(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Sonntag bei Papa und Begegnung der dritten Art

Was für ein toller Sonntag, an sowas könnte ich mich echt gewöhnen. Einerseits war ich mal wieder bei meinem Paps und seiner Frau eingeladen und ausserdem habe ich zwei wirklich tolle Menschen kennengelernt, die mir wieder mal vor Augen hielten, dass es eben doch Menschen gibt, die mich verstehen können. Aber fangen wir doch ganz von vorne an.

Verwirrung vor dem Kleiderschrank
Da ich ja weiss, wie schwer ich morgens aus dem Bett komme und da ich bereits ahnte, dass ich bei dieser sonntäglichen Kleiderwahl möglicherweise ins Schleudern komme, habe ich den Wecker zwei Stunden vor Abmarsch gestellt – sicher ist sicher. Wie gut, dass ich mich so gut kenne, denn es kam so wie es kommen musste. Den Wecker überlebte ich zwar überraschend gut um neun Uhr, legte mich erst gemütlich mit Kaffe und Aschenbecher ins Bett und wachte eine halbe Stunde lang auf, begleitet von aufmunternder Musik. Während dem zermarterte ich mir mein Hirn, was ich heute anziehen sollte – erfolglos.

Dann gings ins Badezimmer für das übliche Anhübschen, stets begleitet von der Frage, was ich denn an so einem Sonntag anziehen sollte. Denn heute war ein spezieller Tag. Einerseits besuchte ich Paps und seine Frau, anderseits hatten sie ihre Lieblingsnachbarn und Freunde zum Dessert eingeladen. Ausserdem wollte ich meine neuen beigen Stiefel anziehen. Drei Bedingungen, ein Kleiderschrank, das kann nicht gut kommen.

Um halb Elf war ich fertig mit allem, um zehn nach Elf musste ich gehen. Vierzig Minuten blieben noch fürs Anziehen – naja – und fürs Aussuchen der Kleider. Seufz, um fünf nach Elf war ich angezogen, stand also eine unglaubliche halbe Stunde vor dem randvoll gefüllten Kleiderschrank, zerrte eins nach dem Anderen raus, um es dann nach enttäuschtem Blick in den Spiegel aufs Bett zu schmeissen – das sah am Schluss aus als ob ich heute Wäschetag hätte. Aber ich kann da echt nix dafür, die Hauptschuld trugen diese bekloppten Stiefel. Zu diesen beigen Stiefeln passt einfach gar nix, üüüüüüüberhaupt nix. Um Elf war ich dann am Ende des Lateins,, ich hatte definitiv nix anzuziehen. Und was tut n’Mädel, wenn sie nix hat was zu den Schuhen passt? Richtig, sie nimmt einfach eins ihrer neusten Lieblingskleider und pfeifft auf die Schuhkompatibilität. Nobody is perfect – hauptsache schick muss es sein.

Futtern bei Papa
Nach einer eineinhalbstündigen Zugfahrt, in der ich mal wieder Bauklötze staunte, dass ich einfach nicht mehr auffalle resp bestenfalls die etwas bizarre Kombination aus beigen Stiefeln, schwarzen Strümpfen und knallrotem Kleid gelegentlich die Aufmerksamkeit erregten, kam ich dann am Ziel an und wurde gleich kräftig gemästet äh gefüttert. Guuuuuuut wars – wie immer – und viel wars. Ideal für mich, weil ich in letzter Zeit ja eher a bissrl zur Knochenfraktion gewechselt bin, eine anständige Sonntagsmästung war also absolut ideal.

Dann wurde eifrig geplaudert, natürlich nicht ohne Papas obligate Nichtrauch-Predigt ;-) Einmal mehr genoss ich die Gespräche mit ihnen und einmal mehr berührte mich die Tatsache, dass mein Vater seine “neue Tochter” in dieser Selbstverständlichkeit annimmt. Wir redeten viel über “mein Thema” und ich staunte darüber, dass ich unterdessen nicht mal mehr darüber staune, dass die Zwei soviel Verständnis aufbringen, sich so gut in diese Thematik und meine manchmal doch komplizierte Gefühlswelt hineindenken und hineinfühlen können. Wenn ich bedenke, wieviele transsexuelle Menschen von ihren Familien ausgestossen werden, ist es für mich immer wieder ein neues Wunder, dass ich so sehr angenommen bin.

Begegnung der dritten Art
Pünktlich zum Dessert Termin klingelte es an der Tür und ich war gespannt, was nun auf mich zukommen würde. Ich hatte schon einiges gehört über diese Nachbarn, sie sollen wirklich tolle Menschen und gute Freunde sein, haben sogar mein Buch gelesen und lesen bis heute regelmässig in meinem Blog mit. In letzter Zeit bin ich ja ziemlich menschenscheu, weil ich es einfach langsam leid bin, meist nicht wirklich verstanden zu werden. Ich hab kürzlich hier mal erzählt über die drei Stufen der Annahme: Akzeptanz, Respekt und Verständnis. Während Ersteres erwartet werden kann, wird Zweiteres doch überraschend oft gewährt, doch Dritteres scheint mir leider sehr selten zu sein. Deshalb war ich auch etwas skeptisch. Gestern sagte ich Juliet noch, dass ich sehr gespannt bin, denn momentan geht mir alles sehr nah. Wenn eine Begegnung positiv ist, kann mir das mega gut tun, falls ich aber in den Gesichtern etwas Anderes lese (und diese Gabe habe ich wirklich), dann kann eine Begegnung schmerzhaft werden, selbst dann, wenn man freundlich ist zu mir.

Nun, wie der Titel sagt, es kam tatsächlich zu einer Begegnung der dritten Art. Schon nach der Begrüssung spürte ich eine Nähe und ein Verstandensein, das ich in dieser Form nicht oft erlebe bei einer ersten Begegnung. Ich war nicht das komische Ding, das ich manchmal für Andere bin. Mit Worten lässt sich das schwer erklären, aber ich spürte es die ganze Zeit. Wir redeten viel über meinen Lebensweg und über Transsexualität und das Verständnis das mir dabei entgegen gebracht wurde, ging weit über die ersten zwei Stufen des Annehmens. Und als ob das nicht genug wäre, hatten die Zwei einen so grandiosen und schrägen Humor, dass wir Fünf uns immer wieder dumm und dämlich lachten.

Es gibt’s selten, dass ich jemanden beim ersten Treffen ins Herz schliesse, aber diese zwei haben’s im Sturm erobert. Und so hatte ich diese Woche ein zweites Erlebnis, das mir Mut gibt, das mir zeigt, dass es sehr wohl möglich ist, dass Menschen die Irritation eines transsexuellen Menschen überwinden können und dass echtes Verständnis und echte Anteilnahme halt eben doch möglich ist. Und nicht zuletzt zeigte es mir auch, dass mein Blog-Tagebuch seinen Zweck wirklich erfüllt, es kann Menschen berühren und es kann ihnen einen Einblick geben in etwas Unvorstellbares, es kann wirkliches Verständnis schaffen. Vielleicht nicht bei Jedem, aber zumindest bei denen, die ein offenes Herz haben. Was für ein wunderschöner Sonntag!

Papas Zauberei mit dem Lachen
Achja, die Einen oder Anderen werden sich jetzt wundern, wie mein Paps es mal wieder geschafft hat, mir so ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. Das sieht man bei mir ja selten, weil ich – ich gestehe das nur ungern – wirklich keine schönen Zähne habe und mir das irgendwie peinlich ist. Soviel übrigens zum Thema, ob meines Vaters Nichtrauch-Predigt berechtigt ist, ja er hat Recht, leider. Na jedenfalls hat er jetzt einen neuen Trick um mich gegen meinen Willen zum Lachen zu bringen, mit etwas, das seit ein paar Tagen hier in der Schweiz Kult ist. Wer’s nicht kennt, unbedingt den nachfolgenden Link anklicken und das erste Video anschauen……. er sagte: Bü-bü-bü-Bündnerfleisch …….. da konnte ich einfach nicht anders :-)


 

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