, wie ein Schauspieler, der glaubt er wäre seine Rolle.

Erst in den letzten Jahren, ich glaub fast, Auslöser war mein Burnout, begann ich zu begreifen, dass ich gar nicht existiere. Und ich begann mich zu suchen und auszubuddeln, mich kennen zu lernen und zu akzeptieren…… und das brachte mich an den Punkt, an dem ich vor einem Jahr stand, der Punkt an dem es so nicht mehr weiter gehen konnte, an dem die Lüge meines Lebens demaskiert war und ich nicht mehr anders konnte und wollte als endlich mich selbst zu sein, selbst wenn ich all mein Ansehen damit verliere.

Als ich vor einem Jahr dieses Spiel beendete und begann, mein Leben zu leben, war das intensivste Gefühl das mich von Anfang an durchströmte ein Gefühl von totaler Freiheit. Es war als ob ich mich aus einer Zwangsjacke befreit hätte. Ich hatte Angst, alles zu verlieren, aber ich war endlich frei. Und schnell wurde mir klar, dass es kein Zurück gibt. Ich fühlte mich wie ein Schmetterling der aus dem Cocoon heraus kam, es schien mir als ob ich die Welt zum ersten Mal wirklich sehe und jeder Tag war voll mit Überraschungen, zu erleben, wie ich mich immer mehr entfaltete und all das aus mir herausbrach, das so lange Zeit verschüttet war.

Seit diesem Tag, als ich zum ersten Mal ohne Maske die Welt betrat, kann ich nicht mehr lügen und ich kann nicht mehr spielen – es geht einfach nicht mehr. Das ist der Grund, weshalb ich mit so hemmungsloser Offenheit über alles rede und hier im Blog mein Innerstes offenbare, meine Seele sozusagen nackt auf die Bühne des Lebens stelle. Gerade weil ich mich so lange verleugnet habe, kann ich heute nicht mehr anders als zu sein was ich bin und dazu zu stehen, wie ich denke, fühle und lebe. Und seltsamerweise macht es mir nichts aus, dass meine LeserInnen mich so nackt sehen, dass sie den Geruch meiner Seele geradezu riechen können. Es gab für mich nur zwei Wege, weiter ein Leben zu spielen oder mich selbst zu sein und kompromisslos zu mir selbst zu stehen.

Heute bin ich soweit, dass es unwichtig ist, was andere von mir halten, ob ich mich korrekt verhalte oder so bin wie man es von mir erwartet. Natürlich macht mich das nicht zur Soziopathin, die über Leichen geht, ich folge nachwievor ethischen Grundsätzen und versuche beispielsweise, meine Mitmenschen nicht zu verletzen. Aber wenn es um mich geht, wie ich bin, denke und fühle, da gibt es keine Maskierungen mehr, keine Zensur und keine Selbstbeschneidung. Es gibt nur noch mich, mit all meinen guten und schlechten Seiten, ein Individuum das ganz eigen ist, das man lieben oder ablehnen kann, aber das immer und jederzeit sich selbst treu ist.

Vielleicht waren diese vier Jahrzehnte Selbstverleugnung notwendig, um zu erkennen, wie wichtig und wertvoll es ist, sich selbst zu sein und zu erkennen, wie gefährlich es ist, wenn man sich aufgrund von Vorstellungen Anderer anpasst. Vermutlich hätte ich diese grenzenlose Freiheit nie errungen, wenn ich nicht solange gefangen gewesen wäre, weil ich den wahren Wert der Selbstentfaltung nie begriffen hätte.

Wenn ich sehe, wie glücklich ich heute bin und wie sehr ich mein Ich-sein schätze, komme ich nicht umhin dankbar zu sein, für diese harte Schule die ich durchlief. Wirklich schätzen kann man etwas nur wenn man es begehrt hat. Ich glaube nicht, dass ich mich, mein Selbst und mein Leben so schätzen würde, wenn ich nicht so lange Zeit ohne mich hätte auskommen müssen. Und ich bezweifle, dass ich je in der Lage gewesen wäre, so für mich einzustehen, wenn ich mich nicht so lange unterdrückt hätte.

Man kämpft erst dann für seine Freiheit, wenn man seine Unfreiheit erkannt hat. Dazu hatte ich lange genug Gelegenheit, das war das Fundament, auf dem ich den Wert der Freiheit erkennen konnte. Das war der Ursprung der Erkenntnis, wie wichtig meine Selbstentfaltung ist. Das war der Grund weshalb ich die Ketten der Anpassung zerreissen konnte und heute ein wirklich freier Mensch bin.


 

28 Reaktionen zu “Transsexualität und Anpassungsdruck”

  1. Kim

    Liebe Diana,

    nun stell dir vor, du würdest in einer Welt leben, in der dieses geschlechtliche Selbstwissen und die damit verbundene Verantwortung anderen Menschen gegenüber wahrhaftig zu sein, zur psychischen Störung erklärt wird, und deine Wahrhaftigkeit als Lüge bezeichnet würde …

    Kim

  2. Diana

    *lach* Dein Zynismus ist göttlich, ja in so einer Welt lebe ich und weisste was? Genau das ist irrelevant wenns darum geht, wie ich sein soll und ob ich mich irgendwelchen Fremdvorstellungen anpassen soll. Man kann mein Leben als Lüge benennen und meine Selbstwahrnehmung als psychische Störung, aber man wird mich nicht mehr dazu bringen, mich deshalb zu verleugnen :-)

  3. Bad Hair Days

    Das war das schwierigste für mich. Dieses verschüchterte Etwas, das ich war ohne den Schutzschild der gespielten Rolle. So tief vergraben, dass ich mich erst kennenlernen musste. Ich war vielleicht nicht ganz so angepasst, aber ich habe mich in der Arbeit vergraben, möglichst viele Stunden im Flow zugebracht – die einzige Möglichkeit, die ungeliebte Realität um mich herum zu vergessen. Wenn ich nicht im Flow war, war ich auf der Flucht. Nie lange an einem Ort. Ich habe keinen Urlaub geniessen können, der mich an einen Fleck bindet, ich musste immer Touren.

    Als ich, noch vor der sozialen Transition mal mit jemandem mein Fotoalbum durch gegangen bin, meinte die Betrachterin, sie habe noch nie jemanden gesehen der sich Äusserlich so oft und stark verändert hat.

  4. Diana

    da sprichst Du mir aus dem Herzen. Es ist wirklich erschütternd – auf eine wunderschöne Art – wenn man sich selbst begegnet und nicht aufhören kann zu staunen, was für ein Wesen da aus einem heraustritt. Ich habe auch viel Zeit investiert um mich abzulenken, habe unzählige Kämpfe gekämpft, für Umweltschutz, gegen gewisse politische Parteien, hauptsache ich konnte ausserhalb meinerselbst Kämpfe führen, die mich vor dem Krieg in mir selbst ablenkten. Und auch ich habe viele Rollen gespielt, weil ich mich in keiner Rolle fand, so musste ich immer wieder neue erfinden und fand mich selbst doch nie. Erst als ich das Spielen aufgab, erschien ich selbst und das war das grösste und schönste Wunder meines Lebens :-)

  5. Britta

    Hmm … hättet Ihr Euch eigentlich gewünscht, Mädchen zu sein? Ich habe das nämlich, wenn ich es recht bedenke, nie … habe nichts unversucht gelassen, das Unvermeidliche zu verdrängen – und damit mich selbst und alles drumrum verraten. Weshalb das Herumwühlen in der Vergangenheit auch ein so schmerzhafter Prozeß ist. Aber nötig – ich will, verdammt, meine Geschichte zurück! Ändern oder gar wiedergutmachen kann ich natürlich nichts. Aber mich mir und meiner Umwelt erklären. Aus gemachten Fehlern lernen.
    Meine Tochter (7) fragt mich immer, WARUM ich denn ein “Mädchen” sein will … die hätte nicht die geringste Lust, als Junge leben zu müssen.
    Ich versuche dann immer, ihr klarzumachen, dass das keine Wahl ist, vor der man steht.

    Nein – auch ich empfinde mich in keiner Weise als gestört – ich habe mich lediglich stören LASSEN. MIr mein Sein miesmachen lassen. Und damit war dann eben irgendwann Schluß. Mehr oder minder.

  6. Diana

    @Britta: ich wollte einfach mich selbst sein, merkte aber, dass man von mir etwas anderes erwartet und ich ausgelacht werde, wenn ich Ich bin. Mir wäre lieber gewesen, ich wäre ein Junge und könnte ein ganz normales Leben führen. Eben deshalb versteckte ich mich, verleugnete mich und kämpfte gegen alles was aus mir herauswollte. Nein, ich wollte nie ein Mädchen sein, ich war eines und konnte es nie sein, weil mein Körper mir vorschrieb, was ich zu sein hätte.

    Heute ist das anders, ich habe den Wert meinerselbst erkannt und möchte einfach nur mich selbst sein, ungeachtet körperlicher Widersprüche. Nicht, weil ich lieber eine Frau wäre sondern weil ich eine Frau bin – schon immer war und immer bleiben werde.

  7. Bad Hair Days

    Nein. Bei mir war die Sache klar. Wenn mir jemand eine Pille in die Hand gedrückt hätte, die mich zu einem “normalen” Jungen macht, hätte ich sie der Person aus der Hand geschlagen.

  8. Diana

    ebendies fehlte mir leider, mein Wunsch “normal” zu sein, anerkannt und geliebt zu sein, war gross genug, dass ich alles getan hätte um “normal” zu sein. Gerade deshalb kämpfte ich so sehr gegen mich selbst. Erst in den letzten Jahren war mir die Wichtigkeit meines Selbst klar genug, dass ich jeden erschlagen hätte, der mir eine Pille gegeben hätte, die mich “normal” macht. So richtig klar wurde mir das erst, als genau diese Frage im Cogiati Test an mich trat und ich zu meinem Erstaunen aus tiefster Überzeugung ankreuzelte, dass ich so eine Pille niemals nehmen würde. Das war eines der Schlüsselerlebnisse, in denen mir klar wurde, wie wichtig mein Selbst eigentlich ist.

  9. Chrisi

    Ketzerisch gefragt, was ist normal?
    Sind es diejenigen, die jeden Tag im Anzug ins Büro gehen, sind es die, die den ganzen Tag im Jogginganzug herumlaufen? Oder sind vielleicht wir es, die normal sind und die Anderen sind die Anormalen?
    Was mich viel mehr umtreibt ist die Frage, warum dauert es so ewig lange bis wir uns dazu durchringen über unseren Schatten zu springen und uns zu uns selbst zu bekennen? Wenn ich das so lese, dann sind viele von uns, die sich hier regelmäßig austauschen, vierzig+. Warum kämpfen wir Jahrzehnte mit unserem wahrem Ich, warum gelingt es kaum jemanden in jungen Jahren sich zu seinem Wunschgeschlecht zu bekennen? Warum passen wir uns so lange an, inklusive Familie Kind und “Kegel”?
    Liegt es an unserer ach so aufgeklärten und toleranten Welt? Vermutlich ist die Welt in der wir leben längst nicht so tolerant wie man es uns immer weiß machen will.
    Was ich mir wünschen würde, wäre eine Welt, in der man sein kann was man will. Ohne dass man angestarrt wird, ohne dass man sich verstellen und verstecken muss. Dann wäre nämlich die ganze Diskussion wie man das “Kind” nennt obsolet

  10. Morag

    @Chrisi: Daß viele 40+ Jahre warten, könnte mit der Kindheit zusammenhängen. Vor zwanzig, dreissig, vierzig Jahren war, denke ich, selbst das kümmerliche Maß an Toleranz, was wir heute haben, noch nicht präsent-und damit der Druck von außen noch viel höher.
    Und damit werden bewußt oder unbewußt Muster geprägt, die weit reichen-bis dann irgendwo zwischen 40 und 50 einfach die Kraft nicht mehr langt, um sich selbst anzulügen oder zu verstecken.
    Das ist der Moment, in dem man gezwungen wird, sich mit sich selber auseinanderzusetzen und sich im Grunde einer von drei Alternativen zu stellen:
    - Aufgeben-da hatte Diana ja einen tollen und sehr eindringlichen Post vor einigen Tagen online gestellt.
    - Das eigene Ich wieder hinabprügeln und die letzten 30, 40 Jahre dahinkümmern
    - wie Diana aus dem Kokon ausbrechen und die Flügel ausbreiten.

    PS: *klugscheißmodus on* die “Kegel” in der Redewendung bezeichnen uneheliche Kinder-das Ding kommt aus dem Mittelalter *klugscheißmodus off* :-)

  11. Britta

    Hätten wir mehr Toleranz, spielte unsere Körperlichkeit eine untergeordnete Rolle. Unsere Körper SIND keine Fehlentwicklung, die es zu korrigieren gilt – die haben sich in aller Unschuld genau SO entwickelt, wie unser Gen-Set es vorsieht.
    Dass wir so wild dahinterher sind, uns den Erwartungen der Umwelt wieder einmal zu fügen, liegt doch lediglich daran, dass die eigensinnig darauf besteht, in einem männlichen Körper ein männliches Seelchen vorauszusetzen. Und weil es einfach entsetzlich und scheiß-mühsam ist, immer und immer wieder mit dieser Erwartung konfrontiert zu werden! Mehr oder weniger Brust zu haben ist doch nicht wirklich der heilige Gral! – Und das sage nun ausgerechnet ich, die ich mir schon mit Anfang 20 höchstselbst und mit einer Scheißangst vor einer Embolie oder anderen furchtbaren Sachen Progynon-100(!) in den Oberschenkel gejagt habe. Das Mistzeug gibts schon längst nicht mehr – damit hätte man sogar eine Elefantenkuh in sofortige Hitze versetzen können …
    Ich gebe zu, dass ich mit weiblichen Hormonen deutlich entspannter, umgänglicher und weniger depressiv bin – und habe immer schon Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt mir das Zeug (meist auf dem schwarzen Markt) zu besorgen. Aber ich würde nie soweit gehen, meinen Körper als “Fehlentwicklung” zu bezeichnen. Meine Vorstellung mag von der Realität abweichen – aber das tut die eines Hänflings auch – der wandert dann eben in die Muckibude und tuned das blöde Körperlein.
    Die Cogiati-Frage nach der Pille ist eigentlich der Hammer: Beantworte ich die mit “ja”, wars das mit dem Gutachten! Was, bitte, ist der Unterschied zwischen dieser imaginären Pille, die Eindeutigkeit via Hirnumkrempelung schaffen würde – und all den Verrenkungen, die wir unternehmen, um unseren Körper nicht nur unserem Hirn, sondern auch den Erwartungen der Gesellschaft anzupassen??
    Eindeutigkeit. Die wir überhaupt nur brauchen, weil unsere Kultur keine Graustufen zuläßt …

    Wie immer der allfällige Disclaimer: Brittaleins ganz persönliche Meinung – nicht alle, aber viele Wege führen nach Rom und damit zu persönlichem Glück oder wenigstens Zufriedenheit.

  12. Diana

    @Chrisi: die Frage nach der Normalität ist eben das Absurde dieser Welt. Normal ist, was mindestens 51% für richtig halten, somit sind bis zu 49% abnormal. Dass dies nicht sein kann, liegt auf der Hand, aber man kriegts aus dem Denken von Menschen kaum raus.

    @Morag: auf jeden Fall war vor vierzig Jahren schwerer, Toleranz zu erwarten. Aber der Druck zur Normalität ist auch heute noch enorm, das sieht man beispielsweise daran, dass nachwievor Zwitter chirurgisch “korrigiert” werden. Diese Gesellschaft hat klare Vorstellungen, gerade im Geschlechterverhalten. Wer da ausschert, kriegt schnell mal die Psychokeule auf die Birne geknallt.

    @Britta: Alles was hier geschrieben wird, ist eine persönliche Meinung, da sind wir uns einig ;-) Ich empfinde meinen Körper als fehlentwickelt, das ist mein subjektives Empfinden. Ich habe auch Hornhautverkrümmung, auch das ist eine Fehlentwicklung. Beides macht mich nicht zu einem schlechten Menschen, es behindert mich einfach. Die Hornhautverkrümmung nur leicht, das versehentlich eingeschleuste Y-Chromosom jedoch in vielfacher Hinsicht. Du hast Recht, wir hätten weniger Probleme mit der Diskrepanz zwischen Körper und Geist, wenn diese Gesellschaft in Geschlechterfragen nicht nur schwarz-weiss anerkennen würde. Aber ich glaube, dass ich auch in der tolerantesten Gesellschaft meine liebe Mühe damit hätte, dass ich trotz weiblichem Hirn männliche Geschlechtsmerkmale habe. Ob mein Unbehagen in einer toleranteren Gesellschaft gross genug wäre, dass ich geschlechtsangleichende Massnahmen einleiten würde, kann ich nicht beantworten, diese Frage entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen. Mir ist egal, ob ich einen grossen oder kleinen Busen habe, mir ist einzig wichtig, dass alle am rechten Platz ist, dass ich diesbezüglich medizinische Hilfe beanspruchen kann, macht mich um ein Vielfaches glücklicher, als ich es früher war.

  13. Britta

    *smile* Ich erwähne das eigentlich gerade in solchen sensiblen Fragen immer, weil ich mich weder streiten mag, noch andere verletzen möchte. Empfinden ist subjektiv – und das ist gut so.

    Ich stoße mich ein wenig an dem “versehentlich” – die Chance, mit einem Y dazusitzen, liegt bei etwa 50% – die Chance, im Mutterleib versehentlich zu tief ins Östrogen-Gläschen (resp. Testosteron natürlich) zu gucken, ist deutlich geringer. Beides IST dann eben so. Und ich wehre mich mit Händen und Füßen gegen die Klassifizierung “fehlentwickelt” – da geht alles ganz natürlich zu! Sooo exotisch sind wir doch nun wirklich nicht – es gibt allerhand von uns. Und alle sind wir auch noch ein wenig unterschiedlich. Was bleibt denn da noch für eine Norm?? Wir betonen das Trennende (Ja! Wir Transgenders sind da in nichts besser als die “Anderen”) – wo es vielleicht gelte, die Gemeinsamkeiten zu entdecken und stärker herauszustellen.
    Ich weiß nocht – ich bin da im Moment in so einer etwas verstörenden Kuddel-muddel-Phase. Was auch ein wenig an meinem Mann liegen mag, an dessen Sein mir halt auch noch das eine oder andere Licht aufgeht. *seufz*

    Mir geht es allerdings auch ein wenig wie Dir (jedenfalls vermute ich das jetzt einfach mal): Mein Hirn hat ziemlich genaue Erwartungen an die vorgefundenen Botenstoffe – weshalb es mit Östrogen einfach … hm … runder vielleicht … läuft. Und körperlich habe ich, wenn es an genitales Fühlen geht, immer ein wenig das Gefühl, das es zwar schön ist – aber irgendwie um ein-zwei Handbreit verschoben.
    Da scheint Body-Mapping eine Rolle zu spielen.
    Weshalb ich mir wohl doch noch auf meine alten Tage – und durchaus schweren Herzens! – die Klit-am-Stil kupieren lassen werde. Nicht, weil es unbedingt sein müsse (ich denke nicht, dass es mich sooo viel mehr zur Frau macht) – sondern einfach, weil man das heute machen KANN. Und weil ich vermute, dass sich dann alles ein wenig mehr “an seinem Platz” anfühlen wird, wie Du es ausdrückst. ;-)

  14. Bad Hair Days

    Also bei mir war die körperliche Erwartungshaltung intensiv. Wenn ich nur die Wahl gehabt zwischen Hormonen und Rolle währem die Hormone wichtiger gewesen.
    Rolle folgt für mich Körper und nicht umgekehrt.

  15. Diana

    @Britta: betrachten wir uns einfach mal als Normvariante, im Wesentlichen Sehe ich das auch so. Albinos sind auch eine Normvariante. Ob etwas eine Fehlentwicklung ist, ist vorallem eine subjektive Empfindung. Ich meine damit nicht, dass wir kaputt sind in dem Stil sondern dass sich mein Körper in einer Weise entwickelt hat, die meinem Denken und Fühlen radikal widerspricht und unerträgliche Spannung auslöst. Fehlentwickelt ist für mich etwas dann, wenn es zu grossem Leiden führt und das ist bei mir klar der Fall. Menschen mit Autoimmunerkrankungen sind auch keine Freaks, aber ihr Körper entwickelt sich in einer Weise die zu grossem Leiden führt. Da für mich Krankheit eine Frage des Leidens ist, kann ich mir auch gut vorstellen, dass zwei Menschen mit der selben “speziellen Wesensart” unterschiedlich empfinden, was für den einen erträglich ist, ist für den Anderen unerträglich. Und ein biologisches Geschlecht zu haben, das der Geschlechtsidentität diametral entgegenliegt, ist eine ganz andere Dimension als wenn jemand gern einen etwas grösseren Busen hat. Ich empfinde meinen Körper klar als nicht meiner Seele entsprechend entwickelt, insofern fehlentwickelt, aber das ist wie gesagt meine persönliche Empfindung und die allein bewegt mich dazu, geschlechtsangleichende Massnahmen vorzunehmen.

    @Sarah: Mir persönlich ist das Wichtigste, dass ich als “Ich” leben kann, also die soziale Rolle die ich in diesem Spiel des Lebens lebe. Ich bin eine Frau und es widert mich an, so zu tun als wäre das nicht so und von Anderen behandelt zu werden als sei ich ein Mann. Der Körper steht da im Weg, nicht nur was die Aussenwelt anbelangt sondern auch in meinem Selbstverständnis. Für mich ist nur beides vorstellbar, als Frau zu leben und einen Körper zu haben, der einigermassen dem entspricht. Aber ich glaube doch, dass mir das Leben meiner Identität wichtiger ist, auch wenn ich persönlich beides nicht mehr trennen kann.

  16. Britta

    Oh – Du hast da vollkommen Recht: absolut subjektiv – und so MUSS das auch sein.
    Ich wollte in keiner Weise Deine Wünsche und Deinen eingeschlagenen Weg kleinreden, lediglich anregen, micht allzu “böse” auf Deinen Körper zu sein, Dich ein wenig mit ihm zu versöhnen, ehe Du ihm die Form gibst, die Dich besser in und mit ihm leben läßt.
    Übrigens – die Mutter meines Kindes hatte, als wir uns kennenlernten, keine Brüste. Und wenn ich “keine” sage, dann meine ich nicht etwa zu kleine, sondern einfach – nix. Sonst eine ganz normale Frau … Frauenhirn, gebärfähig, Tage regelmäßig. Aber aus einer sonderbaren Laune der Natur heraus – brustlos. Da hatte dann selbst die KK ein Einsehen und zahlte die Implantate.
    Was ich damit zu sagen versuche … natürlich ist es nicht egal, wie wir unseren Körper vorfinden und wie sehr er zu unserem Empfinden paßt.
    Würde ich das nicht auch so sehen, würde ich die Finger von meinem Körper lassen – und nicht seit Jahren daran herumbasteln.
    Ich war zwar bislang der Meinung, ich könnte um die große Op herumkommen … aber jetzt ist meine Lebenssituation doch sehr anders. Und damit scheint wahrscheinlich, dass ich NICHT in einem Stück zu meinen Göttern zurückkehren werde.
    Aber ich bin mir sicher, dass die mir das nicht übelnehmen werden … ;-)

  17. Diana

    @Britta: ich bin nicht böse auf meinen Körper, er entspricht mir nur nicht und ich lasse ihn “therapieren”. Übrigens, Du kommst schon an einem Stück zu den Göttern, die Stücke sind nur nicht mehr alle am selben Platz ;-)

  18. Britta

    *lacht* Selbst Dr. Suporn recycelt nicht alles und haut schon das eine oder andere in die Tonne.
    Na ja – collateral damage, quasi.
    Ich kenne allerdings eine, die sich die Reste hat einpacken lassen, um sie dann eine Zeit lang in Formalin zu verwahren – das war ein bißchen eklig, gab dem Begriff “Ei im Glas” eine neue und ziemlich gruselige Bedeutung … Ich find schon, man muss auch mal loslassen können … ;-P

  19. Bad Hair Days

    Die Hoden, diese Giftproduzenten, wenn sie nicht vorher schon raus waren. Ecklige Litschies.
    Aber sonst ist alles da und bereitet endlich Lust!

  20. Diana

    *grins* ja klar, Viren werden ja auch mit Antibiotika rausgeschwemmt, das ist a bissrl wie beim Blinddarm, die Götter interessiert es nicht, ob man den zu gegebener Zeit wieder anschleppt. Das dürfte für diese Testosteron-Produktions-Höllen auch gelten. Bekanntlich sind testosteron-befreite Menschen eh friedlicher, das wird man uns sicher anrechnen…… und schon Paulus lobte ja die Eunuchen, der muss es ja wissen :o)

  21. Britta

    Ich hatte ja überlegt (weil ich eh immer Schwierigkeiten habe, irgend etwas weg zu werfen), ob ich die nicht gefriertrocknen und anschließend vergolden laße – könnte man dann als Ohrringe tragen. Oder so. :)=)

  22. Bad Hair Days

    Hättest was gesagt, ich hätt dir meine Aufgehoben ;-)

  23. Britta

    *lol* Nääää … wenn schon, dann “homegrown”! Ich häng mir doch nicht andrer Leuts Kronjuwelen an die Öhrchen! ;-P
    Der Suporn verwendet doch aber auch nicht das ganze Schwellkörpergeschwurbel, oder?? Sagt zumindest meine liebste Freundin …

  24. Bad Hair Days

    Hm, jetzt wo du es sagst… sagen wir mal, was sensitiv ist, wird auch weiterverwendet, bis auf die Ohringe.

  25. Britta

    Na – jedenfalls will ich – wenn – unbedingt zu dem. Man hört ja, was die “Empfindungsgenauigkeit” angeht, wahre Wunderdinge. Und die Optik ist frappierend …

  26. Bad Hair Days

    *breitgrins* (Sowieso für jede Happy ist, die dort hin geht)

  27. Diana

    *grins”….. Mädels, ich glaub Ihr habt den Ausdruck “Körperschmuck” irgendwie missverstanden :o)

  28. Britta

    Möööh… ich bin mitten in meiner Progesteronphase – da bin ich immer etwas wunderlich… ;-P

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