(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Happy Birthday, Mam

Heute hat meine verstorbene Mutter Geburtstag, wie immer ist das ein eher trauriger Tag, weil ich ihr nicht gratulieren kann und weil es mir wieder bewusst wird, dass sie viel zu früh gehen musste. Ich weiss nicht, ob’s im Himmel Internetanschlüsse gibt, trotzdem schreibe ich hier, was ich sonst nicht sagen kann.

Meine Mutter bedeutete mir sehr viel. Sie war zwar in vielerlei Hinsicht schwierig (so wie ich), aber sie war immer für mich da, wenn sie dazu in der Lage war. Ihr Leben war nicht leicht, schon früh hatte sie mit Krankheiten zu kämpfen und im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass auch für sie das Leben selbst eine grosse Herausforderung war.

Immer wieder, wenn ich an sie denke, frage ich mich, wie sie damit umgegangen wäre, dass ihr vermeintlicher Sohn eines Tages zur Tochter wird. Hätte sie es so gut angenommen wie mein Vater, oder wäre sie daran verzweifelt? Ich weiss es nicht, werde es nie erfahren, und doch bin ich davon überzeugt, dass sie mich weiterhin geliebt hätte und als ihre Tochter angenommen und respektiert hätte.

Sie war ein liebevoller Mensch und gab alles für Andere. Und sie liess Andere so leben wie sie sind, egal ob sie das für richtig oder falsch hielt. Ja ich glaube, sie wäre zu mir gestanden und es macht mich traurig, dass sie mich nie so kennen lernen konnte, wie ich wirklich bin, eine stolze Frau die ihren schwierigen Weg mit derselben Hartnäckigkeit geht, wie sie selbst es getan hat.

Meine Mutter war in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für mich, vorallem eines hat sie mir radikal vorgelebt, ihre Renitenz. Sie war störrisch wie ein Muli, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann hat sie das durchgezogen auf Teufel komm raus. Ich bezweifle, dass ich heute da wäre wo ich bin, wenn sie mir diese Renitenz nicht vorgelebt hätte.

Sie war in vielen Dingen sehr selbstlos, setzte sich ehrenamtlich für Terre des hommes ein und half denen, die ihrer Hilfe bedurften, auch wenn sie eigentlich oft diejenige gewesen wäre, die diese Hilfe gebraucht hätte. Das habe auch ich verinnerlicht und so ist es kein Wunder, dass ich irgendwann zur Greenpeace Aktivistin wurde und mich politisch und sozial für Andere einsetze.

Und sie gab mir noch etwas anderes mit auf den Weg, den schwärzesten Humor den die Welt je gesehen hat. Dieser schwarze Humor, der sich zwischen Ironie und Zynismus bewegte, ist heute noch eine meiner grössten Kraftquellen. Worüber wir lachen können, das macht uns auch nicht kaputt.

Ich gäbe so verdammt viel, wenn sie mich wenigstens einmal so erleben könnte, wie ich heute endlich sein kann, dass sie das wahre Ich ihres Kindes wenigstens einmal erleben darf. Vielleicht sieht sie es ja, vielleicht ist sogar sie diejenige, die mir immer wieder diese Kraft gibt, aufzustehen und weiter zu gehen, diese Kraft von der ich selbst nicht weiss, woher sie kommt.

Ich bin glücklich, sie gehabt zu haben und auch wenn sie viele Seiten hatten, die sehr schwierig waren, so wünschte ich mir doch nichts an ihr weg, weil sie ein wundervoller Mensch war, nicht obwohl sondern weil sie so war wie sie war.

Wirklich tot sind nur die, an die niemand mehr denkt.
Ich werde Dich nie vergessen.

Ich liebe Dich, Mam, und ich hoffe, dass wir uns irgendwann wieder begegnen können.


 

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