(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Ein Morgen mit Diana

Wenn man bedenkt, dass ich um 8 Uhr zur Arbeit sollte und dazu den Wecker auf 6:30 stelle, wirft das vorallem für Jungs doch irgendwie Fragen auf. Nun denn, das Rätsel soll gelüftet werden, gucken wir mal was Diana so am frühen Morgen treibt……..

Irgendann wird es geschehen,
das Wunder – hier auf dieser Erde.
Und eine Stimme wird sagen:
Es werde…… ein neuer Tag!
(Illuminate – Ein neuer Tag)

6:30 Der CD-Wecker beginnt in dezenter Lautstärke loszuträllern, momentan grad “the Veronicas”, als erstes Lied, wie könnte es anders sein, “Untouched”….. das Mädel schläft meist ohne etwas davon zu bermerken

6:35 Das Handy piepst los, ein zerknittertes Gesicht öffnet schmale Schlitzaugen, eine Hand tastet sich Richtung Handy, Knopfdruck, Ruhe, weiterdösen

6:40 Das olle Handy piepst wieder, das tut’s nun alle 5 Minuten. Diana, zerknittert wie eine Eule die in n’Ventilator geflogen ist, torkelt in die Küche, stellt den Wasserkocher ein, geht zurück ins Bett und schläft wieder ein

6:45 Das dritte Handyklingeln aktiviert den Koffein-Junkie-Modus, Diana hieft sich erneut vom Bett, stolpert in die Küche, 3 Löffel Kaffee, zwei Zuckerwürfel, Wasser, zurück ins Schlafzimmer, Kaffee aufs Nachttischli, den feinen Duft einatmen, hinlegen, weiterschlafen

6:50 Das Handy hat gewonnen, Diana scheitert beim Versuch die Augen ganz zu öffnen, grabscht nach dem Kaffee, nimmt ein paar Schlücke und zündet sich ne Zigi an (jaaaaahhhh, im Bett, ich weiss, das ist voll daneben, aber ich geniesse es doch so und solang ich alleine schlafe, darf ich das auch, jawoll)

6:50-7:00 Diana führt abwechslungsweise Zigi und Kaffeetasse an den Mund und grübelt, was sie heute denn nettes anziehen möchte

7:00 Diana gibt ein paar verzweifelte Grunz- und Pfeifflaute von sich und begibt sich dann im Faultiertempo ins Badezimmer, guckt in den Spiegel und zweifelt arg daran, dass sie heute aus dieser Waldkäuzin noch ne Lady hinkriegt, also gehts erst mal ab aufs Klo, die Gedanken kreisen weiter um die heute zu tragenden Kleider

7:05 kommt der entwürdigendste Moment im Alltag eines T-Girls, Gesichtsrasur *grmpf*, die Kleine ist sichtlich demotiviert

7:10 putzt sie die Zähne, mit einem elektrischen Zahnvibratordingsbums ist der Kopf frei für wichtige philosophische Gedanken, beispielsweise was man heute anziehen sollte

7:10 langsam wach, klettert Madame ins Bad, putzt sich wie ein Spatz in ner Pfütze, darauf steht sie minutenlang auf einem Bein wie ein Flamingo und kämpft mit der Rasierklinge gegen die haarigen Widrigkeiten die einem die Natur unsinnigerweise beschert hat

7:20 nun hellwach und mit geschärften Sinnen geht Diana zum Kleiderschrank, einer der entscheidensten Momente im Alltag einer Frau, da entscheidet sich, ob sie den Rest des Tages scheisse ausschaut oder nicht. Das will also gut überlegt sein und Diana überlegt seeeehr gut. Hier kommt es des Öfteren zu massiven Verzögerungen und an Spitzentagen zieht die Gute ein dutzend Kleidungsstücke an, nur um festzustellen, dass das nun wirklich nicht zusammenpasst. Irgendwie wirkt sie etwas verloren mit all diesen Farben, trotz all der Ackerei ist sie dabei aber quietschvergnügt wie eine Taube beim futtern. Nach 40 Jahren kleidungstechnischer Monotonie und Lethargie ist sie in dem Moment seelisch im 7. Himmel, der Blick in den Spiegel hat meist etwas erstaunlich Andächtiges

7:30 geht sie vor den Spiegel und beginnt mit der Malerei. Conceiler unter die Augen (Anti-Waldkäuzin-RepairKit), Makeup aufs ganze Gesicht verteilt, Mascara auf die Wimpern (dabei schmiert sie unten so saumässig im Zeug rum, dass sie sich dafür den Kajal sparen kann), ein letzter kritischer Blick, ok ein eher verzweifelter Blick, dann geht sie wieder ins Schlafzimmer, mit etwas Glück hat sie sich nun für die Kleidung entschieden

7:45 schlüpft Diana genüsslich in die nun hoffentlich endlich auserkorenen Kleider, geht ins Badezimmer, öffnet die zusammengebundenen Haare und ordnet das ganze Durcheinander, sucht den passenden Schmuck, Lippenstift auf die Lippen, noch ein kritischer Blick….. Zeit zu gehen

7:50 zieht sie die Schuhe an (auch hier kann es zu Verzögerungen kommen), ein letzter Blick in den Spiegel, Handtasche packen und tschüss

7:55 stöckelt Diana quietschvergnügt durchs Quartier in Richtung Office, beschwingt von diesem schönen Tagesanfang, beglückt ob der Zeit die sie mit sich verbrachte und voller Vorfreude auf den vor ihr liegenden Tag, an dem sie wieder als Ich an der Welt teilnehmen kann. Es gibt Gerüchte, wonach sie an gewissen Tagen ein wenig über dem Boden schwebt, aber ich halte das eher für einen Mythos. Obwohl, manchmal fühlt es sich schon ein wenig so an.

8:00 (oder je nach Verzögerung in den vorigen Etappen eine Viertelstunde später) gallopiert sie durchs Geschäft, begrüsst all ihre Jungs vergnügt und erfreut sich an jedem einzelnen “Hoi Diana” das ihr entgegenschallt.

Und öfters kommt es zu Verzögerungen, weil sich Diana in irgend einer dieser Phasen in Gedanken verliert und immer mal wieder staunt, wie sehr sich doch der Morgen verändert hat. Aus dem einstigen “Scheisse, schon wieder ein neuer Tag?” ist ein “Wow, schon wieder ein neuer Tag” geworden. Aus einem Leben, das mehr erduldet als gelebt wurde, ist ein Leben geworden, das alleine schon um des Lebens willen geliebt wird.

Und öfters wird ihr bei so Gedankengängen wieder klar, wie glücklich sie doch ist und wie schön es doch ist, wenn man sich selbst mag so wie man ist und jeder Tag vorallem eine weitere Entfaltungsmöglichkeit ist, eine Chance mehr, das Innere in die Welt hinauszutragen, die Flügel auszustrecken, die Farben schillern zu lassen und in die grosse weite Welt hinauszufliegen.


 

9 Reaktionen zu “Ein Morgen mit Diana”

  1. Juliet

    Um eine nachtschlafende Zeit aufstehen zu müssen, kann saukomisch sein..jedenfalls, wenn Du es beschreibst ;-)
    Bin gespannt, was das für Lacher gibt, wenn wir uns an unserem Weekend morgens kaffeeschlürfender-schlitzäugiger-rauchenderweise gegenüber sitzen..

  2. Clarissa

    6.30 Uhr !!!! wen ich um diese Uhrzeit auf stehen müsste wäre ich froh. ich bin 4.30 schon auf den Beinen weil ich 2std. zug fahrt vor mir habe jeden morgen.

    Aber mal am rande. Rauchen im Bett ist mal echt ein No-Go !!! kaffeetrinken essen fernsehen aber kein Rauchen!!!

    Aber zeig mir einen Menschen der nicht aussieht als wäre er/sie nicht die Hauptrolle in Mornig of the living Dead – mit meinen Augenringen mach ich dem Saturn alle ehre. ^^

    LG Clarissa

  3. Chrisi

    6:30 Uhr….da sitze ich auch vor dem Kaffee, allerdings schon auf der Arbeit. Bei mir beginnt der Tag so wie bei Clarissa auch schon um 4:30 Uhr, durch ein mitleidloses Handy.

  4. Diana

    Hey Mädels, seit Ihr alle verrückt? Um 4 Uhr kannste eine Rinderherde durch mein Schlafzimmer treiben und ich würd nix merken. Buah ich finds schon gruslig um 6:30, aber alles was früher ist verstösst gegen die Menschenrechte.

    @Juliet: wenn Du morgens nur halb so zerrupft aussiehst wie ich, dann werden wir uns todlachen ;-)

    @Clarissa: ich weiss ja, dass das mit dem Rauchen nix ist, aber ich geniesse es nunmal und eben, solang ich alleine bin, störts ja niemanden.

  5. Juliet

    Wir müssen wohl verrückt sein..bei Frühschicht ist die Nacht um 5 Uhr zu Ende…aber ich muss zum Glück nicht jeden Tag so früh raus.

    LOL, hast Recht Clarissa, um solche Uhrzeiten ist das kein Aufstehen, eher ein Schlafwandeln ;-)

    @Diana

    Können uns dann ja vor den Spiegel stellen und vergleichen, wer einer Waldkäuzin nun ähnlicher ist…sofern die Augen schon auf sind ;-)

  6. Chrisi

    Ich könnte mir auch ein späteres Aufstehen vorstellen. Aber andererseits habe ich so um 15:00 Uhr Feierabend…auch nicht zu verachten.

  7. Juliet

    Genau deshalb mag ich Frühschicht auch lieber, da hab ich noch was von meinem Feierabend. Bei Spätschicht kann ich mir auch nicht soviel vornehmen vorher und man guckt dauernd zur Uhr “muss ja gleich los”.
    Aber heute und morgen hab ich frei *freu*

  8. Diana

    ich hab ne Zeit lang 80% gearbeitet, wow war das schön, um 9 anfangen, um 16 Uhr aufhören, sowas nenn ich Leben

  9. Juliet

    Ich arbeite auch 80%, nur eben keine festen Zeiten, jeder Tag ist anders.

Einen Kommentar schreiben

Please copy the string kQVybl to the field below:



Copyright © 2018 by: (t)-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.