(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Die Leichen der Rauchfrei-Sektierer

Man möge es mir verzeihen, wenn ich jetzt grad ein wenig rabiat bin, aber ich bin stinksauer über die grasierende Rauchfrei-Sektiererei und die totalitäre Abschaffung der freien Marktwirtschaft.

Heute war ich wieder in meinem Pub hinter der Theke. Wozu ich da war, bleibt jedoch ein Rätsel, denn Gäste bleiben neuerdings aus. Seit dem 1. Mai, seit die nichtrauchende Mehrheit dieses Landes die freie Marktwirtschaft abgeschafft hat und fordert, dass selbst Kneipen rauchfrei sein müssen, in denen sie nie sind, geht es da kräftig den Bach ab.

Sektierer rund ums BAG, Lungenliga und all die anderen Fanatiker beteuern zwar ständig, dass es wegen dem Rauchverbot nicht zu einem Beizensterben komme, aber die Realtität ausserhalb manipulierter Statistiken spricht eine andere Sprache.

Das Pub in das ich regelmässig gehe, ist ein ganz unkommerzielles Lokal, indem vorallem Stammgäste ein und aus gehen und die rauchen grösstenteils. Wir waren ein kleiner Haufen von Bekannten, die es immer wieder schön hatten miteinander. Man ging gern hin, trank eins, rauchte zwei und lachte dreimal. Aber seit dem 1. Mai ist das Geschichte. Obwohl das Pub ein Fumoir (besser als Raucher-Ghetto benannt) bietet, sind die Besucherzahlen drastisch eingebrochen. Der Umsatz hat sich rund auf einen Viertel reduziert, womit kaum noch die Raummiete finanziert werden kann. Ausserdem ackern dort Leute einfach um des Spasses willen, ohne gross Geld machen zu wollen, sie wollen ihren Gästen einfach etwas bieten, dürfen das aber nicht mehr.

Ich habe unterdessen von verschiedenen Wirten gehört, dass sie nah am Ende sind. Für grosse Schickimicki-Lokale ist das kein Problem, aber die ganz einfachen Kneipen, gehen im Eiltempo dem Abgrund entgegen.

Wenn zwei Leute vier Stunden hinter dem Tresen stehen, um 100 Franken Umsatz zu machen, dann ist die Weiterführung so eines Lokals schlicht Irrsinn. Und damit läuft – wenn nicht noch ein Wunder geschieht – mein Pub schnurstracks in den Abgrund……… und damit verliere ich mein zweites Zuhause, nur weil irgendwelche Komiker, die gar nie da hin gehen, nicht wollen, dass da geraucht wird. Was für ein absurdes Affentheater!

Ich habe dort selten Nichtraucher gesehen und wenn es da welche gab, dann waren sie freiwillig dort. Nun ist es so, dass diejenigen, die das Pub getragen und finanziert haben, nicht mehr kommen, weil die Diktatur der Mehrheit für sie einfach nicht mehr anreizend ist.

Die Nichtraucher werden nichts davon haben, denn sie sind entgegen aller Beteuerungen nicht aufgetaucht und sie werden nie auftauchen. Dafür hat man die Stammkundschaft verscheucht und führt dieses Pub und viele Andere auf direktem Weg ins Jenseits. Und damit bahnt sich das Ende eines Pubs an und die Nichtraucher können weiterhin zuhause sitzen, weil das nun rauchfreie Pub ganz einfach nicht mehr existiert.

Ich habe schon mehrfach betont, dass ich den Schutz von Nichtrauchern befürworte. In Speiselokalen soll nicht geraucht werden und an Orten, die man sich nicht aussuchen kann wie beispielsweise dem Arbeitsplatz, sollen sie ebenfalls geschützt werden. Aber wenn die nichtrauchende Mehrheit so totalitär ist, dass sie selbst da Rauchfreiheit fordert, wo sie selbst gar nie anwesend ist, dann wird Demokratie zu einem Machtinstrument, das dieses Land zu einem intoleranten Haufen von Extremisten verkommen lässt.

Und – ich kann nicht oft genug darauf hinweisen – dass diese nichtrauchende Gesellschaft rauchfreie Räume fordert, aber mit dem Auto dahin fahren will, ist einfach nur noch grotesk und zeugt von einer Schildbürgerei, die einzigartig ist in der Geschichte der Neuzeit.

Es wäre höchste Zeit, dass man in dieser Frage einen Kompromiss findet, in dem Nichtraucher geschützt sind ohne dass Raucher ausgegrenzt werden.


 

10 Reaktionen zu “Die Leichen der Rauchfrei-Sektierer”

  1. Juliet

    Das sag ich ja auch, in den Kneipen gibt es keine neue Kundschaft, von wegen, dann gehen auch die Nichtraucher mal wieder in die Kneipe und die Nichtraucher, die ich kenne, die auch in die Kneipe gehen, die hat es nie gestört und die stört es auch heute nicht. Hier sind auch viele kleine Existenzen kaputt gegangen. Ein paar haben sich ganz einfach zu reinen Raucherkneipe reklamiert, Eintritt erst ab 18 und mit Warnschild an der Tür..

  2. re-laxed

    Ich darf als Raucher heftig widersprechen:

    Ich habe das Rauchverbot in allen Kneipen und Discos heftigst begrüßt – bei uns ist das ja schon länger so. Es ist noch nicht allzulange her, da war ich bei einer großen Veranstaltung bei der auch geraucht wurde. Zunächst fand ich das mal wieder ganz entspannend – aber als die Halle dann voll und voller wurde hat es schließlich dazu geführt, dass ich nach draußen gegangen bin – zum rauchen und sowieso, weil die Luft nicht zum aushalten war. Und ziemlich früh gegangen bin ich auch.
    Nach dem ersten Jahr der Rauchfreiheit in Kneipen und allen anderen Lokations hat sich das ziemlich wieder eingespielt. Und ich bin froh, dass ich nicht mehr stinke wie ein Aschenbecher, nur weil nett ein Bier trinken war. NIE wieder Gerauche in öffentlichen Gebäuden , ich bin dafür , als süchtiger Raucher (nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht). In Raucherkneipen gehe ich generell nicht – es gibt ja inzwischen genügend rauchfreie Alternativen. Und zum Rauchen geh ich halt nach draußen – halte ich bei mir zuhause auch so.

  3. Diana

    @re-laxed: klar darf man hier widersprechen. Dass ein Rauchverbot vielerorts gut ist, bezweifle ich nicht im Geringsten. Ich esse auch lieber in einem Raum, in dem das Essen ungeräuchert nach dem riecht, das gekocht wurde. Aber es ist nicht ok, wenn sozusagen eine Mehrheit von 70% 100% des Raumes beantsprucht. Es gibt nunmal Kneipen, in denen der Qualm zum Bier gehört, da gehen auch primär Leute rein, die genau das wollen. Dass diese nun keinen Platz mehr haben sollen, ist nicht einzusehen und hat wenig mit Demokratie zu tun. Wenn eine klare Mehrheit eines Betriebs eine Rauchkneipe will, dann muss es auch rechtliche Grundlagen geben, dass sie dies dürfen.

  4. Diana

    @Juliet: genau das mit dem Warnschild wäre eine Lösung. Warum nicht ein grundsätzliches Rauchverbot machen, mit der Möglichkeit, dass ein Beizer seinen Gästen zuliebe die kneipe zu einer Raucherbeiz deklarieren kann. Dann würde die freie Marktwirtschaft wieder spielen.

  5. re-laxed

    ES gibt doch Raucherkneipen….wo ist das Problem?

  6. Diana

    @re-laxed: in der Schweiz werden nur Ausnahmen für Raucherkneipen gemacht, wenn diese nicht mehr als 80m2 gross sind. Unser Pub ist ein klein wenig zu gross dafür, damit ist “meine Raucherkneipe” nun ein leeres Lokal.

  7. Morag

    @Diana: Woran werden die 80qm denn festgemacht? Vielleicht läßt sich da mit einem einfachen Kniff was drehen (einen Teil als Lagerraum deklarieren oder so)?

  8. Diana

    @Morag: ich hab tatsächlich schon von Wirten gehört, die ihre Kneipe künstlich verkleindert haben mit einer Wand. Es gibt theoretisch auch die Möglichkeit, einen Privatclub zu machen, damit verliert man aber das Wirtepatent und da wir auch Konzerte haben im Pub, ist das für uns keine Option. Ausserdem ist die Antirauch-Inquisition bereits daran, auch diese Lücke noch zu stopfen. Vermutlich werden bald Scharfschützen postiert *seufz*

  9. Lotti

    War seit 1. Mai nicht mehr in meiner (fast-)Stammkneipe. Sind doch ein paar Tage und auch ein paar Fränkli. Schade, schade. Aber eben, die NichtraucherTerrorBrigade gönnt mir auch gar keinen Spass. Habe zu einigen lustigen und sympathischen Leuten keinen Kontakt mehr, die ich nur von dort kannte. Andererseits habe ich in einer Gartenbeiz auf jedem Tisch einen Flyer gesehen mit folgendem Text: “Liebe Gäste, die Tische an der frischen Luft sind in erster Linie für unsere rauchenden Gäste reserviert….”.
    ;-p

  10. Diana

    @Lotti: genau das befürchte ich hier eben auch, aber wenn diese Hysterie so weiter geht, wird man uns sicher bald erschiessen, dann sind wir diese Sorgen los ;-)

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