(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transsexualität ohne Identität?

Einige dürften sich langsam wundern, weil ich so oft betone, wie wichtig mir der Ausweis ist, der offizielle Identitätsnachweis mit korrekter Geschlechtsangabe und richtigem Namen. Wichtig ist ja vorallem, dass ich als die Diana leben kann, die ich bin. Aber der Ausweis ist eben weit mehr als eine Plastikkarte, es bedeutet, offizielle und anerkannte Identität. Und vorallem bedeutet ein “falscher Ausweis” unzählige Situationen, die von unangenehm bis entwürdigend empfunden werden.

Ein Prachtexemplar einer entwürdigenden Situationen erlebte ich gestern ausgerechnet am Zürcher Universitätsspital in der Dermatologie. Während ich mit einem Rudel anderer Leute im Wartsaal sass, erklang eine Stimme, die mich ins Behandlungszimmer ruft – mit männlicher Ansprache. Genial, was? Da wird ein “Herr” aufgerufen und n’Mädel steht auf und stöckelt davon. Besten Dank auch, so Outings machen ne Menge Spass, vorallem wenn man endlich soweit ist, dass man relativ unauffällig durch den Alltag gehen kann und einfach nur noch als eine von vielen Frauen wahrgenommen wird. Die Ärztin ist noch mehr erschrocken als ich, sie entschuldigte sich sofort und sehr freundlich und erklärte, sie sei über das “m” auf meiner Karte gestolpert. Dort steht nämlich immer noch der alte Vorname und das falsche Geschlecht, mit Diana in Klammer. Die Dermatologie dürfte nicht oft Mädels wie mich haben, das gehört nicht zum “Standard-Programm”. Deshalb verstehe ich auch, dass man da nicht so sehr drauf achtet wie z.B. in der Psychologen-Abteilung, wo täglich so Exemplare wie ich reinspazieren. Aber das macht so eine Situation für mich nicht wirklich angenehmer.

Und so gibt es unzählige weitere Beispiele. Unterdessen falle ich in der Öffentlichkeit so wenig auf, dass ich z.B. beim Grenzübertritt im Falle eines Piepsers beim Scanner ohne zögern zur Frau gewunken werde, damit sie die Körperkontrolle macht. Selbst da hatte ich nicht den Eindruck, dass ihr etwas an mir auffiel. Umso grotesker ist es dann, wenn man eigentlich so weit wäre und dann verwirrte Blicke erntet, wenn man der Stewardess die Bordkarte von einem Mister in die Hand drückt. Dasselbe Spiel läuft auch bei jeder Fahrausweiskontrolle in Zügen, weil mein Halbtax-Abo (wie Bahncard-50 in Deutschland) auf so n’Kerl lautet, der mir nicht im Geringsten ähnlich sieht. Eingeschriebene Briefe und Pakete auf der Post abholen ist ebenfalls spassig ohne zum Gesicht passende Ausweispapiere.

Ausserdem lautet das Bankkonto auf diesen Kerl, die Kreditkarte gehört auch nicht Diana und ihr Einsatz kann vielleicht sogar zu rechtlichen Problemen führen, benutzen einer fremden Kreditkarte……. apropos, im Falle so eines Justizirrtums käme ich für die U-Haft in ein Männergefängnis, da wär ich sogar ohne Ausweis im Mittelpunkt…….. und falls ich morgen vom Blitz getroffen werde und überlebe, wache ich im Spital auf, umgeben von Männern.

Irgendwie ist das schon bizarr. Die Diagnose wurde gestellt, man hat meine Weiblichkeit aus medizinischer Sicht anerkannt. Ich musste ein Jahr lang “Frau spielen” in diesem sogenannten Alltagstest. Aber meine Identität wird mir weiter verweigert, bis zur endgültigen Sterilisation. Bis dahin bleibe ich inexistent und führe ein Leben, das nicht ich bin, zumindest nicht offiziell. Ich würd mich wirklich riesig freuen, wenn mir einer dieser allwissenden Fachleute erklären könnte, weshalb ich als transsexuelle Frau diagnostiziert bin, somit also medizinisch gesehen weiblich bin, aber die Anerkennung meines diagnostizierten Geschlechts nicht anerkannt wird……….. mich persönlich überfordert das rational komplett. Aber ich hab ja auch nicht studiert, mit Studium wüsste ich sicher vom Nutzen solch entwürdigender Erfahrungen.


 

3 Reaktionen zu “Transsexualität ohne Identität?”

  1. Kim

    “weshalb ich als transsexuelle Frau diagnostiziert bin, somit also medizinisch gesehen weiblich bin”

    Diana. Laut ICD und DSM bist du nicht “weiblich” und schon gar keine “Frau” sondern, ein Mann, der auf Grund einer “Geschlechtsidentitätsstörung” in der Frauenrolle (gender) leben will. Deswegen heisst die erfundene Störung ja auch “gender identity disorder” – die bei Kindern, dann gegeben ist, wenn sie mit dem “falschen” Spielzeug spielen oder die “falschen” Spielfreunde haben. Bei Erwachsenen Männern sei diese Störung gegeben, wenn sie den Wunsch haben mit “Frauenkleidung” herumzulaufen, oder den Wunsch verspüren mit “weiblichem Namen” angesprochen zu werden. Dass du eine Frau BIST… ja davon steht nichts im ICD/DSM. Bitter, aber transsexuelle Menschen gelten in vielen Ländern noch nicht als existent. Deswegen betonen die sogenannten psych. “Experten” ja auch immer, dass eine transsexuelle Frau keine Frau ist, sondern ein “Mann, der sich wie eine Frau fühlt”.

  2. Diana

    ich habe mich auch nicht auf ICD/DSM bezogen sondern auf die Tatsache, dass man nachweisen konnte, dass eine transsexuelle Frau eine weibliche Hirnstruktur hat. Wenn ich als “transsexuell” diagnostiziert werde, egal wie realitätsfremd die Diagnose selbst genannt wird, dann attestiert man mir damit das weibliche Gehirn. Und weil ich mein Selbst eher im Hirn als in den Genitalien verorte, ist diese Diagnose aus wissenschaftlicher Sicht faktisch ein Attest, dass ich eine Frau bin. Aber eben, Psychologie ist eine Parawissenschaft, die ihre Theorien mehr schätzt als wissenschaftliche Fakten.

  3. Proxifilm

    Parawissenschaft trifft es ganz genau.
    Aber was tun wir, um die politischen Auswirkungen dieser Parawissenschaft friedlich zu bekämpfen? Liebe Grüße

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