(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

GaOp Infogespräch mit dem Chirurgen

Heute wars endlich soweit und ich konnte das Informationsgespräch mit dem Chirurgen führen, in dem er mir grob erklärte was er an mir herumschrauben wird, was für Komplikationen möglich sind u.s.w. Das Wichtigste vorab, den Termin habe ich leider nicht bekommen, der muss noch abgeklärt werden und wird nächste Woche mitgeteilt. Wenns noch Platz hat, wird das wie geplant im September sein. Falls das nicht geht, kann es sogar November werden, weil die im Oktober ziemlich ausgebucht sind. Dementsprechend bin ich nachwievor aufgedreht, September wäre einfach zu genial, die zweite Augusthälfte habe ich ja Ferien mit Schatzi, dann könnte ich sozusagen gleich anschliessend zur GaOp antraben. Nun zu den Details des heutigen Ausflugs.

Ortskenntnisse für Fortgeschrittene
Langsam kenn ich diesen Irrgarten des Zürcher Universitätsspitals von allen Seiten, ich könnte bald mal Führungen veranstalten, weil ich im Verlauf dieses Prozesses von einer Abteilung zur Anderen pilgere. Zuerst war ich in der psychologischen Abteilung, dann gings in die Phoniatrie und Logopädie, dann zur Endokrinologie in der Frauenklinik und nun auch noch in die Rekonstruktionschirurgie. All diese Abteilungen sind über verschiedene Gebäude verteilt, auch heute durfte ich wieder ein neues Gebäude betreten.

Sentimentalität im “Geburtshaus”
Als ich reinkam, sah ich durch ein Fenster einen wunderschönen kleinen Park und bekam mal kurz feuchte Augen, weil ich mir vorstellte, dass ich nach der Op früher oder später auch mal da rumhängen kann. Es war schon ein tolles Gefühl, durch das Haus zu laufen, in dem bald mal das Wunder meines Lebens vollendet wird, ich wurde richtiggehend sentimental.

Anmeldung mit Irritationen
Die Anmeldung war ulkig, im Gegensatz zu den bisherigen Abteilungen sind in der Chirurgie T-Girls nicht grad alltäglich. Am Schalter sass dann n’junges Mädel, ich denke die macht eine Lehre dort. Stolz legte ich meine Einladung auf die Theke, auf der ich zum ersten Mal in der Uni korrekt als Frau angesprochen war, dazu überreichte ich ihr noch die Krankenkassenkarte, die einen männlichen Namen trug. Sie fand mich dann aber im Computer und fragte, ob es um eine kosmetische Operation ginge. Ich grinste dann und erklärte, es ginge um eine geschlechtsangleichende Operation. Offenbar habe ich damit die Grenze ihrer bisherigen Erfahrungen überschritten, sie drehte sich um und fragte eine Dame hinter ihr: “geht eine Geschlechtsumwandlung unter kosmetische Operationen” und dann lief sie rot an. Ich ersparte ihr die Aufklärung, dass es keine Geschlechtsumwandlungen gibt, sie war ja schon verlegen genug. Jedenfalls bekam ich dann eine neue Karte, in der skurilerweise wieder der alte Name drin stand und durfte ins Wartezimmer.

Technisches Geplauder
Als mich der Chirurg dann ins Zimmer führte, erklärte er als Erstes, wie meine Reparaturarbeiten in etwa ablaufen. Die GaOp selbst dauert zwischen 3.5 und 5 Stunden (die werden immer schneller *staun*), dabei wird sozusagen der Rohbau gemacht, also alles Unnötige entfernt und der Rest an die richtige Stelle gebracht. Wenn ich anschliessend aufwache, sind Vagina, Schamlippen und Klitoris im Wesentlichen “gemacht”. Die Zweit-Operation, von der ich dachte, die sei erst ein Jahr später, wird schon etwa drei Monate nach der grossen Op gemacht. Dort wird dann in weniger als einer Stunde die Feinarbeit erledigt.

Risiken und so Gruseliges
Weiters klärte er mich über Risiken und mögliche Komplikationen auf. Da kam zwar wenig was ich nicht schon wusste, aber wenn man so Horrorszenarien aneinander pappt, wird das ein gehöriges Gruselkabinett. Grundsätzlich ist es eine “grosse Operation”, damit verbunden sind alle Risiken, die man bei jeder grossen Op hat. Schlechte Wundheilung, Wundentzündung, Blutverlust, Nervenverletzungen und so weiter sind Dinge, die bei jeder grossen Op passieren können. Dann gibts noch GaOp-spezifische Risiken, der SuperGAU, wenn auch sehr selten, wäre ein Absterben der Klitoris. Das ist extrem selten, kann aber wie alle anderen Risiken nie ausgeschlossen werden.

Zeiten und Fristen
Wie lange der gesamte Prozess geht, ist extrem abhängig von allfälligen Komplikationen. Falls etwas gröber schief läuft, kann das zu mehreren Folgeoperationen führen, da ist die Wahrscheinlichkeit aber eher klein, so um die 10%. Kleinere Komplikationen gibt es bei etwa 30%, die sind aber nicht sooo tragisch. Falls alles gut läuft, kann ich zwei Wochen nach der GaOp das Spital verlassen und sollte relativ schnell wieder arbeitsfähig sein. Das macht das Ganze psychisch schon ein wenig belastend. Der Idealfall wäre gut erträglich, zwei Wochen Spital wär ja keine Weltreise. Aber mehrere Folgeoperationen im Worst-Case Fall wären dann doch hart, für mich und für meinen Arbeitsplatz. Aber mein Immunsystem war immer recht fit und da ich mich riesig darauf freue, wird sich auch das positiv auswirken. Also hoffe ich einfach mal, dass ich zu denen gehöre, die Glück haben.

Ich bin nicht fett genug
Dann wollte er noch wissen, ob ich eine Brustvergrösserung wolle. Die würden sie in der Regel in der kleinen Nach-Op machen. Ich liess mich dann etwas aufklären und mein bisheriger Vorsatz bestätigte sich, ich will keine synthetischen Beutel in mir drin, nicht zuletzt, weil die irgendwann ersetzt werden müssen. Für mich ist die GaOp der Abschluss eines Prozesses, ich will nicht alle zehn Jahre wieder auf den Op-Tisch liegen. Aber da ich kürzlich im TV gesehen habe, dass man neuerdings auch kleinere Brustvergrösserungen mit Eigenfett machen kann, sprach ich ihn darauf an und tatsächlich würden sie das auch machen. Keine Fremdkörper, kein Plastik, keine Unverträglichkeit, keine regelmässigen Erneuerungen, es wäre einfach zu prächtig. Aber diese für mich einzige Option geht nicht. “Wo wollen Sie denn das Fett hernehmen”, fragte er mich sichtlich amüsiert. Ich zeigte dann auf meinen Bauch, da ist meines Erachtens eindeutig mehr Material eingepackt als nötig. Er winkte nur ab, mit so wenig Fett können wir nix machen. Wenig Fett? Ich mag ja Komplimente, aber in diesem Fall hätt ich gern darauf verzichtet ;-) Naja, vielleicht wächst es ja von alleine noch etwas und sonst seh ich halt so kindlich aus, wie ich innerlich auch bin, hat ja auch was Gutes.

Typisch Jungs
Aber ich muss echt n’tolles Weibsbild sein, denn am Schluss wollte dieser Schelm, dass ich mich nackig ausziehe, damit er Nacktfotos von mir machen kann. Meine Begeisterung hielt sich arg in Grenzen, denn erstens will ich mich nicht vor nem Kerl ausziehen und zweitens will ich im jetzigen Zustand von niemandem nackt gesehen werden. Aber was tut man nicht alles, wenn es für eine gute Sache ist und in diesem Fall hatte das von ihm gewünschte Foto medizinische Gründe. Ich hätt ja gern ein wenig rumposiert um schöne Bilder zu machen, aber wie Jungs nunmal sind, wollte er nur ein einziges Bild von der Zone, die Jungs immer so magnetisch anzieht. Die Frage, ob meine Haare schön sind so, erübrigte sich somit und mein erste Nackt-Fotoshooting dauerte keine zehn Prozent der Zeit die ich brauchte, mich auszuziehen. Versteh einer die Männer ;-)

Summasummarum
Alles in Allem war es ein interessantes Gespräch mit einem freundlichen Chirurgen. Ich für meinen Teil werde jetzt erst mal ein paar Tage rumfiebern, weil ich echt nicht bis November warten möchte. Dementsprechend werde ich nun täglich den Briefträger abpassen und ihn abknutschen, falls er mir einen Op-Termin für September bringt oder ihn halt an die Wand nageln, wenn er einen Termin für November bringt :-) Ausserdem werden die Gruselgeschichten sicher noch ne Weile in mir rumgeistern. Was da vor mir liegt, ist wirklich eine heftige Geschichte, bei der ich alles gewinnen, aber auch sehr viel verlieren kann. Wenn ich ehrlich sein soll, ich hab ne Scheissangst. Aber diese GaOp gehört zu den Dingen im Leben, bei denen sich die Frage nicht stellt, ob man will oder nicht. Es gibt für mich nur diesen Weg – einmal mehr ist die Kriegerin gefragt – für die im wahrsten Sinn des Wortes blutigste Schlacht meines Lebens. Aber im Gegensatz zu vielen Kämpfen in meinem Leben, ist diese letzte Schlacht kriegsentscheidend. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Und so gross die Angst auch ist, ich freue mich darauf wie ich mich noch nie auf etwas gefreut habe, weil ich dann zum ersten Mal im Leben ganz im Reinen sein werde mit mir selbst.


 

3 Reaktionen zu “GaOp Infogespräch mit dem Chirurgen”

  1. Juliet

    Dass Du nicht fett genug bist, sagte meine Mum schon “Ist ja nix dran an dem Weib”.

    Aber dass der Doc Dich naggelich sehen wollte, das verzeih ich dem nicht..oller Voyeur der..

    Ich hoffe für Dich, dass es mit dem Termin im September klappt…lieb Dich!

  2. Theresia

    ach liebe Diana, habe ich mal wieder ab deinem Blog gelacht! herzliche Grüsse

  3. Diana

    @Juliet: also ich find da kiloweise fett an meinem Bauch, das würd für ein Doppel-D reichen…… aber da geht’s mir glaub wie allen Frauen, die Optik ist diesbezüglich etwas verzerrt. Und dem Voyeur äh Chirurgen werd ich eine runterhauen mit besten Grüssen von Dir…… aber erst nach er Op :o)

    @Theresia: ey Du bist meine Theresia, oder? Schön Dich hier zu lesen und Dir ein Lachen ins Gesicht zu zaubern.

    Eeeeeeyyyyyy *brüll*, Leutääääääää *nochmehrbrüll*, darf ich vorstellen: Theresia, meine Logopädin und Selbstbewusstseinbauerin :-)

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