(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Der Stolz einer Trans-Frau

Erneut sehe ich mich mit der Frage konfrontiert, ob ich mich für meine Wesensart schämen müsste oder ob mir Nahestehende sich für mich schämen müssten. Und einmal mehr komme ich zum Schluss, dass genau das Gegenteil der Fall ist, auch wenn diese Gesellschaft das (noch) nicht so sieht.

Seien wir doch ehrlich, unsere moderne Gesellschaft hat uns zu kleinbürgerlichen Marionetten gemacht. Wir fragen nicht wer wir sind sondern wer wir sein sollen. Wir fragen nicht was wir sind sondern was wir darstellen sollen. Wir sehen nicht in den Spiegel unserer Seele um zu erkennen was uns ausmacht sondern lassen uns bestimmen durch das Bild das andere von uns haben. Ich bin nur gut, wenn man mich für gut hält. Ich bin nur soviel wert, wie andere mir an Wert zusprechen.

Wieviel Mut braucht es, um seine Selbstbestimmung im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft eingrenzen zu lassen? Wieviel Kraft braucht es, um das zu tun was von uns erwartet wird? Wie schwer ist es, cool zu sein, angepasst gekleidet zu sein, ein schickes Auto zu haben, einen standesgemässen Job……..

Es braucht nicht viel, “normal” zu sein, politically correct wie man so schön sagt. Man erspart sich so, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, man umgeht so Konflikte und Ablehnung. Der moderne Mensch ist so sehr davon abhängig, den anderen genehm zu sein, dass er sich selbst dabei verliert.

Transsexuelle werden für ihre Wesensart und noch mehr für den von ihnen eingeschlagenen Weg von einigen belächelt, von manchen verachtet, von wenigen sogar angegriffen….. weil sie sich erdreisten, wider jeglicher gesellschaftlichen Geschlechterdiktatur sich selbst zu sein. Muss man sich dafür schämen, dass man sich selbst ist und für sich selbst einsteht, obwohl es in den Augen anderer “nicht normal” ist? Oder sollte man nicht stolz darauf sein, zu den wenigen zu gehören, die den Mut dazu haben und sich nicht unterkriegen lassen von den ungeschriebenen Gesetzen dieser uniformen schwarz-weiss-denkenden Welt?

Ich wüsste vieles in meinem Leben, wofür ich mich schämen müsste und vieles, wofür ich mich heute noch schäme. Aber dass ich diesen Weg eingeschlagen habe, nötigt mir einen ungeheuren Respekt vor mir selbst ab. Ich bin stolz auf mich, dass ich zum ersten Mal im Leben so konsequent für mich einstehe. Ich bin stolz darauf, dass ich mein Innerstes nach aussen kehre ungeachtet etwelcher Blicke und Kommentare. Ich bin stolz darauf, dass ich mit erhobenem Haupt durch eine Menschenmenge gehen kann, die in ihrem Konformitätswahn glaubt, in mir etwas Kurioses zu erblicken.

Transsexuelle, die ihren Weg gehen, müssen der Angst ins Auge blicken und ihre Ängste überwinden. Sie nehmen gesundheitliche Risiken in Kauf, sie riskieren Ablehnung und Ausgrenzung, sie riskieren angepöbelt oder angegriffen zu werden. Transsexuelle legen ihren bisherigen sozialen Status und ihr Ansehen ab wie einen alten Mantel, geben das Coolsein und das Normalsein auf zugunsten des Ichseins. Transsexuelle nehmen bewusst in Kauf, dass sie immer in einem Rechtfertigungszwang stecken und nie wirklich verstanden werden. Transsexuelle machen es sich nicht einfach, gehen nicht den Weg des geringsten Widerstands….. sie kämpfen für Ihr Recht auf die Individualität eines Individuums.

Glaubt mir, es braucht verdammt viel Grösse, Mut, Entschlossenheit und Tapferkeit, um diesen Weg zu gehen. Dass ich diesen meinen Weg trotz aller Widrigkeiten gegangen bin und immer noch gehe, das macht mich stolz wie ich noch nie vorher stolz war und es gibt mir eine Form von Würde, die ich vorher nie gekannt habe.

Heute kann ich in den Spiegel schauen und sehe ein Wesen, das weder sich noch anderen etwas vormacht, das zu sich selbst steht, für sich einsteht und sich nicht unterkriegen lässt. Ein Wesen, das so ist wie es ist und nicht so, wie andere es haben möchten.

Wer von diesen vielen “normalen Menschen” da draussen hätte den Mut dazu?

Stand and fight, live by your heart
Always one more try, I’m not afraid to die
Stand and fight, say what you feel
Born with a heart of steel
(Manowar – Heart of Steel)


 

6 Reaktionen zu “Der Stolz einer Trans-Frau”

  1. Bernadette

    Genau das ist doch der springende Punkt für sich einzustehen und den Mut zu haben zu sich zu stehen und da ist es vollkommen egal auf welche Lebensbereiche sich das bezieht!
    Ich selbst bin eine ganz “normale” Frau, verheiratet mit einem Mann (war halt so), aber zu lernen in meinem Leben zu mir zu stehen, Stolz auf mich zu sein und mich gern zu haben war auch für mich kein einfacher Weg selbst in einer “Originalverpackung” ;-), der äußere Druck ist vielleicht einfach nur ein anderer.

    Und nichts ist wichiger als letzendlich zu sich selbst zu finden und genau das auch mit anderen zu teilen, wenn ich deinen Blog lese könnte ich mir gut vorstellen das du auch ein Mensch/eine Frau bist mit der es Spaß macht zu klönen, zu lachen, zu weinen und die Themen des Lebens zu bereden :-)!

    Ich wünsche dir für dein Leben das Beste, bleib´wie du bist!

    Lg, Bernadette

  2. Diana

    @Bernadette: Danke für Deinen Zuspruch. Stolz zu sein ist für alle eine Herausforderung, für mich etwas schwerer zu erreichen aber schlussendlich doch erreichbar. Und klar bleib ich wie ich bin, abgesehen von der bevorstehenden GaOp und dem darauf folgenden vernünftigen Hormonhaushalt ;-)

  3. Bernadette

    Jetzt bin ich froh, das du mich richtig verstanden hast (man hätte das auch falsch verstehen können) – mit bleib´wie du bist meinte ich nicht in deinem “falschen” Körper, sondern einfach ein Mensch der wie mir scheint sich mit seiner Umwelt und sich auseinandersetzt (das können meiner Meinung nach die wenigsten Erdenbewohner) und das eben auf eine symphatische Art und Weise!
    Ich hab´mir aufgrund deiner Seite auch ein paar dieser Dokumentationen angeschaut und war sehr berührt – ich muss zugeben das dies kein einfacher Weg zu sein scheint und ich nicht weiß ob ich dem standhalten könnte – auch das fand ich sehr symphatisch wie du stark bleibst und deinen Weg gehst!
    Auch ich wünsche dir eine erfolgreiche OP und das du einfach glücklich wirst!
    Ich fand den wissenschaftlichen Bericht zum Thema Transsexualität/Neurologie usw. sehr informativ und wichtig da er mir einen vollkommen anderen Einblick in die Thematik verschafft hat (man weiß zwar das ein oder andere aber eben vieles nicht wirklich) und in dem Moment habe ich eben verstanden das man nicht nur biologisch eine Frau sein möchte sondern einfach eine Frau ist und ich denke genau dafür ist dieser Blog sehr wichtig!

    Apropos für die Statistik ;-) ich suchte nach Catwalk Katzen – also eine Bauanleitung für meine Stubentiger :-).

    Lg, Bernadette

  4. Diana

    @Bernadette: also für die Catwalk Katze fühl ich mich ja geschmeichelt, dass Google Dich da an mich verweist, in dem Sinn, herzlich willkommen. Es sind so Reaktionen wie Deine, die unglaublich gut tun und mir auch sehr viel Motivation geben, weiter zu schreiben. Deine Worte haben mich tief bewegt, danke dafür.

  5. marie

    Vielen dank für die so passenden Worte, deiner Selbstbeschreibung.
    Danke auch für die Hilfe, die du uns damit gibst.
    Deine Wortwahl, Deine Beschreibung kann besser nicht sein.
    Es muss ein Glück im Leben sein, dich kennen lernen zu dürfen.
    Ich selbst habe mich in deinen Worten wieder gefunden.
    Und dafür sage ich Dir DANKESCHÖN.
    Bleib, wie du bist und wenn ich mir etwas wünschen darf, wurde ich mich freuen, wenn ich dich kennen lernen darf.
    Liebste Grüße
    Marie

  6. eva

    Hat wirklich gut getan deine Worte zu lesen. Ich bin, genau wie du, eine Trans-Frau und noch relativ am Anfang des Angleichens meines Körpers an mein Innerstes. Es ist schon manchmal ein hartes Los das wir “Andersartigen” da gezogen haben, aber wie du schon geschrieben hast, formt es uns auch zu starken, toleranten, warmherzigen Menschen. Wer weiß, was oder wer wir wären, würden wir diesen Weg nicht gehen…

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