(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Ruhe nach dem Sturm

Hoffen wir mal, dass der von mir so geschätzte Liedermacher Georg Danzer nicht Recht hat, wenn er singt, dass die Ruhe nach dem Sturm nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Denn ich bin froh, dass langsam Ruhe einkehrt und mein Kopf auch wieder ein wenig Platz lässt für positive Gedanken.

Dass ich die Kostengutsprache für die GaOp jetzt schriftlich vor mir habe, ist eine riesige Erleichterung, das war das Letzte, das noch hätte schief laufen können. Damit ist es definitiv keine Frage mehr ob alles gut wird sondern nur noch wann.

Ebenfalls erfreulich war, dass mein Oberarzt mich von sich aus kontaktiert hat, nachdem er erfahren hat, dass ich mich bei meiner “Betreuerin” beklagt habe und dass er das was passiert ist bedauert. Das ändert für mich faktisch zwar nichts, trotzdem hat es gut getan zu sehen, dass ich doch nicht ganz so egal bin. Er hat mir einen Aussprachetermin angeboten den ich gerne annehme, aber zuerst kommen jetzt mal die Ferien.

Verschiedene Reaktionen haben mich sehr gefreut und so mancher Gedanke (beispielsweise von Tülay) haben geholfen, dieses Durcheinander etwas zu ordnen. Ausserdem haben mich überraschenderweise Leute aus meinem Team kontaktiert und mir sehr stark das Gefühl gaben, eben nicht unwichtig zu sein, etwas mehr als eine Störung der öffentlichen Wahrnehmung. Einmal mehr wird mir bewusst, wie gut ich es da habe und wie selbstverständlich man mich da annimmt. Und mein Chef, der heute noch anrief, hatte nur eine Sorge, ich müsste morgen gesund sein, ich müsse schliesslich meine Ferien mit Juliet geniessen können. Wenn ich bedanke, was andere transsexuelle Menschen an ihrem Arbeitsplatz erleben müssen, könnte ich täglich Dankesgebete in den Himmel rufen.

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen entschuldigen, die das indirekt miterlebten hier in diesem Tagebuch. Aber wie schon oft betont, so ein Tagebuch ist der Ehrlichkeit verpflichtet, andernfalls ist es nicht das was es sein soll. Hierhin gehört alles, was mich bewegt, egal ob neue Schuhe oder Depressionen. Wenn etwas Bewegendes passiert oder wie in diesem Fall mein ganzes Inneres in sich zusammen kracht, dann gehört das hierhin. Diese Offenheit ist für mich Überlebensstrategie. Würde ich fragen was ich sein, tun oder sagen darf, könnte ich diesen Weg nicht gehen, könnte niemals mich selbst sein. Der Ausweg daraus ist, dass ich nicht mehr entscheide was sein darf sondern einfach bin. Aber für Mitlesende ist es manchmal brutal, wenn einem so Texte entgegen geschleudert werden und man nichts tun kann, so belaste ich mit meinen Problemen viele die mitlesen und mitfühlen. Und doch, wenn jemand an meinem Leben Anteil nehmen will, dann lässt sich das nicht verhindern, weil mein hier dargelegtes Leben sonst eine Lüge wäre.

Ansonsten geht es körperlich recht gut, ausser der Erschöpfung, die doch langsam grenzwertig ist. Gestern Abend habe ich erstmals wieder was gegessen, immerhin ne Packung Aufschnitt und zwei Essiggurken. Aber heute klappte bisher nix, wird echt Zeit, dass Juliet kommt und mich füttert :-) Eigentlich wollte ich heute wieder arbeiten und rein krankheitstechnisch wäre ich wieder soweit. Aber ich habs nicht aus dem Bett geschafft, war einfach zu erschöpft und hab dann bis Mittag geschlafen. Morgen sollte es aber klappen, ich muss ja eh raus und Juliet am Flughafen abholen :-)

Womit wir zum letzten Thema kämen, hier ist voraussichtlich für zwei Wochen Sendepause, ich werd keine Hände frei haben zum tippen, muss Juliet umärmeln :-) Falls etwas weltbewegendes passiert, wird das natürlich hier auftauchen, aber ich rechne eher mit zwei ruhigen und kuschligen Wochen ohne Störung aus der Aussenwelt. Vielleicht werden wir gelegentlich in unserem gemeinsamen Blog berichten, sicher sogar, spätestens in einer Woche, dann haben wir nämlich eine mega Überraschung für Euch…… ne ich bin nicht schwanger, aber sensationell isses trotzdem :-)

Nun denn, ich wünsche Euch allen zwei schöne Wochen, wir lesen uns anschliessend wieder hier. Und einfach weil’s mal wieder gesagt sein muss: Ich bin unbeschreiblich glücklich und dankbar, dass Ihr alle da seid, egal ob die Kommentierenden oder die still Mitlesenden. Täglich sind 150 Menschen hier, Dutzende die regelmässig hier reinschauen. Es gibt viel Kraft, so eine grosse Familie zu haben, gerade dann, wenn man sich mal so heftig alleingelassen fühlt. Danke Euch allen!


 

Eine Reaktion zu “Ruhe nach dem Sturm”

  1. Chrisi

    Ich wünsche Euch viel Spaß und eine glückliche Zeit. Aber übertreibt es nicht wieder, ab und an solltet Ihr schon die Umwelt wahrnehmen. :-) :-o

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