(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Eine berührende “letzte” Therapiestunde

Heute war meine letzte Therapiestunde bei meinem Psychotherapeuten, der mich jahrelang begleitet hat. Naja nicht wirklich die Letzte, aber die Letzte vor der Op und damit die Letzte, in der ich da kaputt auftauche. Es war für uns beide ein sehr berührender Moment. Jahrelang haben wir gemeinsam gekämpft, versucht mich irgendwie auf den Beinen zu halten. Unzählige schwere Momente haben wir gemeinsam durchgestanden, mich immer wieder auf die Beine gestellt. Es gab dabei auch einige Zeiten, in denen wir Beide wohl nicht mehr ganz sicher waren, ob ich wieder auf die Beine komme. Gemeinsam suchten wir nach Alternativen, in der Hoffnung, mir diesen Weg ersparen zu können………. und gemeinsam kamen wir zum Schluss, dass halt eben doch nur ein Weg existiert, der mir ein menschenwürdiges Leben bescheren kann.

Wenn ich zurück denke an die dunklen Zeiten dieser Zeit, dann tut er mir fast leid. Ich war manchmal in so desolatem Zustand, dass es sehr anstrengendd sein muss, das auszuhalten. Mein Therapeut gehört zu den Wenigen, die nicht so akademisch konditioniert sind, dass sie sich 100% von ihren Patienten distanzieren. Er fühlt mit und da ich in Gesichtern Emotionen mehr wahrnehme als die Meisten, gab er mir so in dieser Zeit immer das Gefühl, nicht allein zu sein und nicht allein zu leiden, er gab mir das Gefühl, verstanden zu werden, ja fast schon erfühlt zu werden. So wurde aus einem Therapeuten eine Art Weggefährte, der mir beisteht und immer wieder aufhlift.

Und gerade seine Art, Gefühle nicht zu blockieren, hat mir in den letzten zwei Jahren enorm viel Rückhalt gegeben. Von Monat zu Monat wurde ich glücklicher und mein Glück spiegelte sich in seinem Gesicht. In diesem Jahr strahlte er geradezu vor sich hin. Er sah, wie gut es mir ging, wie Recht wir hatten, mir diesen Weg zuzumuten. Und sein Strahlen bestätigte mir, dass ich wirklich auf dem richtigen Weg bin, dass mein Glücksgefühl real ist.

Es gibt nur wenige Menschen, die in Anspruch nehmen können, dass ich ohne sie heute kaum noch leben würde. Mein Therapeut ist einer von ihnen, ohne jeden Zweifel.

Heute war nun eben der letzte Termin vor der GaOp, ich erzählte gerührt wie ich da grad in der Abflugschneise rumwusle und wir strahlten uns eine Stunde lang an. Das hatten wir prächtig hingekriegt, das Mädel :-) Einst am Boden zerstört, ohne Hoffnung, nur noch verzweifelt um Atem ringend……. und nun eine Frau, die allein schon glücklich ist, weil sie ist. Was für ein Wunder.

So fühlte es sich beim Abschied dann sehr feierlich an. Wir haben so einen langen Weg gemeinsam überstanden, der schlussendlich hierhin führt, an diesen Punkt, an dem ich nach fast 44 Jahren endlich ganz und eins sein kann mit mir selbst. Wir haben’s geschafft, gemeinsam, dafür werde ich ihm ewig dankbar sein.

Es drängte mich beim Gehen, es auszusprechen, dieses “wir haben’s geschafft”, aber ich spürte, dass ich losheule wenn ich das jetzt ausspreche und so nahm ich es mir. Ich kämpfte wirklich mit den Tränen…….. und ich hatte den Eindruck, ihm ginge es gleich.

Ja Doc, wir haben’s geschafft, es mag unmöglich sein, aber wir haben’s wirklich geschafft. Danke!


 

2 Reaktionen zu “Eine berührende “letzte” Therapiestunde”

  1. Bad Hair Days

    Bei aller Empathie deines Therapeuten. Ich glaube einem Mann hätte ich bei diesem Thema nicht vertrauen können, oder besser ich hätte mich einem Ihm nicht anvertrauen wollen.

  2. Diana

    Als ich zu ihm ging, hatte das ursprünglich einen anderen Grund, ich hätte sonst wohl auch eher eine Fru gesucht. Aber schlussendlich spielt es keine Rolle, die Frage ist, was für ein Mensch jemand ist. Er hat das Verständnis, das Vielen fehlt, insofern war er ein Glückstreffer :-)

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