(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Frauenklinik – for girls only :-)

Heute wars endlich soweit und ich durfte zum ersten Mal in die Frauenklinik am Universitätsspital in die Endokrinologie. Das Ganze lässt sich wie folgt kurz zusammenfassen:

Es war ein berauschendes Gefühl, erstmals die Frauenklinik zu betreten, der Ort im Unispital, an dem nur Mädels ein und ausgehen…… Ich wurde wegen meiner bisherigen medikamentösen Selbstversorgung wider Erwarten nicht öffentlich hingerichtet….. Demnächst werde ich mein Rezept kriegen und werde von da an offiziell mit Hormonen versorgt….. Die Verantwortlichen der Psychiatrischen Polyklinik hätte ich heute am liebsten gevierteilt und in heissem Öl gebadet….. So in etwa ist die Kurzfassung, aber Ihr kennt mich ja, dabei kann ich’s nicht lassen, also alles der Reihe nach…….

Nur Frauen dürfen in die Frauenklinik
Als ich durchs Portal in die Frauenklinik stöckelte, war ich den Tränen nah, einfach weil es so ein unbeschreiblich schönes Gefühl ist, da rein zu dürfen, wo nur Frauen reingehen – sozusagen eine medizinische Frauwerdung der akademischen Art. Mir war zwar mulmig, weil ich mit einem Zusammenschiss rechnete, aber dass ich nun da hingehöre, war einfach umwerfend und nicht zuletzt ist das der erste Schritt in die offizielle Behandlung. Bei der Anmeldung wimmelte es von Frauen und ich war eine davon, wow, man muss echt transsexuell sein um sich vorstellen zu können, wie sich das anfühlt.

Doch keine Hinrichtung
Als ich dann zur Hinrichtung äh zum Gespräch berufen wurde, war ich hocherfreut, dass meine Endokrinologin eine Frau ist, denn Frauen sind meistens verständnisvoller und Verständnis brauchte ich jetzt, wenn ich erklären musste, warum ich mich selbst mit Medis versorgt habe. Und genauso kam es dann auch. Sie war zwar wenig begeistert ob meiner einjährigen Selbstversorgung, aber sie ersparte mir eine Standpauke, informierte sich über ein paar medizinische Fragen und erklärte dann, wie es weiter geht.

Die offizielle Hormontherapie geht los
Und weiter gehts folgendermassen. Nächsten Dienstag morgen muss ich zur nüchternen Blutabnahme, ich darf also an diesem Morgen keinen Whiskey in den Kaffee schütten oder so ähnlich. Falls die Blutwerte ok sind und nichts gegen die Hormontherapie spricht, kriege ich einen Folgetermin und kann mein Rezept abholen. Von da an werde ich alle drei Monate wieder kontrolliert und die HRT allenfalls angepasst. Beim Testosteronblocker Androcur meinte sie, dass sie ansonsten auch die doppelte Dosis abgeben, als ich mir verordnet habe, aber da mein Testosteronpegel zumindest beim letzten Check auf nahezu null war, scheint das bei mir nicht nötig zu sein.

Östrogene versus Nikotin
Bei den Östrogenen wird sie mir aber nur die Hälfte geben von dem, was sie sonst abgeben, weil ich Dummchen halt immer noch nicht aufhören konnte zu rauchen. Das dürfte nicht soooo schlimm sein, weil die dort eh ziemmlich heftig dosieren, somit wäre auch die Hälfte noch relativ viel. Anderseits will ich natürlich dass es vorwärts geht und somit habe ich nun ein gutes Argument mehr um diese idiotische Sucht endlich zu überwinden. Sie sagte, dass sie die Dosis erst erhöhe, wenn ich deutlich weniger rauche, also nicht unbedingt aufhören muss aber zumindest reduzieren. Das wär mir selber lieb und mit dieser Motivationshilfe klappt es vielleicht endlich, zumindest das Reduzieren. Mir gehts eh seit einiger Zeit mega gut, da traue ich mir langsam wieder zu, meinen ärgsten Feind niederzumachen.

Diane-35 hätte mich mein Leben kosten können
Soweit also das Erfreuliche und Bejubelnswerte, nun aber das, was mich heute verdammt wütend gemacht hat. Als ich ihr erzählte, dass ich die Antibabypille Diane-35 ein Jahr lang genommen habe und das auch noch grosszügig dosiert, verdrehte sie die Augen und erklärte mir, dass ich damit so ziemlich die schlechteste Wahl getroffen habe. Auf Diane-35 kam ich, weil diese Pille bei TransFrauen vorallem in der Anfangszeit sehr beliebt ist, weil sie ein klein wenig Testosteronblocker drin hat. Aber da ich ja Androcur nehme, brauchts das eh nicht. Aber das grosse Problem dabei ist, dass Diane-35 eine Östrogenvariante beinhaltet, die ein deutlich höheres Tromboserisiko hat als andere Östrogenarten. Und da ich rauche, war der ganze Spass brandgefährlich und hätte mich das Leben kosten können.

Im Dezember habe ich Diane-35 abgesetzt, weil mir eine Freundin erklärte, dass das Östrogen in dieser Pille für eine wesentliche Verweiblichung des Körpers gar nicht taugt. Ich hab dann auf Östrogenpflaster umgstellt und prompt fing das Ziehen in der Brust wieder an, das diesen Sommer nach dem ersten Entwicklungsschub stagnierte.

Lieber eine tote Patientin als ein nicht eingehaltener Standard
Mit anderen Worten, ich habe ein Jahr lang ein Medikament geschluckt, das nicht das brachte, was ich mir erwünschte, das mich aber hätte umbringen können. Und damit war ich an dem Punkt, an dem ich wirklich sauer wurde. Ich habe dem Oberarzt der Psychiatrischen Uniklinik von Anfang an gesagt was ich nehme und wie hoch ich dosiere, ich habe ihn mehrfach fragen lassen, ob ich nicht wenigstens mal ein informelles Gespräch in der Endokrinologie haben kann um sicherzustellen, dass ich da nichts falsch mache. Aber nein, die Einhaltung eines veralteten Standards ist ja viel wichtiger als die Frage, ob ich aufgrund ihrer unterlassenen Hilfeleistung abkratze. Es hätte ihn ein kurzes Telefon gekostet um darüber informiert zu werden, dass ich mit dieser Pille meinen Hintern riskiere. Was zum Teufel ist das für eine idiotische Einstellung für jemanden, der mal geschworen hat, kranke Menschen zu heilen?

Der Alltagstest als Endlösung der Transsexuellenfrage?
Der von dem USZ geforderte einjährige Alltagstest ist menschenverachtend und sinnlos, er verlängert das Leiden der Betroffenen in unnötiger Weise. Ich habe akzeptiert, dass man mir die Medikamente ein Jahr lang verweigert, solange sie akzeptieren, dass ich mich selbst versorge. Aber die Verweigerung eines informellen Gesprächs mit Hormonfachleuten ist meines Erachtens grobfahrlässig und verantwortungslos.

Kriegserklärung an die Schweizer Standards of Care(less)
Momentan habe ich weder Zeit noch Energie für weitere Kämpfe, aber soviel ist klar, wenn mein Prozess mal abgeschlossen ist und ich wieder genug Freiraum habe, werde ich alles daran setzen, um die gängige Praxis auszuhebeln, selbst wenn ich diese Frage bis nach Strassburg ziehen muss. Diese Hinhaltetaktik des Alltagstests ist hochgradig suizidfördernd und da viele TransFrauen das nicht mit sich machen lassen und zur Selbstversorgung greifen, ist es auch noch massiv gesundheitsschädigend. Und wozu das Ganze? Mir fehlt wirklich jeglisches Verständnis für diese menschenverachtende und gefährliche Praxis.

Und doch ein dickes Lob an das Unispital
So nun hab ich mich genug darüber ausgelassen – fürs Erste. Trotzdem bin ich nachwievor froh darum, dass ich meinen Weg über das USZ gehe. Ich werde dort von wirklich guten Fachleuten betreut, habe eine tolle Psychologin, eine ebenfalls tolle Logopädin und nun auch noch eine fähige Endokrinologin und schlussendlich auch einen Chirurgen mit jahrelanger Erfahrung. Ich fühl mich nachwievor dort gut aufgehoben und kann allen nur empfehlen, diesen Weg zu gehen. Aber eben, diese Standard-Einhaltungs-Manie muss ein Ende haben und dafür werde ich eines Tages sorgen.

PS: um Missverständnissen vorzubeugen, das niedergemachte Monster auf dem Bild soll kein Arzt sein sondern steht symbolisch für diese Praxis, die ich zu gegebener Zeit abmurksen werde.


 

7 Reaktionen zu “Frauenklinik – for girls only :-)”

  1. Morag

    Herzlichen Glückwunsch…Du bist Deinem Ziel doch wieder einen großen Schritt näher gekommen \o/

    Ich drück Dir die Daumen, daß Du das mit dem Rauchenaufhören nun packst-den Ansatz “dem Mädel das Leben retten” hattest Du doch letztes Jahr auch schon mal, oder? Wenn Du’s bis zu Deiner Geburtstagsfeier schaffst, wärs doch ein tolles Geschenk an Dich-und Du mußt auch nix heimtragen ;-)

  2. Diana

    oops, das war ein Volltreffer, dem Mädel das Leben retten? *grmpf* wie Recht Du doch hast und doch ist das schwerer als man es sich vorstellen kann. Danke für diese Nachdenk-Hilfe :-)

  3. kus

    Vielen Dank für Deinen Bericht – vor allem für die Infos bezüglich Diane 35. Ich habe mir schon vor einigen Monaten mehrere Packungen besorgt, was mich bis jetzt davon abgehalten hat, sie einzunehmen ist meine Ehe. Ich liebe meine Frau über alles, sie hat sehr grosses Verständnis, kann mich aber nicht als Ehe-Frau akzeptieren. Würde ich in den Alltagstest einsteigen, würde ich wie Du mit der Diane 35 gleich mit einer Selbstmedikation beginnen – ich bin Nichtraucher. Kommt man eigentlich nur über die Uniklink in die Endokrinologie oder ist das direkt auch möglich?

  4. Bad Hair Days

    Theoretisch kann dir auch ein Hausarzt Hormone verschreiben oder dich weiterleiten. Aber nicht an die besagte Stelle. Lass die Finger von Diane. Sie ist nicht nur gefährlich wegen Trombosen sondern auch schlecht als Mittel zur Transition.

  5. Diana

    ich habe jetzt auch genug Gründe die gegen Diane-35 sprechen und werde demnächst mal einen Beitrag dazu schreiben. Wenn ich in meinen Statistiken sehe, wieviele Transgender spezifisch nach dieser Pille suchen, scheint es mir dringend nötig, die D35-Euphorie etwas zu drosseln.

    Ob man an der Uni Endokrinologie einem behandelt, ohne dass man von dort verwiesen wird, weiss ich nicht. Aber es gibt auch ausserhalb der Unis Endokrinologen, nur weiss ich da nicht, ob die sich damit auskennen, was ein “männlicher” Körper braucht.

    Wenn es jemand trotzdem nicht lassen kann, dann sind Hormonpflaster oder Gel definitiv sicherer. Ich werd mal schauen was ich an der Uni verschrieben bekomme und dannd darüber berichten.

  6. kus

    Lieben Dank Bad Hair Days und Diana. Der Hausarzt ist zwar sehr verständnisvoll, aber Hormone bekomme ich keine von ihm, da habe ich schon nachgefragt.
    Ich bin sehr gespannt auf Deinen Bericht über Hormonpflaster und/oder Gel.

  7. Diana

    das mit den Pflastern wird noch dauern, da fehlt mir die Erfahrung noch. Aber ich möchte baldmöglichst mal was über Diane-35 schreiben und darauf verweisen, dass Pflaster oder Gel die sicherere Variante sind und vorallem D35 für Raucherinnen speziell übel ist.

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