(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Liebe, Einsamkeit und eine nicht beantwortbare Frage

In den letzten Monaten habe ich hier ja zu Genüge über Sehnsucht nach Liebe und Hoffnungslosigkeit in Beziehungsfragen gejammert. Das Thema war meistens, dass ich niemand zum lieben habe und befürchte, dass das auch so bleiben wird.

Aber in den letzten Monaten tauchte auch oft eine ganz andere Frage auf, nämlich die, ob ich jetzt überhaupt eine Beziehung will oder ob ich meinen jetzigen Weg nicht alleine gehen sollte.

Eine Frage, die ich bis jetzt nicht beantworten konnte, weil es mir scheint als müsste ich zwischen Erschiessen und Ersäufen wählen.

Einmal mehr stehe ich am Abgrund zwischen Herz und Verstand.

Auf der einen Seite gibt es gute Gründe, die gegen eine Beziehung sprechen

  • Momentan bin ich emotional mehr als genug belastet, ich kann mir das Risiko nicht leisten, auch noch im empfindlichsten Bereich verletzt zu werden.
  • Mir fehlt die Zeit um eine Beziehung wirklich zu pflegen. Am meisten Zeit brauche ich, um mit meiner Metamorphose klar zu kommen und die Fragmente meiner weiblichen Seele auszugraben, die tief in mir verschüttet sind. Das Blog braucht seine Zeit, gute Freunde brauchen Zeit, ich bezweifle wirklich, dass ich da noch genug geben könnte.
  • Gerade das nächste Jahr wird ziemlich heftig werden. Ungefähr nächsten Herbst dürfte die GaOp sein und die wird mich wohl arg beuteln. Kann ich jemandem zumuten, das mit zu durchleben? Es wird eine Zeit sein, in der ich nur nehmen würde und kaum geben könnte, in der ein Partner mehr mitleidet als gesund ist.
  • Vieles in mir verändert sich stetig und ich weiss nicht, wie ich mich als Nächstes entwickeln werde. Ich habe mein Selbst zum Leben erweckt und es entfaltet sich so wie es ihm bestimmt ist. Ich weiss weder was ich eigentlich will noch wo es mich hinführen wird, ich weiss ja nicht mal ob ich einen Mann oder eine Frau suche, irgendwie gehts mir da wie Sokrates, der sagte: “Ich weiss nur, dass ich gar nichts weiss”.
  • Eine Beziehung erfordert mit Recht eine gehörige Portion Aufmerksamkeit. Aber momentan muss ich alle Aufmerksamkeit auf mich richten.
  • Ich halte mich jetzt in dieser Übergangsphase für zu “unvollkommen” als dass ich mich jemandem zumuten möchte. Irgendwie fühle ich mich wie in einem Cocoon, nicht mehr Raupe und noch nicht Schmetterling.

Auf der anderen Seite gibt es mindestens soviele Gründe, die dafür sprechen, dass ich weiterhin auf eine Beziehung hoffe.

  • Der transsexuelle Weg ist kein gemütlicher Spaziergang sondern ein harter Kampf in dem man sich das Recht zu Leben erkämpft, es braucht oft viel Kraft um mit allem klar zu kommen. Aber niemand hat unerschöpfliche Kräfte und das einzige, was einem wirklich stärken kann, ist die Liebe eines geliebten Menschen.
  • Wenn ich zwischendurch in Trauer oder Verzweiflung falle, dann ist es fast ausnahmslos wegen meiner Beziehungslosigkeit. Das Fehlen von Geborgenheit und Zärtlichkeit zermürbt mich so sehr, dass es mir eine Menge Energie abzieht, Kraft die ich dringend für mich brauchen würde.
  • Ich glaube, dass ich gerade wegen meiner Doppelwesenhaftigkeit jemanden in einer Beziehung extrem glücklich machen könnte und es würde mich wiederum sehr glücklich machen, wenn ich das jemandem schenken könnte.
  • und last but not least, ist die Sehnsucht nach Geborgenheit und Zärtlichkeit in mir so gross, dass ich machmal fast durchdrehe, wie ein Vakuum das mich zu verschlingen droht.

Egal wie ich mich entscheide, es kann gehörig ins Auge gehen, sowohl eine Beziehung als auch Beziehungslosigkeit können mir das Genick brechen. Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust! Die eine ist die Kriegerin, die wild entschlossen allein ihren Weg gehen will und sich voll und ganz auf diesen Weg konzentriert. Auf der anderen Seite ist dieses zerbrechliche Mädchen, das lautlos um Hilfe ruft weil ihr die Stärke der Kriegerin fehlt.

Es gäbe soviel was ich brauchen würde und soviel was ich geben möchte, aber kann ich es mir leisten, es zu riskieren? Oder kann ich es mir leisten, es nicht zu riskieren? Zweimal ein klares Nein! Einmal mehr, Schach Matt.


 

4 Reaktionen zu “Liebe, Einsamkeit und eine nicht beantwortbare Frage”

  1. Bad Hair Days

    Lass dich erstmal virtuell drücken. Geniesse das Leben und lass dir das flirten nicht nehmen. Wenn sich etwas entwickelt, wird es schon das richtige sein.

  2. Diana

    Danke fürs Drücken, Sarah. Es ist halt einmal mehr eine Frage meiner Erwartungshaltung. Kürzlich sagte eine gute Freundin sinngemäss: “Sobald jemand nett ist zu Dir, verliebst Du Dich”. Und dann beginnt die Hoffnung, dann kommt die Enttäuschung und dann wieder die Hoffnungslosigkeit. Blödes Spiel. Deshalb sollte ich mir wirklich die Frage stellen, ob ich mal da mal ne Weile zurückhalte…… oder mich erst Recht bemühe.

  3. Bad Hair Days

    Du bist halt noch in der Pubertät. DA musst du durch.

  4. Diana

    *lach* wo Du Recht hast, hast Du Recht. Ich hab ja schon öfters betont, dass ich teils extrem pupertäre Züge habe, was auch kein Wunder ist. Manchmal denk ich, dass mein Inneres sich spätestens Anfangs Pupertät ausgeklinkt hat und seit da im StandBy wartet. Als ich Anfang Jahr mein Leben zu leben begann, gings genau da weiter. Eine riesige Welt die es zu erkiunden gilt, vieles ist faszinierend und genauso beängstigend. Kein Wunder, verwirrt mich da so einiges und das Thema Liebe im Speziellen.

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