(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Selbstentfaltung und der Schatz im Acker

siehe, das Reich Gottes ist innerhalb von euch. (Lk 17,21)

(ιδου γαρ η βασιλεια του θεου εντος υμων εστιν)

Jesus pflegte in Gleichnissen und Metaphern zu reden, denn er wusste, dass die bildhafte Rede den Höhrer viel mehr zum Nachdenken bringt als klugscheisserische Faktendrescherei. Und er wusste, dass Bilder zeitlos sind, während Worte im Sog der Zeit sich verändern. Jesus-Gleichnisse haben für mich immer eine doppelte Bedeutung. Einerseits geht es primär um Vergleiche im Bezug auf das Reich Gottes, seine Vorstellung, dass wir hier auf Erden durch gelebte Nächstenliebe einen himmlischen Zustand hervorbringen. Das Reich Gottes ist innerhalb von Euch (Lk 17,21), sagt er an einer zentralen Stelle und er verweist damit auf die Tatsache, dass wir nicht auf die Ruhe und den Frieden warten dürfen sondern den Frieden in uns emporsteigen lassen sollen. Auf der anderen Seite haben seine Worte auch immer eine Paralelle zum normalen Alltag. Wenn er davon redet, dass wir uns nicht sorgen sollen, dann ist sowohl unser spirituelles Heil gemeint als auch so alltägliche Dinge wie Essen oder Kleidung (z.B. HighHeels von Manolo).

Eines seiner Gleichnisse nennt man den “Schatz im Acker” oder die Paralelle “Die kostbare Perle”. Dabei geht es darum, dass jemand in einem Acker einen Schatz findet und weil er sich des Wertes von diesem Schatz bewusst ist, verkauft er alles was er hat, gibt alles was ihm lieb ist weg, um diesen einen, unschätzbar wertvollen Schatz zu erlangen. Auf spiritueller Ebene ist die Deutung klar, wer den Weg hin zu Gott gehen will, muss alles hinter sich lassen. Aber auf der Ebene des Alltags findet man ganz andere Deutungen, die meines Erachtens genauso im Sinne des Nazareners sind, wie die spirituellen Werte. Denn wahre Spiritualität wird im Alltag gelebt, alles andere ist theologische Klugscheisserei.

Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, welchen ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker. (Mt 13,44)

(ομοια εστιν η βασιλεια των ουρανων θησαυρω κεκρυμμενω εν τω αγρω ον ευρων ανθρωπος εκρυψεν και απο της χαρας αυτου υπαγει και πωλει οσα εχει και αγοραζει τον αγρον εκεινον)

In meinem Fall bekommt dieses Gleichnis eine ganz neue Dimension. Seit meiner Kindheit bin ich davon überzeugt, dass der Sinn des Lebens darin liegt, sich selbst zu entfalten. Jedes Lebewesen hat seine ganz eigene Wesensart und jedes Wesen ist verpflichtet, seine ganz eigene Wesensart zu entfalten und der Gesamtheit aller Lebensformen eine weitere Fascette zu verleihen.

Ich habe ein Leben lang versucht, meine mir eigene Wesensart zu verleugnen und zu unterdrücken, ich wollte nicht sein was ich war, weil ich die gesellschaftliche Ächtung fürchtete. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht mehr leugnen konnte, was meine ureigene Wesensart ist und ich konnte mich der Verpflichtung nicht mehr verweigern, diese mir eigene Art zu entfalten und zu verwirklichen.

Das zu sein, was von Natur aus in mich gelegt war, bedeutete, so ziemlich alles zu verlieren, alles zu investieren und alles zu opfern, für diese einzige Sache, mich selbst zu sein. Aber was gäbe es Schöneres und was gäbe es Edleres als sich selbst zu sein, so wie man von Gott geschaffen wurde? Und damit meine ich nicht irgendwelche anatomischen Sonderbarkeiten sondern die innere Wesensart, die tief in der Seele verwurzelt ist.

Anfang Jahr überschritt ich diese Grenze, legte mein gesamtes Leben in die Waagschale, opferte alles was mir am Herzen lag, für diesen einen Schatz, der “Ich” heisst.

Ja, mein lieber Rabbi Jeshua aus Nazareth, Du hattest Recht mit allem was Du gesagt hast und mein Leben gibt Zeugnis ab für Deine Worte. Ich habe alles gegeben, jeden Preis bezahlt und ich habe das Reich Gottes in mir gefunden. Wo einst Verbitterung war, ist nun Liebe, wo einst Verzweiflung war, ist nun Harmonie und Frieden – Frieden mit der Welt, und Frieden mit mir selbst.

Ich habe den Schatz im Acker meines Lebens gefunden und ich werde ihn nicht mehr loslassen, weil meine unsterbliche Seele nicht anders kann, als sich selbst zu sein, um jeden Preis.


 

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