(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Logopädisches und audivisuelles Radikal-Passing

In letzter Zeit krieg ich immer öfters Komplimente und ich brauch glaub nicht zu betonen, wie gut mir das tut :-) Aber was ich gestern anlässlich meines letzten Logopädie-Termins zu hören bekam, schlägt einfach alles.

Vor einem Monat hat meine Logopädin von mir ein Video gemacht, damit ich mich mal sehen und hören kann, wie hier zu lesen war. Das allein war schon ein selbstbewusstseinsstärkendes Ding.

Sie fragte mich dann, ob sie dieses Video verwenden dürfe, sie hätte bald mal einen Vortrag vor Studenten oder sowas. Ich stimmte zu und bekam gestern den Bericht davon.

Da war ein Schulzimmer mit rund zwanzig Studis gefüllt. In Grossformat an die Wand projeziert sass da Dianchen auf dem Stuhl und plauderte über ne Minute lang aus dem Nähkästchen. Darauf fragte meine Logopädin, weshalb diese Person wohl bei ihr in Behandlung sei. Ich hätte erwartet, dass nun zwanzig Leute wie von der Tarantel gebissen vom Stuhl hüpfen und “Transe” kreischen. Denkste! Eine längere Diskussion entstand, grosse Ratlosigkeit, mehrere fehlgeschlagene Ratereien, diverse Halskrankheiten und Stimmprobleme wurden vorgeschlagen…… Erst nach längerer Zeit fragte eine der Studentinnen, ob es sich hier eventuell um eine transsexuelle Frau handeln könnte. Boah!

Ich steh ja nachwievor irgendwie unter dieser Angst, dass über mir ein Schild schwebt auf dem in grossen Lettern “Kerl im Rock” steht. Dass mich zwanzig Leute über eine Minute lang anstarren, wie ich aussehe, mich bewege und dazu auch noch spreche und dabei nicht auf die Idee kommen, ich könnte diese kleine Irritation im Schoss haben, das hätte ich echt nie, wirklich nie erwartet.

Und das macht mich unbeschreiblich glücklich und stolz. Nicht, dass ich der Welt etwas vormachen möchte. Ich bin eine transsexuelle Frau, dazu stehe ich und das darf man auch erkennen. Aber das Leben eines T-Girls ist nunmal viel viel leichter, wenn man nicht ständig angegafft wird und Vorurteile wie unsichtbare Sprechblasen über den Köpfen der Menschen hängen. Ich bin wirklich angekommen, ich werde langsam aber sicher als das angesehen, was ich wirklich bin :-)

In letzter Zeit ist mir das öfters aufgefallen, dass ich irgendwie nicht mehr auffalle. Auf dem Heimweg war ich noch in ein paar Läden und hatte mehrere Kurzdialoge im Stil von: “Soll ich es Ihnen einpacken?”, “Nein das geht schon, danke”……. noch vor wenigen Monaten führte meine Antwort zu Schockwellen im Körper meines Gegenübers. Verkäuferinnen analysieren ihre Kundinnen ja nicht wie ein Flughafenscanner, ein kurzer Blick, ab in die Schublade, aha wieder ein Mädel das Augenmakeupentferner kauft. Unzählige Male erlebte ich, dass diese Leute spätestens beim Erklingen meiner Stimme zusammenzuckten und mich überrascht anstarrten, ey das ist ja ein Kerl, stand in grossen Lettern in ihren Augen. Aber in letzter Zeit passiert das nicht mehr. Ich bin einfach eine dieser unzähligen Damen, die in Läden Zeuchs einsammeln, unauffällig, unbedeutend, einfach ein ganz normales Mädel.

Unbedeutend zu sein ist etwas unglaublich Schönes für jemand wie mich, nichts Besonderes, einfach eine von Vielen zu sein, mehr hätte ich mir nie gewünscht. Nur für meine Liebste bin ich etwas ganz Spezielles und das wiederum geniesse ich noch viel mehr, beim Rest der Welt reicht es jedoch, dass ich einfach eine ganz normale Frau bin.


 

9 Reaktionen zu “Logopädisches und audivisuelles Radikal-Passing”

  1. Morag

    Ganz ehrlich, Diana…wer Dich bei diesem Anblick in eine andere Schublade als “tolle Frau” einordnet, braucht als nächste Brillenstärke einen Blindenhund ;-).

    Das schaut rundum total stimmig aus (auch die Bilder von Dir im kleinen schwarzen)-Du bist wirklich angekommen. Ich freu mich ganz arg für Dich, meine allerherzlichsten Glückwünsche :-D

    Für die Welt bist Du irgendjemand, aber für irgendjemand bist Du die Welt!

  2. Juliet

    Heeee, ich bin doch nicht irgendjemand ;-)

    Genau, Diana ist einfach ein hübsches Mädel, sag ich doch die ganze Zeit ;-)

  3. Diana

    ne Juliet ist nicht irgendjemand, sie ist die ganze Welt, deshalb bin ich für die ganze Welt die ganze Welt, sowas von cool :-)

  4. Juliet

    Ich schätze mal, genau deswegen hat unsere Morag das auch geschrieben :-)

  5. Diana

    weiss ich dänk auch, albernes Ding Du :o) aber man soll keine Möglichkeit versäumen, wenn man meckern kann ;-)

  6. Nili

    Wir selbst sehen uns immer (noch!?) am kritischsten.

    Bei mir ist es auch so, dass ich in meiner Umwelt irgendwie so kaum noch auffalle. Selbst bei Pubis und Kids nicht.

    Und das mit der Stimme ist bei mir so ‘ne ganz komische Geschichte. Telefoniert man mit mir, erkennt man mich als männliches Wesen (oder als tyoisch schwul sprechendes Wesen). Sitzt man mir jedoch direkt gegenüber und unterhält sich mit mir. merken wirklich die wenigsten etwas. Dies wurde mir auch von Freundinnen bereits bestätigt. Irgendwie scheint alles ganz gut zusammenzupassen.

  7. Diana

    @Nili: das wird wohl immer so bleiben, dass wir unsselbst gegenüber am kritischsten sind, aber da sind wir ja in guter Gesellschaft, das dürfte allen so gehen, zumindest allen Frauen.

    Das mit der Telefonstimme ist eine spannende Sache, das haben schon viele berichtet. Ich denke, dass das damit zu tun hat, dass der Mensch sein Gegenüber ganzheitlich erfasst, Gesichtszüge, Kleidung, Stimme, alles wird als Einheit wahrgenommen und so ist die Stimme nur ein Aspekt unter Vielen. Am Telefon fällt der optische Teil weg und damit wird die Stimme viel wesentlicher. In letzter Zeit passiert es mir aber immer öfters, dass ich geschlechtslos angesprochen werde, so als ob die Leute nicht sicher sind was sie da an der andern Leitung haben. Aber als Frau wurde ich noch nie am Telefon begrüsst.

  8. Juliet

    Stimmt, das ist mir auch aufgefallen. Als wir das erste Mal telefoniert hatten, da hatte ich ja schon ein Bild von Dir im Kopf anhand der Fotos und schon hab ich Deine Stimme anders wahrgenommen. Und jetzt sowieso, einmal sprichst Du noch sanfter als vorher und zweitens hast Du ohnehin eine angenehme Stimme.
    Oder wie meine Mama sagte, sie findet Deine Stimme sexy :-)

  9. Diana

    jaaaaahhhhhhh ich hab eine sexy Stimme :-)))) das dürfte mit Abstand das unerwartestste Kompliment meines Lebens sein :-)

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