(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Das Schwert der Wahrheit

Schon am ersten Tag nach den Ferien zeigt sich, dass meine Befürchtung richtig war, der Frust von Anfang August, der durch die Verschleppung meines GaOp-Termins eskaliert ist, beisst sich bereits wieder in mein Genick. Da kommt einiges auf mich zu. Aber jahrzehntelange Erfahrung mit emotionalen Grenzerfahrungen haben mich gelehrt, dass Verzweiflung und Wut stürmische Energien sind, die einem entweder zerreissen, oder von einem genutzt werden können. Entweder kämpft diese Energie gegen mich oder ich setzte sie gegen etwas ein. Ich hab mich für Zweiteres entschieden. Psychologen mögen mir jetzt Projektion vorwerfen…..
…..na und? Hauptsache konstruktiv ;-)

In nächster Zeit versuche ich, diese “Energie” vom Herz in den Verstand zu verschieben, sozusagen das Schlachtfeld wechseln. Ich will nicht mehr in mich hineinschreien und verzweifeln an “Behandlungsstandards”, die gegen ratifizierte Menschenrechte verstossen. Es wird Zeit es laut zu sagen – und deutlich – sehr deutlich. Es ist Zeit, mal etwas mit dem Schwert der Wahrheit rumzufuchteln und furchteinflössende Laute auszustossen ;-)

Betrachten wir also in nächster Zeit mal Behandlungsstandards, Alltagstest, Diagnosemythos und akademische Faktenresistenz. Betrachten wir die dahinterliegenden Denkfehler. Und fragen wir uns, weshalb diese Denkfehler wider besseren Wissens weiter praktiziert werden.

Obwohl wissenschaftlich erwiesen ist, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, werden Betroffene von Medizin und Politik weiterhin als identitätsgestört klassifiziert, nachwievor werden Behandlungsstandards auferlegt, die nicht diesen wissenschaftlichen Fakten folgen, nachwievor wird ein “Wunschgeschlecht” postuliert, obwohl dieser “Wunsch” eine tiefsitzende Überzeugung ist, nachwievor ist die Anerkennung des Geschlechts an eine Sterilisation geknüpft…………. und und und und………. da gibt es viel intellektuellen Irrsinn, den es zu zerlegen gilt.

Ich geh jetzt mal das Schwert schleifen, Rüstung polieren und so Quatsch, mal schaun was man mit diesem vom Unispital spendierten zweimonatigen Energieschub so alles anstellen kann…….. noch 81 Tage….. ;-)

Ich bin der brennende Komet
der auf die Erde stößt
der sich blutend seine Opfer sucht
Ich bin der lachende Prophet
der eine Maske trägt
und dahinter seine Tränen zählt

(Lacrimosa – Der brennende Komet)


 

2 Reaktionen zu “Das Schwert der Wahrheit”

  1. Ina Goebel

    Kommentar

    High, Diana Sei doch nicht so Traurig, wegen der 77 Tage, denke lieber NUR 77 Tage noch, lehne dich doch beruhigt zurück, es ist dir schon sicher, du hast es ja geschafft!
    Nur noch 77 Tage bis zum wichtigsten Erlebnis deines Lebens, einem einmaligen Erlebnis! Verabschiede dich schon mal von den „alten Leben“, der Albtraum wird zu Ende gehen, und der Traum beginnen.
    Vielleicht will dir das Schicksal ja eine Hilfe geben, das du den größten Tag auch in, wie Buddha sagt: in der „Rechten Achtsamkeit“ erleben und auch genießen kannst.
    Doch ich verstehe dich, besser als du ahnst, ich war mal genau so, kurz vor der GaOP, damals vor 25 Jahren. Aufgewühlt konnte ich an fast gar nichts anderes mehr Denken, Heut wünschte ich mir ich hätte etwas mehr innere Ruhe gefunden, also in die „Rechte Achtsamkeit“. Doch Ina konnte es ja gar nicht schnell genug gehen, wie ein Quengeliges kleines Mädchen „ich will aber mein Eis sofort und nicht erst Morgen!“.
    In 77 Tagen nur wirst du dich verändern, mit dir wird das gleich geschehen, wie mit mir damals. Als ich , am Tag X das Erste mal Erwachte von der GAOP, kurz die Augen aufschlug, hob ich nur kurz die Decke und sah zwischen meine Beine – Es ist Vollbracht, dachte ich nur, als ich mich sah, 4 Reden-Drainagen, eine Katheter, es war endlich weg, dann dämmerte ich wieder weg, völlig benebelt von unzähligen Schmerzmitteln und dem diffusen Ziehen im Unterleib. Ich schief Glücklich wieder ein. Das war er schon gewesen der große Moment…
    Nun ja, ich würde es auch Heute noch wieder tun…

    Also, es gibt keinen wirklichen Grund Traurig, Wütend oder Verbittert zu sein, du kannst dich wirklich glücklich schätzen, andere Betroffene haben 0ft 3, 4 sogar 5 Jahre leiden müssen, bevor sie auch nur die GaOp – Kostenzusage der Krankenkasse hatten. Ich finde, bei die ging es doch echt Turbo!

    Als ich im Internet deine Webseite entdeckte, fand ich dich echt Mutig, wie du dich so offen und unbeirrt, im Netz Ge-Outed hast. Nach anfänglichem Zögern, du hattest mich Nachdenklich gemacht, kam ich zu dem Schluss dass du eigentlich richtig gehandelt hast. So hast du meine Anerkennung gefunden. Da stört es mich richtig, dich so Traurig zu sehen, wo du doch sonst so offen, unbeugsam und unbeirrt bist.
    Also – nicht mehr traurig, wütend oder verbittert sein, es ist sicher. Dein weibliches Gehirn, wird an seinem Körper kein falsches Geschlechts Organ mehr vorfinden, sondern das Passende, dass wird eine enorme Erleichterung sein! Wie groß diese Erleichterung ist, können wohl nur selbst Betroffene Nachvollziehen, bei mir jedenfalls war es so.

    Die Zukunft und die Vergangenheit haben, im gegenwärtigen Augenblick nur eines gemeinsam, sie sind momentan nicht greifbar – aber während die Vergangenheit für ewig vergangen ist, wird die Zukunft noch eintreten.

    In diesem Sinne sei ein Kind der Zukunft,
    Grüße Ina

  2. Diana

    Liebe Ina, herzlichen Dank für Deine einfühlsamen Gedanken, das hat gut getan :-)

    Seit zwei Stunden sitz ich hier und ordne meine Gedanken, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass langsam wieder Ordnung in meinen Kopf kommt, mein Selbstreparatur-Programm scheint angelaufen zu sein, spät aber wie es scheint effizient. Vor einer Stunde hast Du diesen Beitrag geschrieben und ähnliche Gedanken eingebracht, die mir gleichzeitig kamen. Ulkig, nicht?

    Irgendwie kam das einfach zu überraschend, ich sah mich so nah am Ziel, hatte innerlich gepackt und plötzlich rückt das Ziel von mir weg, das hat was völlig surreales.

    Ich muss jetzt erst mal alles in meinem Kopf wieder ordnen und aus diesem grossen Problem wieder diese kleinen Probleme machen, die es eigentlich wären. In so Katastrophen-Management bin ich ja geübt, da krieg ich schon wieder Ordnung rein.

    Jedenfalls nochmal danke für Deine Zeilen :-)

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