Das erste Outing und ein verzweifeltes Kind
Ich wusste, dass das Outing bei meiner zwölfjährigen Tochter das Schwierigste sein wird und dass ich alle Kraft brauchen werde, um das durchzustehen. Trotzdem war ich erschüttert, wie schlimm es wirklich wurde. Wenn man ein Kind so liebt wie ich meine Tochter liebe, dann zerreisst es einem das Herz, wenn man dieses geliebte Kind so erschüttern muss. Einem Kind zu sagen, dass der Vater nun eine Frau sein wird, ist unerträglich für Beide.
Die erste Reaktion war, dass sie sagte, sie würde nie wieder zu mir kommen – der Super-GAU war eingetreten – und damit waren wir beide wohl am schlimmsten Tag unseres Lebens angekommen. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass weniger meine Veränderung als Solches das Problem war sondern ihre Angst, sich an der Seite einer „Transe“ zum Gespött zu machen. Mir wurde klar, dass ich hier meinen einzigen Kompromiss machen musste, wenn ich sie nicht verlieren wollte, also versprach ich ihr, an den Wochenenden an denen sie zu mir kommt in meiner alten Rolle zu leben. Ich dachte, ich habe ja 40 Jahre lang so gelebt, da werde ich auch 2 Tage in 2 Wochen nochmal so leben können. Wie schwer das wirklich sein würde, wurde erst später klar.
Aber das Wichtigste war, ich verlor meine Tochter nicht und ich kann den Schmerz den ich ihr zufüge auf ein Minimum reduzieren. Nie habe ich sie so verzweifelt gesehen und ich hasste mich für das was ich ihr antue. Aber ich war an einem Punkt, an dem ich keine andere Wahl mehr hatte. Ich hoffe, dass sie das irgendwann verstehen wird.

Das ist sehr rührend.
Wie viel Stärke kann ein Mensch nur aufbringen?
Wenn es die Mama ist die ein Mann ist -
ist es dann noch schlimmer? – darum sagt die Mama sowas nicht – das ist dann noch schlimmer.
Die Geheimnisträger ohne Namen und ohne Selbstbewusstsein. So stellt sich die Lage dar wenn es nicht sein darf, was sowieso ist.
Aber es gibt nichts was nicht irgendwie geht oder?
Hast du schon einmal einen Erpel die Jungen aufziehen gesehen?
Als Transmann ist man in dieser Lage.
Sofern man Kinder hat, was nicht selten ist.
Traditionsgemäß hat man die Rollenverteilung:
für das Essen zuständig zu sein, für das Kochen und zu 100 % für die Erziehungsarbeit wie Hausaufgaben und Mami sein, täglich Jahrelang.
Als Mama zum Elternsprechtag zu gehen z.B.
Die Anlagen und Fähigkeiten der Kindererziehung
gar nicht besitzt
und diese Rolle innerlich ablehnt.
Und doch sein Kind liebt
und alles macht so gut es geht.
So.
Ich habe die Empfehlungen über das Augen zu und durch outing gelesen.
das ist eine entspannende Sache – nicht wahr
wenn es gesagt wurde …
danke für deinen Beitrag
@Andi: ich staune selber immer wieder, wieviel Kraft man aufbringen kann und wieviel Schmerz man ertragen kann. Und oft wundere ich mich darüber, dass man so etwas aushalten kann, gerade in diesem Thema komme ich bis heute nicht aus dem Wundern raus. Ich liebe meine Tochter über alles, ihr so weh zu tun, ist die schmerzhafteste Erfahrung, die man sich vorstellen kann.
Aber jedes Outing ist entspannend, das auf jeden Fall. Wir leben jahrzehntelang eine Lüge, verstecken und verleugnen uns. Dies zu beenden, ist eine Form von Befreiung, die weiter geht als das Zerreissen der dicksten Ketten. Es ist schwer, man hat ne Menge Angst, aber jedes Outing bringt Ruhe und Frieden in die Seele, mit jedem Mal ein wenig mehr, bis man sich ganz befreit hat.