(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Stressabbau im Traum

Träume sind echt spannend und lehrreich, gerade Albträume zeigen auf teils bizarr bildhafte Weise, wo der Schuh drückt und zeichnen auch Lösungswege auf, die manchmal gedeutet werden können – vor wörtlicher Umsetzung sei jedoch ausdrücklich gewarnt, wie in diesem Beispiel, das ich erzählen möchte.

Wie jede Nacht in den letzten Wochen wache ich morgens erschöpft auf, selbst wenn ich wie letzte Nacht zwölf Stunden geschlafen habe. Grund dafür ist, dass ich gefühlte 7359 mal aufgewacht bin, mit wagen Erinnerungen an einen soeben durchlebten Traum oder Albtraum, um dann gleich wieder einzuschlafen. Am Morgen sind alle Träume weg, bis auf wenige Ausnahmen, so wie heute.

Ich war in einem Caffee das wie ein Starbucks funktionierte, man geht hin, bestellt was und wartet dann, bis man’s an der Theke entgegen nehmen kann. Wie immer bestellte ich einen Caramel-Macchiato, ich liebe dieses Zeuchs wie nix Anderes. Die Leute kriegen ihr Getränk in der Regel etwa in der Reihenfolge, wie sie es bestellt haben. Doch diesmal, als ich dran war, gabs nix für mich. Die Bestellung wurde erneut aufgegeben, ich wartete mir wieder die Füsse wund und bekam dann den falschen Kaffee. Ich wurde langsam wütend, lehnte den Kaffee ab und erneut wurde bestellt und wieder wartete ich und wartete…….. irgendwann war aus der Wut Zorn geworden und mit lautem Gezetter und Gefluche verliess ich den Laden……. zumindest hatte ich das vor. Doch kurz vor dem Verlassen des Ladens klinkte ich aus, drehte mich um, lief wie ein wildgewordener Stier zurück ins Caffee und begann, laut tobend das ganze Restaurant in Einzelteie zu zerlegen, warf mit Stühlen um mich und machte alles kaputt was mir in die Finger kam – während die Leute nur fassungslos da standen.

Ich begann zu realisieren, dass ich nun eine Menge Ärger bekomme und floh von dort, aber wohin? Man würde mich früher oder später finden und zur Rechenschaft ziehen. Also floh ich in einen Wald und stellte mich darauf ein, von nun an dort zu leben und der Welt zu entsagen. Dabei machte mir nur etwas Sorgen, wie könnte ich mein weibliches Leben dort in der Einsamkeit leben, wenn ich mich nicht mal rasieren kann? Ich würde irgendwann wie ein Waldläufer aussehen…… so zog es mich dann doch wieder aus dem Wald und auf dem Weg zurück begegnete ich meiner Schwester……….. naja, ich hab keine Schwester, aber das gab mir im Traum nicht zu denken. Sie überredete mich zurück in meine Wohnung zu gehen. Der Rest des Traumes ist verschwommen, irgendwie schlich ich mich in meine Wohnung, die Polizei tauchte auf, dann wachte ich auf.

Vor zwanzig Jahren habe ich mich mit Traumdeutung beschäftigt, die ganze Bandbreite, von esoterischer Traumdeutung bis hin zum legendären Buch von Sigmund Freud. Seit ich diese Kenntnisse habe, erinnere ich mich kaum noch an meine Träume, mein Unterbewusstsein fand es scheinbar überhaupt nicht lustig, dass ich diese symbolischen Verarbeitungsprozesse analysiere. Wenn ich es diesmal versuche, kommt folgendes dabei raus:

  • Das Caffee ist das Unispital, von dem ich mir etwas Gutes erhoffte
  • Der Caramel Macchiato ist die GaOp, die in mehrfacher Weise hinausgeschoben wurde
  • Das Zerlegen des Caffees entspricht meinen jüngsten Blogbeiträgen, in denen ich die psychologischen Ursachenthesen und Behandlungsstandards zerlegte
  • Die Flucht in den Wald passt zu meinem Rückzug der letzten Zeit, ich gehe kaum noch raus und meide Menschen wieder wie früher
  • Die Polizei die mich zu finden droht ist die Uni-Psychiatrie, denn ich habe wirklich Angst, dass die meine jüngsten Beiträge lesen und mich dafür “bestrafen”, beispielsweise durch Verweigerung des Gutachtens

Dieser Albtraum hat verschiedene witzige Komponenten:

Zum Einen habe ich tatsächlich vor vielen Jahren in Betracht gezogen, aus dieser Gesellschaft auszusteigen und allein im Wald zu leben. Ich liebe die Natur und ihre Bewohner über alles, da wird man angenommen wie man ist. Im Wald hatte ich schon Begegnungen, fern jeglicher Klassifizierung, die einfach wunderschön waren (mehr darüber ein anderes Mal). Aber schlussendlich überstand diese Lebensvision den Realitätscheck nicht, ich hätte spätestens den ersten Winter nicht überlebt. Dass diese Option nun in diesem Traum auftaucht, zeigt mir ein wenig, wie belastend all das in letzter Zeit war, sonst hätte mein Unterbewusstsein diese nicht-überlebbare Option nicht ausgegraben.

Ebenfalls witzig sind die Gefühle, die ich hatte, während ich das Lokal zerlegte. Da war eine unbändige Wut, eine Art totaler Kontrollverlust, aber es war auch ein Gefühl von Macht, die alle Ohnmacht umwandelt. Das Gefühl, mit Stühlen um sich zu werfen, war wirklich befreiend und das Zerstören von dem, was meine Ohnmacht ausgelöst hat, diese Machtergreifung, war richtiggehend berauschend.

Interessant und lehrreich dabei ist, dass ich trotzdem keinen Caramel Macchiato bekam, ich musste ja nach zerlegen des Lokals flüchten. Das beweist die Sinnlosigkeit eines “Amoklaufs”, so berauschend diese Befreiung aus der Ohnmacht auch ist, es bringt einem dem Ziel nicht näher, ganz im Gegenteil.

Das spricht zwar nicht dagegen, psychologisches Fehldenken auch in Zukunft zu zerlegen, da wo es notwendig ist. Aber – und das zeigt dieser Traum sehr deutlich – es darf nie Ausdruck eines Kontrollverlusts sein. Ich hätte meinen Kaffee vielleicht bekommen, wenn ich mich an den Chef gewandt hätte und dem mal gehörig meine Enttäuschung vorgehalten hätte. Vielleicht hätte der sein Personal sogar zurecht gewiesen, vielleicht sogar die Arbeitsabläufe verbessert. Auf jeden Fall hätte es Wege gegeben, die mir meinen Caramel Macchiato gegeben hätten. Anstelledessen hat es mich in die Einsamkeit getrieben – habe ICH mich in die Einsamkeit getrieben. Ich find diese Betrachtungsweise irgendwie spannend – und lehrreich.

Denn soviel ist klar: Im Wald überlebe ich den ersten Winter nicht, rasieren kann ich mich dort auch nicht und dort gibts nicht mal Kaffeebohnen. Ich kann mir da vielleicht einen Eichelkaffee brauchen, aber spätestens beim Caramel ist Schluss mit lustig.

Der Wald, also die Einsamkeit, ist nicht der Ort an dem meine Zukunft stattfindet. Ich will mein endlich erkämpftes weibliches Leben ausleben, mich in Anderen reflektieren. Erst in der Gemeinschaft wird mein Ich-sein wahrgenommen und erst in der Wahrnehmung durch Andere wird meine Selbstentfaltung sinnvoll. Ich will leben – und aus dem Leben heraus die Kämpfe führen, die notwendig und sinnvoll sind – ohne Kontrollverlust, ohne Amoklauf – ich bestimme über mein Leben, zum ersten Mal in vierzig Jahren, das darf ich nicht verschenken, es ist viel zu wertvoll :-)


 

4 Reaktionen zu “Stressabbau im Traum”

  1. Kim

    “ich bestimme über mein Leben, zum ersten Mal in vierzig Jahren, das darf ich nicht verschenken, es ist viel zu wertvoll”

    Jauuuu :-)

  2. Juliet

    Kim, Du sagst es….
    …und Schatzi…nicht nur Dein Leben ist wertvoll, DU bist wertvoll !

  3. Diana

    ach Süsse, ich könnt Dich grad sowas von knutsche, Du hast es wirklich verdient, Schatzi genannt zu werden, etwas Wertvolleres wie Dich hatte ich noch nie……… und ey, in 3 Tagen, 20 Stunden und 33 Minuten habschdisch wieder *jubel*

  4. Juliet

    Jajajajajajaja, knutsch mich, knutsch mich….

    Und Du hast es auch verdient, Schatzi, Süsse, Mäuschen, Püppi und überhaupt meins genannt zu werden…bist nämlich auch das Wertvollste und das beste und überhaupt und so…kommst Du bald her??

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