(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Primäre und sekundäre Transsexualität

Nachdem wir uns mit der Faktenresistenz der Psychologie beschäftigt haben und die unter Psychologen praktizierte Realitätsverweigerung an zwei beispielhaften Ursachenthesen, der Homosexualitätsthese und der Borderlinethese betrachtet haben, werfen wir nun einen Blick auf die Tricks, die von der Psychologie verwendet werden, um die Widersprüchlichkeit ihrer Thesen aufzulösen.

Bei der Postulierung von Ursachenthesen für Transsexualität stolpern die Erfinder dieser sich gegenseitig widersprechenden Thesen über vielfältige Widersprüche, die ihre aufgestellte These von selbst widerlegen. Aber wie bei anderen religiösen Fanatikern üblich, wird dann nicht die These in Frage gestellt sondern die Realität so lange verdreht, bis sie doch irgendwie zur These passt. Beispielhaft sei hier daran erinnert, wie die Verfechter der Homosexualitätsthese die offensichtliche Existenz von lesbischen TransFrauen einfach damit erklären, dass lesbische TransFrauen gar nicht transsexuell seien.

Die Lebensläufe und Entwicklungswege von transsexuellen Menschen sind so vielfältig wie bei allen anderen Menschen, so ist es auch kein Wunder, dass man bei transsexuellen Menschen solche findet, die schon in der Kindheit ihr Anderssein ausdrückten und gegen ihre falsche Geschlechtszuweisung rebellierten, während andere transsexuelle Menschen zuerst jahrzehntelang gegen dieses Anderssein ankämpften und erst in höherem Alter die Grenze des Erträglichen überschreiten und ihr Recht auf das Leben in ihrem richtigen Geschlecht einfordern. So begannen die Schwarzweiss-Denker der Psychologenkirche bald mal, transsexuelle Menschen in Gruppen einzuteilen, man sprach von primären und sekundären Transsexuellen. Primäre Transsexuelle waren die, die von klein an transsexuell waren, sekundäre Transsexuelle waren die, die erst später “transsexuell wurden”. Ein glorreicher Geniestreich, denn so kann man die Widersprüche der einzelnen Ursachenthesen erklären. Aber ist dieser postulierte radikale Unterschied zwischen diesen zwei Gruppen überhaupt haltbar oder lässt sich dieser offensichtliche Unterschied nicht ganz banal entwicklungspsychologisch erklären?

Menschen sind von Geburt an unterschiedlich, sie denken und fühlen unterschiedlich und sie verhalten sich anders. Zu Beginn neigen Kinder in der Regel dazu, dass sie sich durch Ausprobieren entwickeln, man tut etwas, schaut wie das Umfeld darauf reagiert und lässt dann aufgrund der Reaktionen etwas zu oder unterdrückt es. Mit den Jahren unterscheiden sich Kinder immer mehr, die einen leben sehr angepasst, Andere sind eher widerspenstig, die einen ordnen sich unter, die Anderen rebellieren. Auch da gibt es natürlich kein schwarz-weiss, da gibt es alle Abstufungen.

Psychologen wissen sehr wohl, dass sich Menschen auch bei gleichen Umständen oder gleichen Wesensarten ganz unterschiedlich entwickeln können, aber bei transsexuellen Menschen darf das nicht sein. Ist es wirklich so schwer nachzuvollziehen, dass es transsexuelle Menschen gibt wie beispielsweise Kim Petras, die von klein an auf ein Leben in ihrem wahren Geschlecht bestehen, während es Andere gibt wie beispielsweise mich, die jahrzehntelang verzweifelt versuchen, “normal” zu sein? Der Wunsch, normal zu sein, ist im Menschen tief verankert, wir sind nunmal Herdentiere und wünschen uns gesellschaftliche Akzeptanz. Es dürfte nur eine Minderheit der Menschen sein, die so konsequent ihren Weg gehen und ihre Eigenheit leben, im Bewusstsein, dass sie deswegen ausgegrenzt werden.

Wenn man meinen Lebenslauf betrachtet, müsste man mich eindeutig als sekundär transsexuell klassifizieren. Ich wuchs wie ein Junge auf, benahm mich in der Regel wie ein Junge, war irgendwann sogar Mitglied eines Motorradclubs, gründete eine Familie, zeugte ein Kind, bis ich dann “überraschend” im Alter von 42 Jahren an die Tür des Unispitals anklopfte und geschlechtsangleichende Massnahmen forderte. Überraschend? Sekundär? Schaut man jedoch unter die Oberfläche und hört mir zu, was ich von frühster Kindheit an gefühlt habe ohne es je auszudrücken, wie ich vier Jahrzehnte lang gelitten habe, wie ich von Jahr zu Jahr mehr innerlich zerrüttete, weil ich dieses gespielte Mannsein nicht ertragen konnte, wenn man bedenkt, dass ich fast ein Jahrzehnt versuchte, diese Diskrepanz zwischen Innen und Aussen psychotherapeutisch zu verarbeiten – erfolglos – kann man da von sekundär sprechen, davon, dass sich bei mir die Transsexualität “entwickelt hat”?

Gerade an meinem Beispiel zeigt sich die Absurdität einer solchen Zweiteilung. Aufgrund meines Lebenslaufs würde mich jeder Psychologie als sekundär transsexuell klassifizieren. Aufgrund von ein paar psychotherapeutischen Gesprächen würden mich jedoch dieselben Psychologen als primär transsexuell einstufen. Ja was jetzt? Meine unerschütterliche Gewissheit, ein weibliches Wesen zu sein, war schon in frühster Kindheit vorhanden, das hat sich in vierzig Jahren nie geändert. Aber für Aussenstehende sichtbar wurde es erst vier Jahrzehnte später. Primär? Sekundär? Wollen wir eine Münze werfen um zu entscheiden?

Schätzungen zufolge soll etwa ein Viertel der transsexuellen Frauen primär sein, der Rest sekundär. Wundert uns das wirklich, dass dreiviertel der Menschen eher jahrzehntelang sich selbst verleugnen, als dass sie sich selbst sind um den Preis einer unerträglichen gesellschaftlichen Stigmatisierung?

Vorallem transsexuelle Frauen mit einer auf Frauen fixierten sexuellen Orientierung werden oft als sekundär betrachtet. Gerade bei diesen lesbischen Frauen ist es häufig so, dass sie sehr lange versuchen, um jeden Preis normal zu sein. Sie führen scheinbar normale Beziehungen, gründen Familien, zeugen Kinder und hoffen, so ein normales Leben zu führen. Sie wissen ganz genau, dass sie im Falle von geschlechtsangleichenden Massnahmen ihre sexuelle Kompatibilität mit Frauen aufs Spiel setzen.

Ich war nicht viel mehr als 20 Jahre alt, als ich eine Dokumentation im TV sah von Coco, einer transsexuellen Frau aus Zürich. Ich sass fassungslos vor dem TV, mit jeder Minute wurde mir klarer, dass das, was mein Leben bisher so unerträglich gemacht hat, Transsexualität heisst. Neben mir sass meine Freundin die ich liebte, mit der ich später eine Familie gründete. Mir war schlagartig klar, dass es für mich nur einen Weg gibt, um ein menschenwürdiges Leben zu führen, ich müsste denselben Weg gehen wie Coco. Abner damit würde ich diese Frau die ich liebe verlieren. Und ich würde mir so ziemlich alle Chancen nehmen, je wieder so eine Beziehung führen zu können. Was für ein unglaublich hoher Preis wäre das? Als heterosexuelle Frau wäre das viel einfacher gewesen, aber als lesbische TransFrau hiess das, Leben oder Lieben.

Weitere zwanzig Jahre versuchte ich dann verzweifelt, mein Ich zu unterdrücken, weil das Geliebtsein mir viel wichtiger erschien als mein Ichsein. Welch fataler Fehlentscheid! Hätte ich damals gewusst, dass diese lebenslange Selbstverleugnung schlussendlich zwangsläufig irgendwann scheitern muss, hätte ich keine Sekunde gezögert. Aber gerade das Funktionieren innerhalb einer Beziehung, die aus meiner Sicht lesbisch war, von aussen her gesehen jedoch den Anschein einer ganz normalen heterosexuellen Beziehung machte, liess mich in der Hoffnung, dass irgendwann alles gut wird.

Primär? Sekundär? Mit Verlaub, mir persönlich ist bis heute kein transsexueller Mensch begegnet, der mit Vierzig plötzlich aus dem Nichts auftauchend “transsexuell wurde”. Aber ich kenne Viele, die jahrzehntelang unterdrückten, was nicht sein darf.

Die als primär klassifizierten transsexuellen Menschen unterscheiden sich von den Sekundären nicht in ihrer Wesensart, da gibt es keine zwei Formen von Transsexualität, es gibt nur verschiedene Wege, wie jemand mit der Unerträglichkeit des Seins umzugehen versucht.

Tragisch an dieser Zweiteilung ist, dass in vielen Köpfen die Primären die Echten sind, während die Sekundären die Unechten sind. Noch tragischer ist, dass unterdessen auch unter Betroffenen diese Sichtweise angenommen wurde, natürlich nur von denen, die als primär eingstuft werden. Da gibt es tatsächlich transsexuelle Menschen, die sich selbst als primär einordnen, die glauben sie könnten sich selbst legitimieren, in dem sie vermeintlich Sekundäre als unecht abtun. Damit machen sie sich jedoch nur zu Gehilfen einer Psychologensekte, sie werden zu Lakeien von Menschenrechtsverletzern und schlussendlich zu Kanibalen, die ihre eigenen Artverwandten auffressen, um sich selbst zu erhöhen.

Nein, meine lieben Psychologen, nein, meine liebe transsexuelle Elite, es gibt keine zwei Formen von Transsexualität, es gibt nur zwei Wege, auf denen man diesen unvorstellbar schweren Zustand zu überleben versucht. Wenn jemand eine weibliche Hirnstruktur hat und einen männlichen Restkörper, dann handelt es sich da um eine Frau, eine transsexuelle Frau, unabhängig davon, wie lange diese Frau versuchte, dagegen anzukämpfen.


 

15 Reaktionen zu “Primäre und sekundäre Transsexualität”

  1. Bad Hair Days

    Ich zitiere mich mal selbst:
    http://badhairdaysandmore.blogspot.com/2010/07/die-grenzen-der-empathie.html
    “Aber auch ich bin dieses Verbrechens Schuldig. So bin ich davon ausgegangen, dass sich Transsexualiät für alle Betroffenen ziemlich gleich darstellt, bis ich lernte, anderen zuzuhören und so endlich entwirren konnte, warum ich in Foren teils ziemlich Schräge Antworten und Meinungen bekam, die ich zuerst gar nicht Nachvollziehen konnte. Dazu werde ich demnächst einen eigenen Artikel schreiben.”

    Der Fehler, von dem ich da spreche, ist genau der, den du hier begehst:
    “Primär? Sekundär? Mit Verlaub, mir persönlich ist bis heute kein transsexueller Mensch begegnet, der mit Vierzig plötzlich aus dem Nichts auftauchend “transsexuell wurde”. Aber ich kenne Viele, die jahrzehntelang unterdrückten, was nicht sein darf.”

    Ja, das dachte ich auch lange. Und es hat mehrere Jahre gedauert, bis ich meine “Es kann nicht sein, was nicht sein darf” Schutzbrille abgelegt habe.

    Und gefragt habe. Und mich mit Leuten ausgetauscht habe.

    Doch, es gibt sie. Und gerade unter den Aktivisten sind so einige zu finden.

  2. Diana

    Vielleicht muss ich meine Vorstellung wirklich überdenken. Verstehe ich Dich richtig, dass Du sagst, es gäbe Menschen, die sich jahrzehntelang widerspruchsfrei als Mann fühlten und dann plötzlich zur Überzeugung kamen, sie seien doch weiblich? Das würde heissen, dass sich die Geschlechtsidentität im Verlauf des Lebens “plötzllich” radikal ändert? Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, kanns aber selbstverständlich auch nicht ausschliessen. Wenn es so “Fälle” gibt, wäre es da nicht eher denkbar, dass die wirkliche Geschlechtsidentität nur einfach verdrängt war?

  3. Bad Hair Days

    Ja. Ich könnte dir auch Namen nennen, aber sicher nicht öffentlich.

  4. Diana

    Namen sind unwichtig, ich wäre mehr an einer Erklärung interessiert. Faktisch würde das heissen, dass die Geschlechtsidentität sich ändern kann, womit Leute wie Money Recht bekämen. Ich gehe bis jetzt davon aus, dass die Identität unveränderlich ist, dafür spricht auch, dass es nie gelungen ist, bei jemandem diese Identität zu verändern. Da halte ich es für naheliegender, dass es sich da um Verdrängung handelt. Verdrängung kann sehr weit gehend sein, bis hin zur totalen Amnesie. Aber im Gegensatz zu gewissen Psychologen schliesse ich nichts aus und bin auch bereit, meine Vorstellung der Realität anzupassen. Aber wie soll ich mir so eine “spontane Geschlechtsidentitätsänderung” vorstellen?

  5. Michaela

    Hi Diana,
    ich teile Deine Ansicht, was primär und sekundäre Transsexualität angeht. Folgendes Zitat von Eva Sturm, das Du sicherlich auch schon mal gelesen hast, finde ich sehr passend dazu:

    “Wenn sie einem transsexuellen Menschen begegnen, dann treffen sie jemanden, der viele Jahre versucht hat, es allen recht zu machen. Jemand, der viel über sich und andere nachgedacht hat und sich dann im Abwägen aller möglichen Folgen entschieden hat, ein Leben ohne Lüge vor sich selbst und den anderen zu leben. Jemand der gelernt hat, sich selbst zu verstehen und zu lieben und demzufolge auch andere verstehen und lieben kann. Wie viele Menschen können das für sich in Anspruch nehmen?”

    Liebe Grüsse,
    Michaela

  6. Kim

    Hallo Diana,

    ich versuche einmal wertneutral sowohl Sarah als auch dir zuzustimmen, denn was mir aufgefallen ist: Es gibt schon zweierlei sich gegenüberstehende Selbstaussagen von Betroffenen… die eine Aussage ist in etwa so “ich bin ein Mann, der als Frau leben will” (genderrole) und die andere Aussage so “ich bin eine Frau, die mit dem falschen Körper geboren wurde”.

    Lange dachte ich, dass die erste Aussage quasi Menschen äussern, die sich an Weltvorstellungen der Umwelt anpassen und nur deswegen die zweite Aussage nicht treffen. Mir ist dabei folgendes aufgefallen… es gibt nun transsexuelle Frauen die ihre ganze Kraft dafür verwenden, abzustreiten, dass sie Frauen sind und richtiggehend ihre Position als “Mann, der sich wie eine Frau fühlt” verteidigen. Beim Versuch, diesen Menschen Mut zu machen… also ihnen zu sagen “mensch, du weisst doch, dass du eine Frau bist”… traf ich dann manchmal auf grossen Widerstand.

    Ich habe es ja eigentlich bislang immer für sehr paradox gehalten, wenn jemand sagt “ich bin ein Mann, der sich wie eine Frau fühlt” bzw. “ich bin ein Mann, der in der Frauenrolle leben will” und daraus gleichzeitig abzuleiten, dass es sich bei diesen Menschen, die von sich damit ja selbst sagen, dass sie Männer sind, trotzdem – obwohl sie das ja scheinbar selbst gar nicht wollen – um Frauen handelt.

    An sich glaube ich ja nicht an solche Paradoxien und dachte daher immer: “So jemand kann es nicht geben”… oder “vielleicht fehlt es da nur an ein wenig Selbstbewusstsein”… nur finde ich meine Haltung hier etwas unfair… eben genau deswegen, da ich ja nicht eine Gruppe von Menschen prinzipiell zu nicht existent erklären kann. Ich habe zwar meine Probleme damit zu verstehen, was das bedeuten soll, wenn eine angeblich transsexuelle Frau(!) sich doch selbst als Mann definiert, der “als Frau leben will”, also damit ja eigentlich von sich sagt, Mann zu sein – möchte aber mittlerweile nicht mehr ausschliessen, dass es solche Menschen gibt.

    Die einzige Schwierigkeit, die sich aus diesem Nicht-Ausschliessen ergibt ist aber folgende: Ein Mensch, der von sich selbst sagt, er sei Frau und benötige deswegen Hilfe, da er Mann sei widerspricht sich ja an sich bereits selbst… was dummerweise ein Zeichen für eine psychische Störung wäre. Da ich nun an sich glaube, dass die meisten angeblichen “psychischen Störungen” in Wirklichkeit keine sind, sondern nur in manchen Kulturen (auch eben im christlichen Abendland) Inkompatibilitäten zu bestimmten Weltbildern existieren… müsste ich nun wieder zum Ergebnis kommen, dass der Ausdruck “ich bin ein Mann, der wie eine Frau fühlt” eventuell doch nur deswegen noch existiert, da wir ebenso einem ideologischen Weltbild ausgesetzt sind.

    Und so lässt sich das Spiel endlos weiter betreiben… eine Antwort habe ich heute darauf nicht gefunden, ob es nun tatsächlich zwei Gruppen gibt (die einen, die wissen, dass sie z.B. Frauen sind, die mit falschen Körpermerkmalen geboren werden und die anderen, die gerne als Mann wie eine Frau leben wollen), oder ob die vermeintlichen Unterschiede eben nicht selbst nur Illusion sind.

    Im Prinzip spielt das aber, so glaube ich, keine Rolle… wären geschlechtliche Variationen anerkannt und jeder Mensch hätte bereits das Recht darauf, als er selbst anerkannt zu werden, wenn er weiss, welchem Geschlecht er zugehört, dann könnten wir alle lässig sagen: “Ja, mag sein, dass es diese Unterschiede gibt… aber ist das wichtig?”.

    Es tut mir ja selbst oft weh, wenn ich erleben muss, wie diejenigen, die meinen transsexuelle Menschen als “Transidente”, “Transgender” usw. vereinnahmen zu müssen – um z.B. damit dann transsexuellen Frauen zu unterstellen, sie seien in Wirklichkeit auch nur Männer mit Identitätsstörung – aber letztendlich tut es besser, auch wenn ich selbst gerade von “diejenigen” gesprochen habe, sich hier in der Kritik lieber gegen bestimmte Sichtweisen auszusprechen, als gegen Menschen. Oder noch besser: Für andere Sichtweisen stark zu machen… sprich: Seinen Horizon zu erweitern.

    :-)

  7. Diana

    Ich bin grad unterwegs ins Bett, muss morgen früh raus zum Zahnarzt *seufz*, deshalb nur in Kürze, mehr dann morgen wieder.

    Fürs Erste danke ich Euch für die Stellungnahmen und würde mich freuen, wenn diese offenbar notwendige Diskussion weiter geführt wird. Ich bin ehrlich gesagt überrascht über die hier eingebrachten Informationen, aber ich lasse meinen Horizont immer gern erweitern, insofern würde ich mich freuen, wenn sich hier auch jemand zu Wort melden würde, der sich so definiert.

    Wichtig ist mir fürs Erste vorallem darauf hinzuweisen, dass ich mit diesem Beitrag vorallem die von Psychologen praktizierte Zweiteilung anprangerte, in der jede transsexuelle Frau, die ein Leben lang gegen ihre Geschlechtsidentität gekämpft hat, als “sekundär” klassifiziert wird. In der Fachliteratur wird radikal unterschieden zwischen denen, die sich früh outen und denen, die länger dagegen angekämpft haben. Diese Zweiteilung ist m.E. völlig realitätsfremd, aus den Gründen die ich im Beitrag erwähnt habe. Und nebenbei gings mir eben auch darum, dass ausgerechnet transsexuelle Menschen über Andere urteilen und über echt und unecht entscheiden.

    So und jetzt muss ich mich flachlegen, man möge das bitte nicht als Ausdruck von Autogynophilie verstehen sondern einfach als Müdigkeit ;-)

  8. Kim

    “Und nebenbei gings mir eben auch darum, dass ausgerechnet transsexuelle Menschen über Andere urteilen und über echt und unecht entscheiden.”

    Diana, genau damit hast Du mir aus der Seele gesprochen… egal ob es nämlich so etwas wie primäre oder sekundäre transsexuelle Menschen geben sollte, oder eben nicht, fängt hier das Problem an… in den Fremdbestimmungsversuchen von Aussen, die immer zum scheitern verurteilt sind. Deswegen ist es ja auch so wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern, was Selbstbestimmung heisst. Und ich denke, dass wir dann, wenn wir jemand anderem zugestehen, dass nur er selbst ein Wissen über sich hat, auch selbst die Chance haben als wir Selbst anerkannt zu sein (was u.a. auch wichtig ist für gesetzliche und medizinische Reformen).

    Soo… ich hoffe dass Du den Zahnarztbesuch gut überlebt hast. Aber hinterher geht’s einem ja immer viel besser :-)

  9. Diana

    @Kim: und nicht zuletzt gäbs das Recht auf Selbstbestimmung, das diese Fragestellung eh überflüssig macht.

    Was meinen Zahnarztbesuch anbelangt, purer Horror, mein schmerzender Zahn hatte ein Loch bis in die Wurzel, so bekam ich heut den ersten Teil einer Wurzelbehandlung, die mich schlussendlich um die 1000 Euro kostet und es ist ungewiss, ob wir am Schluss den Zahn nicht doch ziehen müssen, weil die Wurzel so angeknabbert ist. Ausserdem sind viele Zähne so ne Art abgeschliffen, weil ich in der Nacht knirsche. Das ist nix Neues bei mir, aber in letzter Zeit hat das deutlich zugenommen, warum muss ich jetzt nicht speziell erwähnen *seufz*

  10. Bad Hair Days

    > , ich wäre mehr an einer Erklärung interessiert. Faktisch würde das heissen, dass die Geschlechtsidentität sich ändern kann, womit Leute wie Money Recht bekämen.

    Du solltest dich mal von binärem Denken in Bezug auf Geschlecht lösen. Wenn die (biologische) Geschlechtsidentität nur schwach in eine Richtung zeigt, und noch dazu die dämpfende Wirkung des Testosterons auf Gefühle kommt, kann ein plötzliches Nachlassen desselben bzw die Reaktion darauf ein Problem freischaufeln, das vorher nicht so massiv als eines Empfunden wurde.

    Die meisten “Spätberufenen” kommen dann auch aus der Altersgruppe der Mensche Mitte 50.

    Und da auch diese ihre Einschätzung von Transsexualität nur von ihrem eigenen Empfinden ableiten, sind es oft die grössten Verfechter ausführlicher Alltagstests und Mindestalter für die Behandlung bei Kindern. Die Gründerin des “Zentralrats der Transsexuellen” (heute die selbsternannten “Realos”) hat sogar mal einen Arzt verklagt, der ein transsexuelles Mädchen behandelt hat.

  11. Diana

    Das leuchtet mir wiederum ein. Eigentlich ist das genau das, was ich selber schon oft gepredigt hab, dass es bei Geschlechtern auch Zwischenstufen gibt. Vielleicht habe ich mich da zu sehr blenden lassen beim Versuch, die Gegenposition zur Psychologie einzunehmen. Die sagen, transsexuelle Frauen seien Männer und umgekehrt, ich wiederum empfinde bei mir selbst, dass das absolut nicht stimmt. Aber daraus zu schliessen, dass die Diskrepanz bei Allen genauso radikal sein muss wie bei mir selbst, ist ein Fehler. Aber wenn man immer wieder die man-wird-transsexuell Lüge hört, drängt sich irgendwann der Reflex durch, dass man mit man-wird-nicht-sondern-ist-transsexuell gegensteuert. Aber damit wird man nicht allen gerecht, da hast Du offensichtlich Recht.

  12. Diana

    Nachtrag: trotzdem scheint mir meine Aussage wenn auch zu extrem formuliert doch im Ansatz richtig. Es wird niemand, der 100% Mann ist, plötzlich aus heiterem Himmel 100% Frau. Aber genau das postulieren gewisse Psychologen, wenn sie über sekundäre Transsexuelle fabulieren und schreiben, die wären “ganz normale Männer” die irgendwann mit 30-40 plötzlich “das Geschlecht wechseln wollten”.

  13. Bad Hair Days

    Für die Betroffenen stellt es sich aber so dar. Und das geben sie natürlich auch an die Fachidioten weiter. Das sind dann auch die Leute, die davon sprechen, ihre männliche Sozialisierung überwinden zu müssen.

    Aber es gibt NOCH mehr…
    Oder, um es anders auszudrücken, es gibt fast nichts, was mir nicht schon begegnet ist.

    Mal etwas “Food for thought”: http://articles.sfgate.com/2008-04-13/opinion/17146210_1_body-image-limb-phantom

  14. Julia

    Ich hoffe, dies wird noch gelesen, obwohl die Beiträge hier ja schon fast 2 Jahre alt sind.
    Wie würdet ihr mich einstufen?
    Ich bin 46 Jahre alt und stehe nun kurz vor dem Beginn meiner Hormonbehandlung. Ich fand die Beiträge von euch schon sehr gut und wohl teilweise (endlich mal) nahe an meinem Empfinden. Hat Diana nicht geschrieben, sie möchte, dass sie so jemand mal zu Wort meldet, der eben nicht von Kindesbein auf sich seines “anderen Geschlechts” so sicher ist?
    Bitte schön, ich glaube, hier ist so jemand.
    Es ist mir unangenehm, irgendwie, aber es muss sein: Ja, ich habe schon in der Jungend und in meiner Erwachsenenzeit sexuelle Erregung empfunden, wenn ich mich als Frau verkleidet habe. Die Peinlichkeit darüber war ein Grund warum ich mich auch jahrzehntelang niemandem anvertraut habe. Ansonsten lebte ich immer als heterosexueller Mann. Ein Mann, der Frauen hinterherschaute, wie jeder andere Mann auch, allerding IMMER mit wohl anderen Gedanken und Gefühlen dabei. Ich schaute neidvoll und beneidetet Frauen um ihre Kleidung und ihre Weiblichkeit. War es die sexuelle Lust, die mich so neidisch machte oder doch der Wunsch auch so sein zu dürfen? Erst im Laufe der letzten 10 Jahre etwa entwickelte sich dieser Wunsch mehr und mehr und setzte sich auch deutlich von dem sexuellen Reiz ab. Dieser Reiz ist nach wie vor vorhanden, aber es ist es nicht allein. Obwohl ich als Mann lebte und auch Beziehungen fürhte und eine Tochter zeugte, habe ich doch immer wieder Eigenheiten an mir gesehen, die so gar nicht männlich waren. Diese habe ich aber meistens unterdrückt. Wie sieht das denn aus, als Mann? Dennoch fiel es gelegentlich auch anderen auf, dass ich einige weibliche Züge an mir habe.
    Es ist eine sehr schwere Situation für mich jetzt, daher beschäftige ich mich so sehr mit diesem Thema, denn ich möchte mit der Hormonbehandlung ja auch keinen Fehler machen.
    Die Formulierung: “Ich bin ein Mann der als Frau leben möchte”, finde ich schon sehr interessant. Ja, das kann es sein. Ich möchte schon gern eine Frau sein, und ich würde diese Formulierung wohl kaum selber über mich äussern wollen, dennoch kommt es mir ein stückweit stimmig vor.
    Sehr interessant und richtig finde ich auch die Formulierung “.. dass die Geschlechtsidentitä nur schwach in eine Richtung zeigt..”. Ja genau, ich vermute, dass Transsexualität nicht immer gleich stark ausgeprägt sein muss.
    Ich vermute bei mir, dass gewisse Minderwertigkeitsgefühle in meiner Jugend und Kindheit, ja auch im Erwachesenenalter Hinweise auf meine Transsexualtiät waren, die eben nicht so stark ausgebildet war. Ob es daran liegt, dass ich es einfach akzeptiert habe ein Junge zu sein oder ob es wirklich nicht so stark vorhanden ist (war) kann ich nicht sagen. Ich habe als Kind und Jugendlicher selten unter meiner Transsexualität gelitten, weil sie ja eigentlich gar nicht wirklich vorhanden war. Ich war sogar auch schon stolz darauf ein Junge zu sein und ich fand auch mal eine Zeit lang Mädchen blöd und affig und viel zu weich… naja, aber eben nicht immer. Es gab auch Situationen wo ich dachte, dass ich ein wenig vorsichtig sein muss, damit nicht andere auf die Idee komme könnten, dass ich “wie ein Mädchen bin”. Obwohl.. hm, irgendwo ein reizvoller Gedanke, denn es erregte mich ja auch. Diese Erregung bei der Vorstellung ein MÄdchen, bzw. eine Frau zu sein hat möglicherweise mir die Sicht darauf verschleiert um meine Transexualität besser erkennen und einstufen zu können.
    Nach der Diagnose meiner Psychologin bin ich aber eindeutig Transsexuel, aber die erotische Vorstellung beim früheren “Verkleiden” habe ich ihr zwar nicht verschwiegen, aber doch eher klein gehalten.
    Ich bin nun seit inigen Monaten im Alltagstest und fühle mich damit sehr wohl. Dennoch bin ich nun beunruhigt, ich habe Angst, dass ich es möglcherweise vielleicht doch mal bereuen könnte, wenn ich jetzt in die Hormontherapie gehe, die ja mit so vielen sehr schweren Risiken verbunden ist.
    Also, wo würdet ihr mich einordnen.
    Ich würde mich sehr freuen, noch etwas von euch darüber lesen zu dürfen.
    LG
    Julia

  15. Diana

    @Julia: gleich mal das Wichtigste zuerst, niemand auf der Welt kann und soll Dir sagen, wer Du bist, deshalb kann Dir auch hier niemand diese Frage beantworten.

    Die wichtigste Fragestellung lautet meines Erachens: “Bin ich eine Frau oder will ich eine Frau sein” – dieses Wissen um das eigene wirkliche Geschlecht hast nur Du selbst.

    Diese Frage ist deshalb so wichtig, weil ich persönlich davon überzeugt bin, dass es keine Geschlechtsumverzauberung gibt. Egal wieviel Hormone man nimmt oder Operationen macht, man bleibt doch derselbe Mensch wie vorher, man tickt vielleicht in gewissen Dingen ein wenig anders aber das Fundament Deines Geschlechts bleibt.

    Genau das ist der springende Punkt, wer etwas anders sein will als er ist, der wird auf diesem Weg wohl arg an die Wand fahren, wer jedoch nicht etwas Anders sein will sondern sich selbst entfalten will, der hat nur diesen Weg.

    Noch als letzten Punkt zu den Risiken: Es gibt wie bei allem im Leben immer Risiken und deshalb muss man auch blöd gesagt Kosten/Nutzen gegeneinander abwägen – oder im Fall von Transsexualität würde ich sogar eher sagen, es ist eine Frage der Notwendigkeit, ob man die Risiken eingeht oder nicht.. Die Chance ist gut, dass alles gut rauskommt, es ist aber auch möglich, dass man schwere gesundheitliche Probleme bekommt. Auch wenn es brutal klingt, aber ich vertrete den Standpunkt, dass man diesen Weg nur einschlagen sollte, wenn man bereit ist, notfalls auch negative Folgen in Kauf zu nehmen.

    Diese Fragen gilt es zu klären, idealerweise mit einem mit dem Thema vertrauten Therapeut, der jedoch nicht in Gutachterstellung ist sondern eine stützende Funktion hat – denn wie zu Beginn gesagt, die Entscheidung liegt bei Dir allein ;-)

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