(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Rundschau: Transsexuelle, Krankenkasse, Behörden und ein ulkiger Polit-Clown

Die gestrige Rundschau Sendung auf SF1 war einmal mehr eine verpasste Chance, einmal mehr haben alle Beteiligten trotz guter Absichten versagt. Der Titel “Transsexuelle: Ihr Hürdenlauf gegen Krankenkassen und Behörden” klang vielversprechend und die Ankündigung der Sendung liess hoffen, dass wirklich mal darüber geredet wird, dass transsexuelle Menschen Diskriminierungen ausgesetzt sind, bis hin zur systematischen Zwangssterilisierung. Aber allem Optimismus zum Trotz kams einmal mehr zum Desaster.

Keine Krankenkassendeckung für Geschlechtsumwandlungen, fordert die SVP. Keine Zivilstandsänderung ohne den Nachweis der vollständigen Fortpflanzungsunfähigkeit, sagt das Zivilstandsamt. Transsexuelle kämpfen in der Schweiz um soziale und behördliche Anerkennung. Die Rundschau besucht zwei Frauen und einen Mann, die ihr Geschlecht gewechselt haben. Sie erzählen vom neuen Leben und dem Kampf um ihre neue Identität.
(SF1 Ankündigung zur Rundschau Sendung)

Falsche Terminologien bedeuten Desinformation
Die Rundschau ist an sich bekannt für relativ fundierte Berichte, trotzdem wurden so ziemlich alle Terminologien verwendet, die der Realität spotten. Es wurde über eine transsexuelle Frau gesagt: “er wollte schon immer eine Frau sein”. Dabei stützen sich die Moderatoren auf “offizielle Denkweisen”, die von einem “echten Geschlecht” und einem “Wunschgeschlecht” ausgehen. Das steht zwar in den überholten Diagnosebibeln so drin, widerspricht aber radikal den Erkenntnissen der letzten zehn Jahre. Eine transsexuelle Frau ist kein Mann, der so verblödet ist, dass er lieber eine Frau wäre. Eine transsexuelle Frau ist ein weibliches Wesen, das eine weibliche Hirnanatomie hat, das weiblich denkt und fühlt, aber in einem Körper leben muss, der sich aus unerfindlichen Gründen ins falsche Geschlecht entwickelt hat. Das sind wissenschaftliche Fakten, der Rest ist Mythos, eine Art Mythos, die uns Betroffenen im wahrsten Sinn des Wortes das Genick brechen kann.

Man kann auch informieren ohne zu Wissen
Bereits in der Einführung plapperte Urs Leuthard über eine transsexuelle Frau konsequent in der männlichen Form und demonstrierte damit, dass er sich mit dem Thema nicht im Geringsten auseinander gesetzt hat. Nicht besser war die Redaktorin Vanessa Nikisch, die den Rest der Sendung als unsichtbare Stimme im Hintergrund moderierte, die mit Aussagen im Stil von “beide waren früher mal Männer” jegliches Verständnis für Transsexualität missen lässt.

Ungeachtet dessen, der Unterton der Rundschau Moderation zeigte für mich klar, dass die Macher keineswegs auf einen Verriss von transsexuellen Menschen aus waren, ganz im Gegenteil. Man spürte, dass sie unsere Anliegen ein Stück weit vertreten, man spürte das Unverständnis, dass transsexuelle Menschen die einzige Menschenart ist, von der man eine Sterilisierung verlangt – es scheint mir, als ob diese Leute den Schatten der Eugenik spürten. Aber sie haben es sich zu leicht gemacht und suhlten sich in Oberflächlichkeit und Unwissen.

Da muss man der Redaktion einen Vorwurf machen. Wer wie die Rundschau den Anspruch erhebt, seriös zu informieren, muss auch informiert sein und zwar so, dass sein Wissen über das eines Wikipedia Eintrags geht. Da hilft aller guter Wille nicht. Wenn man transsexuelle Frauen als Männer darstellt, die halt lieber Frauen sind, dann hat man seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Sich selbst repräsentieren will gelernt sein
Mehr als der Redaktion mache ich aber denen einen Vorwurf, die sich für diese Sendung zur Verfügung gestellt haben. Auch sie taten das mit guter Absicht, aber mit einer Naivität und Sorglosigkeit, die mich schon so oft verblüfft hat.

Wer sich für so eine Sendung zur Verfügung stellt, müsste wissen, dass 99% der Menschen und somit auch die Reporter, keine Ahnung haben, was Transsexualität nach aktuellem Stand des Wissens ist. Es wäre enorm wichtig, dass man einerseits bereits im Vorfeld diese Leute informiert, so dass eine vernünftige Moderation möglich ist. Es wäre aber genauso wichtig, dass man seine eigenen Hauptargumente vorbereitet und diese bei der ersten Gelegenheit darlegt.

Wenn also – wie bei einer anderen Sendung mal geschehen – ein Moderator eine transsexuelle Frau sinngemäss fragt, ob sie schon immer eine Frau sein wollte, dann wäre es ein absolutes Muss, dass sie widerspricht und erklärt, dass sie nie eine Frau sein wollte sondern immer eine war, dass sie nur nicht mehr weiter ertragen konnte, trotz weiblicher Wesensart mit männlichen Genitalien herumzulaufen und eine gesellschaftliche Geschlechterrolle spielen muss, die ihrem Wesen radikal widerspricht. Wer auf so eine Frage einfach “ja” sagt, hat sich selbst versenkt.

Interessenvertretung und Verantwortung
Am meisten Ratlosigkeit löste in mir jedoch die Tatsache aus, dass “Transpersona” als Transgender-Interessenvertretung beteiligt war und es offenbar versäumt hat, die Rundschau Reporter im Vorfeld zu coachen. Die Rundschau ist nicht der Blick, die wollen nicht um jeden Preis einen Verriss bringen, die wollen vorallem Informationen bieten. Hätte man bei der Anfrage, ob man zu Filmaufnahmen bereit sei, sinngemäss gesagt: “Cool, machen wir eine informative Reportage, aber damit Ihr informieren könnt, müsst Ihr erst selber informiert sein, wir erklären Euch gerne mal was mit uns los ist”, wäre aus dieser Sendung vielleicht wirklich was Gutes geworden. Würde man einer Rundschau-Redaktion die wichtigsten Fakten auf den Tisch legen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass eine transsexuelle Frau eine anatomisch weibliche Hirnstruktur hat, dass niemand “dem anderen Geschlecht” angehören will, dass wir eigentlich ganz normale Frauen sind, die halt leider einen dem anderen Geschlecht entsprechenden Restkörper haben, würde man diese paar Fakten erklären, wäre die Moderation ganz anders gelaufen. Und gerade von einer Organisation, die unsere Interessen wahren will, erwarte ich das.

Öffentlichkeitsarbeit erfordert Strategie
Ich bin auch keine PR-Expertin, habe aber genug im Bereich Öffentlichkeitsarbeit getan um zu wissen, dass Journalisten nur gute Arbeit leisten können, wenn sie gute Informationen haben. Nur wir können das Fundament legen, auf dem sie gute Arbeit machen können. Solange man den Journalisten nicht klar macht, dass Transsexualität keine Frage des Wunschgeschlechts ist sondern eine Tragödie, in der ein Mensch im “falschen Körper” dahinvegetiert, dann muss man schon gar nicht mit Interviews anfangen, dann ist alles vergebliche Müh.

Das einzige, was Zuschauer heute gelernt haben, ist die Tatsache, dass Zwangssterilisierungen nach dem zweiten Weltkrieg doch nicht endeten. Über das Phänomen Transsexualität haben sie nichts dazu gelernt und wer wir sind und was wir fühlen, wurde ihnen nicht näher gebracht.

Allem Gemotze zum Trotz, es gab auch gute Wortmeldungen, eine ist mir speziell geblieben: “Früher hatte ich Job, Geld, alles….. heute habe ich mein Leben, das hatte ich früher nicht“.

Peter Föhn – ein ethisch-religiöser Polit-Komiker
Aber immerhin konnte die Rundschau diesen ganzen Leerlauf ein wenig auflockern mit dem real-satirischen Interview mit SVP-Kreuzritter Peter Föhn, der letzten Sommer eine parlamentarische Motion einreichte, mittels der “Geschlechtsumwandlungen” aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen werden sollten. Schon die Motion selbst demaskiert ihn als einen Narren, denn wie in aller Welt kommt ein Politiker auf die abstruse Idee, es sei Sache eines Parlaments anstelle medizinischer Fachstellen, darüber zu urteilen, welche “Krankheit” behandlungsbedürftig sei. Wirklich ulkig war aber das Interview, in dem gut rauszuspüren war, dass Peter Föhn keine Ahnung hat worum es geht und was er mit dieser Motion eigentlich will. Man könnte viel darüber schreiben um diesem Dämagogen zu entlarven, aber kein Argument wäre besser, als seine eigene Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet transsexuelle Menschen keine medizinische Betreuung mehr haben dürfen:

Die Geschlechts…….äh…. Umwandlungen streiche ich vorallem auch….. dann…….. nach ähmä???…… pffff, ja vielleicht….. ein ethischer Hintergrund….. ein…… religiöser Hintergrund für mich haben…… bei dem ich sage: ist das wirklich notwendig……. und ich stelle als Politiker jetzt einfach diese Frage laut in den Raum.
(Nationalrat Peter Föhn)

Aha……. ähhhhh…….. naja, was auch immer Nationalrat Föhn uns da sagen will, werden wir wohl nie verstehen – macht nix, er auch nicht.

Trotzdem lohnt sich eine kleine philosophische Nachfrage. Wenn die medizinische Behandlung und faktische Heilung transsexueller Menschen aus religiösen Gründen abgelehnt werden muss, ist dann eine Chemotherapie bei Krebs nicht auch wider Gottes Willen? Was für eine Art von Zynismus will uns dieser Polemiker da lernen? Und wenn er dann auch noch ethische Gründe geltend macht, kann man nur noch ratlos zuhören. Denn die medizinische Behandlung von transsexuellen Menschen ist eine Forderung internationaler Menschenrechte, sie entspricht internationalen medizinischen Empfehlungen. Wenn unterlassene Hilfeleistung und Missachtung von Menschenrechten für die SVP ethisch sind, sollte uns das wirklich langsam Sorgen bereiten.

Das und vieles mehr hätte thematisiert werden können und sollen – alle Beteiligten haben die Chance verpasst – einmal mehr!

PS: die Reportage kann hier angeschaut werden. Für Liebhaber grotesker Comedy empfehle ich gleich auf 6:00 Minuten zu beginnen, die heisse Luft, die Nationalrat Peter Föhn hier in wenigen Sekunden ausstösst, reichen für den Lacher des Monats :-)


 

13 Reaktionen zu “Rundschau: Transsexuelle, Krankenkasse, Behörden und ein ulkiger Polit-Clown”

  1. Kim

    Hi Diana…

    lass dich drücken… ich hoffe, dass ich kein blaues Auge bekomme davon… deine Wut kann ich nämlich durchaus nachvollziehen. Solche Beiträge sind durchaus geeignet, Nahrungsmittel rückwärts zu verdauen… da ging es mir genau wie dir…

    …und genau wie Du finde ich es am schlimmsten, wie sich transMenschen manchmal selbst verkaufen (und verkaufen ist hier in meinen Augen wirklich mehr als das richtige Wort) und das Klischee erfüllen, das es seit Jahrzehnten von uns gibt. Dass Alecs bei so einem Schmierentheater mitmacht ist schlimm… aber ehrlich gesagt… ich hatte sowas schon vermutet.

    Ging es transMenschen je anders? Du musst nur in Archive des DRS schauen und dir mal Beiträge aus den 70ern ansehen… da wurde genau derselbe Unsinn erzählt. Beiträge die 40 Jahre alt sind, aber bis heute gibt es, so scheint mir, irgendeine gedankliche Absperrung im allgemeingültigen Wetltbild, die einfach nicht überwunden werden will… und die Grenzposten sind dann die transMenschen, die sich dadurch irgendwelche Vorteile erhoffen, aber dennoch nie erhalten werden (was sie dann oft erst dann bemerken, wenn es längst zu spät ist – und ich meine eigentlich ist ja genau das die eigentliche Haupttragödie)…

    Ich überlege mir schon lange, ob es nicht sinnvoller wäre, sich diesen paradoxen Quatsch zu nutze zu machen, um wenigstens seinen Spass daran zu haben… Kabarett? Musik? Irgendwas wird doch möglich sein… vielleicht liessen sich dann auch diese selbstgebastelten Erniedrigungen von transMenschen, die man so im Fernsehen sieht, besser ertragen…

    Naja…

    Drück,

    Kim

  2. Kim

    Ach so… vielleicht noch was aufbauendes: Einen Sprung über den Rhein hinüber und da gibt es dann plötzlich so etwas:

    http://models.com/work/vogue-paris-lea-born-again

    Krass. Oder? Irgendwie ist das schon seltsam, dass in Frankreich möglich ist, was die deutschsprachigen Regionen nicht hinbekommen: Würde. An was liegt das?

  3. Diana

    Hi Kim, erst mal danke fürs Drücken, das tut immer gut :-)

    Ich weiss nicht, ob man da wirklich von “verkaufen” reden kann, ich bin überzeugt, dass transsexuelle Menschen die sich so der Öffentlichkeit präsentieren, etwas Gutes tun wollen. Es wäre ja wichtig, dass wir aus dem Schatten der Anonymität treten. Diese Leute zeigen enormen Mut und das achte und schätze ich.

    Aber wie ich geschrieben habe, gute Vorsätze nützen nichts, wenn es nicht gut aufgegleist ist. Es reicht eben nicht, wenn man uns einfach sieht, ganz im Gegenteil, oft betoniert man damit Vorurteile. Wenn man sich so aussetzt, kann das nur helfen, wenn man wirklich gute Informationen bietet und überzeugend und authentisch auftritt.

    Ich war mir auch nicht von Anfang an bewusst, wie wichtig korrekte Formulierungen sind und habe wohl auch das eine oder andere Mal falsche Bilder portiert. Aber ich habe mich auch nicht in einer TV-Sendung geäussert, die von Zuschauern im 6-stelligen Bereich gesehen werden, eben weil ich mir bewusst war, dass man da ganz schön tough sein muss, um wirklich etwas Gutes zu machen.

    Ich hab ja schon erzählt, dass ich jahrelang aktiv bei Greenpeace war. Wer dort an Aktionen geht, wird entsprechend vorbereitet und eine der goldenen Regeln heisst: wenn ein Journalist kommt, dann darfst Du Deine persönliche Motivation kundtun. Aber wenn Dir Fachfragen gestellt werden, dann halt gefälligst die Klappe und überlass das den Campagnern und Pressesprechern, die wurden für sowas geschult.

    Gerade wenn eine Organisation sich den Medien stellt, was grundsätzlich ja gut ist, dann muss man auch ein wenig mit Medien umgehen, andernfalls wird man einfach vorgeführt und das hilft niemandem.

    Trotzdem – oder gerade deshalb – es ist wichtig, dass wir in solchen Medien vertreten sind, aber wir sollten endlich lernen, das so zu tun, dass man uns wirklich sieht.

  4. Kim

    Liebe Diana,

    mein Eindruck ist aber, dass es zum “richtigen” Umgang mit Medien aber in erster Linie erst einmal gehört, sich selbst zu fragen: wer bin ich überhaupt? Und was glaubst du, wie häufig ich schon gehört habe, dass da transMenschen selbst z.B. sagen “ich weiss, ich bin eine Frau und eigentlich schon immer gewesen, aber das versteht ja keiner, also sag’ ich, dass ich mal ein Mann war” (von transMännern gibt es da umgekehrte Aussagen).

    Dass damit natürlich ein Outing zur Farce wird, da Du dich damit selbst zum Paradoxon erklärst und am Ende tatsächlich erst deswegen niemand mehr versteht, warum du dich outest, ist nur eine der Folgen dieser Selbstverleugnungstaktik. Leider kommt diese Selbstverleugnung aber bei bestimmten Stellen gut an – nämlich bei denen, die uns per se als Selbstverleugner definieren und das sind in weiten Teilen die “Behandler” aus der sog. “Sexualwissenschaft”… genau diese Menschen sagen ja. z.B., dass ein t-Frau ein Männ wäre, der sich auf Grund einer Identitätsstörung fühlt “wie eine Frau” (und gedacht mit der Verlängerung “aber keine ist…”). Wer sich also am besten selbstverleugnet, wird automatisch von den Sexual”wissenschaftlern” als Gesprächspartner präferiert, dadurch bekommt sojemand mehr Einfluss und am Ende geht ein Medienbeitrag dann so:

    …Wer ist hier Experte? Aha. Da gibt es Sexualwissenschaftler… soso… transsexuelle Frauen, sind Männer die “wie Frauen fühlen” und transsexuelle Männer sind Frauen, die “wie Männer fühlen”….
    …Was sagen die Betroffenen? Aha. Da gibt es einen, der aussieht, als wäre er ein Sprecher der transsexuellen Menschen, da er mit den Sexual”wissenschaftlern” am Tisch sitzt. Was sagt der denn? Soso… transFrauen sind eigentlich Männer und transMänner sind eigentlich Frauen. Die anderen Betroffenen? Ich sehe… die nicken mit dem Kopf… alles klar: So mache ich den Beitrag.

    Was glaubst Du, was dann passiert, wenn Du dich dann am Ende über so einen furchtbaren Beitrag wie dem, der jetzt im SF lief, beschwerst? Der Redakteur oder die Redakteurin wird sagen: “Wieso? Die Aussagen stammen doch von den Betroffenen selbst…”…

    Genau finde ich es wichtig, dass solche Abhängigkeitsprinzipien endlich hinterfragt werden und dass selbstbewusste Menschen endlich laut sagen: “Nein. Ich habe da keine Lust mehr dazu. Ich will mich nicht länger selbst zum Idioten erklären.” … das ist zugegebenermassen im deutschsprachigen Raum nicht einfach, da die Selbstverleugnerei hier ja seit den 90er-Jahren richtig professionalisiert wurde. Aber ich bin mir sicher, dass auch diese Epoche mal ein Ende haben wird, und es immer mehr transMenschen gibt, die mit voller Stolz sagen können: Ich bin, wer ich bin (und kein Mensch, der angeblich fühlt, wie ein anderer).

    Liebe Grüsse,

    Kim

  5. Hannah

    ja hallo, ich mal wieder ;-)

    Also, das is schon richtig und diese Sendung (soweit ich sie richtig verstand, der Schweizer Akzent is für eine Westfalenerin nich immer ganz eindeutig) is schon we ihr sagt krass. Und das, worüber ihr euch beschwert, das versuche ich grade denen, die mein Vertrauen genießen, klar zu machen. Und das bewirkt es, dass mich meine Freunde am ehesten akzeptieren können.

    Als ein Beispiel:

    Unser Gitarrist, dessen Freundin hatte mal mit mir über ICQ geschrieben, und dazu sagte sie dann zu ihm: “Der ist ja süß!” und er sagte dazu: “Er ist ein Mädchen!” Dieses wiederholte sich dann ein paar mal.

    Oder, letztens (wieder unser Gitarrist) habe ich von ihm ein Loch in den “Hebel” einer kaputten Bassmechanik bohren lassen, weil ich den dann als Schlüsselanhänger (hängt jetzt doch an meinem Rucksack) nutzen wollte. Dann sagte ich, dass er einfach einen etwas größeren Bohrer nehmen soll, um die Bohrstele zu entgraten. Dazu sagte er: “Du bist eine der wenigen Frauen, die sich mit Handwerk ausskennen.”

    Er kazeptiert es vollständig, und ich denke, dass es einfach auch daran liegt, dass ich ihn so gut wie ich es konnte darüber aufgeklärt habe, ich auch immer wieder darauf bestand, mich nich als Mann zu deklarieren, der sich als Frau fühlt, sondern eine Frau, die das schreckliche Pech hat bei der gebrut einen männlichen Körper mitbekommen zuhaben. Und genauso geht es mit vielen anderen Freunden auch. Richtige Aufklärung is alles, aber wenn die Sendungen, die dieses wollen, es nich richtig machen, dann muss man sich nich wundern, wenn die Gesellschaft uns nich zuakzeptieren weis.

    Und der Punkt, dass transsexuelle “zwangssterilisiert” werden mussen, da muss ich mal (provokanter, aber auch ehrlicher Meingun nach) behaupten, dass dieses leider etwas Nationalsozialistisches hat. Es war auch Hitlers Ansicht, alle die nich in sienem Schema von “gutem Menschen” passen, sollten Sterilisiert werden, ich habe schon haarsträubene Geschichten gehört, dass Menschen, die behindert waren, die Psychisch Krank waren, die das Down Syndrom haben, das solche Menschen unfruchtbar gemacht wurden. Und so sieht es doch auch mit uns aus, oder? Wir werden auch unfruchtbar gemacht werden müssen. Rein aus Menschenwürden seitlicher Recht finde ich das schon irwie nich ganz in ordnung.

    Ich selber fühle mich als Spielball der Gesellschaft, weil wir uns einfach als “Verrückt” erklären müssen, um unseren Weg gehen zukönnen, doch wir sind ncih Verrückt, und das werden wir auch nich sein, zumindest wenn wir unseren Weg gheen können. Wenn wir davon abgehalten würden, dann werden wir verrückt, aber dieses is nich der Fall, weil wir uns den körperlichem Geschlechte entgegen empfinden, erleben und definieren. Deswegen hatte ich schon einige Depriphasen. Aber wie soll man in einer Gesellschaft geund sein, wenn man in einer Gesellschaft is, die selber nich gesund is?

    In diesem Sinne
    eure Hannah

  6. Diana

    @Kim: da sprichst Du etwas Schwieriges an. Es ist wirklich “verlockend”, das Verständnis des Umfelds anzunehmen. Es ist beispielsweise einfacher zu sagen, ich bin transsexuell, weil das dem Gegenüber ein Begriff ist (Vorurteile inbegriffen), als dass Du Dich als geschlechtsinkongruente Frau vorstellst.

    Menschen, die ein wenig Toleranz leben, können gut damit umgehen, dass “ein Mann lieber eine Frau wäre”, das Recht auf Selbstbestimmung wird von Vielen respektiert. Aber wenn ich ihnen sage, dass ich eine Frau bin, mit XY Chromosom, die trotz vollständig männlichem Körper ein weibliches Gehirn habe, dass ich also faktisch eine Frau bin und nur der gesamte Restkörper nicht mir entspricht, dann überfordert das die Leute meist. Das passt in keine Schublade.

    Ich erkläre es meist mit “im falschen Körper geboren”, betone aber immer, dass mein Ich, mein ganzes Denken und Fühlen, weiblich war und ist.

    Jedenfalls wäre es wirklich wünschswert, dass Leute die sich den Medien stellen, sich ihrer Verantwortung und eben der Gefahr falscher Formulierungen bewusst wären. Ich habe oft genug erfahren, dass ein paar Sätze reichen können, um wenigstens ein wenig Verständnis zu schaffen. Deshalb müssten wir eigentlich Leute finden und coachen, die in die Medien portiert werden. Tun wir das nicht, werden sich Medien weiter an Lorielle und Konsorten wenden.

  7. Diana

    @Hannah: Das mit dem “er ist ein Mädchen” kenn ich, resp umgekehrt, dass ich hörte wie jemand über mich sagte: “sie ist ein Er”.

    Was Du schreibst über das “Verständnis” schaffen ist genau das, was ich erfahren habe. Wir sind in der Lage uns zu erklären, wir haben im Gegensatz zu früher sogar die Wissenschaft auf unserer Seite. Dass man als transFrau eine weibliche Hirnanatomie hat, ist für Viele ein überzeugendes Argument. Verständnis schaffen kann man, aber dann muss man auch die wichtigen Fakten vorlegen.

    Die von Dir angesprochene Psychopathologisierung ist Öl ins Feuer, sie betoniert bestehende Vorurteile wider aller Wissenschaft. Wie soll jemand verstehen, dass jemand mit einer “Geschlechtsidentitätsstörung” zum Chirurgen geht? Insofern erfreulich, wenn bald mal daraus “Geschlechtsinkongruenz” wird. Das geht in die richtige Richtung.

    Die Zwangssterilisierung ist klar auf das eugenische Denken zurückzuführen und durchquert dabei knietief den Nationalsozialismus. Die Vorstellung, dass es Menschen gibt, die nicht reproduktionswert seien, war weit verbreitet. Auch hierzulande wurden z.b. Fahrende zwangseingewiesen und sterilisiert. Seltsamerweise scheinen wir die Letzten zu sein, die noch im Schatten dieser Eugenik stehen.

  8. Kim

    “Insofern erfreulich, wenn bald mal daraus ‘Geschlechtsinkongruenz’ wird.”

    Vorsicht Diana. Der Begriff steht nun im Raum, um noch mehr Gruppen zu psychopathologisieren und nicht um sie zu entpathologisieren. Wenn du dir die DSM V Drafts genau ansiehst wird dir auffallen, dass es hier noch stärker um zugewiesene Geschlechterrollen geht und diejenigen als geisteskrank erklärt werden sollen, die sich gegen diese Geschlechterideologie zur Wehr setzen wollen. Gefährlich ist das deswegen, da hier die Formulierungen des DSM 5 so weit gefasst sind, dass sowohl Lesben und Schwule als auch Intersexuelle gerne mal wieder unter “gender incongruent” fallen können. Es gibt zwar transMenschen, die den DSM 5 als Fortschritt deuten – dennoch ist eine Ausweitung der psychoPathologiserung nie ein Fortschritt, sondern immer das was es ist: Eine Ausweitung der Gruppe, die nach Ansicht von Zucker und co einen an der Waffel haben sollen. Damit klingt das Wort “gender incongruent” zwar netter – dahinter verbirgt sich aber (wieder einmal) der Versuch der Psychoklicke ihren Machtanspruch noch weiter auszuweiten um noch mehr Geld mit dem Leid von Menschen zu scheffeln, welches sie selbst mit erzeugt haben.

  9. Diana

    @Kim: da hast Du Recht, leider, die Psychopathologisierung geht tatsächlich weiter und weiter, wie ich bereits anderswo geschrieben habe. Die Schwarz-Weiss-Denker der APA brauchen das irgendwie, um sich selbst als etwas normaler empfinden zu können. Trotzdem ist die Klassifizierung als “inkongruent” für mich als Betroffene eindeutig besser als “gestört”. Erstens weil die Wertung zumindest im Wort selbst wegfällt, mehr aber, weil diese Inkongruenz faktisch durch die geschlechtsangleichenden Massnahmen aufgehoben wird. Was diese Pappenheimer schlussendlich daraus machen, steht in den Sternen und unsere bisherigen Erfahrungen lassen nicht grad Hoffnung aufkommen.

  10. Cora Svito

    Liebe Diana,
    Leider habe ich das peinliche “Föhn – Motions -
    Theater” erst jetzt mitbekommen. Als Betroffene
    (TS) und auch als Einwohnerin der Gemeinde
    Schwyz kenne ich P. F. aus Muotathal (Bezirk
    Schwyz) bestens. Ich muss bemerken, dass mich
    das Auftreten und die Äusserungen dieses Herrn
    im Zusammenhang mit der einfältigen Motion gar nichts wundern. Bei nächster Gelegenheit
    spreche ich Peter deutlich darauf an.
    Ich empfinde es als Katastrophe, wenn “Volks -
    vertreter” bar jeglicher Sach – und/oder Fach -
    kompetenz sich eines Themas “annehmen”, eine
    Motion erstellen und diese auch noch unter -
    schreiben. Auch die Liste der Mitunterzeichner
    lässt einen da in Abgründe blicken. Fast all -
    monatlich finden die wieder eine “Randgruppe”,
    welche als Sparopfer durch’s Dorf getrieben wird!
    Ich frage mich, was genau bei diesen Personen
    ablaufen würde, wenn wir TS eine Schwester aus
    einer dieser Politikerfamilien bekämen? Ob dann
    vielleicht ein Umdenken stattfinden würde?
    Weiter danke ich Dir Diana für Deine echte
    Superseite. Hab sie leider etwas spät entdeckt,
    werde sie aber sicher in Zukunft häufiger an -
    klicken!
    Herzliche Grüsse

    Cora Svito

  11. Diana

    @Cora: Erst mal herzlich willkommen hier :-) Es ist ja soweit nichts Neues, dass die SVP immer nach kleinen Gruppen sucht, die sie zum schwarzen Schaf ernennen können. Gerade jetzt, wo Krankenkassenprämien ein Top-Thema sind, ist es am Einfachsten, wenn sie auf uns rumhaken. Insofern glaube ich, dass sie das bitter ernst meinen und wir möglicherweise sogar zur offiziellen Zielscheibe werden. Viele verstehen nicht, weshalb die Kasse diese Leistungen bezahlt, da kann man sich ganz schön beliebt machen, wenn man uns den Hals umdreht.

  12. Andi

    guten Tag allerseits,
    heute morgen als ich aufwachte hatte ich eine wichtige Erkenntnis.
    Die daraus entstand das ich einer Sozialarbeiterin erklären wollte das ich in einem falschen Leben stecke. Sie kam zur Meinung das mir die Erziehungsarbeit meiner Tochter die gerade 14 ist zu schwer erscheint und ich vielleicht deshalb lieber ein Mann wäre.
    Auf die Erklärungsversuche das mich mein Großvater schon für meinen Bruder hielt und doch sah das ich nicht dieser war …meinte sie ich hätte zuviel Zeit zum grübeln und bräuchte eine Tagesstätte.
    Als ich ihr sagte, ich wolle nicht ein Mann sein, ich sei so geboren worden, dachte sie vermutlich das ich schwere Wahnvorstellungen hätte.
    Die Menschen erklären sich das auf diese Art und Weise weil sie sonst ihre dogmatische Sicherheit verlieren würden.
    Nicht in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Es ist eher umgekehrt. Der Geist hat das sagen und der Körper folgt ihm.
    Ich sah kürzlich den Film der heißt -
    “Am Anfang war das Licht” Es geht darin um die Dokumentation von Menschen die gelernt haben ohne Nahrung zu essen, zu leben und sich gesund und vital zu fühlen. Aus dem einfachen Grund weil sie ihre benötigte Energie (die wir aus der Nahrung erhalten) von woanders aufnehmen.
    Man hat dieses Rätsel Wissenschaftlich getestet und die Ergebnisse wurden nie veröffentlicht weil
    dieser Fakt die Tatsache beinhaltet das damit die gesamte Wissenschaft in Frage zu stellen ist.
    Es ist wissenschaftlich Physikalisch usw. unmöglich. Die ganze Vorstellung vom Körper und den Vitaminen die er braucht und den Ausscheidungen, alles wäre Quatsch und unrichtig. Die Ärzte stünden als Scharlatane da.
    Ihre Doktortitel wären entkräftet weil ihre Auffassung nicht mehr stimmt.
    Sie würden ihr gesamtes Weltbild aufgeben müssen. Um sich diese Tatsachen bewusst zu machen. Also ihre dogmatische Sicherheit verlieren.
    Also verleugnen sie. Um sich zu schützen. Weil das würde sie glatt überfordern.
    Transmenschen sind meiner Meinung nach ebenfalls ein Fakt dafür, das wir Geist sind und nicht Körper.
    Das kann die Menschheit noch nicht begreifen.

    Leute die im Begriff sind diese Dinge aufzudecken müssen sich vorsehen nicht aus dem Weg geräumt zu werden.
    Weil es bestimmten Leuten ins Geschäft pfuscht.

  13. Diana

    @Andi: gerade deshalb halte ich es für immens wichtig, dass man klarstellt, dass Transsexualität biologische Ursachen hat. Wenn Menschen verstehen, dass wir nunmal einfach so zur Welt gekommen sind, lösen sich viele gesellschaftliche Probleme von allein. Aber da gibt’s noch viel zu tun, bis dieses Wissen genug verbreitet ist. Bleiben wir dran ;-)

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