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Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Geschlechtsumwandlung aus der Grundversicherung der Krankenkassen streichen?

Heute lancierten “christlich”-konservative Kreise eine Volksinitiative, die Abtreibungen aus der Grundversicherung der Krankenkassen entfernen will. Bei dieser Gelegenheit wurde angekündigt, dass das erst der Anfang sei und dass als Nächstes “Geschlechtsumwandlungen”, unnötige Kaiserschnitte und ähnliches aus der Grundversicherung gestrichen werden soll. Soweit nichts Neues, SVP-Nationalrat Peter Föhn hat bereits 2009 eine Motion eingereicht, die zur Endlösung der Transsexuellenfrage beitragen soll.

Allein schon die Tatsache, dass der SVP-Polemiker von “Geschlechtsumwandlung” spricht, zeugt von totaler Unwissenheit. Das Geschlecht lässt sich nicht umwandeln, aber man kann einer Frau, deren Körper sich im embryonalen Stadium ins falsche Geschlecht entwickelt hat, mittels geschlechtsangleichenden Massnahmen ein einigermassen würdiges Leben ermöglichen. Leute die sich in diesem Thema auskennen, reden von Transsexualität, Transidentität oder Transsexualismus. Aber wer seinen Denkhorizont auf Blick-Niveau hat und trotzdem versucht zu politisieren, der spricht halt von Geschlechtsumwandlungen, weil das viel reisserischer und vorurteilsbelasteter ist.

Die Frage, ob geschlechtsangleichende Massnahmen nötig sind, werden von Wissenschaft und Medizin gestellt und beantwortet. Wer sich wie Herr Föhn nie damit auseinander gesetzt hat, kann nicht beurteilen, ob solche Massnahmen notwendig sind. Wie in aller Welt kommen Politiker auf die Idee, dass sie nun darüber bestimmen, welche Krankheiten mit welchen Mitteln behandelt werden? Sollen wir alle zukünftig anstatt zum Arzt ins SVP-Parteisekretariat gehen und dort um Hilfe bitten? Wie dreist muss jemand sein, um sich über alle medizinischen Fakten und internationalen Behandlungsstandards hinwegzusetzen, ohne auch nur einen Funken Fachwissen zu haben?

Natürlich geht es dabei nicht um Transsexuelle und auch nicht um die Kosten von geschlechtsangleichenden Operationen. Diese sind sehr selten und kosten keine 20’000 Franken – weit weniger als jahrelange Psychotherapie infolge einer verweigerten Geschlechtsangleichung. Aber den bürgerlichen Wirtschaftsvertretern geht es um etwas ganz anderes. Jahrelang haben sie ihre fetten Hintern in den Verwaltungsräten der Pharmaindustrie gebadet und jahrelang haben sie im Dienste der Pharma Parallelimporte verhindert, die Unsummen eingespart hätten. Das ist einer der Hauptgründe für die hohen Kassenprämien heutzutage und das muss nun verschleiert werden.

Also tut man so als ob man sparen würde, ein paar Fränkchen bei der Alternativmedizin, ein paar Fränkchen hier und dort und wenn man dann auch noch ein kleines Grüppchen von Menschen findet, die keine Lobby haben und eh schon gesellschaftlich stigmatisiert sind, lässt sich mit denen prima ein Exempel statuieren. Seht her, wir tun was, möchten die Wirtschaftslakaien jubeln und sich zum Retter der Nation aufspielen. Auf der Strecke bleiben Betroffene, für die es nur diese eine Möglichkeit gibt und denen mit so einem Vorstoss faktisch ein menschenwürdiges Leben verweigert wird.

Welche Beschwerden behandelt werden müssen und in welcher Form diese Behandlung am erfolgversprechendsten ist, das entscheiden auf der ganzen Welt Mediziner. Klar, die SVP spart seit Jahren auf dem Buckel von Invaliden und sozial Schwachen, das ist nichts Neues. Aber wenn diese politischen Brandstifter nun auch noch über medizinische Fragen regieren wollen, dann sehe ich schwarz für das Schweizer Gesundheitssystem. Und ich sehe schwarz für transsexuelle Menschen, die damit jeglicher medizinischer Unterstützung beraubt werden.

Wenn ich bedenke, wie dreckig die SVP stets ihre Abstimmungskampagnen führt, dann graut es mir wirklich davor, dass Transsexuelle wie ich eines Tages ein Visier auf der Stirn haben, zum Abschuss freigegeben werden und von den Strategen dieser Partei mit Dreck zugedeckt werden. Ich befürchte, es kommen schwere Zeiten auf uns zu. Transsexuelle haben in dieser Gesellschaft schon mehr als genug Vorurteile die sie ausbaden müssen, wenn die SVP eines Tages zum grossen Hallalli gegen Transsexuelle ruft, dürfte die gesellschaftliche Akzeptanz ganz am Boden sein und dann darf die SVP wirklich jubeln, weil sie mittels Erhöhung der Suizidrate unter Transsexuellen Geld gespart hat.


 

2 Reaktionen zu “Geschlechtsumwandlung aus der Grundversicherung der Krankenkassen streichen?”

  1. Desdemona Morticia

    Den Inhalt der Motion Peter Föhn habe ich gelesen, und mich darüber aufgeregt. Der gute Mann hat doch samt seinen Mitunterzeichnern gar keine richtige Ahnung, um was es überhaupt geht. Profilierungssucht steht halt in der Politik über dem gesunden Menschenverstand. Wo es an Sachkenntnis fehlt, wird politisch-ideologisch Argumentiert. Die SVP vertritt ja auch in ihrer Wählerschaft den grössten Teil von Subentionskassieren, da könnte man ruhig einige Milliarden einsparen. Ein Teil der Wählerschaft von Peter Föhn gehört da auch dazu. Die SVP politisiert ja wirklich auf Blick-niveau, sie kann diese Politik als gut schweizerisch und bodenständig verkaufen. Wenn die Motion durchkommt, haben wir in der Schweiz in Bezug auf die Situation Transsexueller bald amerikanische Zustände, wer genug Geld hat, kann die Operationen selbst bezahlen, aber das sind ja die allerwenigsten. Als nächstes werden dann wohl auch Hormontherapie, Gesprächstherapie und Gesichtsfeminisierungsoperationen gestrichen.

  2. Diana

    Ich beobachte die Brandstifter-Politik der SVP seit zwei Jahrzehnten, es ist wirklich unglaublich, mit welcher Systematik diese Leute das Volk belügen. Es läuft immer nach demselben Schema: Man sucht sich eine Randgruppe die sich nicht wehren kann (Drogensüchtige, Fahrende, Invalide, Moslems…..) und führt eine Hetzkampagne, die sogar Göbels vor Ehrfucht erstarren lassen würde. Dass das Volk so naiv ist und nicht bemerkt, wie sie missbraucht werden, ist ein Armutszeugnis für dieses Land. Und es ist eine Bedrohung für alle, die irgendwo oder irgendwie nicht dem Mainstream entsprechen.

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