(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transgender Stammtisch – ein neuer Anfang

Vor Jahren war ich schon einmal am Stammtisch des Transensyndikats, einer Transgender-Community in Zürich. Gestern war ich das erste Mal nach Jahren wieder dort und fühlte mich dabei so wohl, dass ich mit Sicherheit wieder gehen werde.

Wir waren ein kleiner Haufen T-Girls, die im Hot Pot an einem Tisch sassen, assen, tranken und plauderten wie jede andere Frauen-Clique auch. Es war ein gutes Gefühl, unter Gleichartigen zu sein. Ich bin mich ja gewohnt, stets das einzige T-Girl zu sein in meinem Umfeld und irgendwie in der Rolle einer Ausserirdischen zu sein. So hat es wirklich gut getan, mal nicht alleine zu sein mit meiner Wesensart.

Die Gespräche waren vielseitig, unterhaltsam, spannend, informativ und vieles mehr und einiges an diesem Abend hat in mir etwas hinterlassen, hat Fragen aufgeworfen oder Antworten gegeben:

  • Unter T-Girls – zumindest an diesem Stammtisch – gibt es verblüffend viele Informatikerinnen. Einen kausalen Zusammenhang zwischen Transsexualität und Informatik konnte ich zwar nicht ausmachen, aber es war zumindest statistisch gesehen schon irgendwie ein Phänomen.
  • Bei der Hormontherapie gibt es eine Unzahl von Varianten der Dosierung und Verabreichungsform. Wenn die Konformisten vom Uni-Spital mir endlich ein Gespräch mit einem Endokrinologen ermöglichen würden, könnte ich meine HRT wohl deutlich risikoärmer durchführen.
  • Ich sollte endlich mit dieser Scheiss-Raucherei aufhören, sowohl aus gesundheitlichen Gründen als auch der Beziehungskompatibilität zuliebe.
  • Es ist tatsächlich möglich, dass man als Trans-Frau sogar von den eigenen Kindern als Frau angenommen und akzeptiert wird. Eine wunderschöne Vorstellung, wenn auch für mich nachwievor unvorstellbar. Aber es stärkt die Hoffnung, dass doch alles irgendwann gut werden kann.
  • Es gibt Trans-Frauen, die so natürlich und feminim sind, dass einem fast die Luft weg bleibt. Nach einem halben Jahr HRT habe ich mich zwar schon etwas verändert, aber es wurden nicht grad neue Welten erschaffen. Öfters wenn ich vor dem Spiegel stehe, hält sich meine Begeisterung arg in Grenzen, weil der Anblick meinerselbst noch weit entfernt ist von der Frau, die ich innerlich bin. Es gibt jemandem wie mir unglaublich viel Kraft und Hoffnung, andere T-Girls zu erleben die auf ihrem Weg weiter sind und das Äussere mit dem Inneren übereinstimmt.
  • Ich sollte doch anfangen, mich mit Nagellack zu beschäftigen
  • Der Verstand und das Herz sind zwei eigenständige Betriebseinheiten, von denen der Eine nicht weiss, was der Andere tut und selbst wenn sie es wissen, verstehen sie sich gegenseitig nicht ;-)
  • Testosteron und Alkohol führen wirklich zu einem Totalausfall des Hirns. Auf dem Heimweg im Tram kamen wir an einem Rudel Jungs vorbei, die grad daran arbeiteten, sich demnächst auf die Schnauze zu hauen. Die aggressive Stimmung ist bei so Gelegenheiten schon fast unmenschlich….. oder eben grad menschlich?
  • Epiktet hat Recht :-)

Als ich wieder zuhause war, blieb ich noch lange wach, vieles geisterte mir durch den Kopf und schlussendlich ging ich so spät ins Bett, dass ich heute bis um zwölf schlief. Damit ist auch meine geplante Shopping-Tour heute ins Wasser gefallen. Schade, in Anbetracht der tiefen Temperaturen habe ich mich wirklich mega darauf gefreut, endlich mal wieder zu shoppen ohne in dabei in Schweiss gebadet zu sein. Und mein geplanter Pub-Besuch wird heute glaub auch baden gehen, es gibt zuviel über das ich grad nachdenken muss.

Wie dem auch sei, der Stammtisch hat sich gelohnt und ich werde zukünftig öfters da reinschauen.

War schön, Euch kennen zu lernen, Mädels :-)


 

10 Reaktionen zu “Transgender Stammtisch – ein neuer Anfang”

  1. Bad Hair Days

    Hallo Diana,

    schön dass es dir gefallen hat. Und ich hab mich sehr gefreut, dich persönlich kennen zu lernen.

    Das IT Phänomen ist nicht nur am Stamm zu finden:
    http://grok-code.com/37/famous-programmers-from-adleman-to-zimmermann/
    Zu dem Phänomen hab ich schon viele Theorien gehört, von Auswirkungen der veränderten Hirnentwicklung bis hin zum allgemein toleranteren Umfeld unter “Geeks”. Oder die “Flucht” in ein Gedankenauslastendes Beschäftigungsfeld, das für eine Weile den inneren Kampf verdrängt.

    Vielleicht ist es einfach ein bisschen von allem.

  2. Bad Hair Days

    Es ist relativ unbekannt, aber die ersten Programmier und Sysadmins waren fast durchgängig Frauen.

  3. Sarah

    Hallo Diana :)
    Hat mich auch gefreut, dass du bei uns warst! Tut mir leid, dass wir nicht allzuviel zum Reden kamen, können wir aber hoffentlich bei Gelegenheit nachholen :)
    Ich freue mich auf jeden Fall, wenn du wiederkommst, war gemütlich.
    Obwohl dein Shopping isn Wasser gefallen ist – das ist hart! – trotzdem noch ein schönes Wochenende und auf Bald :)
    Liebe Grüsse
    Sarah

  4. Diana

    Hallo Ihr zwei
    es hat mir wirklich sehr gefallen am Stamm und Euch zwei kennen zu lernen war ebenfalls toll, das war dann sozusagen der erste Trans-Blogger-Abend ;-) ich werde auf jeden Fall wieder kommen, nur kann ich aus familiären Gründen wohl nur jedes zweite Mal kommen. Aber dafür werd ich wenns passt auch mal am Transpersona Stamm reinschauen, mal gucken ob das dort auch nett ist. Auf jeden Fall freue ich mich auf die nächsten Gespräche mit Euch :-)
    Liebi Grüess, Diana

  5. Bad Hair Days

    Marlen und Nadia sind ja auch gerne am Transpersona Stamm, daher wirst du dich dort sicher auch wohlfühlen.

  6. Diana

    na dann hab ich ja schon zwei gute Gründe um da auch mal reinzuschauen :-)

  7. Clarissa

    OH ja das IT-Phänomen ^^

    bin selbst jahrelange als IT-Sys-techniker(in) durch die arbeit geflitzt. Also bei mir war es einerseits dass ich so mit menschen zutun hatte, aber andererseits auch eine gewisse Distanz zu menschen aufbaun konnte. Als Geek ist man ja eh immer in den augen der anderen menschen ein(e) aussenseiter(in) der/die etwas freaky sind. und ich konnte ohne bedenken lange Haare tragen und auch etwas anders sein, den es wird schon von einigen leuten erwartet dass ITler abweichen von der norm. aber anderer seits war es auch eine sehr gute beschäftigung bei der man sich auf etwas konzentrien muss und sich nicht so wirklich mit dem inneren konflikt beschäftigt. zumindest bis zu dem punkt wo alles standart probs sind und man doch wieder anfängt eher seine eigenen probs zu begutachten und die it eher wie dass zeichnen bei telefonieren wird und man es nebenher macht. Aber es war auch schön da ich mein talent nutzen konnte komplizierte dinge in wenigen einfachen worten anderen klar zu machen. ohne dabei fachbegriffe und verwirende beschreibungen zu nutzen, was ja die meisten herren in diesem feld einfach nicht hin bekommen (die glauben manchmal jeder ist ein Nerd.). ach und ich möchte noch eine info zu frauen in der it mit reinstreuen, auch in der spieleindustrie sind girls nichts fremdes -sehe man jade raymond die sogar 2007 für das erfolgreichste game als producerin tätig war. (und seit dem auch inotfizell den titel most sexyes gilr in der game industrie verteidig -pff bey bey lara croft ^^ )

    die sache mit dem rauchen ist echt ätzend, aber es ist schon echt schwer wieder aufzuhören (besonders wen alle im freundeskreis raucher sind). Aber man muss ja nicht von heute auf morgen bei null sein, kleine schritte snd auch erfolge ^^.

    Ach nagellack ist überbewertet :D
    wen ich mal überlege wieviele Frauen in meinem Umfeld nagellack tragen kann ich die an einer Hand abzählen und der rest nur wen es wirklich extra schick sein muss und sonst nicht. nichtmal beim ausgehen. aber wen du dich mit dem thema beschäftigst, bitte einen bericht. mal sehen ob nicht nur ich mich am anfang wie der letzte mensch angestellt hab. :D

    LG Clarissa

  8. Juliet

    Stimmt, wo Ihr das so sagt…ist mir auch aufgefallen, aber nicht nur bei den Mädels, auch bei den Jungs. Auch wenn die nicht immer beruflich damit zu tun haben, kennen sie sich aber privat sehr gut aus in PC-Dingen.

  9. Diana

    mich haben Compis schon in der Jugendzeit fasziniert, ich glaub das lag daran, dass ich hier eine kontrollierbare Welt gefunden habe, die meinen Regeln folgt….. naja seit Windows geht das auch nicht mehr ;-)

  10. Clarissa

    tja bei mir war es etwas simpler mein bester freund (sind jetzt schon 22 jahre befreundet also mein ganzes leben) und ein kumpel aus der schulzeit haben sich für pc´s begeistert, und ich hab mich nett und brav eben sie gesetzt und ihnen bei spielen zugeschaut (typisch mädchen ^^). irgendwann hab ich mich mal mit den teilen etwas näher befasst weil ich immer nur bahnhof verstanden habe . tja und drei jahre später hab ich schon mit einem schulfreund unseren PC raum in der schule komplett neu aufgebaut und alles eingerichtet
    und hab im einem viedospieleladen und einem PC shop gearbeitet neben der schule.
    jetzt ist PC kram eigentlich nurnoch privat und halt die typischen “ähm ich hab da ein problem” situationen sind immernoch da wo ich helfen darf.

    meine beste freundin hat auch einen sehr interessanten satz gesagt als ich mich ihr gegenüber geoutet hab:
    “find ich super! jetzt hab ich eine echt liebe freundin mehr und dann ist sie auch noch besser als die jungs im PC kram”

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