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Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Interview Transsexualität – Kim spricht Tacheles

Ach ich könnte jubeln vor Freude, auch wenn es mir grad nicht so doll geht. Kim Schicklang von ATME (Aktion Transsexualität und Menschenrecht) hat in der Süddeutschen Zeitung ein Interview gegeben und wie man es sich von Kim gewohnt ist, hat sie Tacheles geredet. Das ist das beste Interview das ich bis anhin gelesen habe. Bisher hat sich einzig Balian Buschbaum in Interviews so geäussert, wie es sein muss.
Ich empfehle dringendst, das ganze Interview mit Kim zu lesen und genau zu zuzuhören. Ein paar Zitate möchte hier kurz ansprechen:

Das große Problem ist: Eine Frau, die weiß, dass sie eine Frau ist, muss sich von verschiedenen Gutachtern untersuchen und sich zu einem Mann mit psychischer Störung erklären lassen.

Kim spricht eines der wichtigsten Themen an, wer wenn nicht die Betroffene selbst könnte ihr eigenes Geschlecht beurteilen? Genau hier liegt der Irrsinn der heutigen Verfahren. Ein Psychologe soll von aussen her beurteilen, welchem Geschlecht jemand angehört. Aber woran soll er das erkennen? Und warum zweifelt man überhaupt an der unerschütterlichen Gewissheit eines Menschen, der sich mit klarem Verstand selber wahrnimmt? Und dass man diese Anerkennung schlussendlich nur gewährt, wenn die betroffene FRAU sich als gestörter Mann klassifizieren lässt, ist nicht nur absurd sondern menschenverachtend.

Ein Mensch weiß doch, welches Geschlecht er hat. Ich finde es ziemlich heftig, dass es Menschen gibt, die sich anmaßen zu bestimmen, wer transsexuell ist und wer nicht. Das ist völlig absurd, wer soll das von außen entscheiden können? Niemand kann in das Gehirn eines anderen hineinschauen. An welchen Klischees soll man das denn festmachen?

Denn viel mehr als die Einhaltung von Klischees bleiben den Fachleuten ja nicht. Sie können nicht fühlen, was Betroffene fühlen, sie sehen nicht in das Hirn hinein. Gutachter stehen also nicht vor der Frage, ob es sich hier um einen Mann oder eine Frau handelt, sie können einzig beurteilen, ob die betroffene Person genügend Klischees erfüllt, um dem Geschlecht zu entsprechen. Dass mit dieser Verfahrensweise so manche nicht-transsexuelle Frau durchfallen würde, sollte uns zu denken geben und spricht auch Bände über die Oberflächlichkeit unserer Denkweise.

Ich soll mich zum geisteskranken Mann erklären, damit ich als Frau geduldet werde, die ich sowieso schon immer war?

Noch deutlicher kann man nicht mehr sein, das ist der grausamste Teil dieser Begutachtungen. Ich musste selber ein Jahr lang begutachtet werden, damit mir die Ehre zuteil wird, zum gestörten Mann ernannt zu werden. Erst wenn ich das beglaubte Etikett trage, dass ich ein Mann bin mit einer gestörten Geschlechtsidentität nach ICD und DSM, werde ich aus Frau anerkannt. Was ist das denn für eine Logik? Wenn man bedenkt, dass wir heute sehr wohl wissen, dass eine transsexuelle Frau kein Mann ist der eine Frau sein will sondern aufgrund ihrer Hirnstruktur, die nunmal das Zentrum des Menschen ausmacht, als eine Frau betrachtet werden muss, die aus wohl verständlichen Gründen nicht mit männlichen Genitalien ein männliches Leben führen kann und will, dann ist es einfach nur grausamer Zynismus, wenn man das im Hirn verankerte Geschlecht nur anerkannt, wenn sich die Betroffene als Gestörte des ANDEREN Geschlechts klassifizieren lässt.

Die ganzen Märchen, man gehe als Mann zur OP und wache als Frau wieder auf, haben nicht gestimmt. Ich bin aufgewacht und habe festgestellt: Ich bin immer noch eine Frau.

Dieser Schlusssatz ist wie ein Finale, besser kann man es nicht ausdrücken. Die Mär der Geschlechtsumwandlung wird mit Überzeugung verworfen. Sie wachte auf und stellte fest, sie ist immer noch eine Frau, Punkt! Das ist eben das Fundament des Missverständnisses, das von Medien aber auch von Fachleuten bis zum Erbrechen wiedergegeben wird. Niemand wechselt das Geschlecht, niemand wandelt sich um, man bleibt was man von Geburt an war, in meinem oder Kims Fall eine Frau – aber man wacht auf ohne Genitalien, die nicht dem Geschlecht entsprechen. Wenn sich diese Sichtweise, die mit den uns zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Fakten korrespondiert, endlich angenommen wird, dann beginnt auch für transsexuelle Menschen eine Zeit, in der das Wort Menschenwürde mehr ist als nur ein leeres Versprechen.

Danke Kim, vielen vielen Dank, für Deine klaren Worte und Dein überzeugendes Darlegen. Das soll der Anfang sein, noch viele solche Interviews müssen folgen, bis auch das hinterletzte Käseblatt wie Bild, Blick und Konsorten begreifen, wer wir sind und vorallem, was wir nicht sind. Ich spüre Frühlingsluft :-)

Hier das ganze dreiseitige Interview:
Das Gehirn ist ein Geschlechtsorgan
Ich wollte keine Karikatur mehr sein
Jeder Betroffene soll selbst entscheiden können


 

Eine Reaktion zu “Interview Transsexualität – Kim spricht Tacheles”

  1. Ina

    Schöner Artikel, dass hast du alles richtig gut gesagt.
    Kim ist eine richtige Kämpferin, sich nicht dem TSG zu unterwerfen und mit altem Perso. rumzulaufen, dass macht ihr so schnell niemand nach, glaube ich.
    as schlimme ist auch, dass man uns, Gender – Prüfungs-Gutachten, als Medizinische Therapie vorzulügen versucht.

    Alle Betroffen, global als Geistesgestört zu Verleumden, Imfam…! Es hat leider echt faschistoide Züge!
    Oft frage ich mich welche Kräfte dahinter stecken?

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