(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Der Kerl im Spiegel – wenn Spiegel lügen

Wahrnehmung ist nie objektiv, alles was wir sehen, wird unbewusst interpretiert und das Resultat dieser “Bewertung” oder “Klassifizierung” ist immer ein subjektives Konstrukt, ein Gemisch aus dem was wir sehen und dem, was wir hinein interpretieren. Soweit nichts Neues, das betrifft uns alle, aber für Transgender versteckt sich hier einmal mehr eine Falle.

Wie bereits an anderer Stelle geschrieben, misst sich der Mensch in der Regel daran, wie er von Anderen beurteilt wird. Wenn ich für andere ok bin, dann ist alles in Ordnung. Für Transgender ist diese Form der Fremdbewertung fatal, weil wir für Viele schräge Freaks sind. Dieses Fremdurteil zu übernehmen würde unser Selbstbewusstsein in Schutt und Asche legen. Was bleibt, ist sich selbst zu bewerten, aber gerade beim Bewerten des Äusseren kommen wir vom Regen in die Traufe, weil wir zu einer objektiven Selbstwahrnehmung nicht in der Lage sind.

In einem Buch das ich grad lese wird von einer TransFrau geschrieben, die nach jahrelangem Prozess ein super Passing hat, sie wird von ihrem Umfeld klar als Frau wahrgenommen. Diese Frau sagte sinngemäss: “Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich nachwievor diesen Kerl”. Leider kommt mir das nur allzu bekannt vor.

Wenn ich morgens vor dem Spiegel stehe, ist mein Ersteindruck dieser von mir so abgelehnte und unrasierte Kerl. Dann wird rasiert, geschminkt, frisiert und am Schluss das ganze Werk noch mit Schmuck verziert. Mit jedem Schritt wird das Bild weiblicher, gleicht immer mehr meinem Inneren. Doch wenn ich am Schluss einen letzten kritischen Blick in den Spiegel werfe, ist da wieder dieser Kerl, nur eben irgendwie umgestylt.

Vor einiger Zeit habe ich mal Fotos verglichen von Anfang Jahr zum Sommer und ich war überrascht, dass ich auf diesen Bildern eine Verweiblichung feststellen konnte. Und an guten Tagen kann ich sogar im Spiegelbild sehen, dass etwas nicht mehr ist wie es mal war. Und doch bleibt das Bild im Spiegel dieser Kerl und ich befürchte, dass sich das nicht mal ändern würde, wenn ich eines Tages wie Marylin Monroe aussehen würde – eben weil Wahrnehmung subjektiv ist und mein Spiegelbild mir nicht nur mein Gesicht zeigt sondern auch meine Ängste, wie Andere mich sehen könnten.

Klingt als ob wir einmal mehr die Arschkarte gezogen hätten. Haben wir auch. Einen Ausweg weiss ich keinen, vielleicht gibt es auch keinen. Ich versuche dem Problem so zu entgehen, dass ich versuche, mein Spiegelbild nicht mehr geschlechtlich zu klassifizieren. Ich seh dieses Gesicht und versuche das Beste rauszuholen. Mein letzter Kontrollblick ist mehr techischer Natur, ob was verschmiert ist oder sonst etwas nicht ok. Aber ich verweigere mich der Frage, ob ich da ein weibliches Wesen sehe. Würde ich das tun, würde der Tag mit einer Depro beginnen und wohl auch so weiter gehen. Es muss mir reichen, dass ich die Gewissheit habe, ein weibliches Wesen zu sein.

Und doch braucht jeder Mensch eine Vorstellung, ob er ok ist oder nicht. Mein Spiegel lügt mich an und der grosse Haufen der mich teils blöd anglotzt, sieht ebenfalls nicht mich sondern ihre eigene Vorstellung von einer “Transe”. Schach matt? Ich glaube, es gibt nur eine Form von Feedback und gerade die ist so schwierig zu erhalten. Nahestehende Menschen sehen uns mit anderen Augen an, sie können die Veränderungen miterleben und haben weder diesen Angstfilter, der meinen Spiegel zum Lügner macht noch haben sie den Vorurteilsfilter, der das Bild ebenfalls verfälscht. Aber auch hier gibts zwei Probleme. Erstens sind die meisten Menschen zu scheu oder zuwenig direkt, als dass sie einem solche “Komplimente” machen würden und selbst wenn sie es tun, zweifeln wir daran, ob diese Person nur einfach nett sein will.

Das erinnert mich an einen der schönsten Sprüche, den ich je gelesen habe und ich möchte diesen Spruch den Angehörigen und Freunden von Transgendern zum Nachdenken mitgeben, weil sie vielleicht etwas geben können, das viel mehr Wert ist als sie je denken würden……… und damit meine ich eben nicht Komplimente einfach um was Nettes zu sagen sondern ehrliches Feedback, das uns helfen kann, uns etwas weniger verzerrt zu sehen.

Wenn ich Dir etwas schenken könnte,
gäbe ich Dir meine Augen,
damit Du sehen kannst,
was für ein wundervoller Mensch Du bist.

In letzter Zeit habe ich einige gute Feedbacks bekommen und eines fällt mir grad speziell ein. Nachdem Juliet das Wochenende bei mir verbrachte, erzählte sie mir im Nachhinein, dass Ihr am frühen morgen etwas aufgefallen sei. Als ich barfuss ins Badezimmer lief und sie mir hinterher schaute, sei ihr aufgefallen, dass mein Gang genauso weiblich wirkte wie wenn ich auf hochhakigen Schuhen unterwegs bin. Das hat mir extrem gut getan, gerade weil es etwas betraf, das ich selbst nicht selber beurteilen kann, aber auch weil ich mir da im Halbschlaf garantiert keine Mühe gab, ich watschelte einfach verpennt ins Badezimmer. Dass ich dabei einen “weiblichen Gang” hinlegte, gab mir enorme Bestätigung, dass es Aspekte in meiner Erscheinung gibt, die von aussen als weiblich wahrgenommen wird. Sie hat mir ihre Augen geliehen und es war eine Wohltat, mich mit ihren Augen zu betrachten :-)


 

37 Reaktionen zu “Der Kerl im Spiegel – wenn Spiegel lügen”

  1. Kim

    Danke für diesen schönen Text :-)

  2. Juliet

    Ich leihe Dir meine Augen gerne noch öfter und eins kannst Du Dir sicher sein, wenn ich Dir ein Kompliment mache, dann nicht, weil ich nett sein will, sondern weil es eine Tatsache ist.

  3. Diana

    @Juliet: Mein Vertrauen Dir gegenüber ist gross genug, dass ich Dir jedes Wort glaube. Gerade deshalb hat es mich so gefreut :-)

  4. Juliet

    Ich hab ja auch keinen Grund, Dir irgendeinen Mist zu erzählen und sollte Dir wirklich mal etwas nicht stehen, dann sag ich es ;-)

  5. Chrisi

    Also wenn Du noch im Halbschlaf mit weiblichen Schritt ins Bad wackelst, dann bist Du im Kopf schon ziemlich weit. :-)

  6. Morag

    Die Schwierigkeit ist doch, daß Du die Veränderungen von Tag zu Tag gar nicht wahrnimmst, weil sie einfach schleichend passieren-die Idee mit den weiter auseinanderliegenden Bildern war da schon goldrichtig.

    Und die Bewertung “von außen” ist ja auch von Deiner Seite nicht neutral, weil Dir eben die “schräge Freaks”-Blicke deutlich mehr auffallen als die, die Dich geistig mit einem Streifblick in die “zierliches Mädel”-Schublade einsortieren und es dabei bewenden lassen.

    Was “den Kerl im Spiegel” angeht: der hat doch ein paar Jahre zurückgeschaut und bis Du dieses Bild rausbekommst, wirds wohl ein wenig dauern.
    Der Vergleich hinkt natürlich grob, aber vielleicht ists ein bisschen wie bei Magersüchtigen, die ja auch ein anderes (in dem Fall “dickes”) “Ich” im Kopf haben und die Deckung mit der Realität nicht hinbekommen. Bei Dir ist es aber konstruktiv, weil es Dich im positiven Sinn anspornt, während es bei den Magersüchtigen ja den Körper letztlich kaputt machen kann :-(

    Chrisi hat vollkommen recht: wenn Du im schlaftrunkenen Zustand schon weiblich läufst, bist Du auf den richtigen Weg (und schon weit gekommen) \o/

  7. Diana

    @Juliet: doch Du willst dass ich Dich wieder mit sauren Gummidingern füttere ;-)

    @Chrisi: das dachte ich mir eben auch und es zeigt mir, dass wir T-Girls nach dem Durchbruch aufblühen wie ein Blümchen im Frühjahr, bei vielen Aspekten braucht man gar nix zu machen, es kommt einfach aus einem hervor.

    @Morag: die Fremdblicke sind wirklich schwer zu durchschauen, schlussendlich kanns ja auch sein, dass jemand blöd guckt, weil er einfach meine Beinchen toll findet oder eine Frau guckt weil sie sich fragt, wo man dieses schöne Kleid her kriegt. Wenn man als T-Girl zuwenig Selbstbewusstsein hat (und das ist zumindst am Anfang zwangsläufig der Fall), dann interpretiert man Blicke vielleicht öfters falsch.

    Dein Vergleich mit der Magersucht ist gut, das war einer der Gründe, weshalb ich diesen Beitrag geschrieben habe. Es soll auch eine Mahnung sein an andere Transgender, dass wir uns nicht verrückt machen. Wenn man in einen Zerrspiegel guckt und weiss, dass das Bild verzerrt ist, erschrickt man nicht so stark. Beim Blick in den Spiegel sollte man sich dessen bewusst sein, sonst macht man sich verrückt, egal ob T-Girl, magersüchtig oder sonstwas.

  8. Chrisi

    Bah, ich halte das morgens immer nach dem Motto, “Ich kenn Dich nicht, aber ich wasch Dich trotzdem”. Das klappt bisher wunderbar. :-)

  9. Juliet

    Dann musst die sauren Gummidinger aber mitbringen, hab gerade keine da ;-)

  10. Diana

    @Juliet: ich werd n’Koffer voll mitschleppen, damit sie uns sicher nicht ausgehen ;-)

  11. Juliet

    Bis 20 Kilo ist Freigepäck, dürfte knapp reichen oder? ;-)

  12. Diana

    sollte knapp reichen, wenn wir sparsam sind, notfalls füttern wir uns mit Deinen Miezen

  13. Juliet

    Warum, schmeckt Katze wie Pouletflügel?
    Also, an Tequila ist nix dran und Baileys brauch ich für den Kaffee, müssen uns was anderes einfallen lassen ;-)

  14. Morag

    @Juliet: Frag mal die “sind im Krieg geboren” Generation-die wissen zum Thema Dachhase sicher einiges zu sagen (Rezepte usw.)
    Aber laß das nicht Deine beiden hören/sehen :-)

  15. Juliet

    Kennst Du den Song “Eins kann uns keiner” von Geier Sturzflug? Da gibt es eine Zeile “Schlachtet meine Katze zum Wohl der Medizin”..hättest den Blick von Tequila mal sehen sollen….;-)

  16. Morag

    Das Lied kenne ich noch, aber so genau hatte ich den Text nicht mehr parat-Respekt.
    Daß Tequila da nicht sehr begeistert war, kann ich mir aber gut vorstellen-hoffentlich hast Du die richtigen Schlüsse aus dem Blick gezogen, die CDs gleich dem Feuer überantwortet und zur Buße eine Stunde Extrakraulen eingelegt ;-)

  17. Juliet

    Ich bin halt Musikfan ;-)

    Nee verbrannt hab ich die CD nicht, aber mit dem Extrakraulen liegst Du richtig und ich hab ihr in die Pfote versprochen, dass ich das nie nie niemals nie nicht machen würde.

  18. Diana

    keine Ahnung wie Katze schmeckt, am besten probieren wir das mal aus, fritiert könnte lecker sein :o)

  19. Juliet

    Hab aber keine Friteuse, und wenn Du meine Mädels verspeist hast, wer soll dann auf Deinem Schoss hocken ?

  20. Morag

    @Diana: Heee-hatten uns darauf nicht darauf geeinigt, daß Tequila und Baileys Freunde sind, kein Futter? ;-)

  21. Juliet

    In flüssiger Form sind sie das für Dianchen bestimmt ;-)

    Warum muss ich gerade an “Findet Nemo” denken? *grübel*

  22. Morag

    Aber für Baileys brauchts doch Deine Katze nicht (Katzensaft, frisch gepreßt mit ganzen Früchten-Brrrr)…der läßt sich doch selber anmischen: Irischer Whiskey, Sahne, Nutella (und ein Spritzer fettarme Milch wegen der Figur ;-D) – kurz durchgeschüttelt und fertig :-)

    Und was Nemo angeht-so unter uns Haifischen: keine Ahnung, wie Du auf den Film kommst. *auchmalunschuldigdreinguck*

  23. Diana

    @Morag: kein Futter? wozu hat man die denn sonst, ausser um sie bei Frustattacken an die Wand zu knallen?

    @frischgepresste Katze ist sicher gut, auch wenn die Zubereitung a bissrl kompliziert ist

  24. Morag

    Katzen? Ich hab die bisher für rezeptfreie Antidepressiva mit hohem Kuschelfaktor gehalten ;-)
    Zum an-die-Wand-hauen bevorzuge ich Sachen, die sich beim Werfen nicht in der Hand festkrallen können und außerdem weniger Flecken machen-sollen wir Dir nicht doch eine Stoffschildkröte besorgen?

  25. Juliet

    @Morag

    Nutella?! Echt jetzt? Haste das ganze Rezept da?

  26. Morag

    Na klar:
    - 200ml Sahne
    - 200ml Whiskey (irischer, der schottische hat für diesen Zweck einen zu kräftigen Eigengeschmack)
    - ein großer, gehäufter Esslöffel Nutella
    - mit Milch bis auf 700ml auffüllen
    Mixen, bis es keine Nutellaflöckchen mehr hat-fertig.
    Das ganze hat dann ca. 12% Alkohol und mehr Kalorien, als ins Glas passen ;-)

    Slaintè

  27. Diana

    aber nur Katzen klingen so lustig wenn man sie an die Wand schmeisst. Etwa so……… mauz – platsch – fauch…… und wegen dem buschigen Schwanz fliegen sie stabil, da kannste Fliegen von den Wänden ballern :o)

  28. Juliet

    @Morag

    Dabke, werd ich bei Gelegenheit mal ausprobieren und im Februar Diana damit abfüllen ;-)

    @ Diana

    Wie ich meine Weiber kenne, kommen sie zurückgelaufen und rufen “Nochmaaal” ;-)

  29. Morag

    @Juliet: mach mal (und Bilder ;-D) ich verrat nix, dann kannst Du sie damit überraschen.

    @Diana: Bist Du sicher, daß in Deinen Adern kein britisches Blut fließt? Dein Humor ist ja sowas von grandios tiefschwarz-einfach göttlich :-)

  30. Diana

    @Juliet: hör ich da was von Diana abfüllen? Achja, Deine Katzen sind bluna, wusstest Du das?

    @Morag: ich hab Wikingerblut, meine Vorfahren männlicherseits kamen von Skandinavien über Schottland nach Ir(r)land, könnte also wirklich von daher kommen, aber ich glaub ich spinn nur einfach, sowas kanns geben :o)

  31. Morag

    @Diana: An dem Wesenszug solltest Du nix ändern. Um da noch besser zu werden, brauchts zwei-und dann platzt der Kleiderschrank endgültig :-)

  32. Juliet

    @Diaba

    Nee hast Du nicht…;-)

    …Psst Morag, wir sollten noch leiser flüstern, die Frau kriegt alles mit…;-)

  33. Juliet

    Ach aj..weiss ich, sie kommen ganz nach Frauchen ;-)

  34. Diana

    @Morag: Juliet kann bestätigen, dass ich das eh nicht ändern kann, wer einmal so verrückt ist, bleibts für immer :-)

    @Juliet: echt? die haben so einen schrägen Humor? *ungläubigguckt*

  35. Juliet

    Komm her, dann erlebst Du es live ;-)

  36. Diana

    ich komm ja im Februar, lassen die sich auch mit sauren Gummidingern füttern?

  37. Juliet

    Kannst Du ja mal versuchen, Tequila kannst Du sonst auch mit Chips und Käse glücklich machen und Baileys mit ner Scheibe Wurst ;-)

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