(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Die letzten paar Wochen

In letzter Zeit war von mir kaum noch was zu lesen, das hat einerseits damit zu tun, dass ich grad kein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis habe, mehr als das hat es aber damit zu tun, dass ich ziemlich erschöpft bin. Diese zweite Op war zwar viel kleiner und weniger anstrengend, aber die Summe des ganzen Prozesses hat mich schon ziemlich geschlaucht. Zweieinhalb Jahre lang ständig am rennen, waren sehr sehr anstrengend und die zwei Ops zum Schluss haben mich ebenfalls noch belastet. Nun fühle ich mich wie am Ende eines Marathons, möchte mich nur noch hinlegen und ruhen und den Triumpf des Sieges geniessen. Denn ein Sieg war es – und was für einer – so erschöpft ich auch bin, ich bin glücklich wie noch nie in meinem Leben.

In den letzten Wochen gab es noch ein paar berichtenswerte Ereignisse, die ich nun hier zusammenfassen möchte………

Die zweite Operation

Wie in meinem GaOp-Blogtagebuch berichtet, war die Korrektur-Op ein voller Erfolg. Die erste GaOp wurde abgeschlossen, die Harnröhre konnte soweit korrigiert werden, dass ich wieder sehr zufrieden bin damit und die Brustimplantate die ich mir bei dieser Gelegenheit noch einbauen liess, haben mein Äusseres nun definitiv soweit gebracht, dass ich auch nackt vor dem Spiegel genau das sehe was ich bin – einfach eine Frau wie alle Anderen. Seit dieser Woche muss ich auch diesen Sport-BH nicht mehr tragen und habe mit grosser Begeisterung die letzten Tage ohne BH verbracht – was für ein befreiendes Gefühl nach 6 Wochen einengender “Bandagierung”. Damit bin ich wirklich am Ende angelangt, dem Ende einer langen und beschwerlichen Reise. Schluss mit ich sollte dies und müsste das, ich muss gar nix mehr, kann einfach nur noch mein Leben leben – Fall abgeschlossen.

Kuschelweekends mit Juliet

Um die lange Zeit zwischen unseren Wochenenden erträglicher zu machen, haben wir uns entschlossen, unseren 4-Wochen Rhythmus auf 3 Wochen zu verkürzen. Meist gehe ich von Donnerstag Ende Nachmittag bis Dienstag früh nach Hamburg, was uns immerhin ganze 4 Tage und 5 Abende einbringt. Wenn Juliet dann am Freitag und Montag jeweils ein paar Stunden ackern geht, arbeite ich von dort aus um die Minusstunden gering zu halten (ausser wenn Silverline dann wie so oft einen Horrorfilm nach dem Anderen bringt *grins*). Dann bin ich zweieinhalb Wochen hier, arbeite dabei oft am Samstag die Minusstunden des gemeinsamen Weekends nach und schon geht’s wieder ins nächste Wochenende. Über das letzte gemeinsame Weekend habe ich nichts geschrieben, weil Juliet hier schon ausführlich geschrieben hat. Zu erwähnen wäre da höchstens noch, dass ich zu dem Zeitpunkt, als sie im Dachstock eingeschlossen wurde, auf Silverline grad einen Trash-Horror guckte und dort eine Frau von zwei Irren gefangen gehalten wurde. Als ich dann irgendwann ein Poltern hörte, war mein erster Gedanke, dass Juliet oben eingesperrt sein könnte. Aber ich verwarf den Gedanken gleich wieder und amüsierte mich darüber, was für Spukgeschichten ein Hirn ausspucken kann, wenn man grad Horrorfilme guckt. Ich hielt das für eine Art Projektion. Erst nach mehrmaligem Gepolter begann ich zu begreifen, dass das Gepolter da oben nicht nur eine Projektion ist von dem Mädel das da im Film ständig polterte – und so kam es zu meiner glorreichen und ruhmvollen Rettung meiner Liebsten ;-)

Heiteres Besäufnis am Firmenabend

Diese Woche hatten wir einen Firmenanlass, wir trafen uns nach der Arbeit nicht wie bei anderen Anlässen in einem Restaurant sondern in einer Waldhütte, in der wir von einem Partyservice gefüttert und getränkt wurden. Vorallem Zweiteres wurde ausgiebig genossen, so sehr, dass der harte Kern bis um zwei Uhr da im Wald rumstand und blöd kichernd die Reste der Flüssigkeiten verputzte. Wir waren uns alle einig, das war der beste Firmenanlass den wir je erlebten. In einer Waldhütte ist man einfach freier als in einem Restaurant, so wurde die Atmosphäre sowas von locker, dass es sich anfühlte als wär man mit den besten Freunden an einer Party. Vorallem die Entwicklungsabteilung erlitt dabei Kolateralschaden – höhö – einer einziger kam schon um Acht zur Arbeit, ging dann aber um Eins – ich wiederum schaffte es erst auf Elf, blieb dann dafür bis Feierabend – einer kam dann mal um Eins und einer kam gar nicht – jauh, die Party war wirklich gelungen :-) Gerade bei uns Techies sollte man Verständnis aufbringen, wir arbeiten tagtäglich so hirnlastig, dass uns fast das Hirn wegglüht, da tut es gut wenn man auch mal alle Rationalität über Bord schmeissen kann und sich einfach mal so sinnlos volllaufen lässt – ich find, es hat uns allen gut getan.

Trotz Transsexualität angenommen sein

Für mich persönlich gab es aber noch einen anderen Aspekt. Auch ich genoss, dass wir auf ein mal mehr Freunde als Arbeitskollegen waren, aber für mich war zusätzlich erstaunlich zu erleben, wie selbstverständlich ich in diese Truppe integriert bin und angenommen werde. Grad kürzlich erzählte mir eine Freundin, dass sie zwar mit allen gut auskommt in der Firma, dass man sie aber an so Anlässen links liegen lässt. Viele Menschen haben gegenüber transsexuellen Frauen halt schon Berührungsängste. In meiner Firma ist das nicht so und im Speziellen die Jungs von meinem Team lassen mich eine Akzeptanz spüren, die mich vergessen lässt, dass ich einst transsexuell war – was mich darin bestätigt: I’m just a girl called Diana :-)

Pöb und Ausgang und Trallalla…….

…….gibt’s momentan nicht gross, mein Pub hat Sommerferien bis Ende nächster Woche und wegen obenbeschriebener Erschöpftheit fehlt mir die Lust um sonst was zu unternehmen. So gehe ich zwar zufrieden und vergnügt zur Arbeit, schmeiss mich aber dann zuhause angekommen aufs Sofa, guck TV, videotelefoniere mit Juliet (täglich etwa 2 Stunden) und gönne mir neuerdings wieder ab und zu ein Computerspiel – aber darüber will ich gelegentlich mal ausführlicher schreiben – soviel in Kürze, ich habe soeben mit Rift begonnen und mime dort eine feuerballschmeissende Hochelfe :-)

Das zweite gedruckte Tagebuch

Dann wär noch anzumerken, dass ich es nun doch endlich geschafft habe, die Blogbeiträge des letzten Jahres zu einem Buch zusammenzufassen und vor einer Woche habe ich es in Druck gegeben. Diesmal sind es etwa hundert Seiten mehr, so kostet das Buch auch 17 statt 15 Euro. Ich denke, dass es in wenigen Wochen bestellbar ist.

Live goes on…….

Das war’s mal in Kürze, am Donnerstag geht’s dann wieder nach Hamburg, knuddäln, jauh. An dieser Stelle möchte ich mal wieder um Entschuldigung bitten, dass bei mir immer noch viele Kommentare und Mails in der Warteschlaufe rumschweben – ich werd mich dem noch annehmen, zu gegebener Zeit.


 

Eine Reaktion zu “Die letzten paar Wochen”

  1. Frank

    Schön, dass es Dir gut geht! Schreib ruhig wieder öfter – auch wenn das Leben nun in ruhigeren Bahnen verläuft! Ich finde es Klasse, dass Du so offen von allem berichtest!
    Grüße!
    F.

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