(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Testosteron-Alarm: Vorsicht, bissiges Mädel!

Ach Du heilige Sch…………. Ich hoff ja echt, dass dies nur eine kurze Umstellungsphase ist, andernfalls hat mein Umfeld schwere Zeiten vor sich einen Monat lang. Heute war ich den ganzen Tag gereizt wie ein Stier in einem roten Zelt, ich hätte ständig um mich beissen können. Obwohl’s mir eigentlich gut geht und auch im Geschäft alles prima läuft, hab ich mich über alles aufgeregt, was nicht 100% perfekt läuft. Auf viele anständige Fragen gabs von mir nur eine schnippische Antwort zurück und immer wieder knurrte und fluchte ich vor mich hin.

Das kenn ich von früher mehr als mir lieb ist, damals reichte schon Zeitung lesen um zwischendurch ein knurrendes “diese verdammten Arschlöcher” von mir zu geben und wenn mich was bei der Arbeit reizte, hörte man schnell mal eine donnernde Stimme “Gottverdammte Dreckscheisse” rufen. Drei Tastaturen mussten in so Situationen ihr Leben lassen und ein Bildschirm infolge “unerklärlicher Farbfehler” ersetzt werden. Aber damals irritierte das kaum jemanden. Der olle Rocker kocht mal wieder über, dachten sich die Leute wohl, irgendwie verhielt ich mich wenigstens klischeegerecht.

Seit Beginn der Hormontherapie war das nun Vergangenheit. Ich fauche zwar bei Programmabstürzen gelegentlich ein trockendes “Arschlochprogramm” vor mich hin, aber ansonsten bin ich die Ruhe in Person – zumindest legt sich Ärger sofort wieder. Doch wie es scheint, ist der ganze Spass wieder zurückgekehrt, sogar in erhöhtem Masse.

Mein Hirn hatte schon immer seine liebe Mühe mit testosteronbedingten Aggressionen. Es kommt mir vor, als hätte mein Hirn einfach keine Aggressionsbewältigungsstrategien für so hormonbedingte Büffelgefühle. Seit Anfang vorletzer Woche habe ich den Testosteronblocker abgesetzt und seit Anfang dieser Woche auch die Östrogene……. und heute ging voll die Post ab.

Schon zu Beginn der Hormontherapie, als ich bemerkte, um wieviel ruhiger ich wurde, war ich fasziniert von der Wirkung dieser Sexualhormone. Aber da war es ein langsamer Prozess, weil ich erstens die Dosierung langsam steigerte und zweitens zu Beginn noch keinen Testosteronblocker nahm. Aber jetzt geht’s im Rückwärtsgang zurück und das Vollgas. Innert weniger Tage hat sich mein Hormonpegel scheinbar wieder in primatische äh männliche Gefilde begeben und ich komm weder psychisch noch emotional damit klar – so ne Art Selbstentfremdung der endokrinologischen Art oder so.

Wenn das so weiter geht, dann kommt wirklich eine gruselige Zeit auf mich zu – oder eher auf mein Umfeld. Es ist sowas von unangenehm, wenn ich bemerke, wie ich so störrisch auf Anfragen reagiere oder schnippische Antworten gebe auf normale Fragen und ständig alle in den Hintern treten möchte oder wenigstens irgendwelche herumliegenden Gegenstände herumschmeissen. Irgendwie nervt einfach alles und Jeder. Grrrrrr…………….

Tröstend ist einzig, dass heute in einem Monat die GaOp ist und wenn ich dann aufwache, wird mein Körper kein Testosteron mehr ausschütten. Dann bin ich wieder ein ganz liebes und handzahmes Mädel – bis dahin, sorry Leute, werd ich wohl oder übel nochmal n’bisschen ein Ekel sein müssen. Und dementsprechend ein gutgemeinter Rat, geht mir in nächster Zeit nicht auf den Kecks, es wär mir nicht Recht, wenn ich unfreundlich würde……… und falls ich in nächster Zeit ab und zu mal zur Furie werde, habt Verständnis, ich durchlebe grad anstrengende Wechseljahre der unverträglichen Art.

Naja, heute habe ich im Pub mit einer netten TransFrau abgemacht, die mich etwas instruieren wird betreffend der GaOp und Personenstandsänderung. Vielleicht sollte ich mich mal wieder sinnlos zu besaufen wie n’echter Kerl – vielleicht schwämmt Guinness in rauhen Mengen ja das Testosteron raus……. ob man mir es übel nimmt, wenn ich gelegentlich mit Barhockern um mich schmeiss? Ich kann ja schliesslich nix dafür, das Testo ist schuld, ehrlich, ich schwör ;-)

Nachdem ich auf Facebook rumgeblödelt habe: “meine Kommunikationsbereitschaft lässt arg zu wünschen übrig, ob ein kurzes ‘fick dich’ auch reichen würde?”, hat mir eine gute Freundin den Rat, ich soll doch einfach dieses ‘fick dich’ zum temporären Standardgruss erklären. Ich find die Idee genial, ich glaub das würd mir helfen, die Aggressionen etwas abzubauen. Wenn jemand an den Arbeitsplatz kommt, ein freundliches “Fick Dich Hugo, hast Du einen Programmfehler für mich?” oder im Pub ebenso freundlich “Ey Barkeeper, fick Dich und gib mir noch n’Guinness”………… ja ich glaub das würd mir gut tun, ich sollte das heut Abend im Pub mal ausprobieren :o)


 

4 Reaktionen zu “Testosteron-Alarm: Vorsicht, bissiges Mädel!”

  1. Sandra

    Hallo Diana

    Das Testosteron macht auch richtig wütend.
    Bei mir macht es sogar agressiv usw.
    Kein wunder, dieses Hormon gehört nicht zu mir.

    Wieso musst du den die Hormone absetzen vor der OP?

    Das wäre für mich sehr schlim, wenn ich die Hormone absetzen müsste für die OP.

    Gruß Sandra von Sandra-TS Blog

  2. Diana

    @Sandra: Die Hormone müssen 6 Wochen vor der GaOp abgesetzt werden, unter Anderem, weil eine Op ein hohes Tromboserisiko hat und diese Medikamente dieses Risiko enorm erhöhen. Ausserdem soll es wichtig sein, dass bei der Op der “alte Hormonstatus” besteht, warum weiss ich selber nicht, aber es gehört halt zu dem Prozedere dazu. Allzu tragisch ist das nicht, man durchlebt zwar nochmal eine gruselige Zeit, aber am Tag nach der Op ist der Spuk vorbei. Wegen der Tromboserisiken muss man zwei weitere Wochen ohne Östrogen auskommen, aber dafür wird nach der Op auch kein Testosteron mehr produziert.

  3. Bad Hair Days

    6 Wochen ist schon extrem. Bei mir waren es 2. Durch ein Missverständnis wurden es aber 4 und das war auch die Hölle :-(

  4. Diana

    heute ist es nicht so krass wie am Freitag, vielleicht war es vorallem die erste Unverträglichkeit. Ich könnte mir vorstellen, dass sie mir 6 Wochen auferlegt haben weil ich rauche, wär irgendwie noch einleuchtend

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