(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Highland Games und Chili Pipers

So da wär ich wieder. Letzte Woche hat’s mich ins Bett gehauen, irgend so eine Magen-Darm-Wäk-Geschichte. Am Freitag war ich dann bei meiner Hausärztin und liess meine Blut-, Leber- und Hormonwerte prüfen. Am 13. dieses Monats werd ich dann erfahren, ob mein Blut die Konsistenz von Himbeersirup hat oder meine Leber kollabiert ist. Ausserdem erfahre ich dann, ob ich nun hormontechnisch mehr Männlein oder Weiblein bin – es wird also spannend nächste Woche.

Apropos, hab ich schon mal erzählt, dass meine Hausärztin eine der edelsten Frauen dieses Landes ist? Echt, ich bin nach jedem Arztbesuch etwas durcheinander, dieses Mal musste ich mich mit aller Gewalt davon abhalten sie zu fragen, ob sie zufällig lesbisch sei und eine nicht-ganz-der-Norm-entsprechende Lebenspartnerin sucht. Diese Lady ist echt eine Wucht, da wünscht man sich, öfters mal krank zu sein :-)

Obwohl ich am Samstag noch wacklig auf den Beinen war, konnte ich es nicht lassen, an die Highland Games in Fehraltdorf zu gehen. Zwar nicht so ausgiebig wie ursprünglich geplant, aber ich musste zumindest die Red Hot Chili Pipers endlich live erleben. Und es hat sich gelohnt. Es gibt nur wenige Bands die schottische Great Highland Bagpipes mit Rockmusik mischen, aber es gibt nur eine Band, die in dieser Art “we will rock you” von Queen und ähnliches spielen. Diese Band schaffte es innert kürzester Zeit, das Zelt in einen Hexenkessel zu verwandeln.

Zu meiner eigenen Überraschung bemerkte ich irgendwann, dass ich da in der Menge stand und sowas ähnliches tat wie zu tanzen. Das ist echt ein Wunder, denn seit meiner Kindheit habe ich nicht mehr getanzt. Seit ich damals in der Schülerdisco ausgelacht wurde, weil ich so weibisch tanzte. Das hat mich so traumatisiert, dass ich seit da in der Hüftregion irgendwie blockiert bin. Aber als am Samstag die Chili Pipers loslegten, ging irgendwas in meinen Hüften los und ich konnte nicht mehr aufhören, meinen Hintern in der Gegend rum zu schmeissen. Ok ich will nicht wissen, wie das aussah, ich rechne da mit dem Schlimmsten, aber es war soooooo schön, den Körper endlich mal gehen zu lassen :-)

Apropos Menge, das war das erste Mal, seit ich als Frau lebe, dass ich an einem Grossanlass teilnahm. Wenn ich zurück denke, wie ängstlich ich noch zu Beginn meiner Metamorphose durchs Leben schlich und nun erlebe, wie ich inmitten von einer Tausendschaft an Leuten herumtanze, dann staune ich nur noch über meine Dreistigkeit :-)

Ein weiterer Höhepunkt war, dass ich erstens mit meiner besten Freundin und ehemaligen Lebenspartnerin dort war und ausserdem fast das gesamte Personal meines Stamm-Pubs anwesend war und so sassen wir dann den ganzen Abend an einem Tisch und hattens saugemütlich. Ach ich lieb diese Pub-Leute einfach, einzelne sogar mehr als ich jetzt hier offenbaren werde ;-)

Schlussendlich schaffte ich es aber doch noch, aus einem wunderbaren Abend einen kleinen Albtraum zu fabrizieren. Als ich heimging, gabs keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr, also bestellte ich mir ein Taxi und wartete, und wartete, und wartete. Nach ner halben Stunde rief ich wieder an, worauf mir der Taximensch sagte: “ja war mein Kollege nicht da? ok ich komm gleich”….. und ich wartete, und wartete…. nach einer neuen halben Stunde rief ich nochmal an, unterdessen völlig durchgefroren, da ich im kurzen Jupe nur mit T-Shirt und ohne Strümpfe einfach nicht mehr adäquat angezogen war. Derselbe Taximensch, diesmal noch verblüffter: “ich war jetzt schon drei mal dort und hab jedes Mal jemanden mitgenommen”. Schlussendlich stellte sich heraus, dass ich ganz einfach am falschen Ort wartete. Eine Stunde lang in dem Outfit in der kalten Nacht rumzustehen, dafür muss man schon ganz schön bescheuert sein.

Als ich endlich zuhause ankam, musste ich feststellen, dass meine neuen und ausnahmsweise absatzlosen Schuhe mir eine tiefe Kerbe in die linke Ferse gefressen hat. Sieht aus als hätt mir jemand mit nem Fleischermesser quer durchgesäbelt und es fühlt sich auch so an. Ich sags ja, Schuhe ohne Absätze sind einfach nix für n’Mädel wie mich. Ich schätze, dass es mindestens eine Woche geht, bis diese Wunde verheilt ist, sieht wirklich abartig übel aus.

Aber all das hat sich gelohnt, wegen den Chili Pipern, weil ich das Tanzen wieder gefunden habe und ……. und so :-)


 

17 Reaktionen zu “Highland Games und Chili Pipers”

  1. Juliet

    “…….und so ;-) ” Das macht mich jetzt aber neugierig *ohrengrossknet*

    Tanzen ist toll, freut mich, dass Du das wiedergefunden hast, ich glaub nicht, dass das soo schlimm ausgesehen hat.
    Auf’s Taxi warten, da kenn ich auch was von..hauptsache, Du hast Dir keinen Schnöf eingefangen.
    Und für Dein Fussi gute Besserung !

  2. Diana

    das “und so” hat mit meiner blödsinnigen Verlieberei zu tun und da ich mir das endlich mal abschminken sollte, lass ich es vorläufig mal darüber zu schreiben ;-)

    was das tanzen anbelangt, ob ich das wieder einverleiben kann wird die Zukunft zeigen, aber mein Hintern hat jetzt mal den Anfang gemacht, mal sehen ob das ausbaufähig ist, ich hoff’s, es war ein tolles Gefühl

  3. Juliet

    Tja, das ist das Problem, sowas kann man nicht einfach ausknipsen und blöd ist, wenn es nicht auf Gegenseitigkeit beruht…könnt ich auch was von erzählen..

    Kannst Deinem Hintern ja mal sagen, er soll das Tanzfieber an die anderen Körperteile weiterleiten (wie bei Otto “Milz an Grosshirn, Milz an Grosshirn”), dann klappt das auch mit dem Tanzen ;-)

  4. Diana

    ja vorallem das mit der Gegenseitigkeit ist eine lästige Bedingung, da hätt ich mir von der Natur schon etwas mehr Koordination gewünscht.

    Mit meinem Hintern werd ich mal ein ernstes Wörtchen reden, mal gucken was der so alles hinkriegt ;-)

  5. Juliet

    Das isses ! Es fehlt die Koordination. Ne Idee, wie man das ändern könnte?

    Sag mal Bescheid, wie das Gespräch mit Deinem Hintern verlaufen ist ;-)

  6. Diana

    ok ich halt Dich auf dem Laufenden über unsere philosophischen Gespräche ;-)

  7. Juliet

    Bin gespannt ;-)

  8. Bad Hair Days

    > Seit ich damals in der Schülerdisco ausgelacht wurde, weil ich so weibisch tanzte. Das hat mich so traumatisiert, dass ich seit da in der Hüftregion irgendwie blockiert bin.

    Das kenne ich eins zu eins aus meinem eigenen Leben…

    Gruss, Sarah

  9. Diana

    @Sarah: ich verwette meinen Hintern, dass wir noch ungefähr tausend solcher Traumatisierungen finden würden, die wir beide erlebt haben. Auch wenn wir T-Girls alle andere Wege gegangen sind, es war doch stehts der gleiche Asphalt

  10. Aurisa

    Hallo Diana,
    ich hätte da mal ganz OFF TOPIC eine Frage…

    Wie finde ich denn hier deine neuesten Einträge…?

    Ich habe eben per feedreder eine Benachrichtigung über einen neuen Eintrag (“Passing oder Respekt…”) bekommen zu dem ich gerne was schreiben wollte… kann den hier jetzt aber leider nicht finden :(…

    Wenn ich auf “August 2009″ klicke, dann ist das hier der neueste Eintrag dort… den über Passing sehe ich hier nicht und weiss jetzt ehrlich gesagt nicht, wo ich sonst suchen könnte…?

    Kannst du mir Blindschleiche mal bitte den virtuellen Blindenstock reichen ;)…?

    Viele Grüße
    Klaudia

  11. Diana

    Hoi Klaudia…… Bei mir ist alles seitenverkehrt, die alten Beiträge oben, die neuen unten. Wenn Du beim August ganz nach unten blätterst, findest Du ihn. Es hat auf der Hauptseite oben rechts auch einen Kalender, mit dem kannst Du direkt auf ein bestimmtes Datum springen. Ich suche immer noch ein PlugIn mit dem ich die neusten Beiträge irgendwie auflisten kann, aber bisher fand ich leider nix Schlaues.

  12. Morag

    Hallo Diana.

    Die Red Hot Chili Pipers sind wirklich große Klasse…ich hab sie 2007 bei der Schlammschlacht am Loch Lomond (*) das erste Mal gesehen (und gehört-Smoke on the Water auf den Pipes, einfach irre) … wenn die Dir nicht das Tanzen wieder beigebracht hätten, wärs wohl wahrlich schwierig geworden…schön, daß es geklappt hat. Und der Fuß ist inzwischen doch auch wieder heil, oder?

    Wenn Du mal Interesse hast, wie sich Pipes und brasilianische Trommeln anhören, schau Dir doch mal MacUmba (z.B. http://www.youtube.com/watch?v=ivDSdGX1ICo ) an…im Moment ist ihre Internetseite leider nicht erreichbar :-(

    Viele Grüße, Morag

    PS: (*) auch bekannt als “Beat the Drum” Open Air von Runrig-_die_ solltest Du Dir auch nicht entgehen lassen…bei Loch Lomond läuft mir jedesmal die Gänsehaut auf.

  13. Diana

    Hi Morag (kennen wir uns?)
    danke jedenfalls für die Tipps, ich werde sicher irgendwann wieder in Schottland sein :-)
    Das Video ist cool, mal was anderes. Wir hatten in Zürich eine Pipe-Night in einem Pub, da spielten auch mal Leute Pipe mit “seltsamen Drums”, das war aber eine eher spontane Jam-Session, klang aber genial

  14. Morag

    Hallo Diana.

    Nein, wir kennen uns nicht.

    Ach ja, Schottland. Bei mir ists auch ein “irgendwann wieder” :`-( In dieser Hinsicht fühle ich wie die Elben im “Herrn der Ringe”-wer einmal das Meer gesehen hat und die Möven, die in der Gischt mit dem Wind spielen…

    Viele Grüße, Morag

    PS: Runrig sind im kommenden Frühjar wieder auf Tour, leider sind die Auftritte in Karlsruhe und München die beiden südlichsten :-(

  15. Diana

    Hi Morag
    ich darf auch nicht zuviel über Schottland nachdenken, sonst kommt die grosse Wehmut und die Sehnsucht. Aber irgendwann isses wieder soweit, dann geh ich aber mit meiner Pipe da hin. Wenn ich mir vorstelle, irgendwo in den nebligen Highlands zu stehen und Bells of Dunblane oder Highland Cathedral zu spielen, dann wird mir echt ganz anders :-)

  16. Morag

    Gänsehaut pur…

    Das fröhliche Gesicht im letzten Posting steht Dir übrigens gut!

  17. Diana

    danke fürs Kompliment, ich bin diesbezüglich etwas verdreht im Kopf. Ich fand mein Lachen noch nie schön, weil es irgendwie ungleichmässig ist. Deshalb lache ich auf Fotos nur wenns sein muss. Das zeigt vielleicht einfach, dass ich in gewissen Selbstbeurteilungen viel zu kritisch bin. Da ist es erbauend, dass andere das anders sehen :-)

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