(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

ICD und DSM – Die Galgen der Transsexualität

Langsam aber sicher bin ich echt ratlos. Egal wo ich mich engagieren möchte beim Thema Transsexualität, ich laufe immer wieder in dieselbe Wand hinein, die Wand, an die transsexuelle Menschen gestellt und zum Abschuss freigegeben werden.

Verurteilt aufgrund von Gesetzen der amerikanischen Psychiatrie Vereinigung APA, die Transsexualität als Geschlechtsidentitätsstörung in ihrer DiagnoseBibel (DSM) klassifiziert. An die Wand gestellt von der Weltgesundheitsorganisation, die Transsexualität in ihren Diagnoserichtlinien (ICD) als “Wunsch eines gestörten Mannes, Frau sein zu wollen” dem Gespött preisgibt. Hingerichtet von den Medien hinter den Desinformations-Gewehren, die im Schutze der Verurteilung losballern können.

Transsexuelle sind biologisch klar männlich oder weiblich, fühlen sich psychisch aber dem anderen Geschlecht zugehörig. Einige wollen darum operativ ihr Geschlecht umwandeln…………Transsexualität gilt als Störung der Geschlechtsidentität………..

(Tagi, Bund, Basler- und Berner Zeitung von heute)

Es ist wie die Spirale des Irrsinns, wenn man sich damit beschäftigt. Die Psychiatriesekte APA meisselt ihre Diagnosebibel in Stein, die WHO dackelt mit ihrem Krankheitenregister hinterher, die Medien berichten dann gestützt auf ICD und DSM die Mär vom gestörten Mann im Rock und ein ganzes Volk darf sich darüber amüsieren oder aufregen, je nach Belieben.

Da können wir eimerweise Studien heran karren, es bringt nichts.

  • Ich möchte dem Menschen von nebenan begreiflich machen, dass ich eigentlich eine ganz normale Frau bin, mit einer etwas ungewöhnlichen Körperentwicklung. Aber wie soll man mir das glauben, wenn in den Medien doch immer steht, transsexuelle Frauen seien gestörte Männer?
  • Also möchte ich den Medien begreiflich machen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat und keine Spinnerei ist. Aber wie sollen sie mich ernst nehmen, wenn in ICD/DSM drin steht, ich hätt einen an der Waffel?
  • Also müsste ich die WHO auf all die Studien aufmerksam machen, die sie eigentlich kennen müsste, wenn sie schon eine Bevölkerungsgruppe psychopathologisiert. Aber die berufen sich dann auf den DSM, die Psychiater müssen’s doch wissen, die müssten uns erst freilassen, bevor wir in einem neuen Sektor ein Plätzchen finden.
  • Also müsste ich der APA klar machen, dass gerade sie als Hirn-Experten neurologische Studien doch nicht einfach ignorieren dürfen…….

……. aber dort stehe ich vor Psychiatern und Sexologen, die ein Leben lang aus tiefster Seele geglaubt haben, dass homosexuelle und transsexuelle Menschen ja ach so krank sind und nun mussten sie schon die Homosexuellen freisprechen und gaben sich dabei eine Blösse und nun sollen sie auch noch zugeben, dass sie auch transsexuelle Menschen ein Jahrhundert lang ins gesellschaftliche Abseits gestellt haben……… und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir dieses Bollwerk der Unvernunft ins Wanken kriegen könnten.

Als ich heute obigen Artikel im Tagi las und am Abend einen Bericht über dieselbe Betroffene in Schweiz Aktuell sah, durchlief ich mal wieder diese lustige Spirale. Ich wollte die Redaktion aufkläören, aber wie erkläre ich ihnen die wissenschaftlichen Fakten, wenn ein Blick in ICD/DSM ja reicht um zu wissen, was man schreiben muss. Wie kann ich informieren, wenn von offiziellster Stelle gelogen wird? Sie könnten sogar einen beliebigen Psychologen konsultieren und die Chance wär gross, dass der denselben Unfug verbreitet.

Es vergeht echt keine Diskussion, ohne dass mir früher oder später ebendiese Artikel von ICD/DSM um die Ohren gehauen werden – was in der Bibel steht muss wahr sein, da kannst Du Dinosaurerknochen anschleppen bis Du an Ermüdung stirbst, die Erde ist 6000 Jahre alt. das steht da geschrieben. Boah ey……. grrrrrr………

Ich könnte damit leben, als gestört zu gelten, wenn ich wirklich gestört wäre. Aber all die Forschungsresultate in den Fingern zu haben, faktisch den Indizienprozess um die Ursachen von Transsexualität bei Weitem zu gewinnen und trotzdem die Wahrnehmung nicht ändern zu können, das geht echt an die Substanz. Es macht so hilflos. Wenn diejenigen, die den Ball ins Rollen bringen müssten, resistent sind gegen jegliche wissenschaftlichen Fakten die ihren postulierten Dogmen widersprechen, dann können wir echt einpacken.

Da können wir uns auf der Strasse dumm und heiser reden, es ändert nichts daran, dass es von oben nach unten regnet – Ihr erinnert Euch, Newton, der Apfel und der ganze Gravitationsquatsch – und bei dem Gewitter, das über transsexuellen Menschen schwebt, ist das echt beschissen, wenn ich das mal so sagen darf – aber sowas von……..


 

20 Reaktionen zu “ICD und DSM – Die Galgen der Transsexualität”

  1. Ina

    Ach ja – Diana, ich kann deine Entrüstung verstehen, da leb ich schon ein 1/4 Jahrhundert mit – mich kann nichts mehr aufregen.
    Aber du hast recht das ist doch alles Scheiße, was die “Tintenpisser-Zeitungsschmierer” so von sich geben, dass ist wirklich, wie du sagtes >Desinformation<.

    Genau wie bei der Ufo-Frage, als Ex-Ufologin kenne ich mich leider bestens mit Desinformation aus.

    Nur frage ich mich, WER hat ein Interesse an der Desinformation der Öffentlichkeit über Ts hat, während dass bei der Ufo-Frage völlig klar ist?

    Aber lasse die so etwas bloß nicht zu Herzen gehen, mache dich nicht zur "Donna Quixote".

  2. Christina

    Ich geben Dir voll und ganz recht, mit medizinischen Gegenargumenten zu versuchen Aufzuklären wird nicht wirklich funktionieren. Da wir grundsätzlich erst einmal die “Kranken” sind, wird man unsere Argumente als sehr subjektiv ansehen. Zumal wir ja auch noch zugeben müssen, dass wir auf ein Gesundheitssystem angewiesen sind in dem wir u.U. sogar sehr hohe Kosten verursachen. Die Lobby wird uns da keine Chance lassen!
    Es klingt vielleicht naiv, aber ich denke wir werden nur durch unser selbstverständliches Auftreten beweisen können, dass wir nicht Krank sind. Der Grundgedanke von Two-Spirits könnte hier ein sehr guter Ansatzpunkt sein. Wenn wir es schaffen den Mut aufzubringen für unsere “Andersartigkeit” einzustehen und sie publik zu machen, dann wären alle pseudo-psychologischen Theorien bedeutungslos.

    Das Dumme ist nur, dass der überwiegende Teil von uns genau davor angst haben wird. Erstens weil wir uns in eine gutachterlich sehr zwiespältige Position bringen würden. Und zweitens, weil wir Gefahr laufen könnten irgendwann unsere finanzielle Unterstützung im medizinischen zu verlieren (Stichwort Krankenkasse!).

    Die Homo-Szene hat es damals geschafft, weil sie sich ganz provokativ in allen Schichten breit gemacht hat. Aber die brauchten ja auch keine Sorge um ihre medizinische Betreuung zu haben – im Gegenteil die waren froh aus der Geschichte raus zu sein!

    Ich wäre sofort dabei, für solch eine “Two-Spirits” Idee einzustehen. Nur alleine wird es keinen Sinn machen. Also müsste man erst Leute finden, die die gleichen Lebensansichten haben. Leider sind die mir bekannten Gruppen und Organisationen von solch einem Denken noch weit entfernt, denn da geht es in erster Linie nur um Gegenargumente oder um ein reibungsloses Einschleimen. Die Gegenargumente sind zwar auch notwendig, werden aber auf dieser einseitigen Schiene nur zu Gegendruck führen. Und über das Einschleimen braucht man ja nicht weiter nachdenken…..

    Tja, guter Rat ist echt teuer!

  3. Kim

    Liebe Diana,

    Lesben und Schwule haben es geschafft, in den 60er-Jahren durch Aufklärung und Proteste etwas zu ändern. Zwei wichtige Meilensteine sind a) die Streichung von Homosexualität aus dem DSM und b) der StoneWall-Riot, der klar machte “sich diesen Scheiß nicht länger gefallen zu lassen” (O-Ton Silvia Rivera, Stonewall-Veteranin).

    Auch transsexuelle Menschen brauchen nicht als “psychisch krank” definiert zu sein, da es auch andere Möglichkeiten der Kostenübernahmen gibt (z.B. Verschieben von Diagnoseschlüsseln im ICD). Was aber hauptsächlich dafür verantwortlich ist, dass es mit dieser medizinischen Richtigrückung nicht klappt sind die Vorgaben hinsichtlich der Personenstandsänderungen. Solange wie z.B. in Deutschland durch das TSG Hürden für die Korrektur der Personenstandspapiere (wie Alltagstest, Hormone, etc.) gefordert sind, kann ein transsexueller Mensch nicht seinen Personenstand dann ändern lassen, wenn es wichtig wäre: Nämlich in dem Moment, in dem es darauf ankommt, ihn richtig im ICD zu klassifizieren.

    Daraus folgt: Transsexuellen-Gruppen, die das Interesse daran haben, die medizinische Grundlage zu schaffen, dass z.B. transsexuelle Frauen Hilfe “als Frau” bekommen (ICD) müssen dafür eintreten, dass die Hürden bei Personenstandsänderungen abgeschafft werden – und zwar alle.

    Sprich: Die Abschaffung der Zwangsgutachten, Alltagstestereien, etc. für die Personenstandsänderung. Und ändern würde sich daran etwas, wenn Betroffene hier stärker gegen diese Verfahren protestieren würden – öffentlich.

    Liebe Grüsse,

    Kim

  4. Diana

    Hallo allerseits, danke für die Kommentare, ich fass meinen Senf mal zusammen.

    Mit der Homosexuellen-Bewegung können wir uns kaum vergleichen, das wird bei uns nicht funktionieren, weil wir zuwenige sind. Der Trick damals war ja, dass durch das globale Outing jeder Mensch plötzlich Homosexuelle in der eigenen Familie oder im Freundeskreis fand. Bei einer 1:10 Verteilung geht das prima, aber wenn auf einen transMenschen 30000 Andere kommen, müssen wir viele Leute kennen lernen um diesen Effekt hinzukriegen. Klar, im Ansatz müssen wir ähnliche Wege gehen, aber wir haben es viel schwerer, weil wir so eine kleine Gruppe sind.

    Ähnlich sieht es mit ICD/DSM aus. Die Psycholobby begab sich auf dünnes Eis, wenn sie wie damals jeden zehnten Menschen psychopathologisiert hat. Aber bei einer 1:30000 Verteilung kann man so eine kleine Gruppe locker weiterhin an die Wand stellen, zumal wir in der Gesellschaft ja geächtet genug sind um hier die Rolle des schwarzen Schafs zu spielen.

    Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Veränderungen immer von unten kommen (das ist ärgerlich für Newton, iss aber so). Doch eine Bewegung von unten muss grosse Wellen machen können und da sind wir zu klein. Also können wir nur eine Veränderung von oben anstreben und müssten da beim DSM anfangen. Und das halte ich für ähnlich erfolgversprechend wie einem Kreationisten erklären zu wollen, dass hier auf Erden mal Dinosaurer gelebt haben vor ein paar Millionen Jahren.

    Alles Andere wie die Gutachter-Dramen und all der Quatsch kann sich nur ändern, wenn wir aus der DSM-Falle rauskommen, aber dort scheinen wir einem Fetisch gleich angekettet zu sein. Wie kommen wir da je raus?

  5. Ina

    @Kim, – Zitat: “Sprich: Die Abschaffung der Zwangsgutachten, Alltagstestereien, etc. für die Personenstandsänderung. Und ändern würde sich daran etwas, wenn Betroffene hier stärker gegen diese Verfahren protestieren würden – öffentlich”

    Demonstrationen, sind das demokratische Mittel der Wahl, in so einem Falle. Wenn von den ( jüngst zugegebenen) 120.000 Ts in der BRD, auch nur 10.000 auf die Straße gingen, zu Schwerpunkt Demos in diversen Städten, ( per Www angesetzt) dann hätten wir sicher viel Presse!

    Doch in einem Punkt möchte ich dir auch widersprechen: Wenn die Psychiatrie sagt, Ts Betroffene wären psychisch Krank, dann darf sich dass nur auf den Zustand, VOR der Gaop beziehen. Denn so falsch ist das nicht. Wenn ein Mädchengehirn, in einem Jungenkörper geboren wird, dann wird von der Psycho-Physischen Divergenz, die Psyche meist schon im Vorschulalter Krank ! Also, sie Psyche erkrankt davon. Es ist damit die einzige psychische Krankheit die Chirurgisch geheilt werden kann.
    Es sollt aber klar gestellt werden dass, die psychische Erkrankung mit der Gaop, endet!

    Das Gender-Prüfungsverfahren:
    Einen Alltagstest, ohne jede Behandlung ( Hormone Epilation etc.), wie wohl leider heute gefordert von den Kassen, gab es zu meiner Zeit noch nicht!!!

    Das Gender-Prüfungsverfahren darf auch nicht länger uns, als “Therapie” vorgelogen werden !
    In Wahrheit, bekommen wir doch nie, eine echte Psychotherapie, zu keiner Zeit.
    Dass bedarf auch der Änderung!

  6. Ina

    Nachtag:
    Mein Psychiater, den seit mehr als 10 Jahren kenne, bezeichnet explizit als:

    Transsexuelles – Syndrom !

    ( Er gehört auch der zur wissenschaftlichen Faktion, die es als Organisch Verursacht ansieht)

  7. Horst

    Naja, ich glaube, man sollte die Psychiatrie nicht mehr so homogen sehen. Auch bei den SexoloInnen ist Götter- und Götzendämmerung angesagt, die wissen genau, die Glanzzeiten sind aufgrund der erdrückenden neurowissenschaftlichen Befundlage vorbei. Intern ist das längst Common sense (das weiss ich ziemlich genau). Nur, es sagt noch keiner von denen laut und öffentlich, man nimmt mit, solange es noch geht. Es geht aber nicht mehr lang. Ich denke, es zeichnet sich eine Phalanx von kritischen MedizInnerInnen und PsychiaterInnen ab, die sich mit transsexuellen Menschen solidarisieren wird. Sodass man mit dem alten Sexologen-Plunder aufräumen kann. Es kracht im Gebälk. Mit ihren Sixties/Seventies-Konzepten a la Zwangsalltagstests und zwangsbeglückenden Psychiatriesitzungen, ‘Ethikkommitees’ (!!!), Gutachtergehabe, wo es nix zu begutachten gibt. Störungsgeschwafel …
    Irgendwie erinnert mich das Ganze an das Frühjahr 1967, ja ich bin uralt :-)), jeder wusste, es liegt etwas in der Luft, es war so eigenartig bleiern-ruhig …

  8. Diana

    @Horst: danke für diesen Mutmacher, ich kämpfe schon immer mal wieder mit der Resignation, gerade wenn ich wieder so “Informationen” in Tageszeitungen lese und weiss, dass ich argumentativ gegen den ICD einen schweren Stand habe. Mein Leserbrief im Tagesanzeiger wurde bezeichnenderweise bisher nicht veröffentlicht.

    Aber Sie haben natürlich Recht, dass man die Psychologie-Fachleute nicht in eine Ecke stellen darf. Ich bin selber seit vielen Jahren bei einem Sexologen in Psychotherapie und er hat mich auch durch den ganzen Prozess begleitet und mich sogar im Spital besucht. Und Sie sind ja auch ein lebendiges Beispiel, dass auch in dieser Branche offene Augen sind.

    Ob der “Wind of change” wirklich weht, ist schwer zu beurteilen. Es geschieht viel, vorallem an der Menschenrechtsfront, aber wenn man sieht, dass im DSM-V Transsexualität weiterhin als psychische Störung aufgeführt wird, fällt einem Zuversicht schon schwer – ein Grund mehr, dass wir alle mit ATME zusammen diese Burg einreissen ;-)

  9. Horst

    @Diana: Genau. Nur glaube ich die steinzeitlichen Sexologengebäude müssen wir gar nicht einreissen. Die stehen kurz vor der Implosion. Und – sie wissen es. Schauen Sie sich doch die beiden ‘Kompetenzzentren’ (BS, ZH) an: Endspiel. Da glaubt doch keiner mehr an irgend etwas. DSM V: für mich ein zynisches Rückzugsgefecht. Von Sexologenseite kommt nix mehr – keine Kasuistiken, fast keine Forschung mehr, nur noch wiedergekäutes.
    Es ist bald vorbei. Wir werden uns die Augen reiben: so einfach war es letztlich.

  10. Diana

    @Horst: Das mit den Kompetenzzentren hat mich wirklich überrascht, da wurde mir mehr als einmal klar gesagt, dass in ihren Augen nicht mehr in Frage steht, dass TS biologische Ursachen hat. Aber sie müssen die GID-Diagnose weiter verwenden um von der Krankenkasse das Ok zu bekommen. Ich hatte extrem den Eindruck, dass man dort überhaupt nicht glücklich ist über die jetzige Situation.

    Und doch scheinen die Verantwortlichen von DSM/ICD daran festzuhalten. Zynisches Rückzugsgefecht ist gut gesagt, aber für uns heisst das, dass wir eine weitere Periode im DSM gefangen sind und dann wohl auch im ICD-11 wieder dieses lustige Mäntelchen bekommen. Wenn man bedenkt, dass Leute wie Money nachwievor viel zu sagen haben in solchen Gremien und wenn man bedenkt, mit wieviel Misserfolgen dieser schon gekrönt ist, dann fällt einem Hoffnung schon schwer, dass diese Kreise doch irgendwann dazu lernen.

    Und da stellt sich mir eben die Frage, wie lässt sich DSM/ICD kippen, solange dort die falschen Leute an der Macht sind?

  11. Horst

    @Diana: Ach ja, die Zentren: Alltagstests (‘alles ohne’) die müssen sein, AutistInnen, die transsexuell sind, werden, da ‘psychisch gestört’, nicht für Transitions-würdig befunden, ausserdem liebt mann bei transsexuellen Frauen grelle weibliche Staffagen und und …
    Ich bin sicher, von ‘oben’ her ist das nicht zu knacken. Sondern nur von ‘unten’ her. Gramsci lässt grüssen: Hinein in die Kasematten der societa civile.
    Mal so ganz hypothetisch: Nehmen wir mal an, kritische MedizinerInnen arbeiten ein neues Paradigma aus und beginnen gemeinsam mit transsexuellen Menschen das in der Gesundheitsversorgung konsequent zu praktizieren. Es entstehen Kristallisationspunkte des Neuen, wo mit dem Sexologen-Plunder gründlich aufgeräumt wird.
    Dann gibt es früher oder später einen Domino-Effekt.
    Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, das wird in diesem Jahr beginnen :-) :-)

  12. Diana

    @Horst: Ich lasse mich gern von Ihrem Optimismus anstecken, aber solange nur ganz wenige ExpertInnen die Fakten auch vertreten, sieht es nicht gut aus. Anderseits kann es auch zu einem Domino-Effekt kommen, mit jedem Arzt der sich für unsere Interessen einsetzt, wird das möglicher. Aber ich fühl mich schon als wollte ich einen Berg umstärzen, ob wir soviel Gewicht bekommen, muss leider noch bezweifelt werden….. ein Grund mehr, uns einzusetzen :-)

  13. Frank

    Hallo Diana und Horst,
    Ich hoffe, dass da weitere Schritte gegangen werden. Habe mal das BGH Urteil vom Januar gelesen und werde mir mal das dort zitierte Buch (immerhin von 2008) ausleihen. Solche Titel kann man ja ggf. auch zitieren. Vielleicht wäre es gut, gute Bücher, die Ärzte oder Juristen lesen würden, hier auch in einem eigenen Bereich zu erwähnen und zu kommentieren?
    Man könnte vielleicht diese Titel gezielt Juristen, die mit dem Thema zu tun haben, schenken…
    Gruß!
    Frank

  14. Diana

    @Frank: das Problem ist, dass viele Psychologen sich nur in ihrem Gebiet ernsthaft informieren resp. das über alles stellen. Und da in der psychologischen Literatur Transsexualität fast ausnahmslos als psychische Störung dargestellt wird, sind wir da an einem steilen Berg. Grad dieser Tage kommt von Volkmar Siegusch ein neues Buch raus und es darf befürchtet werden, dass es nur ein weiterer Beitrag ist der transsexuelle Menschen stigmatisiert. Aber Du hast natürlich Recht, es wäre wichtig, richtige Informationen zu verbreiten. Nur müsste das auch für Journis verständlich sein und da habe ich jedenfalls noch keine tauglichen Texte gefunden, die sowohl verständlich als auch glaubwürdig sind für solche Leute.

  15. Dani

    Habt ihr euch mal überlegt, dass wenn Transsexualität nicht mehr als psychische Störung deklariert wird, eine affirmative Therapie und eine wünschenswerte und helfende Geschlechtsumwandlung nicht mehr von den Versicherungen bezahlt wird? Billig ist das ganze ja nicht…
    Nur so als Input, dass das ICD und DSM nicht nur negativ sind.

  16. Diana

    @Dani: Wenn Du nochmal genau nachliest, dann wehre ich mich nicht gegen eine “Pathologisierung” sondern gegen eine “Psychopathologisierung”. Es geht nicht darum, ob eine Krankheit vorliegt. Wir wissen, dass transsexualität biologische Ursachen hat und wir erleben, dass transsexuelle Menschen daran kaputt gehen und wir wissen, dass man diesen Zustand massgebend verbessern kann. Aber Krankenkassen sind ja nicht nur für psychische Krankheiten zuständig, sie zahlen dann, wenn die Weltgesundheitsorganisation einen Krankheitswert anerkennt und das ist im Fall von Transsexualität genauso wenig bestritten wie die Tatsache, dass man Betroffenen helfen kann. Deshalb gehört Transsexualität in den ICD, aber nicht unter psychischen Störungen – weil wir heute genug Hinweise darauf haben, dass es eher eine endokrinologische Störung oder Fehlentwicklung ist. Beim DSM hingegen hat Transsexualität gar nichts zu suchen, weil dort nur psychische Störungen aufgelistet sind. Meine Forderung ist also nicht eine De-Pathologisierung sondern das Ende einer Psychopathologisierung, die erstens den wissenschaftlichen Fakten widerspricht und zweitens Betroffenen das Leben unnötig zur Hölle macht.

  17. horst

    @Diana:
    Transsexualität ist keine psychische Störung; aber auch keine körperliche Krankheit. Denn auch das ist nicht evidenzbasiert. Neurobiologisch können wir sagen: es ist eine Symptomatik. Die viel Leiden hervor rufen kann. Und deshalb im besonderen Fall medizinischer Interventionen bedarf. Vor allem und wesentlich geschlechtsangleichender OPs. Schreibe gerade an einem Paper, denn ein Sozialgericht in D hat Übles zu den Altdorfer Empfehlungen verbreitet. Es geht darum, dass angeborene Body Images nicht mit Füssen getreten werden. Und endlich die Neurobiologie/-psychologie zählt, statt irgendwelchem Sexologenquatsch. Und ich mal genau begründe, warum Transsexualität eine verdammt gesunde Angelegenheit darstellen kann. Ihr Blog ist ja ein Superbeweis: Zufriedenheit kommt auch ohne Jammertal, wenn es die Transfrau denn bewusst angeht :-)
    Und sich nicht verscheissern lässt :-) So wie Sie.
    LG

    Horst Haupt

  18. Diana

    @HorstHaupt: als Krankheit sehe ich es auch nicht, aber wenn sich der Körper geschlechtlich sozusagen in zwei Richtungen entwickelt und wenn so eine “inkongruente Entwicklung” zu grossem Leiden führt, dann ist es für mich eine Art “Fehlentwicklung”, auch wenn es wohl eher einfach eine Normvariante ist wie Dr. Rauchfleisch das auch nennt. Pathologisch kommt ja aus dem Griechischen und meint Leiden (pathos), das ist hier der Fall und deshalb hat es auch Krankheitswert auch wenn es keine Krankheit an sich ist. Wichtig scheint mir vorallem, dass Medizin und Medien endlich aufhören, dieses endokrinologische resp. neurologische Phänomen als psychische Krankheit zu pathologisieren, denn diese Gestörterklärung ist verantwortlich für den grössten Teil des Leidens von transsexuellen Menschen. Deshalb bin ich auch froh erleben zu dürfen, dass es auch noch Fachleute wie Sie oder Udo Rauchfleisch gibt, die diesen Sexologenquatsch nicht nachbeten sondern für die Fakten einstehen :-)

  19. horst

    @Diana
    Da stimme ich Ihnen zu. Nur eine Kleinigkeit: inkongruent stimmt zwar, aber als Neuropsychologe sehe ich natürlich das Gehirn primär im Mittelpunkt. Nach derzeitigem Forschungsstand gibt es ja die angeborenen Geschlechtsidentität und die im Gehirn angeborenen festverdrahteten Körperschemata. Daher die Phantomglied-Erlebnisse, die nahezu alle transsexuellen Menschen haben. Zumindest mit Beginn der Hormongabe. Der (perriphere) Geschlechtskörper ist vom Gehirn dissoziiert — das ist das Problem. Diese Körperdissoziation verursacht das Leid. Ich passe da immer auf, dass Genitalorgane nicht in sexologischer Manier als Agens und Movens aufgewertet werden (Phallozentrismus). Das Gehirn ist es, aber nicht der Penis.
    Ich denke, dieses “im falschen Körper stecken”, das sollte auch der Ansatzpunkt für die weitere neurobiologische-neuropsychologische Forschung sein. Ramachandran hat das vorgemacht, wie so etwas geht, obwohl er auch viel Unsinn schreibt. Mal sehen, vielleicht bringen wir im Herbst da ein F-Projekt zusammen, bei dem transsexuelle Menschen nicht “beforscht” werden (wie die Sexologen das immer machen), sondern bei dem sie aktiv mitmachen. da bin ich ganz optimistisch :-) Unser neues SPD Paper heisst denn auch: “Sie sind Ihr Gehirn — in einem falschen Körper!!” . Das ist auch das Thema, das ich derzeit für das wichtigste halte. Die anderen Gebiete (Genetik, Endokrino usw.) sind ja eh fleissig.

    LG

    Horst Haupt

  20. Diana

    @HorstHaupt: Eigentlich wäre es ein Gebot der Vernunft, dass man im Spitzer’schen Sinn das Gehirn als Zentrum des Menschen betrachtet. Irgendwie ist es schon befremdend, dass so viele Menschen ihr Ich-sein an einem Genital festmachen. Deshalb sage ich gern ironisch: “Sind Sie ein Genital mit etwas Mensch drumrum?”. Abgesehen davon, dass diese phallozentrische Sichtweise schon biologisch völlig irrwitzig ist, ist es auch ein Armutszeugnis für einen denkenden Menschen, sich so durch ein paar Zellklumpen zu definieren. Auf das neue SPD Paper warte ich freudig und auf dieses Projekt sowieso. Jahrzehntelang hat man “über uns” gesprochen anstatt “mit uns”. Es ist höchste Zeit, dass wir in diese Themen miteinbezogen werden, denn wer wenn nicht wir könnten beurteilen, wie es in uns wirklich aussieht.

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