(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Die verpasste Jugend eines T-Girls

Die Tatsache, dass ich vier Jahrzehnte im falschen Körper verbrachte, raubte mir in meinem Leben viele Dinge, viele Zeiten gingen vorüber ohne dass ich sie in mir entsprechender Art hätte leben können. Am meisten traure ich um meine Jugendzeit, die Jahre in denen aus Mädchen Frauen werden, die aufregend sind und neue Erfahrungen im Multipack bringen, die Zeit in der man sich sucht, findet und präsentiert. Ich glaube, keine Zeit des Lebens ist so abenteuerlich, es ist die Zeit der geschlechtlichen Entfaltung – sofern einem dies erlaubt wird.

Bei uns Transsexuellen ist das definitiv nicht der Fall. Wir haben in der Regel bis dahin längstens verstanden und gelernt, wie wir sein müssen. Aber ein Mädchen kann sich nicht zum Mann entfalten und sie kann sich auch nicht zur Frau entfalten, sie bleibt irgendwie stehen. Für mich war es die Zeit, in der ich anfing mich mit Computern zu beschäftigen. Die stellen keine Geschlechternormen auf, da gibt es nur klare Fakten und als Programmiererin habe ich die Kontrolle über diese kleine Welt – ganz im Gegensatz zur Welt da draussen, die mir mit der pupertären Entfaltung ein unlösbares Problem stellt.

Was wäre aus diesem Mädchen geworden, wenn es damals schon Diana hätte sein können, was hätte sie erlebt, wie hätte sie sich entfaltet? Wir werden es nie erfahren.

Auch heute, als ich im Kino “Alvin and the Chipmonks 2″ schaute, rutschte ich trotz des lustigen Films zeitweise ab. Der Film spielte an einem College, in der Zeit die ich am meisten vermisse, die Zeit an dem mein Leben innerlich stehen blieb. Wenn ich in solche Welten hinein blicke, öffnet sich ein Tor zu meinem Inneren, des eine Leere zeigt, eine Lücke die nie wieder gefüllt werden kann und es entsteht eine ungeheure Sehnsucht nach dieser verpassten Zeit – ich wünschte mir, ich hätte wenigstens einmal an einem Schüllerball tanzen können.

Auch wenn ich mich heute des Öfteren pupertär fühle wie verrückt und auch wenn ich teilweise pupertäre Gefühlswallungen habe, kann diese Lücke nie wirklich gefüllt werden. Jede Zeit ist einmalig, man kann die Jugend nicht nachholen, jedenfalls nicht vollumfänglich.

Ich habe gelernt mit Verlusten umzugehen, was verloren ist, wird losgelassen. Nur in ganz seltenen Fällen gelingt mir das nicht, weil der Verlust einfach zu gross ist um loszulassen. Meine verpasste Jugend gehört definitiv dazu.

Also wenn ich wieder mal eine girlige Phase habe, habt Verständnis, da ist einfach zu viel was verpasst wurde…… und deshalb halte ich es nachwievor für ok, dass ich mich auch mit 43 Jahren noch T-Girl nenne, weil etwas in mir diesen Sprung zum Frausein nie schaffte und nie schaffen wird…… und auf eine gewisse Weise schätze ich das sogar. Das was ich nie wirklich hatte, geht mir dafür im Gegensatz zu Anderen auch nie verloren – hat ja irgendwie auch was Schönes.

Ich habe schon vor langer Zeit gesagt, ich sei ein “ewiges Kind”, wie Recht ich habe und weshalb dem so ist, wird mir erst jetzt so richtig klar.


 

24 Reaktionen zu “Die verpasste Jugend eines T-Girls”

  1. Juliet

    Natürlich haben wir dafür Verständnis, nachholen geht nur eingeschränkt, geballt im Zeitraffer.
    “Ewiges Kind” find ich schön, das sollte sich eigentlich jeder ein bischen behalten.
    Ausserdem passt es so gut zu Dir, das Alter ist relativ, deshalb musst Du Dich nicht wie eine 40-jährige benehmen, wenn Du eben ein Teenie bist, dann geniesse das und lebe es aus !

  2. Morag

    Wie hab ich an anderer Stelle im Web gelesen: “Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit”? Also laß es raus ;-)

    Ich finde es wichtig, sich manch kindlichen (nicht kindischen) Charakterzug zu bewahren-die Freude über die kleinen Lichter im Alltag und vor allem die vorurteilsfreie Neugier! Wenn das nicht so viele abgelegt hätten (sei es freiwillig oder auf Druck von außen), wäre die Welt sicher ein bisschen menschlicher.

  3. Diana

    Hallo Ihr Zwei

    Ich halte es wirklich für den schlimmsten Verlust, wenn man das Kindsein ganz verliert. Aber bei mir artet das manchmal schon a bissrl aus, es gibt Momente da fühl ich mich echt wie vierzehn, dann kommt hier halt auch mal eher Befremdendes raus :-)

    Manchmal scheint es mir, als würde ich alle Altersepochen paralell durchleben oder eher hinundher hüpfend. Es gibt Momente da fühl ich mich richtig lady-like und nehme mich als selbstbewusste Frau wahr. In anderen Momenten fühle ich mich wie ein Teenie, dem sich eine riesige Welt eröffnet, die noch nicht im Ansatz verstanden wird.

    Ob man’s glaubt oder nicht, aber die Pupertät ist für uns Erwachsene viel schwerer durchzumachen.

  4. Morag

    Wie die Windpocken auch ;-D

    Und was die verschiedenen Alterepochen angeht: Du hast keine andere Wahl-um Dich weiter zu entwickeln, mußt Du zumindest im Tiefflug durch alle durch-und a) willst Du sicher nicht nochmal zig Jahre warten und b) läßt das auch Deine Lebenssituation nicht zu (laß mal eine 14-jährige an den Rechner, dann weißt Du, was ich meine ;-))

    Also genieß es-die meisten Leute sehen ihr Leben nur bei deutlich unerfreulicheren Gelegenheiten im Zeitraffer vorüberziehen-sonn Dich in diesem Glück :-)

  5. Juliet

    Ich finde das eigentlich auch sehr schön, manchmal bin ich auch erst 17- mal wieder ein doofer Spruch “Man ist so alt wie man sich fühlt”, aber hat irgendwie was..

    Und was Teenies an den PC lassen betrifft, da kannst Du sicher ein Liedchen von trällern, gelle? ;-)

  6. Diana

    @Morag: Es hat ja wirklich auch was Schönes, mal ganz Girlie zu sein und dann wieder ganz Lady. Aber auf Andere kann das halt manchmal etwas wirr wirken, diese Sprünge. Aber ich versuch auch da renitent zu sein und bin einfach wie es in mir grad sein will. Achja ich hab ne 13-jährige Tochter, ich weiss was Du meinst ;-)

    @Juliet: wem sagste das, wenn wir zwei zusammen sind, kommt es mir manchmal vor wie im Kindergarten :o)

  7. Morag

    Gradlinig und immer berechenbar ist doch sowas von langweilig-das mit den bunten Schmetterlingen hatten wir ja an anderer Stelle schonmal :-)

  8. Juliet

    Lol und wer von uns ist die Kindergärtnerin? Oder sind wir beide gerade im Krabbelalter? ;-)

  9. Morag

    Solange Ihr Euch nicht gegenseitig die Sandkastenschaufeln drüberzieht, kann ich Euch alleine spielen lassen ;-)

  10. Diana

    @Juliet: wir würden eh jede Kindergärtnerin wahnsinnig machen, wir bleiben besser für uns

    @Morag: keine Sorge, wir sind gaaanz lieb zu einander, nur auf Juliet musste etwas aufpassen, die kitzelt manchmal schlafende Mädels, ist n’fieses Ding an frühen Morgenstunden ;-)

  11. Juliet

    Glaub ich auch, am besten nen grossen Zaun um den Spielplatz ziehen ;-)

    Kann ja mal die Weckmethoden meiner Katze anwenden, dann wirste lieber freiwillig gekitzelt ;-)

  12. Diana

    stimmt, Zaun ist gut, damit keine Fremden gefährdet werden :-) und wehe Du verschärfst Deine Weckmethoden, dann leg ich Dich wirklich noch übers Knie

  13. Juliet

    Genau deswegen ;-)

    Soll ich Dich lieber wachkuscheln? Ist auch ne Weckmethode meiner Mieze..

  14. Diana

    jo wachkuscheln find ich guuuuuuuuut :-)

  15. Diana

    achja und auf das “genau deswegen” komm ich dann zurück :o)

  16. Juliet

    Wie? Willste nen Zaun bauen??

    Ooook, Du hast es so gewollt, morgens um 5 dann wachkuscheln, ja? ;-)

  17. Diana

    ne Dich übers Knie legen, Du Frechding Du ;-)

    um 5 Uhr kuscheln ist ok, dann sind wir ja eh noch wach, also wirst Du mich in den Schlaf kuscheln :-)

  18. Juliet

    Ob nun in oder aus dem Schlaf,,,ist gehupft wie gesprungen ;-)

  19. Diana

    stimmt, hauptsache kuscheln :-)

  20. Juliet

    Denk ich mir doch ;-)

  21. tamila

    Liebe Diana,
    bin zurück aus dem Krankenhaus, an anderer Stelle Ausführlicheres.
    Der verpassten Jugend als Mädchen trauere ich nicht so sehr hinterher. Mehr aber den Jahren so ab 25, da wo Frau reift und sich ihrer Weiblichkeit richtig bewußt wird und sie genießt. Straffe Haut, tolle Figur etc. Aber noch mehr vermisse ich auf das Schmerzlichste, dass ich/wir nie die Erfahrung machen dürfen ein Kind unter unserem Herzen austragen und gebären zu dürfen. Bei den Voruntersuchungen meiner Frau und der Geburt meiner Kinder machte sich so etwas wie Gebärneid breit. Klingt schlimm ist aber so.
    herzliche Grüße Tamila

  22. Diana

    na dann welcome back Tamila. Das mit dem Kinder kriegen habe ich selber nie so verspürt, ich war zwar neidisch um das Stillen, aber ansonsten kenne ich das weniger.

  23. Tamila

    Liebe Diana,
    ein irres Gefühl entstand in mir als meinen Frau schwanger wurde. Da war es wieder dieses Rollen vertauschte Gefühl tief in mir drin. Warum durfte ich nicht zur Vorsorgeuntersuchung gehen, somit nur als leidiges Anhängsel. Warum kümmerte man sich bei der Geburt unserer Kinder nur um meine Frau? Ja klar ich bin ja keine Frau und selbst wenn ich werde nie Kinder bekommen dürfen. Gern hätte ich die Erfahrung meines Grundwehrdienstes oder die vielen harten Jahre meines Handwerkerdaseins (welche meinen Körper enorm zugesetzt haben) gegen die Erfahrung ein Kind austragen und gebären zu dürfen eingetauscht. Ich weiß nicht, ob das irgendwer von uns TS Betroffenen auch so erlebt oder gefühlt hat? Bin ich da etwa der Einzige? Trotzdem war die Geburt meiner Kinder für mich die tiefgreifendste und schönste Erfahrung in meinem Leben, ich liebe meine Kinder und Familie über alles!
    Anbei Krankenhaus, habe schon in Svenjas Blog darüber berichtet. Hatte die Möglichkeit mich einem Krankenhaus Psychologen anzuvertrauen. Leider hatte er mit dieser Problematik nicht gerechnet. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten habe ich es einfach raussprudeln lassen. Danach hatte ich das Gefühl, endlich ein Anfang der Mut hatt mich nicht verlassen! Oh was war ich vorher aufgeregt. Ich hatte danach das Gefühl einige Tönnchen Last verloren zu haben. Aber leider hat es mir so richtig nicht weiter geholfen, da dieses Problem nichts mit dem eigentlichen Einweisungszweck und der Diagnose meines Krankenhausaufenthaltes zu tun hat. Dafür brauchte ich vom Hausarzt eine neue Überweisung und müsste dann auch in eine andere Klinik gehen. Man gab mir aber den Namen eines eigens dafür autorisierten Psychologen in meiner Heimatstadt mit auf dem Weg. Bei dem könnte ich dann auch ohne Überweisung zu einer ersten Beratung gehen. Oh, ich gerate immer an Männer dabei tu ich mich bei Männern immer so schwer mit meinem Problem.
    herzliche Grüße Tamila

  24. Diana

    @Tamila: die Geburt meines Kindes war natürlich auch für mich ein grandioses Erlebnis, aber wie bereits vorher gesagt war das nicht-gebähren-können bei mir kein Thema.

    Das mit dem Therapeuten klingt gut, man braucht da schon jemand der sich damit auch auskennt, ich wünsch Dir dort alles Gute ;-)

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