(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Tag der Entscheidung – ich lebe nun als Frau

Hier stehe ich, ich kann nicht anders,
Gott helfe mir, Amen
(Martin Luther)

Vier Jahrzehnte habe ich darunter gelitten, nicht ich selbst sein zu dürfen. Als weibliches Wesen in einem männlichen Körper gefangen zu sein und damit in eine Geschlechterrolle gezwungen zu sein, die dem Innersten radikal widerspricht, das ist kein Leben sondern eine Tortur.

Zwei Jahrzehnte habe ich dagegen angekämpft, versuchte zu verdrängen, zu therapieren, aber erst viel später musste ich anerkennen, dass sich die Geschlechtsidentität nicht ändern lässt. Sie entsteht in frühster Kindheit und ist dann durch nichts mehr veränderbar. Wenn ich also die Diskrepanz zwischen der Geschlechtsidentität und dem biologischen Geschlecht nicht mehr ertragen kann, was anderes kann ich dann noch tun als den Körper der Seele anzupassen?

Seit dem letzten Sommer habe ich mich intensiv diesen Fragen gestellt und es gewagt, selbst das Undenkbare zu denken. Kann ich weiterhin die Lüge meines Lebens weiterspielen? Bin ich stark genug um wider allem gesellschaftlichen Druck mein weibliches Ich zu leben? Bin ich bereit, mich all den Diskriminierungen und dem Gelächter auszusetzen nur um zu sein was ich bin? Bin ich bereit meine Sexualität, meine Beziehungschancen, meinen sozialen Status, meine Gesundheit und vieles mehr aufs Spiel zu setzen? Ist das Ich-Sein so wichtig, dass ich diesen hohen Preis für meine Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung zu bezahlen bereit bin? Habe ich überhaupt noch eine andere Wahl?

In den letzten Tagen fiel der Entscheid, ich verspüre keine Bereitschaft mehr, dieses Spiel des Lebens weiter so zu führen und weitere Jahrzehnte die männliche Maske zu tragen, nur um mein weibliches Ich weiter im Kerker meiner Seele einzusperren. Ich will leben und ich werde leben, selbst wenn es das Letzte ist was ich tun werde.

Ja ich bin bereit diesen Preis dafür zu zahlen und ich bin bereit, die ganze Welt vor den Kopf zu stossen, ich bin bereit die Frau zu leben, die ich innerlich schon immer war. Macht also Platz, ein neues Wesen betritt die Welt und nichts und niemand wird sie noch aufhalten können. Die Zeit ist reif für Diana, öffnen wir das Tor zum Kerker der Seele und lassen sie raus.


 

4 Reaktionen zu “Tag der Entscheidung – ich lebe nun als Frau”

  1. Andi

    Ich wollte etwas zur Diskriminierung und dem Gelächter sagen.
    Als fzm hat mich einmal geärgert das zwei Junge Männer her sahen und mich auslachten und tuschelten. peinlich. Ich hatte den Verdacht das sie lachten weil ich keinen Penis habe. Ich ging hin und sagte hast du ein Problem? Da hatten sie keins mehr.
    nein nein.
    Doch mein Selbstwert sank trotzdem.
    Ich erzählte es meiner Sozialarbeiterin.
    Sie sagte darauf, die lachen doch bloß wegen ihrer eigenen Unsicherheit.
    Das stimmt denk ich. Es machte mich stärker seit ich das weiß.

  2. Diana

    @Andi: Pöbeleien sind fast ausschliesslich Ausdruck von eigener Unsicherheit. Wer selbstbewusst ist, muss Andere nicht anpöbeln. Deshalb tun das auch hauptsächlich nach-pupertäre Jungs. Deshalb ist unsere Geisteshaltung auch enorm wichtig. Wenn ich so Leute nicht ernst nehme, weil man so Pöbeleien einfach nicht ernst nehmen kann, dann bin ich auch nicht verletzlich, jedenfalls nicht innerlich. Das nimmt schon sehr viel Angst und das wiederum reduziert auch das Risiko, angepöbelt zu werden. Je sicherer man wirkt, umso weniger Angriffsflächen bietet man, weil Unsichere stets Opfer suchen, die noch unsicherer sind als sie selbst.

  3. Morag

    @Diana: Absolut richtig, was Du da schreibst.

    Wenn man nicht drauf achtet, wird die eigene Körpersprache immer die innere Einstellung nach außen preisgeben. Wenn ich unsicher bin, halte und bewege ich mich entsprechend-und zeige dann für solche Idioten, daß ich genau das leichte und verletzliche Opfer bin, das sie suchen.

    Aber man kann dieses Zusammenhängen von “innen” und “außen” auch in der umgekehrten Richtung nutzen. Wenn ich meine Körperhaltung auf “selbstbewußt” und “sicher” korrigiere, wirkt sich das auch auf meine geistige Einstellung aus-und ich bin dann auch nicht mehr so verletzlich und angreifbar.

  4. Diana

    @Morag: das Problem ist halt, dass sich Selbstsicherheit nicht spielen lässt und die richtige innere Einstellung kommt nicht von heute auf morgen, gerade bei uns T-Girls nicht. Ich brauchte etwa ein Jahr, bis alles sich so einpegelte. Heute kann ich durch Menschenmengen laufen und fühle mich ok, das wirkt sich natürlich darauf aus, wie Andere mich wahrnehmen.

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