(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Das Ende der Schweiz

Zum zweiten Mal stehe ich fassungslos vor den Abstimmungslagen und schäme ich zutiefst, Schweizerin zu sein. Und zum zweiten Mal habe ich Angst, wie weit sich das Volk von diesen rechten Brandstiftern noch aufhetzen lässt, wieviele Menschenrechte noch mit Füssen getreten werden, wie oft unsere eigene Verfassung noch der Lächerlichkeit preisgegeben wird, bis dieses Land im Feuer untergeht.

Schon mit der Minarett-Initiative hat das Schweizer Völk seine Demokratieunfähigkeit demonstriert und mit einem Schlag die verfassungsmässig garantierte Rechtsgleichheit, Religionsfreiheit und das Diskriminierungsverbot aufgehoben – ironischerweise mit einem Verfassungsartikel, der ebendiesen Verfassungsartikeln widerspricht.

Zum zweiten Mal haben wir dem dritten Reich gleich Rassengesetze eingeführt, wir haben Gesetze für Schweizer und wir haben Gesetze für Ausländer. Das spottet jeglichem Rechtsempfinden und tritt Menschenrechte und alle ethischen Grundsätze mit Füssen. Nur ein Faschistenstaat macht Gesetze für bestimmte Rassen oder Religionen, wir tun es, was wir sind muss jeder selber beurteilen.

Das Minarett-Verbot hat immerhin nicht gross geschadet, es will eh kaum jemand eines bauen, geschadet haben wir nur uns selbst, in dem wir nun in den Augen der ganzen Welt zu einem Rassistenstaat wurden. Diesmal sieht es anders aus, diesmal wird es Opfer geben, die SVP und ihre Lakaien werden eine diebische Freude daran haben.

Heute haben wir nicht nur dem Faschismus Tür und Tor geöffnet, heute haben wir den Rechtsstaat faktisch abgeschafft. Eine der Grundlagen jeder Rechtsstaatlichkeit ist die Verhältnismässigkeit. Wenn jemand Sozialhilfe bezieht und ein paar Stunden schwarz arbeitet, ist das juristisch Sozialhilfebetrug, deshalb wird er/sie nun ausgeschafft, selbst wenn im Heimatland Folter oder Tod warten. Die Strafe ist gleich hoch wie bei einem Mörder. Aber was ist das für eine Justiz, die Mörder gleich hoch bestraft wie diejenigen, die mal eine Versicherung bescheissen?

Der Wahnsinn beginnt jedoch bei der Tatsache, das diese Verurteilten jegliche Rechtsansprüche verlieren, was im Widerspruch steht zu einem Rechtsstaat, in dem man beispielsweise Rekursmöglichkeiten hat. Diese Form von Radikaljustiz kommt einer Inquisition gleich was die Rechtsmittel anbelangt.

Wer nun einwendet, er hätte ja nur etwas gegen die Kriminalität tun wollen, dem muss ich leider erst Recht Demokratieunfähigkeit vorwerfen. Diese Initiative berücksichtigt nur bestimmte Delikte, von Mord bis zum Versicherungungsbschiss. Weder Todesraser noch Steuerbetrüger sind da eingeschlossen, wen wunderts, die SVP bekuschelt Steuerflüchtlinge seit je her und kämpft gegen Radarfallen. Wem es wirklich ernst gewesen wäre mit der Kriminalität, der hätte wenn schon den Gegenvorschlag angenommen, der alle Delikte einschliesst und das Strafmass berücksichtigt. Wir wollen doch Schwerkriminelle los werden und nicht die Putzfrau die sich mit ein paar Putzstunden etwas dazu verdient. Wer abstimmt, sollte sich gefälligst damit beschäftigen und nicht nur der billigen und millionenschweren Propaganda einer Rechtspartei nachplappern.

Heute haben wir ein einst freiheitliches Land zu einem rechtlosen Raum gemacht, heute haben wir die Eidgenossenschaft beerdigt. Zum Glück werde ich eh irgendwann nach Deutschland ziehen, das war schon vorher klar. Aber seit heute weiss ich, dass ich eines Tages die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen werde und meinen Schweizer Pass feierlich verbrenne. Nicht, dass ich glauben würde, es sei in Deutschland besser – aber dort hat das Volk wenigstens nicht die Macht, das ganze Land in den braunen Morast zu karren.

Seit zwanzig Jahren beobachte ich das braune Treiben dieser Partei mit Argusaugen, unzählige Male erlebte ich, wie sie mit polemischem Lug und Trug die ganze Nation vergiftet haben, Jahr für Jahr erlebe ich eine Radikalisierung und Brutalisierung der Politik, erlebe in Diskussionsforen, wie immer mehr SVP-Vergiftete die Wiedereinführung der Körperstrafe bis hin zur Todesstrafe fordern. Hass wird gesäht und die Saat geht auf. Wie weit lässt sich diese Nation noch aufhetzen? Das dritte Reich begann nicht in Auschwitz, es endete dort. Der Anfang lief ähnlich ab wie hier und jetzt. Man sucht schwarze Schafe, ernennt sie zum personifizierten Bösen, hetzt das Volk gegen sie auf, schürt Hass und Nationalismus. Irgendwann ist das aufgehetzte Volk reif, reif für einen Führer, der das vermeintlich Böse ausmerzt mit allen Mitteln.

Dieser Beitrag ist ausnahmsweise nicht für Kommentare freigegeben, es gibt nichts mehr zu sagen. Das Volk hat bestimmt, wenn das Volk die eigenen Werte verraten will und aus dem eigenen Land einen Lumpenstaat machen will, dann darf es das in einem demokratischen Land. Aber solange die SVP noch keine 50% Wähleranteil hat, darf ich noch von meinem Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch machen und sagen, was ich denke. Das habe ich getan und nun will ich mich wieder meinem Leben widmen. Mein Leben ist mir wichtiger als der Niedergang dieses Landes, früher oder später wird das nicht mehr mein Problem sein.

Hier noch etwas zur Selbstreflektion, ich rate allen sich mal Gedanken zu machen, warum sie sich derart belügen lassen: Was die SVP verheimlicht


 

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