(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Diana als Barkeeperin

Auuuuutsch, meine Füsse…….. eigentlich hätte ich ja nicht damit gerechnet, dass meine Füsse nach einem dreistündigen Pub-Aufenthalt vierstimmig Blues singen, ich wurde ja hingefahren und zurückgekarrt und hatte bloss sinnlos auf dem Stuhl zu sitzen. Wäre da nicht dieser eine Satz gewesen von Bea, meiner Lieblingsbarkeeperin und super Freundin: “Hättest Du Lust, ab und zu als Aushilfe hinter der Bar zu helfen?”…… ich hab mal durchblicken lassen, dass ich daran evtl noch Spass haben könnte, mein Wunsch wurde offenbar erhört. Und tüchtig und todesverachtend wie ich nunmal bin, wusste ich nix Gscheiteres als mich gleich mal anzubieten. Als Bea das erste Mal eine Rauchpause machte (by the way, diese Rauchfrei-Diktatur der Mehrheit ist echt daneben), stellte ich mich hinter den Tresen und sah die Welt resp. das Pub erstmals mit neuen Augen. Und den Rest des Abends durfte Bea dann an der Bar sitzen, weil Dianchen nicht mehr hinter dem Tresen hervor wollte. Ausser zum Rauchen (by the way, diese Rauchfrei-Diktatur ist einer aufgeklärten Welt echt unwürdig).

Normalerweise hab ich im Pub ja diesen Tunnelblick. Wenn ich nicht grad mit meine(r/m) Nachbar(in) quatsche, guck ich gradaus und seh eimerweise Flaschen und Gläser. Aber hinter der Bar sieht man das ganze Pub und all die Leute. Die kommen immer mal wieder zu einem, bestellen irgendwelche Durstlöscher und man kann sich daran erfreuen, dass man sie damit erfreut, ihnen gefüllte Gläser mit kostbaren Flüssigkeiten zu überreichen. Cool sowas, echt. Und man plaudert auch mehr mit den Leuten, weil man an dem Ende dieses Tunnels steht, in den man sonst selber guckt.

Aber das ist nicht alles, denn als Barkeeperin kann man sich auch gehörig in Narzismus üben. Man steht im Blickfeld von diesen Leuten, ist Plaudermittelpunkt, ist Manna-Geberin, irgendwie fühlt man sich als würd man auf der Bühne stehen und würde Kekse verteilen. Ab und zu muss/darf man Getränke an die Tische servieren. Das führt zwangsläufig zu einem pub-internen Catwalk. Vorallem wenn man wie ich heute im kleinen Schwarzen auf schwarzen Pumps in Seidenstrümpfen nett aussieht. Damit man um die Tische gondeln kann, braucht es einen guten Hüftschwung und so catwalked man da quer durchs Pub und balanciert Getränke. Irgendwie war das berauschend :-)

Etwas Sorgen machte mir die Getränkekarte. Die Kaffeemaschine bedienen, Cola oder Bier abzufüllen, ist ja keine grosse Sache, aber da sind auch Drinks drauf die man mixen muss und davon hab ich soviel Ahnung wie n’Kamel vom Rollschuhlaufen. Zwei dutzend verschiedene Gläser, vier dutzend verschiedene Flaschen, all das ist ziemlich verwirrend für den Anfang. Aber lernfähig wie wir Blondinen nunmal sind, hatte ich das schon bald mal einigermassen im Griff – mit Betonung auf einigermassen.

Jedenfalls habe ich es in vollen Zügen genossen. Für die Gäste da zu sein ist ein schönes Gefühl und durch’s Lokal zu stöckeln ist ebenfalls atemberaubend. Aber meine Füsse fanden das Ganze nicht halb so toll wie ich. Drei Stunden lang rumstöckeln in neuen Pumps ist die Hölle…….. aber irgendwie halt doch berauschend :-)

Daran kann ich mich gewöhnen – und das werd ich auch tun. Bei mir sind Wochenenden leider arg überlastet. Zwei von vier Weekends bin ich familienhalber besetzt und eins von vier Weekends bin ich bei meinem Schatzi, ergo bleibt noch eins pro Monat. Aber dann wird man mich zukünftig wohl im Pub antreffen, nicht mehr auf dem Barhocker sondern getränkeverteilend hinter dem Tresen oder quer durchs Pub stöckelnd :-)

Nebenbei habe ich noch Beas Mutter kennengelernt, eine wirklich tolle Frau, mit der ich sehr viel plauderte und die mir einmal mehr zeigte, dass es auf dieser Welt eine Menge Menschen gibt, die so Wesen wie mich annehmen als wär’s das Selbstverständlichste der Welt. Ich freu mich jetzt schon drauf, sie hoffentlich bald mal wieder zu sehen :-)

Aber wie’s im Leben von T-Girls nunmal ist, gabs dann auch noch eine eher hässliche Episode zwischendurch – hässlich, aber doch lehrreich, ein kurzer Lehrgang in positivem Denken der anderen Art……… das aber wird eine andere Geschichte, demnächst, oder vielleicht auch jetzt gleich………… wir werden sehen.


 

7 Reaktionen zu “Diana als Barkeeperin”

  1. Morag

    Meine Glückwünsche zur Beförderung-Du Nachteule ;-)
    Aber den ganzen Abend Guinness ausschenken und nix davon abzubekommen fordert auch ganz schön, oder?

  2. Diana

    Nichts abgekommen? Na Du hast ja Ideen, ganz im Gegenteil, das Personal kriegt’s umsonst, jauuuuhhhh……. und als Wikinger-Lady vertrag ich auch genug um selbst in Stöckelschuhen noch ordentlich torkeln äh stehen zu können :-)))

  3. Morag

    Okaaaaay-Diana ist also fast in ihrem persönlichen Paradies angekommen-supi!
    Ja dann: Slaintè mhath, oder?

    Wenn ichs heute abend in “mein” Pub schaffe, trink ich auf Deine neue ehrenvolle Aufgabe, versprochen!

  4. Juliet

    Diana im Guinness-Land ;-)
    Aber lass den Gästen noch genug übrig, ja?
    Und das mit dem Hüftschwung um die Tische dürfte kein Problem sein – DEN haste drauf ;-)

  5. Bad Hair Days

    Ich habs zwar noch nicht so oft gemacht, aber wenn, hatte ich auch immer einen Riesenspass dabei.

  6. Diana

    @Sarah: ist seltsam, aber es macht wirklich Spass. Leute zu bewirten und sozusagen Gastgeberin zu sein. Am Samstag haben sie wieder Konzert, falls ich dann nicht zu müde bin, geh ich wieder hin, da sind die hinter der Theke sicher nicht unglücklich, wenn ich zwischendurch einspringe. Aber bitte ohne Pumps, issja nicht zum aushalten ;-)

  7. Diana

    @Juliet: keine Sorge, ich trink denen nicht alles weg, erstens hat’s da mehr als genug rumliegen und zweitens muss ich ja den Kopf schon noch beieinander halten, sonst wirds beim Einkassieren dann ganz übel ;-)

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