(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Für Euch ein fremdes Wesen

Mit einem Zitat aus einem Lied der Trilogie “Fassade” begann mein erster Blogbeitrag. Es wird Zeit, mal über den 1. Satz dieser Trilogie von Lacrimosa nachzudenken. Kaum ein Liedtext geht mir öfters durch den Kopf wenn ich mich mit dieser Gesellschaft beschäftige oder wenn ich im Alltag die Ignoranz der Menschheit ertragen muss. Ja ich bin für Euch vielleicht ein fremdes Wesen und doch ein Menschenkind wie jeder von Euch. Und ja, ich kenne den Abgrund zwischen Herz und dem Verstand, jenen Abgrund, den die Meisten nicht mal aus ihren Albträumen kennen. Und ja, ich klage diese Welt an, die Selbstbestimmung garantiert, sie aber bei allfälliger Nonkonformität mit allen Mitteln bekämpft. Und ja, ich fordere die Menschen auf, ihren Blick tief in sich selbst zu werfen.

Schaut mich nicht an!
Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren
Einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand!
Vielleicht bin ich nur ein Schatten
Der euren Plan verdunkeln will
Vielleicht bin ich ein Gewitter
Dessen Regen manches Samen Durst nach Wachstum leiste stillt

Schaltet – die Menschen – Maschinen – gleich und seht -
Im Gleichschritt – sie schreiten – ganz ohne – Bedacht und -
Sie glauben – zusammen – verschieden – zu sein und -
Ganz eigen – ganz frei und – selbstbestimmt – zu sein

Schaut mich nicht an!
Tief in euch werft euren Blick!
Nicht die anderen sind Täter – und vergiften diese Welt
Nein – ein Jeder kämpft und streitet und gestaltet dieses Leben
Und wenn ihr redet
Wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?
Wart ihr jemals an dem Abgrund zwischen Herz und dem Verstand?
Könnt ihr sagen: Ich erlerne mich?
Eure schreckliche Einfältigkeit
Zu glauben was man euch erzählt:
Natürlichkeit und Selbstbestimmung
Aber bitte nur im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft

Schaltet – die Menschen – Maschinen – gleich und seht -
Im Gleichschritt – sie schreiten – ganz ohne – Bedacht und -
Sie glauben – zusammen – verschieden – zu sein und -
Ganz eigen – ganz frei und – selbstbestimmt – zu sein

Warum Fassade?
Gibt es nicht genügend Egoismus in der Welt?
Gibt es nicht genügend Selbstsucht die den Selbsthass überspielt?
Reicht es nicht dass jeder sich der nächste ist und nicht versteht?
Dass die Mauern des Alleinseins die des Egoismus sind?

Schaut mich nicht an!
Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren
Einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand

(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)


 

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