(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transsexualität – eine psychische oder Störung?

Anlässlich des gestrigen Vortrags mache ich mir mal wieder Gedanken über die Frage, ob Transsexualität eine psychische Störung (Geschlechtsidentitätsstörung / gender-identity-disorder) ist wie es in den offiziellen medizinischen Diagnosebibeln dargestellt wird oder ob es sich hier um eine körperliche “Fehlentwicklung” handelt, wie es vor langer Zeit als “Harry Benjamin Syndrom” beschrieben wurde.

Fakten – da ist was schief gelaufen
Beginnen wir erst mal mit dem was wir wissen, bevor wir zu dem kommen, was wir glauben. Unbestritten ist die Tatsache, dass Transsexualität nicht einfach irgendwann entsteht oder irgend eine Spinnerei ist sondern, dass Transsexualität bereits im Mutterbauch entsteht – wenn nicht sogar früher. Man weiss heute, dass transsexuelle Menschen genetische Marker haben, die einen Einfluss auf Androgen- und Östrogen-Rezeptoren haben, was zu einer verminderten Fähigkeit führt, Testosteron aufzunehmen. Weiter weiss man, dass die Hirnregion BSTc, die für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, bei transsexuellen Frauen dieselbe Neuronendichte hat wie bei nichttranssexuellen Frauen. Jeder Hirnspezialist würde ein aufgeschnittenes Hirn einer transsexuellen Frau als weiblich einordnen. Ausserdem weiss man, dass hormonelle Einflüsse im pränatalen Zustand Transsexualität auslösen können, was in Tierversuchen mit Ratten sogar reproduzierbar ist. Und nicht zuletzt weiss man, dass die Geschlechtsidentität spätestens im Alter von drei Jahren unmöglich verändert werden kann.

Wer liegt hier falsch?
Man weiss also, dass es Menschen gibt, deren Fühlen und Denken samt Hirnstruktur nicht dem biologischen Geschlecht entspricht. Man weiss, dass es Fälle gibt, in denen sich Körper und Geist (Seele) nicht in dasselbe Geschlecht entwickeln und das bereits im embryonalen Zustand. Jemand hat sich da wohl geirrt, aber wer? Hat sich das Hirn resp. die Psyche fehlentwickelt, was dann zu einer sogenannten Geschlechtsidentitätsstörung führt oder hat sich der Körper fehlentwickelt?

Intersexualität als Denkvorlage
Ohne intersexuelle Menschen (Zwitter) zu vereinnahmen, sollte in dieser Frage die Tatsache berücksichtigt werden, dass es sehr wohl möglich ist, dass der Körper sich zumindest partiell ins falsche Geschlecht entwickelt. Intersexuelle Menschen kommen mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt und werden dann auch meist “zurechtgeschnipselt”, was faktisch eine grässliche Menschenrechtsverletzung ist. Aber spätestens durch das Phänomen der Intersexualität wissen wir und können nicht leugnen, dass der Körper nicht das absolute Mass ist, das geschlechtsbestimmend ist.

Harry Benjamin Syndrom
Bereits zu Beginn der Transsexualitätsforschung vertrat Harry Benjamin, ein Pionier dieses Forschungszweiges den Standpunkt, dass Transsexualität eine Art Unterform von Intersexualität sein könnte. Etwas vereinfacht folgte er dem Gedanken: Wenn der Körper sich partiell ins Gegengeschlecht entwickeln kann, dann kann er das möglicherweise auch ganz. Das würde erklären, dass beispielsweise Menschen mit weiblicher Hirnstruktur vollständige männliche Geschlechtsmerkmale entwickeln können.

Reparative Verhaltenstherapien
Doch die Psychiatrie entschied sich anders, man konstruierte eine Geschlechtsidentitätsstörung. Diese Denkweise ist nicht per Definition falsch, es ist nachvollziehbar, dass man eher dem Körper Recht gibt als dem Geist und wenn ein Körper so klar einem Geschlecht zuweisbar ist und der Geist so diametral entgegenliegt, dann scheint der Geist halt ziemlich verdreht sein. So begann man transsexuelle Menschen wie schon früher homosexuelle Menschen mit allen erdenklichen Mitteln umzuprogrammieren, zumindest versuchte man dies, sei es mit Elektroschocks oder sei es mit “reparativen Verhaltenstherapien” bei Kindern. Doch bis zum heutigen Tag wurde nicht bei einem Menschen die Geschlechtsidentität umgekehrt. Wenn Transsexualität eine psychische Störung ist, dann offenbar eine Unheilbare.

Widersprüchlichkeit der Psycho-These
Charakteristisch für Transsexualität ist, dass Betroffene sich entgegen den dümmlichen Formulierungen der medizinischen Diagnosebibeln IDC und DSM nicht “den starken Wunsch” verspüren, dem “anderen Geschlecht” anzugehören, sondern, dass sie “der festen Überzeugung” sind, im falschen Körper zu stecken. Wenn jedoch jemand beispielsweise ein Mann ist und der der festen Überzeugung ist, er sei eine Frau, dann ist das nicht einfach eine neurotische Irritation sondern eine handfeste Psychose. Neurotiker denken sich Manches aus, aber nur Psychotiker sind der festen Überzeugung, dass ihr Ausgedachtes Realität ist. Wäre Transsexualität eine psychische Störung, könnte es sich nur um eine Psychose handeln, weil nur das diese feste Überzeugung erklären würde. Und damit wird das Ganze absurd. Denn jeder Psychologe kann bestätigen, dass sich ein Psychotiker seines Zustands nicht bewusst ist, er würde wohl glauben, er hätte tatsächlich eine Gebärmutter in sich oder würde glauben, man hätte sein Geschlecht wegoperiert. Aber bei transsexuellen Menschen fehlen sämtliche Anzeichen einer Psychose, sie wissen genau wer sie sind, was sie tun u.s.w. Kein Psychologe würde heutzutage Transsexualität zu den Psychosen zählen, aber was soll es dann sonst sein, wenn diese Überzeugung derart fixiert und nicht änderbar ist?

Widersprüchlichkeit der Bio-These
Also müsste man mit ein wenig Vernunft annehmen, dass es sich doch um eine biologische Veränderung handelt, dass der Körper sich aus was auch immer für Gründen ins falsche Geschlecht entwickelt hat. Aber da würden Wissenschaftler und im Speziellen Genetiker einwenden, dass ich als TransFrau ein XY-Chromosom, das zu Beginn meines Lebens im Mutterbauch festgelegt war, von der ersten Zellteilung an, körperlich bin ich also 100% Mann. Wie soll so eine Fehlentwicklung erklärbar sein, wenn ich von Anfang an beide Chromosomen hatte?

Letzte Ausfahrt: Seelen-These
Ich persönlich sehe nur ein Erklärungsmodell, das widerspruchsfrei ist. Eine rein psychische Störung kann es wie oben gezeigt unmöglich sein. Eine rein körperliche Fehlentwicklung scheint ebenfalls unglaubwürdig. So stellt sich die Frage, wann und wodurch das Geschlecht eines Menschen festgelegt ist. Es mag Leute geben, für die ein Lebewesen einfach ein sich fortpflanzender Zellklumpen ist oder eine Art Bio-Reaktor der laufen kann. Die Meisten dürften das wohl anders sehen, viele glauben, dass ihr “Ich” nicht einfach eine Projektion einer Bio-Maschine ist sondern etwas, was unser Selbst ausmacht. Man spricht von einer Seele, von einem Geist. Wenn der Mensch aber einen Geist oder eine Seele besitzt, die Voraussetzung dafür ist, dass diese Zellteilung und daraus resultierend dieses Leben entsteht, weshalb sollten wir dann davon ausgehen, dass diese Seele oder dieses Ich ein geschlechtsloses Neutrum ist? Wenn der Körper unsere Identität bestimmen würde, wäre unser Ich tatsächlich eine Projektion dieser Bio-Maschine, können und wollen wir das wirklich glauben? Ich persönlich glaube, dass mein Ich ein Selbst ist und nicht Projektion biochemischer Reaktionen. Dann kann mein Ich auch weiblich sein und dann ist es auch nicht ausgeschlossen, dass bereits bei der ersten Zellteilung “versehentlich” ein falsches Y-Chromosom mitkommt und von da an alle biologischen Prozesse fehlleitet werden.

Im Zweifel für die Angeklagten
Ich kann die Psycho-These meines Erachtens klar widerlegen und die Bio-These scheint auch sehr unglaubwürdig. Aber wer kann “meine” Seelen-These widerlegen? Im Zweifel für die Angeklagten, lautet ein weltweiter juristischer Kodex. Wenn die Psycho-These zu Stigmatisierung und Diskriminierung führt, also faktisch eine grausame Bestrafung bedeutet, wäre es da nicht angebracht, aufgrund der berechtigten Zweifel die einzige These anzunehmen, die nicht jeglicher Vernunft spottet? Ich bin eine Frau, war es immer und werde es immer sein, vor meiner Geburt und nach meinem Tod. Da könnte ich von mir aus auch noch ein Z-Chromosom haben, es würde nichts daran ändern, dass ich “ICH” bin.

Respekt vor dem ICH
Dann aber wäre es Zeit, meinem “Ich” den nötigen Respekt entgegen zu bringen, diese Seele ernst zu nehmen und das Geschlecht meines Selbst zu anerkennen, ungeachtet körperlicher Merkmale. Die Frage ist einfach, sind wir wandelnde Zellklumpen oder sind wir mehr als das. Wenn wir mehr als Zellklumpen sind, dann gebührt diesem “Mehr” auch der nötige Respekt, dann erübrigt sich jegliche Pathologisierung, dann bin ich einfach, was “ICH” bin – eine Frau, deren Körer nicht ganz dem Normalfall entspricht.


 

14 Reaktionen zu “Transsexualität – eine psychische oder Störung?”

  1. Bad Hair Days

    > ber da würden Wissenschaftler und im Speziellen Genetiker einwenden, dass ich als TransFrau ein XY-Chromosom, das zu Beginn meines Lebens im Mutterbauch festgelegt war, von der ersten Zellteilung an, körperlich bin ich also 100% Mann.

    Unsinn. Gerade Genetiker schütteln den Kopf, wenn Chormosomenpaarung als Geschlechtsbestimmend erachtet wird.

    Der Begriff “Harry Benjamin Syndrom” ist kein Wissenschaftlicher und längst durch das Gesellschaftspolitische Bild verklärt, dass die Erfinderin des Begriffs hatte.

  2. Diana

    @Sarah: ich will das HBS ja auch nicht als Fakt hinstellen sondern als Beispiel für eine andere Sichtweise, die genauso wahr sein könnte wie die “offziellen Thesen”. Ich kann mir wirklich vorstellen, dass TS mit IS vergleichbar ist, was spricht dagegen?

    Zur Genetik (ich bin da ja keine Expertin), ist es nicht ein Fakt, dass Frauen ein XX Chromosom haben und Männer ein XY?

  3. Britta

    Öh – also rein vom “Masterplan” her betrachtet, determiniert das Chromosomenpaar XX resp. XY natürlich schon das Geschlecht. Soll es jedenfalls. Masterplan eben. “Falsche” Y-Chromosomen? Keimzellen sind üblicherweise haploid: Der Vater übermittelt also entweder ein X oder ein Y, die Mutter bringt IMMER ein X “mit in die Ehe”.
    Daran ist erst mal nichts falsch.
    Ob aber in vollem Umfang umgesetzt wird, was die Geschlechtschromosomen anstoßen sollen (eigentlich verändert ja nur das nach Ansicht einiger Wissenschaftler “verkrüppelte X” – das Y-Chromosom – wirklich: Fehlt es, läuft einfach das weibliche Basisprogram) obliegt vielfältigen anderen Faktoren. An den Geschlechtschromosomen erkennbare Intersexualität (Single-X, XXY etc.) ist ja nur “die halbe Miete” – es gibt noch viel mehr, was “schieflaufen” kann.
    Die meisten Transidenten sind aber körperlich mehr oder weniger eindeutig männlich oder weiblich, zeugungs- oder empfängnisfähig… und das einzige, was halt im entscheidenden Moment nicht so lief, wie es sollte, war die dem übrigen Körper entsprechende Ausformung der Hirnstruktur.
    Ob da nun intern (die berühmten Gen-Marker), oder extern (verstrubbeltes mütterlicher Hormoncocktail im Fruchtwasser) der Fehler zu suchen ist, mag individuell verschieden und im Übrigen eh rein akademisch sein, weil es alles nix nützt: Da sitzen wir nun mit einem Hirnchen, das bass erstaunt ist, weil es in einem Körper steckt, den es einfach so nicht erwartet und den es meist beim besten Willen so nicht akzeptieren kann.
    Mal ganz ehrlich? Wenn es eine Möglichkeit für mich gegeben hätte, meine Geschlechtsidentität, die sich nun mal zwischen meinen Ohren findet, nachträglich überzeugend zu ändern, wäre das für mich eine Option gewesen. Ob ich mich nämlich als Frau oder als Mann durch dieses irdische Jammertal schleppe, ist mir eigentlich egal… glaub ich zumindest… keine Ahnung, wie es als Mann so wäre… ich wäre nur gerne EINS, entweder-oder… und nicht das zerrissene, zwiespältige, meist zutieft verwirrte chimärenartige Geschöpf, als das ich mich empfinde. Und weil ich meine Körper eben leichter modifizieren kann, als es mir mit meinem Hirn möglich ist, mache ich halt das… :-/
    Trotzdem mag ich mein Körperlein eigentlich. Und gehe einigermaßen behutsam mit ihm um – es kann ja nichts dafür. Wenn mein Körper nur etwas bewußter denken könnte (es soll ja so eine Art “Bauch-Kortex” geben), wäre er ja vielleicht genauso irritiert über das unerwartet weibliche Gehirn, das ihn durchs Leben steuern soll. ;-)

  4. Diana

    @Britta: danke für Deinen informativen Beitrag und noch mehr danke für diese schöne Formulierung, ich ich mit meinem Blut unterschreiben könnte………. ich wäre nur gerne EINS……. das hat mir wirklich kurz aufs Auge gedrückt, das trifft die Essenz unseres Lebens besser als tausend Sätze.

  5. Bad Hair Days

    @Diana

    Aus biologischer Sicht ist TS eine Variante von IS, denn Teile eines Organs haben sich geschlechtlich entgegen der anderen Entwickelt.

    Das ist nicht meine Kritik an dem, was sich hinter HBS Versteckt. HBS geht davon aus, dass nur eine bestimmte Gruppe von Betroffenen Hirnorganisch weiblich ist und alle anderen Fetischisten sind.

    Mit einer Tochter, bisexueller Orientierung und später Transition würdest du bei den meisten HBS Aktivisten unter die Fetischistendefinition fallen.

  6. Bad Hair Days

    @Britta

    Was du da so erzählt hast ist Grundwissen, dass im Biologieunterricht vermittelt wird, aber in der Realität nicht eindeutig haltbar ist.

    Eben deshalb habe ich ja gesagt. Gerade Genetiker sehen die Sache deutlich anders und die Chromosomenpaarung ist kein verlässliches Instrument der Geschlechtsbestimmung.

    Im Normal fall liegt auf dem Y Teil die SRY Sequenz, die bestimmt, wie sich die Geschlechtsorgane entwickeln. Die kann aber auch auf einem X landen, dann hast du evt. Fortpflanzungsfähige XX-Männer oder auf einem Y fehlen, dann hast du gebährfähige XY-Frauen. Die ganze Geschlechtliche Entwicklung wird von weitaus mehr Genen gesteuert, die nicht auf besagtem Chromosomenpaar liegen.

    Die hohe Fehlerrate bei einem einfachen XX / XY Chromosomentest hat längst dazu geführt, das Geschlechtstests bei Sportveranstaltungen sich nicht mehr darauf verlassen.

    Dazu auch:
    http://www.intersexualite.org/Homochromosexuality.html

  7. Diana

    kein Wunder, dass ich da irgendwie nicht mehr durchblicke *urks*………… dass HBS-Befürworter diese Haltung haben, wusste ich nicht, aber ich sehe es insofern gleich, dass ich es für möglich halte, dass TS eine Form von IS ist.

    aber eines scheint mir klar zu sein, alle sind sich einig, dass die Psycho-These vom Tisch ist :-)

  8. Britta

    @Sarah:
    Huch? Wie häufig sind denn vollfunktionale XX-Männer resp. XY-Frauen?? Meines Wissens nach geht man bei XX-Männern von einer Häufigkeit von 1:10.000 aus – und die paar sind dann überwiegend infertil. Bei den XY-Frauen findet sich zwar gelegentlich ein Uterus (beileibe nicht immer!), aber meist nur nutzlose Streak-Gonaden… :-/

    Ich habe mich bewußt an die “Basis” gehalten – und ebenso bewußt von “Masterplan” gesprochen, weil unendlich viele andere Faktoren (nicht zuletzt Umwelteinflüsse) eine Rolle bei der Geschlechtsentwicklung spielen.
    Säuger (und noch allerhand andere Wesenheiten) regeln die Geschlechtsdifferenzierung allerdings über das XY/XX-System, Vögel (und paar andere) haben das ZW/ZZ-System (lustig, dass bei den Vogelviechern die Weibchen das hemizygote Geschlecht sind!^^), XX/X0 und Haplodiploidie nutzen Würmer und Bienen.
    Immer aber ist wichtig, dass eine bestimmte Information einfach oder doppelt vorhanden ist, um geschlechtliche Unterschiede zu definieren.
    Dass es jetzt -zig Abweichungen und Sonderformen geben kann, ist sicher spannend, wird aber doch eigentlich erst wirklich relevant, wenn etwas nicht so funktioniert hat, wie es eigentlich soll.
    Die Redundanz des Genoms bietet erhebliches Fehlerkorrekturpotential – selbst eine fehlende SRY-Sequenz kann ganz oder in Teilen kompensiert werden – z.B. von SOX9 . Dennoch kommt es zu gelegentlich zu Fehlentwicklungen, die auf Phänotyp, Funktion oder eben – Identität durchschlagen. Dann reicht es natürlich nicht mehr, lediglich die Geschlechtschromosomen zu betrachten.

    Wenn unsere Form von Intersexualität (auch ich halte die Subsummierung unter diesen Begriff für hilfreich) tatsächlich zumindest fallweise genetische Ursachen hat, müßte sie sich theoretisch – da wir ja üblicherweise fertil sind – vererben lassen, oder?
    Ich selbst habe nie eine Genom-Analyse vornehmen lassen, werde aber langsam zunehmend neugieriger… ^^

    @Diana:
    Mir war wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir beileibe keine fehlentwickelten Körper haben – wenn wir überhaupt von Fehlentwicklung sprechen wollen, betrifft die unser Gehirn. Da das aber auch meist ganz hervorragend funktioniert, sehe ich es lieber als… Sonderform. Eine Eigenheit, die deutlich weniger Beschwerden hervorrufen würde, wenn die gesellschaftlichen Voraussetzungen andere wären und die viel erträglicher wird, wenn wir unsere Körper nach Wunsch und Möglichkeit anpassen.
    Wobei ich mich wirklich frage, welchen Stellenwert die körperliche Angleichung hätte, wenn sie kulturbedingt nicht so schrecklich notwendig wäre, um einigermaßen unbehelligt leben zu können.

    Eins sein… das ist ja nicht nur die Übereinstimmung von Körper und Geist – sondern auch, ob wir uns aufgehoben, geschätzt und als das respektiert, was uns ausmacht, fühlen können. – Schwer vorstellbar in einer immer noch weitgehend patriarchal orientierten, restriktiven Gesellschaft wie der unseren. (Transmänner haben es da tatsächlich viel, viel leichter – das kriege ich tagtäglich unter die Nase gerieben)

    Jedenfalls war auch für mich die Erkenntnis, dass ich nicht einfach eine psychische Macke (vielleicht gar noch selbstverschuldet!) habe, sondern eben so und nicht anders auf die Welt gekommen bin, extrem wichtig und eine enorme Erleichterung.
    Und mal ehrlich: Eigentlich finde ich mich ganz gut geraten! Ich komme mit den meisten meiner Mitmenschen prima zurecht, meine Tochter liebt mich so oder so – und meine “Normabweichung” macht mich ein wenig zu einem “Brückentierchen”, dessen An- und Einsichten sowohl von Männern wie von Frauen geschätzt werden.
    Transident zu sein, ist beileibe nicht nur Fluch, sondern – zumindest in meinem Fall – etwas, dass extrem zur Persönlichkeitsbildung beitragen kann. Eben WEIL wir es nicht so leicht haben, wie der Durchschnitt. Und weil wir aus den Quellen BEIDER Welten schöpfen können (oder eher: müssen) – wahrscheinlich allerdings um den Preis, keine von beiden bis zur Neige ausschöpfen zu können. ;-)

    Goethe schrieb:

    Alles geben die Götter, die unendlichen,
    Ihren Lieblingen ganz,

    Alle Freuden, die unendlichen,
    Alle Schmerzen, die unendlichen – ganz.

    Diesen Aphorismus liebe ich wirklich sehr… (vielleicht, weil ich immer noch versuche, dieser verdammten Mühsal irgendeinen höheren Sinn zuzuschustern… *lacht*)

  9. Bad Hair Days

    Die meisten XY Frauen entstehen durch Androgen Insensivität. Da ist ein SRY Vorhanden, deshalb die entsprechende Ausformung der Gonaden.

    Es sind quasi nur die ersten “Bau-”Schritte, die durch den Bauplan Gene bestimmt wird. Der Rest erfolgt dann anhand von Hormonen und den Reaktionen darauf. Gensequenzen, die sich auf die Rezeptoren auswirken, sind aber nicht auf dem bekannten Chromosomenpaar zu finden. Y ist auch kein verkümmertes X, es enthält komplett andere Informationen (sehr wenige) und hat insgesamt einen eher ungewöhnlichen Aufbau.

    Erbkrankheiten, die bevorzugt an XY Träger vererbt werden, liegen auf dem X, dem ein Backup dann fehlt, auf das augewichen werden könnte. Nicht weil die Informationen dazu auf dem Y liegen.

  10. Britta

    @Sarah:
    Yep – bekannt. ;-)
    Ich war nur durch deine Aussage, dass Intersexuelle gebähr- resp. zeugungsfähig sein könnten, überrascht und habe versucht, dazu Belege zu finden.
    Intersexualität scheint aber in so gut wie jedem Fall Fertilität auszuschließen. Oder hast du da andere Quellen? Fände ich interessant…

    Dass das gen-arme Y in Wahrheit aus einem verstümmelten X hervorgegangen sei, wird gern von WissenschaftlerInnen aus den eher feministischen Lager behauptet. Genetik überhaupt ist noch in hohem Maße ideologischen Wunschvorstellungen und Betrachtungen unterworfen. Wenig hilfreich – und vermutlich auch ein Grund für die immer noch häufig widersprüchlichen Ergebnisse und daraus resultierende Folgerungen.

    Mir ist eigentlich gleich (von einem durchaus vorhandenen akademischen Interesse abgesehen), ob meine Transidentität durch MEINE Gene, die meiner Mutter (die vielleicht aus wie auch immer gearteten Gründen in der kritischen Phase nicht genug Testosteron bereitstellen konnte) oder durch Umwelteinflüße wie zum Beispiel östrogenbelastetes Trinkwasser zustande kam.

    Wesentlich aber ist mir, dass ich so GEBOREN bin – also qua “Geburtsrecht” mit einem wundervoll weiblichen Hirn in einem mehr oder minder männlichen Körper vorliege.
    Woraus ich für mich (und zwar deutlich mehr, als zu Zeiten, da ich mich noch psychisch gestört wähnte) das verdammte Recht ableite, so zu sein, wie ich bin. Und die genauso verdammte Pflicht meiner Umwelt, mich so hinzunehmen, wie sie mich vorfindet!

    Ein Wunsch, der uns alle eint, oder? ;-)

  11. Sabrina Schwanczar

    Bei mir hat man ganz am Anfang gesagt, dass ich keine Kinder zeugen könnte.

    Ansonsten hat man mir alles verschwiegen und mich für “transsexuell” erklärt und belügt mich noch heute.

    Ich habe erst kürzlich eine Ärztgläubige getroffen, der man schon an den Körperproportionen angesehen hat, dass das doch nicht so ganz männlich war.
    Sie berichtete mir von einer hormonellen Auffälligkeit. Aber sie habe ja eine Tochter gezeugt.

    Da kann ich nur sagen – wer’s glaubt.

    Kein Mann oder wer es zu sein glaubt , weiss, woher sein Kind wirklich kommt !

    Es gibt unterschiedliche Ausprägungen von Zwittrigkeit – mehr oder weniger auffällig.

    Und hinter einer “Transsexualität” verbirgt sich nichts anderes. In der Regel ist mehr als nur das Gehirn körperlich zwittrig ausgebildet.

    Und die Ursachen sind genauso vielfältig, wie bei stärker ausgeprägten Formen von Zwittrigkeit, bei ausgeprägtem intersexuellen Genitale.

    All das ist in der Medizin lange bekannt – und wird bewusst geleugnet, um Menschenrechtsverletzungen zu begehen, bzw. in der Vergangenheit begangene, zum Beispiel die Genitalverstümmelungen bei intersexuellem Genitale zu schützen – nicht die Genitalverstümmelung war falsch, sondern der Zwitter ist “transsexuell”.

    “Transsexualität” ist eine Menschenrechtsverletzungsstrategie.

    Und “Transgender” stützt faktisch deren theoretischen Grundlagen. Deshalb haben sich ja die bekannten Menschenrechtsverletzer auf diesen Zug gesetzt und sich z.B. die Harry Benjamin International Gender Dysphoria Association in World Professional Association for Transgender Health (WPATH) umbenannt.

    Wenn es denn die Transgender-Enthusiasten endlich mal merken würden, dass “Transgender” die Psychopathologisierung fortschreibt.

    MfG

  12. Fiona-IS

    Hallo,
    Ich möchte hier etwas über meine Einschätzungen von IS und TS ergänzen.

    Das Ziel der TS-Menschen ist aus einem falschen Geschlecht heraus und das richtige gefühlte Geschlecht zu wechseln und den Körper entsprechend anzugleichen.
    Um das angestrebte “Gegengeschlecht” zu erreichen ist die Intensität und Leidensdruck sehr hoch.
    Die Körper bilden sich normalerweise männlich oder weiblich aus.

    Nun, bei den zwittrigen Menschen besteht auch eine Irritation bezüglich der Geschlechtszuordnung.
    Aber eher männlich oder eher weiblich? Und wie wurde die geschlechtliche Orientierung geprägt? Ist diese anerzogen oder kommt das aus den Genen?

    Versucht man das Fachpersonal zu Rate herbeizuziehen stellt man sofort fest dass hier nicht nur eine Problematik bezüglich des Verstehens besteht sondern (fast immer) keine Ahnung über die Vielfalt der Geschöpfe besteht. Psychologie-Mensch meinte dass er gerne TS-Menschen aufnimmt aber das mit den IS-Menschen, nein das sei viel zu kompliziert. Bei TS ist es immer sehr ähnlich. Bei IS sind Chromosomen und Hormone unterschiedlich und deren Auswirkungen. Auch weiss man (fast) nichts über die Psyche.
    Gute medizinische Hilfe gibt es nur bei global aktiven Professoren/Professorinnen.
    Aber psychologische Hilfe gibt es nicht.

    Ein gut gemeinter Vorschlag für mich war allerdings dass ich einfach zu TS zu wechseln sollte weil das alles viel einfacher geht. Niemand würde sich auf das Minenfeld der Intersexualität wagen, jahrelang experimentieren wollen und dabei über 100.000 von Euros verbraten wollen.

    Mehrere psychologische Gutachten stellen nun fest dass ich mit meiner Psyche selbst klar komme und auch alles selbst organisieren kann – inklusive der Erstellung vom medizinischen Gutachten und der Umsetzung von Korrekturen. Die KV erstellte Gutachten und hat abgenickt.

    Bei TS-Menschen ist wohl grundsätzlich die psychologische Begleitung vorgeschrieben – die bei IS-Menschen verweigert wird. Und Hilfe brauchen IS Menschen und TS Menschen.

    Ob man dabei IS –Menschen unbewusst (oder bewusst?) in den Suizid treiben möchte?
    Die Mehrheit der IS-Menschen ist bereits aus diesem Leben “erfolgreich“ aus deren
    Parallelwelt ausgeschieden.

    LG Fiona
    (PAIS)

  13. Diana

    @Fiona: bitte verzeih, dass ich so lange nicht geantwortet habe, aber einerseits war ich überbeschäftigt und anderseits bin ich beim IS-Thema zuwenig sattelfest um da wirklich mitreden zu können. Deshalb wollte ich nicht einfach schnell was antworten und so blieb es leider liegen.

    Die Art wie die medizinische Welt mit TS/IS umgeht, ist wirklich grotesk. Uns verweigert man jahrelang medizinische Massnahmen und Ihr werdet einfach “umgeschnippelt” ohne dass Ihr mitreden könntet. Wir werden zu jahrelanger psychologischer “Begleitung” gezwungen, Euch wird diese verweigert, obwohl IS-Betroffene eine Menge aufzuarbeiten hätten, weil sie oft als Kleinkinder genitalverstümmelt wurden.

    Gemeinsam liegt die Tatsache, dass man sowohl TS als auch IS Betroffenen das Recht auf Selbstbestimmung verweigert oder zumindest über weite Strecken verwhert.

    Eigentlich wäre alles ganz einfach, niemand ausser man selbst hat das Recht, über einem zu bestimmen. Welchem Geschlecht ich angehöre weiss nur ich selbst, da hat niemand reinzureden und erst recht niemand herumzuschnippeln.

    Genauso klar wäre, dass alle Menschen, deren Psyche unter etwas leidet, entsprechende medizinische Unterstützung bekommen – wenn sie diese wollen.

    Bei all dem hat sich in den letzten Jahren vieles geändert, das Meiste in eine gute Richtung, aber wir sind noch weit, sehr weit entfernt von dem, was uns allen wirkliche Menschenwürde garantieren würde. Deshalb müssen wir weiter kämpfen, egal ob PAIS oder ATME oder all die persönlich Betroffenen, die sich in welcher Form auch immer Gehör verschaffen – steter Tropfen höhlt den Stein – machen wir also weiter ;-)

  14. Samantha

    Hallo zusammen,

    ich möchte auch gerne mal meinen Gedanken freien lauf lassen und vielleicht auch mal eine ganz andere Denkweise anstoßen.

    Wir wissen immer noch nicht alles über den menschlichen Organismus. Das ist erstmal eine Tatsache. Der Mensch versucht für alles was er NICHT versteht eine ihm logische Erklärung zu finden.
    Das man nun sagt es käme von den Genen, ist nur EIN Versuch das Problem “behandeln oder verstehen zu können. Ich wäre eher der Meinung das es unter Umständen daran liegen könnte, das in unserem Gehirn gewisse Bereiche anders mit einander Verbunden sind als sie normal wären ohne das man es sieht. Ich muss sagen, das es für mich bisher keine logische Erklärung gibt warum es so ist wie es ist. Das eine weis ich mit Sicherheit:”Es ist wie es ist und ich gehe meinen Weg! Egal was die anderen mir weis machen wollen, was bei mir nicht zutreffen sollte oder, oder, oder, …. . Es ist mein Leben und ich muss damit die restlich mir gebliebene Zeit damit rumlaufen. Nicht die anderen.”

    Das Problem liegt nur in der Gesellschaft. Man nennt das auch Angst vor dem Ungewissen, weil es keine logische Erklärung gibt dafür. Deshalb das EXTREM langsame HERANTASTEN. Was die Bevölkerung angeht, kann man das selbe Ableiten. Wenn man Ihnen sagen würde, die Leute haben ein Chromosomen Problem und sie können nichts dafür. Wäre es für alle einfacher damit umzugehen. Leider gibt es das noch nicht.

    Ich persönlich stecke mit diesem Problem noch in den Kinderschuhe. Habe mein erstes psychologische Gespräch hinter mir und bin auf die Ergebnisse meine Chromosome gespannt. Ich werde auf jedenfall, wenn ich sie habe, euch darüber informieren was speziell bei mir Herausgekommen ist.

    Mit freundlichen Grüßen

    Samantha G.

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