(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Egal wer ich bin, Hauptsache ich bin

Da ich mich auch heute nirgends fand, führte ich ein längeres Gespräch mit meinem besten Freund. Er schafft es immer wieder, mir andere Sichtweisen aufzuzeigen und ist mir seit Jahren ein treuer Helfer in so Situationen.

Einmal mehr überraschte er mich mit einem ganz anderen Denkansatz. Im Gegensatz zu mir fand er meine momentane Ich-losigkeit gar nicht so übel, weil das die beste Ausgangslage ist, um sich wirklich zu finden.

Dieses Gespräch hat mich ziemlich ins Grübeln gebracht und hat eine Reihe von Fragen resp Gedanken hervorgebracht, die mich wieder etwas auf die Beine gestellt haben.

Vielleicht ist es heutzutage nicht das Ziel,
herauszufinden, was wir sind,
sondern zu verweigern,
was wir sind.

(Hubert L. Dreyfus)

Genau betrachtet ist “das Ich” oder “die Identität” bestenfalls eine Vorstellung dessen, was man wirklich ist. Noch genauer betrachtet ist diese Ich-Vorstellung auch nur wieder eine Reduzierung auf ein Bildnis, das wie alle Bilder bestenfalls einen Teil des Ganzen zeigen kann. Ein Wesen ist viel mehr als unsere Vorstellungen, es ist viel fascettenreicher als jedes Bild es malen könnte.

Wer glaubt, sein Ich zu kennen und zu benennen, der wird zum Sklaven seiner Vorstellung und versorgt sich selbst in einer dieser niedlichen Schubladen, in die wir Menschen einander und uns selbst so gerne versorgen. Aber damit verliert man die Freiheit sich zu verändern und die Freiheit, heute anders zu sein als man sich gestern noch gedacht hat.

In der Torah resp dem alten Testament wird Gott (JHWH) nach seinem Namen gefragt. Seine Antwort wird meist übersetzt als “Ich bin, der ich bin”, aber ich liess mir mal sagen, dass es korrekterweise eigentlich heissen müsste: “Ich bin, der ich sein werde”. Diese Aussage hat mich extrem fasziniert, weil Gott damit eigentlich sagt, dass er sich nicht an einer Vorstellung festmachen lässt. Er ist Veränderung und Wandlung und lässt sich in keinem Bild und keiner Definition festlegen. Er entzieht sich jeglicher Reduzierung auf naive Vorstellungen.

Es erinnert mich auch an den Mythos des Phönix, der immer wieder verbrennt um aus der Asche neu emporzusteigen. Die Frage “wer bin ich” oder “was bin ich” ist eigentlich die absurdeste Frage der Menschheit, auch wenn sie die am häufigsten Gestellte ist. Die einzige Antwort die es darauf gäbe, wäre: “Ich bin”.


 

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