(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transsexualität: Klartext in der Leserbriefspalte

Leider findet man in Zeitungen und Zeitschriften nahezu nie Artikel zum Thema Transsexualität, die auch nur ein klein wenig Fakten liefern. In der Regel sind es entweder Artikel die nichts aussagen oder im Fall von Boulevardblättern irgendwelche transphoben Hetzschriften, die jeglicher Realität fern sind.

Der Tages-Anzeiger hat vor einigen Tagen einen Artikel der ersten Art über einen Trans-Mann publiziert, mit dem tiefsinnigen Titel “Vielleicht auch mal im Stehen pinkeln“. Der Bericht ist relativ umfangreich und wenigstens nicht so despektierlich wie man es von Boulevard-Zeitungen gewohnt ist, aber es wird auch da von “Umwandlung” gesprochen, dass Georges früher ein Mädchen gewesen sei und die Themen kreisen mehr um Genitalien als um medizinische Fakten. Trotzdem ein wenig interessant, man erfährt von den Veränderungen durch die Hormontherapie und dass transsexuelle Menschen ein ganz normales Leben führen können.

Aber zum Glück gibts nicht nur Redakteure sondern auch Leser – und vorallem Leser die denken und schreiben. So war die Leserbriefseite des heutigen Tages-Anzeigers mit einigen guten Beiträgen von Betroffenen und Angehörigen gefüllt, einer davon von einer Gynäkologin, die mit wenigen Worten aussprach, was endlich in allen Zeitungen gedruckt werden müsste: Transsexualität ist keine psychische Störung sondern ein biologisches Phänomen. Die ganzen Leserbriefe können durch klicken des obigen Bildes gelesen werden, die wichtigsten Zeilen dieser Fachärztin möchte ich hier wiedergeben………

Tatsächlich ist auch heute (noch) diese Diagnose unter den psychischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (das heisst Störung der Geschlechtsidentität) aufgeführt. Dies, obwohl die Forschung der letzten Jahre eindeutig darauf hinweist, dass sich die sexuelle Identität bereits vor der Geburt, also noch im Mutterleib ausbildet, möglicherweise gesteuert durch äussere hormonelle Einflüsse, welche direkt auf das Gehirn des Embryos einwirken………… Es wäre für die Betroffenen von Vorteil, wenn man von einer hormonellen Störung mit somatischer Auswirkung sprechen würde………. Das Problem eines transsexuellen Mannes liegt demnach bei der Ausbildung falscher somatischer Geschlechtsmerkmale und nicht bei der psychischen Identifizierung als Mann.

Bettina Flütsch, Zug
Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe FMH

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis auch die Redaktionen von Ringier und Konsorten diese Fakten auf den Tisch legen. Solche Statements von Fachleuten geben Hoffnung, dass die Stigmatisierung von transsexuellen Menschen irgendwann ein Ende haben wird.

In einer Zeit, in der nachgewiesen wird, dass transsexuelle Frauen eine weibliche Hirnstruktur haben, in der Presseräte Boulevardmedien ermahnen wegen diskriminierender Berichterstattung, in der Länder wie Frankreich Transsexualität von der Liste der Geisteskrankheiten streichen, in der der EU-Ministerrat und die Parlamentarische Versammlung des Europarates die Einhaltung von Menschenrechten bei transsexuellen Menschen verlangt…… in so einer Zeit kann man wirklich anfangen zu hoffen, auch wenn gleichzeitig die amerikanische Psychiatriesekte APA wider aller Fakten weiter an der Psychopathologisierung von biologischen Phänomenen festhält.

Niemand muss verstehen, was es heisst, transsexuell zu sein.
Aber akzeptieren kann man es.
(Georges)

Nachtrag: hätt ich’s doch fast vergessen, diesen Samstag hält mein Oberarzt vom Uni-Spital einen kleinen Vortrag zum Thema. Ich werde zu 99% dort sein und bin gespannt, ob er auch so kluge Dinge erzählt wie diese Leserbriefschreiberin………….. Antrittsvorlesung von Bernd Krämer, Oberarzt an der psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich: «Vertauschte Rollen – Tootsie oder Transsexualismus», 8. Mai, 10 Uhr in der Aula der Universität Zürich.


 

7 Reaktionen zu “Transsexualität: Klartext in der Leserbriefspalte”

  1. Michaela

    Hallo Diana,

    ja man kann da nur hoffen, daß die Stigmatisierung von transidenten Menschen irgendwann ein Ende haben wird. Ich hatte gerade gestern ein dazu passendes Erlebniss, was ich auch in einem Beitrag in meinem Blog beschrieben habe: http://michaela-bodensee.blogspot.com/2010/05/spionin-auf-der-herrentoilette.html

    Liebe Grüße vom Bodensee,
    Michaela

  2. Diana

    @Michaela: ich denke wir sind auf einem guten Weg, die neusten Entwicklungen sind ja vielversprechend. Bis alle Probleme beseitigt sind und man uns wirklich so sieht wie wir sind, wird es noch lange gehen, aber der Weg ist bekanntlich das Ziel, jeder Schritt verbessert unser Leben.

  3. Sam

    danke Diana für den tollen Beitrag zum Artikel und den Leserbriefen!!… ich hab in meinem Blog auch schon einen Post vorbereitet weil die Ärztin mir imponiert hat und man richtige news einfach verbreiten muss… ich kann es nicht besser ausdrücken als du es getan hast… ich werde ein paar links in meinen artikel reinpacken… aber derzeit hat noch ein aktueller artikel im blog vorrang :-) aber dann kommt das als nächstes.. ligru sam

  4. Kus

    Mir ist die «psychische Krankheit» auch ziemlich aufgestossen beim Lesen des Artikels. Gut, dass Du darüber wieder so kompetent berichtet hast. Viele mutige Leute wie ihr, Diana und Michaela, können ein Umdenken in der Bevölkerung bewirken. Es ist zwar «nur» ein Tropfen auf einen Stein, aber mit der Zeit wird er ausgehöhlt. Aber es braucht Zeit. Wenn ich daran denke, wie verachtet noch vor 40 Jahren Homosexuelle waren, so hat sich doch dank deren Offensive sehr vieles verändert.

  5. Armanda Scheidegger

    Da ich als Transsexuelle Frau leider einen Myo-
    cardinfarkt erlebte und eine operative Geschlechts-
    umwandlung aus gesundheitlichen Gründen nicht
    möglich war, erlaube ich mir heute mit Oestrogen-
    pflaster meine Körperformen zu verweiblichen.
    Ich hoffe sehnlichst das sich meine Brüste und
    Hüften etwas verändern, ich will doch auch eine
    Frau sein !
    herzlichst Armanda

  6. Diana

    @Armanda: lass Dir von der Welt nichts einreden, ob Du eine Frau bist, wird nicht durch das Vorhandensein oder Ausgeprägtsein von primärem oder sekundären Geschlechtsmerkmalen bestimmt. Entweder warst Du schon immer eine Frau oder Du wirst es nie sein. Aber ich verstehe natürlich den Wunsch einer Angleichung. Da bei mir die Hormone zuwenig bewirkt haben, habe ich mich bei der Korrektur-Op zusätzlich brustvergrössern lassen und ich kann diesbezüglich bestätigen, dass dieses Geschlechtsmerkmal sehr stark auf das Annehmen des eigenen Körpers Einfluss nimmt. Das Selbstverständnis wird sehr gestärkt, wenn es auch aussenrum einigermassen stimmt. Ich wünsch Dir jedenfalls alles Gute auf Deinem Weg ;-)

  7. Ellen

    Hallo Armanda,
    auch ich habe als transsexuelle Frau einen Myo-
    cardinfarkt hinter mir. Ist bei mir ein halbes Jahr her.
    Selbstverständlich kann die GaOP gemacht werden. Du musst nur mindestens ein Jahr warten und das Herz ordentlich trainieren.
    Bei der Hormontherapie musst Du die Gel-Form verwenden.
    Wenn Du Lust hast, können wir uns mal austauschen.

    Grüße

    Ellen

Einen Kommentar schreiben

Please copy the string ksgKcq to the field below:



Copyright © 2018 by: (t)-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.