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Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transsexualität: Psychologische Sichtweise ohne Scheuklappen

Die Vereinigung ‘Aktion Menschenrecht und Transsexualität’ ATME hat kürzlich den Schweizer Psychiater und Psychotherapeut Dr. phil. Horst-Jörg Haupt interviewt. Er gehört zu den wenigen Psychologen, die auch über ihre eigene akademische Grenze hinausschauen und Fakten aus anderen Fakultäten ernst nehmen. Infolgedessen vertritt Dr. Haupt eine interessante Denkweise, die im Gegensatz zu vielen anderen Psychologen wissenschaftliche Fakten höher gewichtet als ein hundert Jahre alter und längst widerlegter Dogmatismus.

Das ganze Interview kann und sollte hier auf der Website von ATME gelesen werden. Hier ein paar Zitate aus dem Interview und ein paar Gedanken dazu………..

Die Sonderbehandlung transsexueller Menschen ist ein Skandal

Für mich ist – ich formuliere das ganz bewusst so – die „Sonderbehandlung“ transsexueller Menschen durch ein perfides, ausgeklügeltes und zynisches medizinisch-juristisches System, ein Skandal ersten Ranges.

Es ist in der Tat schockierend, dass transsexuelle Menschen eine medizinische und juristische Sonderbehandlung unterlaufen müssen, die Seinesgleichen sucht. Dass medizinische Hilfe ein Jahr lang während eines sogenannten Alltagstests verweigert wird ist ein Unikum. Dass die Anerkennung der Identität an eine irreversible Sterilisierung gebunden ist, ist einmalig in Europa – zumindest seit dem Ende des Hitlerreiches. Nicht umsonst beklagte sich der EU-Menschenrechtskommissar Thomas Hammarberg kürzlich in einem Bericht mit den Worten: “It is of great concern that transgender people appear to be the only group in Europe subject to legally prescribed, state-enforced sterilisation.”……. staatlich geforderte Sterilisierung? Das müsste uns wirklich zu denken geben.

“Penis=Mann, kein Penis=Frau” oder wissenschaftliche Fakten?

Der sexologische Mainstream vertritt die einfache Formel: “Penis=Mann, kein Penis=Frau”. Damit fällt man auf das wissenschaftliche Niveau der Zeit um 1900 bis 1905 zurück, als Freud seine „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ formulierte. 100 Jahre später – im Zeitalter der Neurowissenschaft, der Molekulargenetik und einer sozialwissenschaftlich geprägten Psychologie und Medizin – muten solche Auffassungen reichlich überholt an.

Dieser Glaube scheint nicht erschütterbar, obwohl die Neurowissenschaften und die Genetik in den letzten 10 Jahren klare Hinweise dafür gefunden haben, dass Transsexualität auf einer besonderen, angeborenen, körperlichen „Ausstattung“ beruht – und zwar des Gehirns. Aus neurowissenschaftlich-genetischer Sicht ist Transexualität eine – gar nicht so selten vorkommende – körperliche Normvariante.

Es ist höchst erstaunlich, dass die psychologischen Gilden im Jahr 2010 mit unerhörter Faktenresistenz alle wissenschaftlichen Forschungsergebnisse aus der Endokrinologie, Neurologie und Genetik ignorieren und anstelledessen lieber in ihrem genital-fixierten Denken nach Sigmund Freud sitzen bleiben. Die Welt hat sich bewegt, in den letzten hundert Jahren, ein Grossteil der Psychologen scheinen davon nichts mitbekommen zu haben. Mit Verlaub, aber damit disqualifiziert sich die Psychologie zur okkulten Parawissenschaft, die in anständigen Universitäten nicht gelehrt werden dürfte.

Der Mensch ist kein Genital sondern ein “Selbst”

Neben dem Spitzer’schen „Sie sind Ihr Gehirn!“ gibt es für mich deshalb noch ein „Du bist in der Tat!“ bzw. „Du bist, was Du tust!“. Und für die Verrücktheit/Krankheit des „transsexuellen Tuns“ existieren keine wissenschaftlich fundierten Belege. Bestimmte „Sexologen“ glauben und verbreiten dennoch, transsexuelle Menschen seien psychisch gestört.

Manfred Spitzer gilt als einer der anerkanntesten Neurologen der Neuzeit. Er betont immer wieder, dass das Gehirn allein den Menschen ausmacht. Es gibt nichts im Menschen, das nicht vom Hirn gesteuert ist. Die gesamte Persönlichkeit, das Selbst, ist im Gehirn verankert. Wenn also – wie vielfach erfolgt – der wissenschaftliche Beweis erbracht wurde, dass z.B. transsexuelle Frauen eine weibliche Hirnanatomie haben, dann ist es einfach absurd, wenn man das Geschlecht trotzdem an Genitalien oder Chromosomen festmachen will. Wer würde auf die Frage: “Was bist Du”, antworten: “Ein Penis mit etwas Mensch dran”? Gerade bei Psychologen ist es mehr als verwunderlich, dass sie in dieser einen Frage plötzlich nicht das Gehirn ins Zentrum stellen sondern die Genitalien.

Recht auf Selbstbestimmung

Grundsätzlich: das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ist durchzusetzen. Das bedeutet: Weg mit den Gutachterverfahren, denn transsexuelle Menschen selbst sind die ExpertInnen. Weg mit Zwangsmassnahmen, allem voran die Zwangskastration und die Zwangs“psychotherapie“. Keine obligatorischen entwürdigenden Zwangs-Alltags-Tests mehr!

Sowohl der EU-Ministerrat als auch die Parlamentarische Versammlung des Europarates haben sich klar und deutlich gegen die gängigen Behandlungsstandards ausgesprochen und mit der Resolution 1728 ein Ende der Zwangssterilisierungen und sonstigen medizinischen Zwangsmassnahmen gefordert.

Das Gehirn als Zentrum des Menschen

Es gibt viele Hinweise, dass Transsexualität eine biologisch fundierte Variation des Gehirns, d.h. gesunde Normvariante ist und dass genetische, hormonelle und anatomische angeborene Besonderheiten des Gehirns die Basis von Transsexualität darstellen. Das „Ich bin Mann/Frau“, also die Geschlechtsidentität, ist primär angeboren und dies ist funktionell-strukturell im Gehirn fix verankert.
Gemäss dem Satz von Manfred Spitzer „Sie sind Ihr Gehirn“ ist das Gehirn also das entscheidende Geschlechtsorgan. Diese Aussage hat viel mehr Tiefe, als sie zunächst vermuten lässt. Das Gehirn ist der biologische Träger des „Selbst“, also jener Tiefenschicht unserer Subjektivität, wo die ganz persönlichen, „festen“ Vorstellungen „von mir“ angeboren, verwurzelt und verankert sind, also auch der tiefen inneren Gewissheit, wessen Geschlechts „ich bin“. Dass Teile des Selbst angeboren sind, wird heute auch von der Mehrzahl der PsychoanalytikerInnen akzeptiert.

Transsexuelle Menschen gibt es nunmal, was auch immer der liebe Gott sich dabei überlegt hat, es gab sie immer und wird sie immer geben. Dass es sich hierbei um keine psychische Störung handelt, weder Perversion noch Geisteskrankheit ist, wurde mittlerweile mehr als genug nachgewiesen. Ebenfalls nachgewiesen wurde dank einem Jahrhundert erfolgloser Psychotherapierung, dass die Geschlechtsidentität eines Menschen nicht verändert werden kann. Wenn ich also der festen Überzeugung bin, eine Frau zu sein und man eine Wahnvorstellung ausschliessen kann, dann ist das zu respektieren. Ich bin ein Mensch und kein Genital, ich bin Mensch, habe ein Selbst und eine Persönlichkeit. Wenn also nachgewiesen wurde, dass ich nicht gestört bin, dann gibt es keinen medizinischen und erst Recht keinen ethischen oder moralischen Grund, weshalb man mir meine Identität absprechen dürfte. Und es gibt erst Recht keinen Grund, mich wider aller Erkenntnisse zu psychopathologisieren und die dringend benötigte medizinische Hilfe an Bedingungen zu knüpfen, die gegen internationale Menschenrechte verstossen. Es ist höchste Zeit, dass Psychologen ihren fixierten Blick endlich mal von den Genitalien lösen können und die Fakten anerkennen!

Ärzte – Steht auf und beendet diesen akademischen Irrsinn endlich

Auf jeden Fall ist es erfreulich und überfällig, dass sich Fachärzte zu diesem Thema öffentlich äussern, die nebst ihrem Guru Sigmund Freud auch die Realität ausserhalb ihrer Psychothesen wahrnehmen und anerkennen. Wer auch immer sich als Expert/in sieht in dieser Thematik, flehe ich an: Bitte öffnet endlich Eure Münder gegen den psychologischen Mainstream! Wir sind Menschen, die daran zugrunde gehen oder zumindest ihr Leben in gehörigem Mass beeinträchtigt wird, durch die von Euren Akademien postulierte Gestörterklärung. Psychologen haben die Lüge der “gestörten Transsexuellen” in die Welt gesetzt, Ihr wisst um die Fakten, die diese Psychopathologisierung widerlegen, Ihr allein könnt das wiedergutmachen, was Eure Vorgänger begangen haben.

Wir warten auf Euch, auf all diejenigen, die die Fakten kennen und anerkennen, die immer noch still sind weil es blasphemisch wäre, sich gegen eine dogmatische Mehrheit aufzulehnen. Wenn Ihr es nicht tut, bleiben Menschen wie ich auf der Strecke, die eigentlich ganz normale Menschen mit einer etwas anderen Körperentwicklung sind, die weiterhin als “gestörte Transen” missachtet werden……. solange bis Ihr endlich aufsteht und Euer Wissen teilt.


 

5 Reaktionen zu “Transsexualität: Psychologische Sichtweise ohne Scheuklappen”

  1. samate

    Hallo Diana,

    ich verfolge Deinen Blog ja nun schon lange, wollte mich nur mal wieder melden. Mir geht es nicht so gut, mein Mann ist verstorben und ich muss mich nun mit einem neuen Alltag abfinden.

    Aber ich lese Dich immer wieder und immer noch und sende liebe Grüße und gutes Gelingen für die GOAP oder GAOP oder wie heißt das?

    Wie auch immer, es soll gut gehen, es soll Dir Dein neues/altes Leben ermöglichen, es soll Dich so sein lassen können, wie Du schon immer warst: eine Frau!!

    Alles Liebe!!
    samate

  2. Horst Haupt

    Freue mich, dass die Inhalte des Interviews Ihre Zustimmung finden. Ich bin seit langem ein sehr aufmerksamer Leser Ihres Blogs und mit gefällt immer Ihre Klarheit und Warmherzigkeit. Diese Kombination erlebe ich selten, sie tut der Seele gut.

    Liebe Grüsse

    Horst Haupt

  3. Diana

    @Samate: Danke für Deine lieben Glückwünsche und das Verständnis das aus Deinen Zeilen klingt. Es tut gut, so Leserinnen zu haben wie Dich. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, sei ganz fest geknuddelt :-)

    @Horst Haupt: Ich hatte eigentlich vor, Sie am Wochenende über meinen Beitrag zu informieren. Ich habe mich enorm gefreut über Ihre klaren Worte und auch ihre zwei Beiträge auf Ihrem Blog sind von einer Deutlichkeit, die ich sehr schätze. Es gibt leider viel zuwenig Ärzte wie Sie, die es wagen, sich gegen den akademischen Mainstream zu stellen, die sich den Fakten mehr verpflichtet fühlen als Dogmen. Ich bin Ihnen zutiefst dankbar für Ihr Engagement, mehr als ich in Worten ausdrücken kann. Und dass Sie zu meinen Lesern gehören und mein Blog mit solchen Worten loben, tut mir unheimlich gut. Auch dafür herzlichen Dank :-)

  4. Keydie Lyn

    Hallo Diana,

    DAS finde ich sehr genial geschrieben:

    “Wenn also – wie vielfach erfolgt – der wissenschaftliche Beweis erbracht wurde, dass z.B. transsexuelle Frauen eine weibliche Hirnanatomie haben, dann ist es einfach absurd, wenn man das Geschlecht trotzdem an Genitalien oder Chromosomen festmachen will. Wer würde auf die Frage: “Was bist Du”, antworten: “Ein Penis mit etwas Mensch dran”? Gerade bei Psychologen ist es mehr als verwunderlich, dass sie in dieser einen Frage plötzlich nicht das Gehirn ins Zentrum stellen sondern die Genitalien.”

    Obwohl es sehr traurig ist, dass die Psychs sich nicht von althergebrachtem lösen können (erinnert mich irgendwie an die Kirche als Galilei kam und nachwies, dass die Erde rund ist und sich dazu noch dreht), habe ich mich sehr über den Textabschnitt amüsiert, weil er sehr plastisch darstellt, was die Psychs (allerdings nicht alle) da machen. Das ist wenig intelligent und lässt tief blicken.

    Nur darf man nicht vergessen: Es gibt wirklich die Transsexuellen mit psychosozialer Motivation und diese bestimmen leider meist die Behandlungsstandards.

    Warum das so ist? Womöglich sind die Transsexuellen mit psychosozialen Motivationen in der Überzahl?

    Mich würde einmal interessieren:
    a) Anzahl der psychosozial motivierten TS,
    b) Anzahl der TS mit körperlicher Motivation (Diskrepanz Gehirngeschlecht und Körpergeschlecht) und davon
    c) Anzahl derjenigen, die tatsächlich intersexuell sind.

    LG aus Hamburg

    Keydie

  5. Diana

    @Keydie: Ich schreibe meist aus dem Bauch raus und korrigiere nicht mehr im Nachhinein, weil meine Texte möglichst authentisch sein sollen. So muss ich manchmal wie auch in diesem Fall selber grinsen, ich find meine Formulierung auch treffend.

    Ich werfe eh nicht gern alles in einen Topf, kann mir also gut vorstellen, dass es auch transsexuelle Menschen gibt, die wie Du es nennst “psychosoziale Motife” haben. Auch das ist natürlich ok, für mich ist das Massgebliche das Recht auf Selbstbestimmung, wenn jemand sagt: “Ich bin eine Frau”, dann habe ich das gefälligst zu respektieren, niemand darf über Andere bestimmen, wer oder was sie sind. Aber gerade wegen der Stigmatisierung ist es enorm wichtig, dass man auf solche wissenschaftlichen Erkenntnisse hinweist. Egal wieviele Betroffene eine “weibliche Hirnanatomie” haben, die Tatsache, dass es so sein kann, wirft ein ganz anderes Licht auf diese Frage. Hinzu kommt tatsächlich die Frage, inwiefern vermeintliche TS in Wirklichkeit IS sind oder ob TS sogar eine Form von IS ist, wie es Harry Benjamin damals postulierte.

    Was die Psychologie anbelangt, so ist es doch erfreulicherweise so, dass auch da langsam ein Umdenken stattfindet, vorallem weil die neurologischen Erkenntnisse sie zum Umdenken zwingen. Aber bisher haben immer noch Ewiggestrige das Sagen, namentlich bei den Diagnosebibeln DSM und infolgedessen ICD. Aber lange werden sie das nicht mehr aufrecht halten können, davon bin ich überzeugt.

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