(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Positives Denken als transsexuelle Frau?

Als transsexuelle Frau erlebt man halt hie und da schmerzhafte Momente, in denen dumme Menschen ihre geistige Armut kundtun und mit ihrer Empathielosigkeit ihre eigene Kleinheit entblössen. Auch wenn idiotische Bemerkungen viel mehr über den Sprechenden aussagen als über die Besagte, tut es trotzdem manchmal weh, wenn man spürt wie sehr man verkannt oder belächelt wird oder wenn Menschen in ihrer gelebten Ignoranz Grenzen überschreiten, die ein Mensch mit ein wenig Anstand eigentlich nie überschreiten dürfte. Aber manchmal, an guten Tagen, gelingt es einem doch trotz aller Widrigkeit des Moments, auch das Positive darin zu sehen. So ging es mir heute, an meinem ersten Abend als Barkeeperin.

Es waren Bruchteile einer Sekunde, ein Moment der versehentlichen Aufmerksamkeit, als an einem Tisch im Pub der Satz ausgesprochen wurde: “Sie ist ein Er”. Vier so kleine Worte, die doch eine so grosse Bedeutung haben. Sie zeigen, dass man komplett verkannt wird und dass einem nicht der geringste Respekt entgegengebracht wird. Ausgesprochen wurden diese Worte von einem Mädel, das ich eigentlich schätze, die ansonsten sehr sympathisch ist aber scheinbar doch sehr wenig Einfühlungsvermögen und Anstand besitzt.

Nein honey, diese “Sie” ist kein “Er”, diese “Sie” war nicht mal früher ein “Er”, diese “Sie” ist ein ganz normales Mädel mit einer kleinen anatomischen Sonderbarkeit, sie hat Gefühle wie Du selber auch, sie versucht stets ein guter Mensch zu sein, versucht selbst denen mit Liebe und Respekt zu begegnen, die lieblos und respektlos sind. Sie ist eine der Menschen, die Andere akzeptieren und respektieren und annehmen genau so wie sie sind, mit all ihren Fehlern und Unvollkommenheiten. Sie ist sich ihrer eigenen Unvollkommenheit sehr wohl bewusst, steht aber trotzdem zu ihrer Andersartigkeit. Diese “Sie” ist kein “Er”, war es nie und wird es nie sein, auch wenn Du nicht dazu in der Lage bist, das zu begreifen.

Im ersten Moment machte mich diese lapidare Äusserung traurig, vielleicht auch ein wenig wütend, irgendwie auch verzweifelt. Die Tonlage hatte etwas belustigendes und klugscheisserisches, sie schien etwas korrigieren zu wollen, musste demonstrieren dass sie mehr weiss als Andere. Armut, die da aufleuchtet, soweit nichts Schlechtes, aber es war Armut, die auf dem Rücken eines anderen Menschen kompensiert wird.

Doch bald mal klickte es in meinem ach so andersartigen Köpfchen. Wenn dieses Mädel etwas korrigierte, dann muss es auch etwas zu korrigieren gegeben haben. Diese kleingeistige Bemerkung war ein Widerspruch und wo ein Widerspruch ist, muss ein Gegensatz sein. Dieser Satz macht nur dann Sinn, wenn jemand vorher etwas gesagt hat, das mir eben diese Weiblichkeit attestierte, die sie mit diesem Satz zunichte machen musste. Hoppala, dann war also vorher jemand, der mich als die Frau gesehen hat, die ich wirklich bin?

Ich werde nie erfahren, was ihr Gegenüber sagte, das sie zu diesem Einspruch veranlasste, aber es muss ein Attest gewesen sein, da musst ein Zuspruch dieser Weiblichkeit gewesen sein, den sie zu widerlegen musste. War es ein Kompliment? War es eine Frage? Das wissen nur die am Gespräch Beteiligten und es wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Aber da musste offenbar jemand gewesen sein, der/die mich so gesehen hat wie ich wirklich bin. So gesehen war ihr despektierlicher Einwand ein Kompliment, ein sehr Grosses sogar, weil es zeigt, dass ausser ihr selbst doch irgendwelche Leute mich so wahrnehmen, wie ich wirklich bin.

So wird eine Niederlage zum Sieg und eine Beleidigung zum Kompliment. So verhilft das, was uns klein machen will, schlussendlich zu wahrer Grösse.

Dieses Ereignis hat mich noch einige Zeit beschäftigt und es hat mich darin bestätigt, dass ich mich respektieren darf. Wenn ich mich selbst betrachte, sehe ich eine Frau, die ein verdammt hartes Los gezogen hat, die trotz aller Widrigkeiten ihr Leben meistert, die stark genug ist um mit erhobenem Haupt durch Menschenmengen zu gehen, die sie teilweise belächeln, vielleicht sogar verachten. DAS braucht wahre Grösse und ich bin stolz auf mich, dass ich dieses schwere Leben so souverän meistere.

Vielleicht ist es einfach nur der Neid der Besitzlosen, der gewisse Menschen zur vermeintlichen Demontage nötigt. Schlussendlich ist es egal. Was zählt ist die Frage, wie ich selbst über mich denke, wie ich zu mir stehe und wie ich mich selbst respektiere.

Und ja, ich liebe und schätze diese Frau die ich bin, auch wenn manchmal Menschen auftauchen, die “Sie” für ein “Er” halten.

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside,
Trans phobic social oppressors be damned!

(Arianna Davis)


 

10 Reaktionen zu “Positives Denken als transsexuelle Frau?”

  1. Juliet

    Also, entweder hat sie das mit der Transsexualität nicht verstanden ( weiss aber auch nicht, in wieweit sie da informiert war) oder sie stand vorher irgendwie im Mittelpunkt und als jemand etwas über Dich sagte, fühlte sie sich abgedrängt oder sowas…unglaublich, wie wenig Feingefühl manche Menschen an den Tag legen.

    Aber ich denke auch, dass die vorhergegangene Äusserung etwas Positives gewesen sein muss, denn sonst hätte sie es ja nicht “korrigieren” müssen – Stuttenbissigkeit nennt man das, glaub ich. Da hat vielleicht jemand das ausgesprochen, was sie selber im Stillen an Dir bewundert, aber jetzt sagt ein anderer es laut…ist nicht die feine Art, aber manche Frauen sind so…

  2. Diana

    Das zeigt halt einfach, dass viele Menschen keine Ahnung von dem Thema haben. Deshalb wärs eben wichtig, dass Medien auch mal was Vernünftiges über uns schreiben anstelle von diesen üblichen Transen-Stories.

  3. Chrisi

    Vernünftiges hebt aber nicht den Umsatz der Sender oder der Zeitungen. Vernünftiges ist normal und langweilig, damit lockt man keine Zuschauer oder Leser. Es ist das Andersartige und anormales, nach was die Menschen gieren und was den Medien den Umsatz garantiert.

  4. Morag

    @Chrisi: Da hast Du vollkommen recht.
    Aber ich denke, die Sensationsgier ist es nicht alleine. Denn nur dafür könnten die Artikel ja trotzdem wesentlich sachlicher und vor allem so geschrieben werden, daß sie Vorurteile abbauen anstatt sie zu bedienen und zu verstärken. Das erforderliche Geschick im Umgang mit der Feder, um es auch den schlichteren Gemütern in der Leserschaft verständlich zu machen, haben sicher nicht alle Redakteure in gleichem Maß :-(
    Es gibt jedoch leider viel zu viele Leute da draußen, die sich nicht durch eigene Taten oder Verdienste besser fühlen können, sondern nur dann, wenn sie auf jemanden herabschauen (und diesen auch herabwürdigen) können-und diese Clientel wird nur durch genau die Art von Artikeln bedient, die Diana völlig zu Recht als “übliche Transen-Stories” brandmarkt.

  5. Chrisi

    Sicherlich sind es die “übliche Transen-Stories” , aber etwas Anderes werden wir zu einem großen Teil auch nicht zu sehen bekommen. Diskriminierung und Lächerlich machen von Minderheiten ist das, was heute schick ist und was der überwiegende Teil der Bevölkerung sehen will und somit bedienen sich die Medien der klassischen Vorurteilen.
    Sicherlich ist es gut und richtig, dass dagegen angekämpft wird, aber wir sollten uns da nichts vormachen, wir werden die Früchte unsere “Arbeit” nicht mehr ernten. Zumindest nicht die, die jetzt schon die Hälfte der rechnerischen Lebenserwartung überschritten haben.

  6. Diana

    Man muss da unterscheiden zwischen Boulevard Medien und dem Rest – und zwischen diesen zwei Lesergruppen. Von Bild und Konsorten wird man nichts Hilfreiches erwarten können und ihre LeserInnen werden wohl auch das entsprechende Wissensniveau haben. Aber die seriösen Medien funktionieren da anders. Beispielsweise der Tages-Anzeiger, eine der grossen Schweizer Tageszeitungen, hat jedes Mal eine Wissensseite, die mit spannenden Fakten aufwartet. Gerade auf so einer Seite würde ich mir mal das Thema Transsexualität wünschen.

  7. Chrisi

    Aber wie viel Prozent der Bevölkerung liest diese Medien? Das ist ja das, was ich meine. Der überwiegende Teil liest auf dem Niveau von BILD und Konsorten.

  8. Diana

    @Chrisi: man wird auch nie alle Menschen überzeugen können, es ist nunmal so, dass die Welt mit Idioten gefüllt ist, sieh nur schon wieviele Trivialrassisten diese Erde bevölkern. Trotzdem verändert sich diese Welt. Nimm Homosexuelle als Beispiel, auch sie werden von gewissen Hirnlosen nachwievor belächelt, aber für die Meisten ist Homosexualität ok. Ich sehe unsere diesbezügliche Zukunft nicht so düster, aber es ist noch ein weiter Weg.

  9. Tamila

    Liebe Diana, liebe Mitlesende,

    ich weiß gar nicht ob das hierher paßt aber ich bin momentan total Happy und brauche mal jemanden der mir das hier abnimmt!? Die liebe Morag ist verreist also bleibt nur dein geübtes Leseauge liebe Diana in Deinem Blog hier. War heute bei Gerede e.V. in Dresden, habe mich nach langem vor mir herschieben endlich zu diesem Schritt (Termin) durchgerungen. Tage vorher konnte ich keinen klaren Gedanken fassen und war total aufgeregt. Siehe da, es war alles halb so schlimm, alle waren total nett. Eine absolut diskrete Athmosphäre empfing mich, als wenn man dort irgendwie schon sehr oft war, völlig ungezwungen und menschlich warm! Meine Beraterin hat mir endlos zugehört und war kompetent und dazu auch noch sehr, sehr nett. Also doch liebe Diana positives denken vor allem für uns TS bringt auf jeden Fall etwas. Ich wurde umfangreich beraten und mit Kontaktdaten zu anderen TS sowie entsprechenden Psychologen in meiner Heimatstadt versehen. Ich bekam sehr gute Tipps und Ratschläge wie ich in meinem Alter und in meiner Familie (Frau) mit einem vorsichtigen Coming Out vorgehen könnte. Doch vorerst gilt die Devise… nichts kaputt machen keine unnötigen Scherben verursachen!
    Das Wichtigste, ich habe mich endlich jemanden anvertraut, vor allem jemanden der in der Materie steht. Ich hatte das Gefühl verstanden worden zu sein, am liebsten wäre ich dort geblieben. Ein paar ganz kleine Kg sind heute von meinen Schultern gefallen. Der erste wirkliche Schritt ist getan, puhhhhhhh.
    Um eine wichtige Erfahrung bin ich dazu auch noch reicher geworden: Nur in seinem Kämmerlein vor sich her dümpeln bringt mich nicht vorwärts, dadurch würde mein Weg zur Frau auch nicht kürzer, nein nicht mal angeschoben. Ich hoffe nun, ich kann diese positive Energie für weitere Schritte nutzten? Ein dickes Danke an Gerede e.V. und Frau Wonka Danke
    Danke liebe Diana das du das hier liest, ich musste mich irgend jemanden mitteilen, eben typisch Frau.
    Sei lieb gegrüßt von Tamila

  10. Diana

    @Tamila: jetzt hätt ich Deinen Kommentar doch fast vergessen. Danke für Dein umfangreiches Statement. Ich freu mich, dass Du in Morag eine Verbündete gefunden hast, sie ist n’tolles Mädel und wird Dir sicher in Vielem Ratschläge geben können ;-)

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