(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Der G-Punkt, die universitäre Naivität und der sexuelle Autismus von Männern

Ich liebe diese FastFood-Medien, die einem tagtäglich mit nachrichtentechnischem Sperrmüll versorgen und uns Dinge erzählen, die uns eigentlich nicht wirklich interessieren und dabei auch noch unreflektiert Bockmist nachplaudern und in jubilierende Schlagzeilen packen. Und ich liebe auch Wissenschaftler, die des Öfteren aller Intelligenz zum Trotz eine Naivität an den Tag legen, die jede Fruchtfliege zur Intelligenzbestie macht. Und das coole ist, diese Zwei arbeiten zusammen. Was auch immer für akademischer Schwachsinn veröffentlich wird, stürzen sich Medien drauf und schon wird das Ganze zur weltweit gelebten Realsatire.

Heute war’s mal wieder soweit. “Der G-Punkt ist ein Märchen“, titelt 20minuten-Online in einem jubilierenden Ton, der erahnen lässt, wie hoch die Männerquote in der Redaktion ist. Es klingt fast irgendwie mit, dieses “Gott sei Dank, kann ich die Sucherei endlich aufgeben”. Jungs wollen den Sex ja nicht zur intellektuellen Disziplin erheben – wenn simples rein-raus irgendwo hinführt, was will man sich denn da noch Gedanken machen über Punkte, von denen man ja nicht mal weiss, ob es sie gibt.

Wirklich witzig wird das Ganze jedoch, wenn man betrachtet, durch was für glorreiche Forschung dieser “Beweis” nun erbracht wurde. Diese Schlaumeier befragten tausend Frauen, 56% sagten sie hätten diesen Punkt, also haben ihn 44% nicht. Also doch alles nur eingebildet? Aber wenn jemand etwas nicht kennt, beweist das die Nichtexistenz des Gesuchten? Haben die Anderen überhaupt danach gesucht und vorallem, hatten sie Männer, die sich für erogene Zonen einer Frau interessieren?

Der geistige Kurzschluss kommt dann aber wie so oft mit Zwillingsstudien. Wenn 100% der Gene identisch sind, müssten auch beide diesen Punkt haben oder eben nicht. Nun waren die aber nicht immer gleich, also muss es Einbildung sein. Boah ey…….. Haben genetisch identische Menschen dieselben Partner? Dasselbe Interesse am eigenen Körper? In denselben Stellungen Sex gehabt? Dabei gleich gelaunt und entspannt gewesen? Ich glaube, die Banalität eines Denkvorgangs kann da kaum noch überboten werden.

Eigentlich wäre diese ganze Fragestellung ja überflüssig, sollte es zumindest sein. Ich habe mir nie Gedanken über Punkte und Koordinatensysteme gemacht, ich habe einfach mitgefühlt und beobachtet, welche Berührung welcher Körperstelle welches Gefühl auslöst. Aber das erfordert, dass man sich wirklich auf die Partnerin einlässt, sich hineinfühlt und vom Wunsch beflügelt ist, diese Frau in Ekstase zu versetzen – nicht sich und den schon im Anfang begonnen Endspurt ins Zentrum stellt sondern die Gefühle der Partnerin. Das ist etwas ganz Anderes, als diese Art von sexuellem Autismus, den viele Frauen erleben.

Um es noch deutlicher zu sagen: Solange sich Männer im Bett benehmen wie der Specht an der Eiche, können sie sich solche Fragen sparen. Wenn sie aber lernen sich wirklich auf eine Frau einzulassen und sie zu erkunden, werden sie staunen, was für Welten sich da auftun…… dann erübrigt sich auch die Frage nach dem hohen G.

Ist ja irgendwie schon seltsam, da machen sich Jungs Gedanken über G-Punkte, könnten aber nicht sagen, an welchen Stellen ihre Liebste zu welchem Zeitpunkt in welcher Weise am liebsten berührt wird. Ich glaub fast, ich sollte mal ein paar Aufklärungsbeiträge schreiben….. da scheint mir Not am Mann ;-)


 

12 Reaktionen zu “Der G-Punkt, die universitäre Naivität und der sexuelle Autismus von Männern”

  1. Juliet

    Kreeeeeeiiiiisch…oh Hilfe, hätte bald meine Thainudeln übern Schreibtisch verteilt….”Specht an der Eiche”..erinnert mich an den Spruch “Klein- aber flink wie ne Nähmaschine”

  2. Diana

    hat halt leider schon was, das mit dem Specht und der Nähmaschine. Ich hab in den letzten zwanzig Jahrenn mit vielen Frauen geredet, interessanterweise hatte ich schon früher in männlicher Gestalt oft Frauengespräche mit Mädels. Jedenfalls hörte ich das immer wieder, dass sie (freundlich formuliert) eher gelangweilt sind im Bett. Jungs denken, je schneller sie hämmern, umso besser, aber so geht man mit Werkzeug um und nicht mit Mädels. Der weibliche Körper ist nicht so simpel gestrickt, der will entführt werden und nicht bearbeitet. Ich glaub, viele Paare verpassen da sehr viel, weil sie gar nie die Tiefen erreichen, die möglich wären.

  3. Juliet

    Jepp, kenn ich auch was von…entweder ist man als Mädel einfach nicht mehr vorhanden, oder Kerl denkt, er drückt ein paar Knöpfe und dann lüppt dat schon…

  4. Diana

    ein paar Knöpfe wär ja schon mal was, aber meist finden Jungs ja eh nur einen…. bei sich ;-)

  5. Juliet

    DEN finden sie sowieso, aber manche haben’s halt nicht so mit der Feinmotorik…

  6. Diana

    ich glaub die Motorik würd schon gehen, mit nem Akuschrauber kommen sie ja auch klar, es liegt m.E. eher daran, dass ihr Fokus bei sich selbst ist und dass sie sich nicht bewusst sind, dass der weibliche Körper nicht so simpel gestrickt ist.

    Das ist wie die berühmte Orgasmus Geschichte. Ich gehe davon aus, dass die meisten Frauen mit “Orgasmusproblemen” eigentlich nur einen unsensiblen Partner haben.

  7. Juliet

    Für nen Akkuschrauber reicht die Grobmotorik ;-)

  8. Diana

    muss so sein ;-)

  9. Diana

    ha, ich wusste doch, dass ich noch ein besseres Bild für diesen Blogbeitrag finde :o)

  10. Juliet

    Lol….

    Anekdote von einem meiner Nachbarn:

    Sie: ” Du kommst auch nur vorbei, wenn du f…. willst”

    Er: ” Stimmt doch gar nicht…jetzt zieh dich aus und leg dich hin”

  11. Jasper

    Da ich Autist bin, bin ich durch Zufall beim Googeln auf diesen Artikel gestoßen und war ganz erstaunt mit was für Begriffen und Angewohnheiten “Autismus” mal wieder in Verbindung gebracht wird.
    Jetzt gibt es also schon einen sexuellen Autismus!?
    Man lernt ja nie aus…!

  12. Diana

    @Jasper: Dieser Blogbeitrag ist reine Satire und sollte deshalb nicht ernst genommen werden, ich hoffe, dass ich Dich und andere Autisten damit nicht vor den Kopf gestossen habe, das wäre überhaupt nicht meine Absicht gewesen, nicht zuletzt weil mein bester Freund ein Asperger ist.

    Deshalb möchte ich hier doch kurz erklären, wie ich auf diesen Vergleich kam. Eines der zentralen Merkmale von Autisten ist ja, dass sie grosse Schwierigkeiten damit haben, Gefühle von Anderen beispielsweise aus Gesichtern zu lesen, es fällt ihnen blöd gesagt schwer, zwischen den Zeilen der Kommunikation zu lesen. Da von Frauen so oft beklagt wird, dass Männer nicht spüren, was sie brauchen, kam mir dieser Vergleich in den Sinn.

    Also bitte nicht übel nehmen, wie gesagt, mein bester Freund ist Aspi und ich habe vor niemandem so eine enorme Achtung wie vor ihm ;-)

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