(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Man will nicht Frau sein, man ist es

Immer wieder werde ich mit Sichtweisen konfrontiert, die mich vor den Kopf stossen und mich verletzen. Scheinbar gibt es mehr Menschen als mir lieb ist, die allen Ernstes glauben, Transsexualität sei eine Frage des Wunsches. Einmal mehr bedanke ich mich bei den Psychologie-Jüngern, die ein Jahrhundert lang die Lüge vertraten, dass wir nur einfach einen an der Waffel haben.

So sehr ich die Akzeptanz der modernen Gesellschaft auch schätze und so sehr es mich auch rührt, dass Manche mir sogar Respekt entgegen bringen können, es ändert nichts an der Tatsache, dass eine nicht unbedeutende Anzahl an Menschen allen Ernstes glauben, jemand wie ich würde so einen beschwerlichen Weg gehen, nur um sich etwas Lifestyle zu gönnen.

Ich setze mich einem enorm hohen Gesundheitsrisiko aus, sowohl bei der Operation als auch bei der lebenslangen Medikation. Ich setze mich einer gesellschaftlichen Stigmatisierung als “gestörter Mann” aus, gebe mich dem Gelächter der Menschen hin, verschenke jegliche gesellschaftliche Anerkennung. Wer in aller Welt tut so etwas, wer geht so weit, nur um sich etwas Spass zu gönnen?

Selbstverständlich darf ich – so gehört es sich für eine aufgeklärte Gesellschaft – mein Geschlecht “ändern”, aber warum soll die Allgemeinheit mit ihren Krankenkassenprämien für meine Selbstverwirklichung bezahlen? Selbstverständlich darf ich mich all diesen medizinischen Massnahmen aussetzen, aber warum soll das als Krankheit anerkannt werden und beispielsweise der Lohn bezahlt werden während dieser scheinbar freiwilligen Geschlechtsangleichung?

Ich habe mir das verdammt nochmal nicht ausgesucht, ich habe mich nie dazu entschieden, eine Frau zu sein. Ich bin als Frau zur Welt gekommen, nur halt eben mit einer nicht dem Geschlecht entsprechenden Genetik und Genitalentwicklung.

Es geht hier nicht darum, dass ich ein tolles Auto möchte und dafür Kredit brauche, es geht auch nicht darum, dass ich ein paar Pumps sehe die ich mir nicht leisten kann. Es geht um nicht weniger als darum, dass ich ICH sein kann und darf, es geht darum, dass ich als Frau nicht mit männlichen Geschlechtsmerkmalen leben kann. Nicht WILL, sondern KANN.

Immer wieder muss ich kämpfen, muss mich erklären, muss faule Kompromisse eingehen, muss den Menschen begreiflich machen, dass ich mir da keinen Fetisch von der Allgemeinheit finanzieren lasse sondern das Recht auf Gesundheit und Unversehrtheit beanspruche, dass jeder Mensch mit Recht für sich in Anspruch nimmt.

Warum ist es so schwer zu begreifen, dass eine Frau, die in der Tiefe ihres Selbst Frau ist, die eine weibliche Hirnstruktur hat, die einfach nur Frau ist, nicht mit männlichen Geschlechtsmerkmalen leben kann?

Transsexualität ist nach internationalen Diagnoserichtlinien – sowohl ICD als auch DSM – klar als Krankheit deklariert und darf daraus auch den Anspruch auf Behandlung ableiten. Nach einjähriger Begutachtung an einem Universitätsspittal wurde diese Diagnose gestellt und aufgrund derer wurde ich an die Chirurgie überwiesen. Trotzdem muss ich mich rechtfertigen dafür, dass ich medizinische Hilfe in Anspruch nehme, dass ich Arbeitsausfälle habe oder mein Umfeld irgendwie irritiere.

Bitte entschuldigen Sie, dass ich lebe, entschuldigen Sie, dass ich weiter leben will, entschuldigen Sie, dass ich gesund sein möchte, entschuldigen Sie, dass ich mich selbst sein muss. Es tut mir leid, dass ich existiere, dass ich so ein Balast bin für diese Welt. Aber ich trage daran keine Schuld, ich habe es mir wirklich nicht ausgesucht, habe es mir nie gewünscht. Das einzige was ich wollte, war zu leben, als mich selbst zu leben………….

………… ist das wirklich zuviel verlangt?


 

Eine Reaktion zu “Man will nicht Frau sein, man ist es”

  1. Sam

    Alle anderen wissen nicht wie das ist und denken das es keine Behinderung ist, aber es ist eine mit dem falschen Körper leben zu müssen.. und ausgesucht haben wir uns das nicht! aber den Wunsch zu haben als Frau (in deinem Fall) und als Mann (in meinem Fall) leben zu wollen ist zwar ein Wunsch der aber begründet ist… also quasi ein befreiender Wunsch endlich angepasst ich selbst zu sein… ich wünsch mir das.. ich will das… das reicht als Grund habe ich gelernt.. das sehe ich als Wunsch aber diesen Weg haben wir uns nciht ausgesucht.. nur eben endlich als ICH leben zu können.. das ist der größte und beste und stärkste aller Wünsche und wir DÜRFEN dass…. scheißegal was die anderen denken und sagen.. sollen mal froh sein dass die sich nur ein Auto wünschen ohne Schmerzen dafür in kauf zu nehmen… ignorier die anderen.. du bist super!

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