(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transsexualität – Geschlechtstransformation und Lebensfreude

Als ich vor bald einem Jahr mein Leben radikal änderte und als die Frau zu leben begann, die vier Jahrzehnte in mir dahin vegetierte, wusste ich zwar dass eine Geschlechtstransformation oder Geschlechtsangleichung der einzige Weg ist, aber ich wusste weder ob mich dieser Weg glücklich macht noch ob ich stark genug bin dafür. Heute kann ich definitiv sagen, dass ich mein Glück so gefunden habe – der Erfolg gibt mir Recht.

Und das ist alles andere als selbstverständlich. Es geht gehörig an die Substanz, von seinen Mitmenschen angegafft und belächelt zu werden. Man muss grosse Ängste überwinden, wenn man die gesundheitlichen Risiken einer Hormonbehandlung oder noch mehr einer geschlechtsangleichenden Operation (GaOp) auf sich nimmt. Es braucht ungeheure Courage, seine Andersartigkeit allen Freunden und Verwandten mitzuteilen. All das und viel mehr brauchen enorme Energie und eine enorme Renitenz dem Leben gegenüber, um diesen Weg zu gehen und die Spannung auszuhalten, die Transsexuelle in der Gesellschaft auslösen. Und es ist unsäglich traurig, damit klar zu kommen, dass man seine Beziehungschancen nah an den Null-Punkt bringt und vielleicht lange, vielleicht sogar für immer alleine sein wird.

Doch wenn ich zurück schaue und mein neues Leben vergleiche mit dem, was ich früher als “Spiel des Lebens” bezeichnete, dann ist es geradezu erschütternd festzustellen, dass die Lebensqualität und Lebensfreude Ausmasse angenommen haben, die für mich vorher schlicht unvorstellbar waren.

Das Leben war für mich nie etwas das ich wollte, es war etwas das ich durchstehen musste. Unzählige Male stand ich an einem Punkt an dem ich mich frage, wozu ich diese Scheisse noch weiter ertragen sollte. Mir fiel nie ein Grund ein. Das einzige was mich hielt, war meine mir angeborene Renitenz, der Wille, nie aufzugeben und die Einstellung, dass ich nicht bereit bin von hier zu gehen, bevor ich nicht endlich auch glücklich sein kann. Alles Erduldete und alles Erlittene wäre sinnlos gewesen, wenn ich aufgegeben hätte, also kämpfte ich weiter und wartete auf ein Wunder, an das ich selber nie glaubte. Es ging mir wie im Lied “Halt mich” von Lacrimosa, in dem gesungen wird: “Solange sich die Zeit noch dreht, die Zeiger sich noch drehen, solange dreh auch ich noch meine Runden. Doch des Lebens süsse Lust hat mich verlassen.”. Nein sie hat mich nie verlassen, sie existierte gar nie.

Heute wache ich morgens auf und spüre eine erquickende Lebensfreude. Es macht Spass aufzustehen, mich für den Tag bereit zu machen, zur Arbeit zu gehen, mit meinen Mitmenschen zu reden, an ihrem Leben teil zu haben und sie an meinem Leben teilhaben zu lassen.

Früher musste ich das Glück ausserhalb von mir suchen, musste mir etwas kaufen, mich lieben lassen, Sex haben, Tiere beobachten oder sonst etwas tun, was meinen Körper mit Glückshormonen flutete. Von alleine kam da nichts, da war nur eine gähnende Sinnlosigkeit.

Heute ist allein die Tatsache meiner Existenz und das Leben meiner wahren Identität Ursprung grenzenloser Lebensfreude. Mit meinem Namen angesprochen zu werden ist ein Geschenk, das mit täglich hundert Mal gemacht wird. Mich im Spiegel als Frau zu sehen ist trotz begrenzter Begeisterung ob meines Aussehens jedes Mal ein Freudentaumel. Zum ersten Mal im Leben kann ich sagen: Ich bin!

Ich schaue zurück und erschrecke, wie wenig mir mein Leben doch bedeutete. Ob ich mich zu Tode rauche oder mich sonstigen Risiken aussetze, war für mich völlig unbedeutend. Als ich beispielsweise mal wegen einer schweren Bronchitis die Lunge röntgen musste, ertappte ich mich bei der Hoffnung, dass man mehr als das findet und der Arzt endlich das Todesurteil ausspricht und eine Erlösung in Aussicht stellt. Heute mache ich mir Sorgen wegen der Trombosegefahr, will das Rauchen aufhören, sorge mich dass ich Brustkrebs bekommen könnte oder sonst etwas Schlimmes passiert. Angst kann so etwas Schönes sein, wenn sie Ausdruck von Liebe ist, Liebe sich selbst gegenüber.

Ein mir bisher unbekannter Lebenswille durchströmt mich und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass ich noch lange Zeit weiter leben darf, leben als das was ich jetzt endlich sein kann und darf, leben als die Frau die meine Seele ausmacht. Und egal wieviele Steine noch auf meinem Weg liegen, egal wieviel Trauer und Verzweiflung ich noch erleben werde, ich freue mich auf jeden zukünftigen Tag, was auch immer er bringen mag.

Ja, der Erfolg gibt mir Recht, es hat sich gelohnt…… und auch wenn meine Transformation für die meisten meiner Mitmenschen unverständlich ist und manche mich für noch so verrückt halten mögen, heute weiss ich, dass ich den richtigen Weg gegangen bin. Und ich bin überzeugt, dass ich ein Recht dazu habe, die Welt mit meiner Andersartigkeit zu irritieren, weil Transsexuelle genauso wie alle anderen ein Recht haben auf ein glückliches Leben und ein Recht darauf haben, ihr Innerstes zu entfalten.

Für die Meisten dürfte dieses Glücklichsein eine Selbstverständlichkeit sein, für mich ist es ein grosses Wunder, das Wunder eines Schmetterlings, der den Cocoon endlich verlassen kann, seine Flügel ausbreitet und in die Luft steigt.


 

39 Reaktionen zu “Transsexualität – Geschlechtstransformation und Lebensfreude”

  1. Juliet

    So ewig lange kenne ich Dich zwar noch nicht, aber ich bin wirklich froh zu lesen, dass Du Deine Lebensfreude wiedergefunden hast.
    Und ich hoffe, dass Du sie nie verlierst
    Es ist erschreckend, wie wenig sich die Leute doch Gedanken darüber machen, wie es einem transidenten Menschen geht.

  2. Diana

    nach all dem, was Du von mir gelesen und mit mir geplaudert hast, kennst Du mich vermutlich besser, als die meisten, die mich zu kennen glauben.

    es erschreckt mich selber immer mal wieder, zu sehen, wie wenig Empathie meine Mitmenschen haben. Der Mensch neigt dazu, andere zu verurteilen, lange bevor sein Hirn anfängt zu denken und viel länger bevor sein Herz anfängt, mitzufühlen. Transidente werden von den Meisten als verrückt taxiert, dass diese Menschen einem Leidensdruck standhalten, der viele überfordern würde, nehmen sie nicht wahr. Ich glaube, das wäre der wichtigste Punkt um Transidenten ein wirklich lebenswertes Leben zu ermöglichen, wenn die Leute anerkennen würden, dass wir unseren Weg nicht aus purem Übermut begehen sondern aus einer Notwendigkeit. Niemand will transsexuell sein, aber wir sind es und wir müssen damit klar kommen.

    Die anderen Kommentare beantworte ich morgen, nun ist’s Zeit für ins Bett – alleine, aber mit mir im Reinen

  3. Juliet

    Stimmt schon, durch das lesen bekomme ich wirklich das Gefühl, Dich zu kennen, ohne Dich getroffen zu haben, gerade weil es ein Blog ist und nicht nur eine Homepage. Und das kommentieren trägt auch dazu bei. Und das persönliche kommt ja noch.

    Da sind mir die Leute lieber, die sich zwar nicht mit der Thematik beschäftigen, aber sagen “Ist mir egal, solange ich mit dem Menschen klarkomme. Jeder soll nach seíner Farcon glücklich werden”.

    Wünsch Dir nen stressfreien Tag, bis heute abend oder so ;-)

  4. Diana

    wenn man so exzessiv rumplaudert wie wir Zwei, lernt man einander schon recht gut kennen. Klar blödeln wir oft rum, aber es geht auch immer wieder um sehr emotionale Themen.

  5. Juliet

    Wer hat mit rumblödeln eigentlich angefangen?
    Was die emotionalen Themen angeht, gibst Du allerdings mehr von Dir preis, aber es ist ja auch Dein Blog.

  6. Diana

    pah, als ob ich jeeeee rumblödeln würde, sowas würd ich niiiieee tun, bin schliesslich ein artiges Mädel, nicht so wie Du Göre :o)

    und was das Emotionale anbelangt, klar, das ist mein Blog und es ist mein Job mich hier zu entblössen, das war auch von Anfang an so geplant, es soll ein persönliches Zeugnis einer transidenten Frau sein, das aufzeigt, was man auf diesem Weg so alles erleben kann

  7. Bad Hair Days

    > Heute … spüre eine erquickende Lebensfreude

    Und das wird noch besser :-)

  8. Juliet

    Du warst das gar nicht?! Mit wem schreibe ich denn hier, hast Du ne Zwillingsschwester?

  9. Diana

    @Sarah: ich bin nur schon zufrieden, dass ich überhaupt diese neue Art des Glücks erleben kann, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das erst der Anfang ist. Wenn ich mir z.b. vorstelle, wie ich nach der Op erwache, könnte ich heulen ob dieser Vorstellung. Und wenn ich meinen Pass in der Hand hab, der endlich das ordnungsgemässe Geschlecht eingetragen hat, dürfte ich ebenfalls in Glückshormonen ersaufen. Ach es ist so schön, wenn man sich auf die Zukunft freut, ohne überhaupt zu wissen, worauf genau.

    @Juliet: Du hast mit Dir selbst geredet, haste nicht gemerkt, gelle :o)

  10. Juliet

    Dann hab ich ne Zwillingsschwester und die behauptet, Du zu sein? So langsam kapier ich das ;-)

  11. Diana

    ich sag ja, Du bist verrückt :o)

  12. Juliet

    Hast Du das gesagt oder ich? Oder meine Schwester? Ich glaub, ich muss mal ein ernstes Gespräch mit mir führen..

  13. Diana

    oder bist Du ich oder ich Du? Wieviele sind wir Zwei eigentlich? *verwirrtguckt*

  14. Juliet

    Das hab ich mich allerdings auch schon gefragt..wenn ich richtig gezählt hab, dann kriegen wir locker ne Fussballmannschaft zusammen ;-)

  15. Diana

    Mädels spielen kein Fussball *schmoll* ;-)

  16. Juliet

    Ok, dann halt Basketball bzw Streetball, das macht echt Spass ;-)

  17. Diana

    Mädels spielen doch nicht mit Bällen, ausser sie sind pink :o) ne Spass beiseite, ich kenn n’Mädel das den schwarzen Gurt im Karate hat und Fussball über alles liebt, ich finds mega cool, wenn jemand sich gegenüber Geschlechtsstereotypen so renitent verhält, das ist wahre Freiheit……… trotzdem konnte ich nie was mit Bällen anfangen, sind mir irgendwie zu rund oder so

  18. Juliet

    So Stereotyp ist das ja auch gar nicht mehr, es gibt Frauenfussball, ebenso Handball und Volleyball und Frauenboxen ;-)

  19. Diana

    Frauen mit Kniesocken? Bruce würd da sagen: “Sowas geht überhaupt nicht” und da man nicht in ein Frauengesicht hauen darf, weil die zu schön sind zum zerdeppern, ist auch bosen was für Jungs. Bei denen geht ja dann auch nix kaputt, wenn man auf den Kopf haut :o)

    Aber Kampfsport zu Verteidigungszwecken ist natürlich eine gute Sache. Wir müssen uns schliesslich wehren können ;-)

  20. Juliet

    Muss Frau eben aufpassen, dass man nicht im gesicht getroffen wird, das ist ja der Reiz am Boxen. Regina Halmich scheint’s richtig zu machen, ihr Gesicht sieht noch gut aus und Stefan Raab hatte ne kaputte Nase…;-)

    Aber ich bin auch mehr für Kampfsport der asiatischen Art, hab ich ja auch mal gemacht ;-)

  21. Diana

    joh das macht Spass, Jungs wie Raab auf die Nase zu hauen, muss ein tolles Gefühl sein :-) Was für Kampfsport haste gemacht? Ich hab mal a bissrl Karate gemacht, würde heute aber eher WingTsun machen oder diese israelische Terminator-Kampfsportart

  22. Juliet

    Ich hab auch Karate gemacht, ist aber schon ewig her, keine Ahnung, ob ich damit noch was anfangen könnte bzw mich verteidigen. Aber dafür kann ich mich norddeutsch prügeln ;-)

  23. Diana

    boah norddeutsch? Du bist ja echt krass *schauder*

  24. Juliet

    Ach, geht doch nix über eine anständige Kneipenschlägerei….Nein, quatsch, ganz ehrlich, ich hab mich noch nie richtig geprügelt.

  25. Diana

    keine Kneipenschlägerei? Och ich hab mich so drauf gefreut, Spielverderberin *schmoll*

  26. Juliet

    Dass ich das noch nie gemacht hab, heisst nicht, dass ich das nicht kann ;-)
    Hab zumindest schon mal nen Typ an die Wand gedrückt, weil der mir blöd von der Seite kam..

  27. Diana

    siehste, wir kriegen das schon noch hin mit der Kneipenschlägerei ;-)

  28. Juliet

    Aber nicht, dass Du wegen mir dann nicht mehr in den Pub darfst ;-)

  29. Diana

    ok wir halten uns a bissrl zurück ;-)

  30. Juliet

    Ist in Ordnung, dann schmeissen wir halt nur mit Stühlen und lassen die Tische stehen ;-)

  31. Diana

    genau, auf irgendwas müssen wir ja anschliessend noch tanzen können

  32. Juliet

    Und wenn die Tische durchgetanzt sind, ist die Theke dran ;-)

  33. Diana

    gut für n’anständigen Catwalk wär die Bartheke natürlich viel geeigneter, wir brauchen die Tische also gar nicht

  34. Juliet

    Doch, die brauchen wir, irgendwo müssen wir doch das Guinness abstellen oder willste das gleich aus dem Fass schlabbern? ;-)

  35. Diana

    ok hast mich überredet, wir lassen die Tische ganz, ausnahmsweise

  36. Juliet

    Die können wir ja immer noch zerdeppern, wenn das Guinness alle ist, danach gehen wir eh nach Hause ;-)

  37. Diana

    da soll mal jemand sagen, wir Mädels könnten keine Prioritäten setzen :-)

  38. Juliet

    Genau und sollte das doch einer wagen, kriegt er ne Tischplatte an den Kopp ;-)

  39. Uwe

    Hallo,
    Du schreibst mir aus der Seele, mir kommen fast die Tränen. Ich weiß nun noch fester das ich was tun muss.
    Viele liebe Grüße,
    Uwe

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