(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transsexualität: Öffentliche Wahrnehmung und Faktenresistenz

Transsexuelle Menschen leiden primär unter zwei grossen Problemen.

Zum einen sind sie im falschen Körper geboren und werden dadurch in Geschlechterrollen gezwungen die ihre Seele tagtäglich vergewaltigen. Dieses Problem kann heutzutage dank plastischer Chirurgie und der chemischen Keule grösstenteils bewältigt werden.

Das zweite Problem sind die enormen Vorurteile und das erschreckende Falschwissen, das in dieser Gesellschaft verbreitet ist. Man kennt das ja, wenn jemand mal glaubt, etwas zu wissen, dann kriegt man dieses “Wissen” auch mit besten Argumenten und Beweisen kaum noch aus seinem Kopf raus.

Die Blick-Geschichte hat mir gezeigt, dass es notwendig ist, solche gestreuten Falschbilder zu korrigieren und deshalb habe ich mir vorgenommen, von nun an solchen Bildern und Fehlinformationen eine andere Sichtweise gegenüber zu stellen. Bereits der erste Versuch zeigt, dass es Menschen gibt, die eine ungeheure Faktenresistenz haben und nichts an sich heranlassen, was ihr vereinfachtes Weltbild irgendwie ankratzen würde.

Dieser Tage ist im “Mamablog” des Tages-Anzeigers eine Diskussion eröffnet worden wegen dem “schwangeren Transsexuellen”. Das Grundthema war, ob Transsexuelle Kinder haben dürfen. Mal abgesehen davon, dass diese Frage bereits faschistoide Züge trägt, zeigte auch die dort aufkommende Diskussion, dass es zwar Leute gibt die mit viel Verständnis auf das Thema eingehen, dass aber auch immer wieder Exemplare der menschlichen Spezies auftauchen, die ihren persönlichen Glauben resp. ihre naive Meinung über alle wissenschaftlichen Fakten stellen – ähnlich wie Kreationisten daran festhalten, dass die Erde nur 6000 Jahre alt ist, C4-Messungen hin oder her.

Ein paar Beispiele in der Diskussion im Mamablog sollen das verdeutlichen.

Transsexualität als Suchterkrankung?
Da stellt jemand die Hypothese auf, Transsexualität sei eine Suchterkrankung, diese Leute sollen ähnlich wie Michael Jackson eine Art Operationssucht haben. Abgesehen davon, dass ich noch nicht ein einziges Mal in Fachkreisen von dieser Theorie hörte, ist sie bei genauem Hinsehen völlig absurd. Wer auch nur mal eine kurze Medizinsendung über Sucht gesehen hat, der weiss, dass Sucht dann entsteht, wenn eine Handlung viele Male ausgeführt wurde und stets vom Belohnungssystem des Hirns belohnt wurde. Wer lange Zeit Drogen nimmt oder Glücksspiele macht, regt immer wieder das Belohnungssystem an und legt damit tiefe Spuren in sein Hirn, die irgendwann die Sucht nach erneuter Belohnung entstehen lassen.

Wäre Transsexualität eine Suchterkrankung, hätte ich bereits viele “positive Erfahrungen” machen müssen bevor ich transsexuell “geworden” wäre. Aber meine tiefe Überzeugung, ein weibliches Wesen zu sein, stand bereits in frühem Kindheitsalter fest, zu einer Zeit, in der ich niemals Röcke trug oder sonstige weibliche Attribute gelebt hätte. Hinzu kommt, dass die geschlechtsangleichende Operation eine einmalige Sache ist, die erst am Ende der Angleichungsphase ausgeführt wird. Da gibt es keine suchterzeugenden Reize vorher und keine mehr nachher. Diese These ist völlig absurd, trotzdem vermögen gewisse Menschen daran festhalten auf Teufel komm raus.

Transsexuelle Verhaltensweisen?
Ein Anderer hält Transsexualität für eine Verhaltensweise und beweist damit, dass sein Wissensstand nicht mal dem eines Blick-Schreibers entspricht. Das Problem von Transsexuellen ist ja gerade, dass ihre Verhaltensweisen ein Leben lang ins falsche Geschlecht gezwungen wurden. Die Meisten bekämpfen sich selbst und versuchen ihre Geschlechtsidentität zu unterdrücken um gesellschaftskonform zu funktionieren. Transsexuellen geht es frühstens dann besser, wenn Sie ihre Verhaltensweise ändern und in dem ihrer Identität entsprechenden Geschlechterrolle leben.

Man wird also nicht transsexuell, weil man zuviel in Frauenkleidern herumgelaufen ist sondern man läuft irgendwann in Frauenkleidern herum, weil man transsexuell ist und schon immer war. Diese Verdrehung von Ursache und Wirkung zeugt wirklich von überwältigendem Unwissen.

Ignoranz und Faktenresistenz
Der Höhepunkt der Ignoranz wird dann erreicht, wenn ich beispielsweise diesen Link auf Forschungsergebnisse als Argument vorbringe, die sogar fürs Auge sichtbar mit Bildern und Fakten zeigen, dass die Hirnregion BSTc, die für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, bei transsexuellen Frauen mit der von anderen Frauen übereinstimmt. Es geht hier nicht darum, was im Hirn gespeichert ist, also psychologisch zu verstehen ist, wir reden hier von einer anatomischen Gemeinsamkeit zwischen TransFrauen und BioFrauen. Wenn ich nun so ein Argument einwerfe und niemand darauf eingeht und nichtsdestotrotz schnoddrig an seinem selbst-erfundenen Erklärungsmodell festhält, dann fehlen einem echt die Worte. Das erinnert mich irgendwie an Platons Höhlengleichnis, nur um einiges abstruser.

Transsexuellen gehts nach der “Umwandlung” schlechter
Ein Mythos der sich hartnäckig hält, auch wenn er noch so widerlegt wird. Prof. Udo Rauchfleisch, der am Basler Universitätsspital über hundert Transsexuelle langfristig betreut hat, spricht von einem einzigen Fall, bei dem die Betroffene die GaOp bereut hat, allen anderen ging es anschliessend deutlich besser. Trotzdem hält sich der Mythos hartnäckig, dass sich Transsexuelle angeblich umbringen. Einmal mehr dringen Fakten nicht bis an eine breite Öffentlichkeit.

Fazit – es gibt viel zu tun
Es bedarf wohl noch jahrelanger Öffentlichkeitarbeit, bis einer Mehrheit klar wird, dass TransFrauen eigentlich ganz normale Frauen sind, die nur ein einer körperlichen Ungewöhnlichkeit und ein unsäglicher gesellschaftlicher Ignoranz leiden.

Es ist keine Schande, unwissend zu sein,
aber es ist ein Armutszeugnis, wenn man Fakten leugnet,
um an der eigenen Unwissenheit festzuhalten.

Es ist schon schwer zu begreifen, dass Andere sich im Recht glauben, über Menschen wie mich zu urteilen und uns zu ver-urteilen. Aber wenn sich diese Gesellschaft schon das Recht nimmt, über uns zu richten, dann erwarte ich doch wenigstens soviel Fairness, dass man bei diesem gesellschaftlichen Gerichtshof in den Köpfen der Menschen Fakten nicht leugnet und die eigenen Vorurteile nicht über erwiesene Tatsachen stellt. Alles andere kommt einer neuzeitlichen Inquisition gleich und ist ein Armutszeugnis für eine angeblich aufgeklärte Welt.

Update 1.1.2010
Nachdem ich eine Weile mitgelesen habe und den menschenverachtenden Dreck eines gewissen Schmidli gelesen habe, konnte ich nicht umhin, nachfolgenden Beitrag in besagtem Forum zu posten. Dass der Tagi so faschistoiden Dreck überhaupt veröffentlicht, ist meines Erachtens ein Armutszeugnis, die Redakteure dieses Blogs wären nicht schlecht beraten, wenn Sie zukünftig lesen würden, was für perverse Sichtweisen auf ihrem Portal aufgelistet werden……….

falls das eine offizielle Umfrage ist, ich halte Schmidli ebenfalls für schwer gestört und wundere mich sehr, dass der Tages-Anzeiger so faschistoiden Dreck durchgehen lässt. Schmidli hat mehrfach den Straftatbestand der Ehrverletzung und der Beleidigung vollzogen, dass der Tagi so menschenverachtende Zeilen in sich sitzen lässt, ist ein Armutszeugnis für eine Zeitung, die sich einst der Seriösität verpflichtet fühlte. Ich bleibe bei meinem Angebot und würde eine psychotherapeutische Behandlung Schmidlis wegen Homophobie und Kastrationsangst finanziell unterstützen.


 

13 Reaktionen zu “Transsexualität: Öffentliche Wahrnehmung und Faktenresistenz”

  1. Bad Hair Days

    Mir hat es gestern die Sprache verschlagen, als Lobotomien für unheilbar Transsexuelle gefordert wurden.

  2. Juliet

    Das sollten sie lieber bei sich selber anwenden, soweit ich weiss, macht man sowas nur bei kranken Köpfen.

  3. Diana

    @Sarah: ich bin heute noch geschockt, so eine Denkweise hatte Dr. Mengele. Dass im Jahr 2009 noch jemand solche “medizinische Massnahmen” gutheisst, zeigt wessen Geistes Kind er ist. Es gibt scheinbar immer noch Leute, die Transsexuelle lieber in Zwangsjacken stecken oder besser schon im Embryonalstadium abtreiben würden, als ihne die Hilfe zukommen zu lassen, die nachweislich ein lebenswürdiges Leben gewähren kann.

    Auch der Träumer mit der Suchtthese ist einfach krass. Weiss nicht mal was ein Belohnungszentrum ist und dass Sucht nur durch Handlungswiederholung entstehen kann, bleibt aber trotzig dabei, dass Menschen bereits im Kindheitsalter transsexuell sind, zu einem Zeitpunkt, da keine Trans-Handlungen existieren.

    @Juliet: Ich glaub ganz so schlimm ist es nicht, man müsste diesen Leuten einfach ein bisschen Charakter und Differenzierungsvermögen und noch ein wenig Empathie einimpfen, dann wären sie auf einem guten Weg, Menschlichkeit zu leben. Das ist ja das Seltsame, wir Transsexuellen wollen uns helfen lassen und nehmen die Hilfe an die uns geboten wird. Solche Leute wollen lieber ignorant und menschenverachtend bleiben.

    Einsicht ist der erste Weg zur Besserung, sagte der gute Sokrates – bei diesen Leuten ist glaub noch lange keine Besserung in Sicht.

  4. Juliet

    Im Grunde hast Du ja Recht, solche Typen haben entweder keine Lust, ihre Meinung zu ändern, oder zuzugeben, dass sie unrecht haben, mnache sind einfach nur hohl in der Birne und manche haben tierischen Spass am rumstänkern und freuen sich nen drittes Loch in den Hintern, wenn andere sich drüber aufregen.
    Wieder andere sind total psycho drauf, da hilft wohl alles nix, ausser bunte Pillen oder ihnen ihre eigene Medizin zu schmecken zu geben….boah macht mich echt aggro, über den Weg laufen dürfte der mir im Moment echt nicht.

  5. Morag

    @Diana: Diesen Leuten Charakter und Differenzierungsvermögen einimpfen-am besten noch schmerzfrei-bist Du da nicht ein bisschen naiv?
    [allerübelster zynismus on]Mit der Lobotomie bieten sie Dir doch auch Hilfe an, aber Du Suchtmaus willst ja nicht[allerübelster zynismus off] ;-D
    Im Ernst: Es wird immer Menschen geben, die von einer einmal emotional gefaßten Meinung nicht mehr abgehen, ganz egal, wieviel plausible Gründe man ihnen fürs Abrücken darlegt-im Kampf zwischen Emotion und Verstand unterliegt letzerer meistens.

    Die Diskussion im Mamablog ist ja in eine Schlacht ausgeartet-ich weiß nicht, wie ich mit der Tatsache umgehen soll, daß Figuren wie der Herr Schmidli in einem moderierten Blog seitenweise ihre Kommentare absondern dürfen, ohne daß ihm jemand in den Arm fällt. Allein für das Zusammenwerfen von Pädophilen und Transgendern sollte ihm Hausverbot erteilt werden.

  6. Bad Hair Days

    > Hausverbot

    Hätte er dergleichen in Deutschland abgesondert, hätte er jetzt eine Anzeige wegen Volksverhetzung von mir.

  7. Morag

    Gibts diesen Tatbestand (oder etwas vergleichbares) nicht in der Schweiz?
    Falls nicht und wenn Diana auch nur halbwegs recht behält mit ihren pessimistischen Ahnungen, wird es ihn dann wohl auch leider in Zukunft nicht haben :-(

  8. Bad Hair Days

    Seltsam:
    http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/
    204 Kommentare
    http://blog.bernerzeitung.ch/mamablog/
    164 Kommentare

    Wieso gibt es beim Link über die Bernerzeitung 40 Kommentare weniger? Welche Fehlen?

  9. Morag

    Jetzt sinds aktuell auf beiden Seiten 209 Kommentare-die beiden unterscheiden sich nur marginal im Layout und der Werbung, die sie schalten.

  10. Diana

    da passieren ja seltsame Dinge mit den Kommentaren, Zensur kanns kaum sein, denn sogar das faschistoide Zeugs von Schmidli ist drin, obwohl das m.E. die Grenze des Einklagbaren übersteigt. Naja ich hab mich abgeregt und bekam einmal mehr die Bestätigung, dass es erstens Vollblutidioten gibt und dass zweitens der Mensch auch ohne Hirn lebensfähig ist. Die Kakerlake überlebt drei Tage ohne Kopf, solche Leute ein Leben lang ohne Hirn.

  11. Diana

    Update 1.1.2010: siehe Schluss des Blogbeitrags

  12. Pissnjällke

    also, inhaltlich würde Ich euch ja absolut recht geben,
    was die menschenverachtenden Beiträge von Schmidli & co
    angeht:Es ist wirklich eine Zumutung sowas lesen zu müssen!

    Da Ich aber ein absoluter Meinungsfreiheitsfetischist bin,wäre
    Ich auch dagegen sowas zu zensieren.
    Es ist denke Ich eigentlich auch taktisch klüger so was stehen
    zu lassen:Den so kann man wenigstens versuchen die Behauptungen zu widerlegen, was bei derart Haarsträubendem eigentlich keine große Kunst ist.
    Natürlich ist es wie schon beschrieben dann immer noch schwer,die Leute für harte Fakten empfänglich zu machen,aber wenn diese transphoben Zeitgenossen ihre Gedanken nur noch an irgendwelchen Stammtischen unter sich austauschen
    wirds ja auch nicht besser…

    …Wichtig ist nur denke Ich immer so gut es geht eine Gegen-
    öffentlichkeit zu schaffen!

  13. Diana

    @Pissnjällke: ich bin da selber im Clinch, Zensur ist immer die letzte Konsequenz und darf wirklich nur in gröbsten Fällen sein, auch mir bedeutet Meinungsfreiheit sehr viel. Aber unsere gesellschaftlichen Regeln, die wir alle aufgestellt haben, unterscheiden beispielsweise zwischen Verleumdung, Beleidigung, Ehrverletzung und Meinungsfreiheit. Jeder hat ein Recht auf seine Meinung, trotzdem darf man weder verleumden noch beleidigen u.s.w. Ich habe schon viel Menschenverachtendes gelesen und war immer der Ansicht, dass diese Meinung stehen gelassen werden soll und entsprechend quittiert wird. Aber dieser Kandidat hat m.E. die Grenzen überschritten.

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