(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Erhöhte Emotionalität durch Hormone?

Soweit ich zurückdenken kann, war ich immer ein hyper-emotionales Wesen. Es gibt ja dieses Klische, dass nur Mädels im Kino bei jeder rührenden Szene weinen. Ich hatte das schon immer – was wieder mal zeigt, dass ich halt doch n’Mädel bin ;-) – nur habe ich es nie zugelassen, weil Jungs das ja nicht dürfen.

Als ich die Hormontherapie begann, war ich neugierig, ob sich da noch etwas verändert, noch emotionaler zu werden schien mir nicht wirklich vorstellbar. Und doch berichten andere T-Girls, dass ebendies geschieht. So wie Testosteron das Agressionspotential erhöht, erhöht Östrogen die Intensität des Gefühlsleben.

Und tatsächlich passiert genau dies auch mit mir – so unvorstellbar mir das auch erschien. Vorallem vor dem TV ist es am auffälligsten. Früher war ich schon bei jeder rührenden Szene tief ergriffen, aber mittlerweile nimmt das Ganze doch langsam groteske Ausmasse an. Beispielsweise als ich am Sonntag einen Disney Zeichentrickfilm schaute….. man glaubt es kaum, aber sogar in so einem Film geht in mir die Post ab. Sobald jemandem etwas Gutes widerfährt, drückt es mir auf’s Auge und wenn’s dann noch um Liebe geht, dann vergisst mein Verstand, dass es sich hier ja nur um gezeichnete Figuren geht, da schmelze ich wie Butter an der Sonne.

Noch emotionaler? Ach Du grüne Neune! Mein Leben war unter Anderem deshalb stets so anstrengend, weil ich eben so hyper-sensibel war. Alles was einem nah gehen kann, geht mir tief durchs Herz. Dass diese Wesensart von mir nun noch stärker zur Geltung kommt, macht mein Leben nicht grad einfacher. Vielleicht leide ich gerade deshalb umso mehr unter meiner Beziehungslosigkeit, weil nicht nur schöne sondern auch traurige Gefühle intensiver werden.

Aber das hat auch etwas Gutes. Irgendwann – so hoffe ich – wird auch mir wieder die grosse Liebe begegnen und ich freue mich darauf, dass ich dann auch die Liebe noch intensiver fühlen kann. Ich kann mir zwar auch hier nicht vorstellen, dass Liebe noch intensiver ist, als ich es bisher erlebte – eben weil ich auch diesbezüglich schon immer von ganzem Herzen liebte. Aber ob ich es mir vorstellen kann oder nicht, es wird wohl so kommen, wenn es denn einmal kommt.


 

3 Reaktionen zu “Erhöhte Emotionalität durch Hormone?”

  1. Christin

    Hallo Diana,

    ich habe mir deinen Blog in Papierform zugeführt, als ich diesen Beitrag hier gelesen habe musste ein Taschentuch als Lesezeichen her um mich an einen Kommentar zu erinnern :)

    Und hier ist Er, um auf den Titel des Beitrages einzugehen: Ja ich denke man wird emotionaler, ob das auf “noch emotionaler” auch zutrifft kann ich jetzt nicht beantworten ich weis ja nicht wie emotional du vorher schon warst – Aber man kann eigentlich immer noch eins drauf setzen :) In einigen Situationen hat man damit zu kämpfen keine Tränen rollen zu lassen wo man vorher gerne einfach mal geweint hätte aber nicht konnte, warum auch immer. Und irgendwie ist man hin und wieder ordentlich durch den Wind.

  2. Diana

    @Christin: erst mal danke für Deinen Bericht über mein Buch auf http://www.transgender-filme.de, ich hab mich mega drüber gefreut und werde demnächst noch meinen Senf dazu geben.

    Da ich schon immer hypersensibel war, ist bei mir der Unterschied nicht so extrem, trotzdem merke ich, dass die Augen schneller reagieren als früher. Vorallem schöne Szenen können mich schon arg mitfühlen lassen. Aber auch wenns manchmal schmerzhaft ist, ich finde, man kann nie zuviel fühlen :-)

  3. Christin

    @Diana: Ich hatte schon Panik das du meinen Bericht nicht gutheißt. Immerhin steckt in deinem Buch 1 Jahr deines Lebens, da kann man schnell mal auf eine “wunde Stelle” treten. Ich freue mich natürlich umso mehr das er positiv angekommen ist.

    Und die Gefühle, natürlich, lieber zuviel Gefühl als keines. Irgendwie geht es einem (meistens) besser wenn man seinen Gefühlen freien Lauf lässt :)

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