(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transsexualität und Homosexualität

Wie im letzten Beitrag über die Faktenresistenz der Psychologie berichtet, begegnet einem in dieser Thematik ein realitätsfremder Fundamentalismus, wie er sonst nur unter ultraorthodoxen Fanatikern üblich ist.

Es werden Thesen aufgestellt ohne sie belegen zu können, die wiederum werden schon bald mal zu Dogmen ernannt und von da an herrscht selektive Wahrnehmung in diesen psychiatrischen Hirnen.

Ich möchte nun die wichtigsten dieser Hypothesen beleuchten und beginne mit einer der ältesten Mythen der Transsexuellen-Psychologie, der Behauptung, Transsexualität sei eine Art verdrängte Homosexualität.

Realitätsfremdes Festhalten am Trans=Homo Mythos
Obwohl diese These in Fachkreisen kaum nicht ernst genommen wird, gibt es nachwievor einzelne Psychologiegläubige, die wider aller Vernunft an dieser These festhalten. Tragisch daran ist die Tatsache, dass die jahrzehntelange Predigt dieses Mythos in den Köpfen der Bevölkerung ihren Platz gefunden hat und dort kaum noch rauszukriegen ist. Ich erlebe immer wieder völlig erstaunte Gesichter, wenn ich jemandem sage, dass ich auf Mädels steh. Ja aber warum machst Du denn sowas, wenn Du doch auf Mädels stehst? Na weil es eben um die Geschlechtsidentität geht und nicht um die sexuelle Orientierung. Es gibt heterosexuelle Frauen und es gibt lesbische Frauen, warum soll das bei transsexuellen Frauen anders sein? Die Vorstellung, eine transsexuelle Frau könne nicht lesbisch sein, ist etwa so absurd wie die Behauptung, Asthmatiker könnten keine Bauchschmerzen haben. Schauen wir uns das mal in Ruhe an.

Freiwillige Vervielfachung der Stigmatisierung?
Homosexualität ist unterdessen hierzulande recht akzeptiert, man kann niemanden mehr erschüttern mit einem homosexuellen Outing. Es gibt da zwar noch viel Diskriminierungen auszuräumen, aber ein Drama ist Homosexualität bestenfalls noch bei strengreligiösen Familien. Transsexuelle Menschen lösen hingegen nachwievor ein Vielfaches mehr Irritationen aus, dieses Phänomen ist viel schwerer zu verstehen und die Stigmatisierung geht viel viel weiter als bei homosexuellen Menschen. Würde also jemand seine Homosexualität verdrängen und sich anstelle dessen eine Transsexualität einreden, was in aller Welt hätte er damit gewonnen? Tauscht man eine gesellschaftlich doch recht akzeptierte Andersartigkeit ein gegen etwas, das von den Meisten für komplett gestört betrachtet wird? Spätestens seit 1973 Homosexualität aus den medizinischen Diagnosebibeln gestrichen wurde und nicht mehr als krankhaft betrachtet wird, dürfte es – würde diese Trans=Homo-These stimmen – gar keine transsexuellen Menschen mehr geben. Ich würde ehrlich gesagt gerne tauschen, mein Leben wäre tausend mal einfacher, wenn ich nur eine nicht der Mehrheit entsprechende sexuelle Orientierung hätte.

Angestrebter Sexualitätsverlust aus sexuellen Gründen?
Alleine schon die Idee, Transsexualität in den Bereich der Sexualität zu verlegen, ist an sich schon völlig absurd. Durch eine geschlechtsangleichende Operation besteht etwa eine 30% Chance, dass man anschliessend keine funktionierende Sexualität mehr hat. Aus sexuellen Gründen zu riskieren, dass man die Sexualität ganz verliert, ist jenseits des Vorstellbaren – es sei denn man ist so von einer psychologischen These angefressen und so sexualitätsfixiert, dass man sich so einen Irrsinn einreden kann.

Lesbische Homosexuelle? Wie geht denn das?
Die Grenze zum diagnostischen Hirntod wird spätestens dann überschritten, wenn man bedenkt, dass ein doch beachtlicher Teil der transsexuellen Frauen auf Frauen steht, also lesbisch ist. Würde diese These stimmen, könnte ich ja jetzt meine angeblich verdrängte Homosexualität ausleben. Aber ich hab mich wieder in n’Mädel verknallt und mich nun sogar verlobt. Homosexuell? Hä?

Pathologische Realitätsverleugnung
Und hier zeigt sich deutlicher als sonstwo die selektive Wahrnehmung und Faktenresistenz der Psychologen und Sexologen. Weil die Existenz transsexueller Frauen, die auf Frauen stehen, offensichtlich ist, macht man damit das, was alle religiös Verblendeten tun. Wenn ein Dogma nicht mit der Realität übereinstimmt, dann hinterfragt man nicht das Dogma sondern leugnet die Realität. In diesem Fall läuft das so, dass die Verfechter dieser Trans=Homo-These einfach behaupten, transsexuelle Frauen, die auf Frauen stehen, seien gar nicht transsexuell sondern halt einfach sonstwie gestört. Wie geil ist das denn? Ich hab mal rund 800 Beiträge lang in einem Forum mit evangelikalen Fundamentalisten diskutiert, diese Argumentationsweise kenne ich nur von dort, wenn beispielsweise die Existenz von Dinosauriern als völlig unmöglich betrachtet wird, weil in der Bibel nichts davon steht, dass Noah auch Dinos in die Arche brachte. Dass man diesen Grad an Realitätsverweigerung bei religiösen Fundamentalisten findet, ist ein Stückweit nachvollziehbar. Aber wenn eine angeblich wissenschaftliche Akademie diese Denkweise an den Tag legt, dann wird Wissenschaft zu Esoterik.

Der neurologische Gegenbeweis
Doch selbst wenn wir den gesunden Menschenverstand weglassen und diese realitätsfremde These für möglich halten würden, kämen die Verfechter dieser These spätestens beim Betrachten der Hirnstruktur in einen Argumentationsnotstand, der selbst für einen evangelikalen Prediger zur unlösbaren Herausforderung würde. Im Jahr 1995 publizierte “Nature” eine Studie (Zhou, Hofman, Gooren, Swaab), die Hirnquerschnitte von verstorbenen Männern, Frauen, homosexuellen Männern und transsexuellen Frauen untersuchten. Es ging um die Hirnregion BSTc, von der man wusste, dass sie mit der Sexual- oder Geschlechtsentwicklung zu tun hatte. Es zeigte sich, dass die Neuronendichte dieser Hirnregion bei homosexuellen Männern mit heterosexuellen Männern übereinstimmte. Damit war klar, dass die sexuelle Orientierung nicht durch diese Hirnregion beeinflusst wird. Die Überraschung war jedoch gross, als man feststellte, dass diese Hirnregion bei transsexuellen Frauen nicht wie man annahm mit denen von Männern übereinstimmte sondern die gleiche Neuronendichte hatte wie bei anderen Frauen. Wären transsexuelle Frauen “nur” Männer mit verdrängter Homosexualität, dürfte ihre geschlechtsbestimmende Hirnregion nicht mit der von Frauen übereinstimmen – tut sie aber – im Gegensatz zu homosexuellen Männern.

Verdrängte Homosexualität und psychoanalytische Projektion
Spätestens hier müssten auch die letzten Ewiggestrigen der Psychologiekirche merken, dass das dünne Eis, auf dem sie sich bewegt haben, längst eingebrochen ist. Aber anstatt das einzugestehen, halten sich diese (in der Regel Psychoanalytiker) plötzlich für Jesus und laufen übers Wasser. So kann man schlussendlich nicht anders als anerkennen, dass das Festhalten an dieser vielseitig widerlegten These viel mehr aussagt über die Verfechter dieser These als über die Analysierten. Und diese Psychoanalytiker müssen sich die Frage gefallen lassen, weshalb ihre Homofixiertheit ihr Denken derart beeinträchtigt. Es ist höchste Zeit, dass sich diese “Fachleute” endlich selber auf die Couch legen und versuchen herauszufinden, was in ihrem Kopf nicht stimmt, dass sie unter einem solchen Realitätsverlust leiden – wer weiss, vielleicht stellt sich ja dann heraus, dass sie ihre eigene verdrängte Homosexualität auf ihre Patienten projeziert haben ;-)

Genitalien als Zentrum psychoanalytischen Denkens
Es fällt auf, dass im Speziellen Psychoanalytiker alles und jedes auf die Sexualität zurückführen und jede nur erdenkliche Andersartigkeit auf “sexuelle Perversionen” zurückführen. Und so stellt sich die Frage, was für ein perverses Denken diese Menschen treibt, dass sie derart in einem phallozentrischen Weltbild gefangen sind. Die Genitalien sind – auch wenn Sigmund Freud in seinem Koksrausch das so gesehen hat – nicht das Zentrum der Welt und sie sind auch nicht das Zentrum der menschlichen Persönlichkeit. Wer die Wichtigkeit seiner Genitalien derart überschätzt, leidet an einer schweren Denkstörung, die meines Erachtens behandlungswürdig wäre. Diese Psychoanalytiker wären gut beraten, beispielsweise Freuds “Zwang, Paranoia und Perversion” nochmal zu lesen und sich dabei fragen, inwiefern der gute Freud seine eigenen psychischen Störungen in die Welt hinaus projeziert hat. Vielleicht haben Psychoanalytiker ja auch nur deshalb so ein Problem mit dem Phänomen Transsexualität, weil gerade transsexuelle Frauen den von Freud postulierten Penisneid aller Frauen ad Absurdum führen ;-)

Transsexualität und Borderline-Syndrom

Weiter gehts zum Thema Faktenresistenz der Psychologie. Während die These, Transsexualität sei in Wirklichkeit verdrängte Homosexualität, nur noch von Ewiggestrigen aufrecht gehalten wird, verbeissen sich einige Psychologen, Sexologen und Psychiater nachwievor gern in die These, Transsexualität sei eine Unterform des Borderline-Syndroms. Auch diese These spottet jeglicher Logik und lässt sich nur vertreten, wenn man sich die Realität massiv zurechtbiegt. Der Widersinn der Homosexualitätsthese ist schnell zu durchschauen, bei der Borderline-These wirds schwieriger, weil das Borderline-Syndrom eine sehr komplexe Sache ist und weil selbst unter Fachleuten umstritten ist, ab wann man von einem Borderline-Syndrom sprechen kann. Kritiker bemängeln gar, dass diese Diagnose zum Sammelbecken geworden ist für alle psychischen Auffälligkeiten, für die man keinen eigenen Namen hat. Versuchen wir trotzdem eine Betrachtung, mit welchen Tricks gewisse Psychologiefundamentalisten sogar Transsexualität in dieser Schublade versorgen wollen.

Neurose, Psychose und das dazwischen
Als Erstes brauchen wir eine kleine und zugegebenermassen arg vereinfachte Einführung in die Psychologie. Man unterscheidet bei psychischen Störungen im Wesentlichen in zwei Gruppen, Neurosen und Psychosen. Neurosen sind beispielsweise Ängste (Phobien) und Zwangshandlungen (Manien), die jedoch immer mit der Realität übereinstimmen. Psychosen sind wiederum Zustände, bei denen Betroffene den Bezug zur Realität verlieren (wie z.B. gewisse Psychoanalytiker). Um ein Beispiel zu nennen, wenn jemand Angst hat vor Spinnen (Arachnophobie), dann weiss er, dass die eigentlich harmlos wären, trotzdem fürchtet er sich vor ihnen, das ist eine Neurose. Wenn jemand sich verfolgt fühlt (Paranoia) und ernsthaft glaubt, der Geheimdienst sei ihm auf den Fersen oder Verwandte wollten ihn vergiften, dann ist das in der Regel eine Psychose, der Betroffene ist wirklich überzeugt von einer ernsthaften Bedrohung. Um ein weiteres Beispiel zu nennen, Selbstüberschätzung kann neurotisch sein, aber wenn jemand sich ernsthaft für Gott hält oder für unfehlbar (wie der Papst), dann ist es eher eine psychotische Störung. Es gibt so einen witzigen Spruch, der den Unterschied recht gut auf den Punkt bringt:

Neurotiker bauen Luftschlösser,
Psychotiker wohnen drin
und Psychiater kassieren die Miete ;-)

Das Borderline-Syndrom
Nun gibt es aber auch Grenzfälle, die irgendwo dazwischen liegen oder viel mehr Menschen, die trotz vielfältiger Symptome meist ihren Realitätsbezug behalten, ihn aber stellenweise verlieren oder zumindest dieser etwas eingeschränkt ist. So entstand der Begriff “Borderline-Syndrom“, der vom englischen Wort Borderline=Grenzlinie stammt. Gemäss den medizinischen Diagnosebibeln müssen Betroffene mindestens 5 von folgenden 9 Punkten aufweisen:

  1. Der Betroffene will nicht alleine sein, will Trennungen vermeiden, und das auf jeden Fall
  2. Zwischenmenschliche Beziehungen sind zwar intensiv, aber auch sehr instabil, Hass und Liebe wechseln sich häufig ab
  3. Der Betroffene hat eine gestörte Identität. Er hat eine gestörte Selbstwahrnehmung.
  4. Der Betroffene ist sehr impulsiv. Er lebt oft ohne Rücksicht auf Verluste.
  5. Der Betroffene droht oft mit Selbsttötung und Selbstverletzung.
  6. Der Betroffene ist auffällig unausgeglichen und instabil. Häufig sind auch Angst und Reizbarkeit oder depressive Stimmungen zu bemerken. Diese Stimmungen sind jedoch nur kurz vorhanden.
  7. Der Betroffene fühlt sich leer und ihm ist langweilig
  8. Der Betroffene kann seine starke Wut nicht unterdrücken
  9. Der Betroffene mißtraut phasenweise jedem, in Krisen schaltete er komplett ab. Er erlebt sich selbst fremd und verändert.

Aufmerksamen Lesern dürfte aufgefallen sein, dass diese Kriterien sehr gummig sind und mit etwas “gutem Willen” auf so manche Menschen zutreffen. Wie stark diese Punkte erfüllt sein müssen, um von einem pathologischen Zustand ausgehen zu können, liegt im Ermessen des Analysierenden. Kein Wunder, dass Kritiker diese Diagnose als “Verlegenheitsdiagnose” betrachten. Wenn man gar kein Etikett findet, lässt sich diese Persönlichkeitsstörung notfalls gut überstülpen.

Borderline-Diagnose im Selbsttest
Wenn ich mir den Spass erlaube und diese neun Kriterien an mir selbst überprüfe, dann zeigt sich die Skurilität dieser Zuweisung sehr gut, fast so gut wie die Trans=Homo-These in Anbetracht davon, dass ich auf Frauen stehe.

  1. Ich bin sehr oft alleine, die meiste Zeit sogar, früher war ich sogar tagelang allein im Wald um etwas Ruhe zu habe. Trennungen scheue ich nicht mehr als Andere, ich versuche sie nicht zu vermeiden, aber scheue sie auch nicht wenn sie notwendig werden.
  2. Zwischenmenschliche Beziehungen sind zwar intensiv, aber sehr wohl stabil, ich wechsle weder Partnerschaften noch Freundschaften regelmässig aus. Meine wichtigsten Beziehungen dauerten 11 und 6 Jahre. Ich kann hassen und lieben, aber nicht dieselbe Person, da wechselt nichts, beide Gefühle sind beständig.
  3. Eine gestörte Identität und Selbstwahrnehmung könnte man mir wenn überhaupt bei der Geschlechtsidentität unterstellen, aber meine Geschlechtsidentität ist alles andere als instabil. Auch sonst verfüge ich über ein grosses Mass an Selbstreflektion und kann sehr gut objektiv in mich hineinsehen.
  4. Ich habe sehr intensive Gefühle, im Guten und im Schlechten und ich stehe auch dazu, aber ich versuche dabei stets Rücksicht zu nehmen auf Andere.
  5. Suizid ist für mich absolut keine Option und die einzige Selbstverletzung die ich ausübe ist das Rauchen.
  6. Da ich sehr intensiv fühle, wechseln sich positive und negative Gefühle auch ab, zwar manchmal heftig aber meist situationsadäquat.
  7. Ich und langweilig? Für mich müsste der Tag mindestens 72 Stunden haben, weil ich soviel tun möchte, langweilig ist mir definitiv nie, sonst könnte ich kaum tagelang allein im Wald rumsitzen und nichts tun.
  8. Wut kann ich unterdrücken und tue das auch wenn es nötig ist, aber ich stehe zu meinem Gefühlen und äussere Wut genauso wie Begeisterung offen und ehrlich.
  9. Ich misstraue nur denen, die mein Vertrauen missbraucht haben, reagiere da also ebenfalls realitätsadäquat. In Krisen schalte ich nicht ab sondern gehe auf Konfrontation, Probleme müssen ausgesprochen werden. Mich selbst erlebe ich nicht als fremd, abgesehen von meinen Geschlechtsmerkmalen.

Wer mir anstelle von Transsexualität ein Borderline-Syndrom unterjubeln möchte, begibt sich auf dünnes Eis. Ohne eine gehörige Portion Realitätsverdrehung führt so ein Versuch zwangsläufig in bodenlose Lächerlichkeit. Diese Diagnose passt genauso gut zu mir wie Alzheimer, ich bin nämlich sehr vergesslich.

Transsexualität als Form des Borderline-Syndroms?
Weiters dürfte sich aufmerksame Leser nun fragen, wo da der Zusammenhang sein soll. Die feste Überzeugung, “im falschen Körper” zu leben, lässt sich mit diesen neun Kriterien kaum erklären, geschweige denn diagnostizieren. Wie in aller Welt kommt man also auf die Idee, Transsexualität sei eine Form des Borderline-Syndroms? Abgesehen von einer Verlegenheitsdiagnose, die nur Ausdruck psychiatrischer Ratlosigkeit wäre? In der Tat weisen transsexuelle Menschen in der Regel keine fünf dieser neun Punkte auf – so meistern die Meister der Psychologie diese unlogische Zuweisung nur mit einem fasziniernden Trick. In schlauen Psychologiebüchern, die sich mit diesen Themen beschäftigen, heisst es dann kurzgefasst und sinngemäss in etwa: “Für die Diagnose eines Borderline-Syndroms müssen fünf von neun Kriterien erfüllt sein……… ausser bei Transsexuellen, die sind auch ohne diese Kriterien Borderliner”. Hmmm, okeeeeee, aber was bitte sind denn nun die Kriterien, mittels denen man transsxuellen Menschen diese “Persönlichkeitsstörung” unterjubeln kann? Das klingt etwa wie wenn man sagen würde: “Vögel erkennt man daran, dass sie Federn und Flügel haben”, ausser Kamele, die sind auch Vögel, obwohl sie keine Flügel haben. Jo klar, oder? Wie schon bei der Trans=Homo-These begegnet uns wieder eine Form der Argumentationszurechtbiegung, die jeglichen Verstand missen lässt und ansonsten nur bei religiösen Fanatikern zu finden ist.

Geschlechtsangleichung als selbstverletzende Handlung?
Wie haarsträubend diese Kriterien zurechtgebogen werden, um aus Transsexualität doch noch ein Borderline-Syndrom zu basteln, zeigt beispielsweise das Argument des selbstverletzenden Handelns (SVV). Im Zuge ihres Argumentationsnotstands postulieren gewisse Psychologiewahrsager, der “Wunsch” nach einer geschlechtsangleichenden Operation sei eine Extremform der Selbstverletzung – sozusagen Kastration als Selbstbestrafung. Auf den ersten Blick mag das oberflächlich betrachtet einleuchten, aber es hält einer genaueren Betrachtung nicht im Geringsten stand. Selbstverletzung wird gerade bei Borderlinern oft gemacht, weil sie das Gefühl der Leere überwinden möchten. Sie spüren sich in gewissen Momenten nicht mehr und holen sich so das Gefühl und damit sich selbst zurück ins Bewusstsein. Das tun sie genau in dem Moment, in dem diese Leere unerträglich wird. Es wäre völlig sinnlos, diese Leere mit einer geschlechtsangleichenden Operation aufzufüllen, weil diese Leere jetzt in diesem Moment gefüllt werden muss und nicht in zwei Jahren. Das Planen einer Selbstverletzung in zwei Jahren würde dieser Person nichts, einfach gar nichts bringen.

Fazit: erneuter Realitätsverlust
Wer bei dieser Faktenlage transsexuellen Menschen ein Borderline-Syndrom unterjubeln möchte, muss sich genauso wie die Vertreter der Trans=Homo-These die Frage gefallen lassen, ob er nicht unter einer gehörigen Portion Realitätsverlust leidet und sich eine Traumwelt zusammenbastelt, die ernsthaft behandlungswürdig wäre. Ich habe in meinem Leben so um die 50 Psychologiebücher gelesen, einige davon behandelten auch das Borderline-Syndrom. Aufgrund dessen was ich über Borderliner gelesen habe, blicke ich ehrlich gesagt fassungslos auf diese Psychologiesekten, die Transsexualität in diese Schachtel packen wollen, weil es da einfach keine Gemeinsamkeiten gibt. Dafür finde ich nur noch eine Erklärung: religiöser Wahn – und dieser wäre behandlungsfähig, diese Leute sollten sich wirklich endlich mal helfen lassen.

Nachtrag: ein äusserst informativer Blogbeitrag im BadHairDays-Blog geht unter Anderem auf die Borderline-Hypothese ein, der ganze Beitrag ist sehr empfehlenswert, aber vorallem dieses Kapitel ist eine gute Ergänzung zu meinem hier vorliegenden Text:
BadHairDays: Die Borderline-Hypothese (Sigusch)

Primäre und sekundäre Transsexualität

Nachdem wir uns mit der Faktenresistenz der Psychologie beschäftigt haben und die unter Psychologen praktizierte Realitätsverweigerung an zwei beispielhaften Ursachenthesen, der Homosexualitätsthese und der Borderlinethese betrachtet haben, werfen wir nun einen Blick auf die Tricks, die von der Psychologie verwendet werden, um die Widersprüchlichkeit ihrer Thesen aufzulösen.

Bei der Postulierung von Ursachenthesen für Transsexualität stolpern die Erfinder dieser sich gegenseitig widersprechenden Thesen über vielfältige Widersprüche, die ihre aufgestellte These von selbst widerlegen. Aber wie bei anderen religiösen Fanatikern üblich, wird dann nicht die These in Frage gestellt sondern die Realität so lange verdreht, bis sie doch irgendwie zur These passt. Beispielhaft sei hier daran erinnert, wie die Verfechter der Homosexualitätsthese die offensichtliche Existenz von lesbischen TransFrauen einfach damit erklären, dass lesbische TransFrauen gar nicht transsexuell seien.

Die Lebensläufe und Entwicklungswege von transsexuellen Menschen sind so vielfältig wie bei allen anderen Menschen, so ist es auch kein Wunder, dass man bei transsexuellen Menschen solche findet, die schon in der Kindheit ihr Anderssein ausdrückten und gegen ihre falsche Geschlechtszuweisung rebellierten, während andere transsexuelle Menschen zuerst jahrzehntelang gegen dieses Anderssein ankämpften und erst in höherem Alter die Grenze des Erträglichen überschreiten und ihr Recht auf das Leben in ihrem richtigen Geschlecht einfordern. So begannen die Schwarzweiss-Denker der Psychologenkirche bald mal, transsexuelle Menschen in Gruppen einzuteilen, man sprach von primären und sekundären Transsexuellen. Primäre Transsexuelle waren die, die von klein an transsexuell waren, sekundäre Transsexuelle waren die, die erst später “transsexuell wurden”. Ein glorreicher Geniestreich, denn so kann man die Widersprüche der einzelnen Ursachenthesen erklären. Aber ist dieser postulierte radikale Unterschied zwischen diesen zwei Gruppen überhaupt haltbar oder lässt sich dieser offensichtliche Unterschied nicht ganz banal entwicklungspsychologisch erklären?

Menschen sind von Geburt an unterschiedlich, sie denken und fühlen unterschiedlich und sie verhalten sich anders. Zu Beginn neigen Kinder in der Regel dazu, dass sie sich durch Ausprobieren entwickeln, man tut etwas, schaut wie das Umfeld darauf reagiert und lässt dann aufgrund der Reaktionen etwas zu oder unterdrückt es. Mit den Jahren unterscheiden sich Kinder immer mehr, die einen leben sehr angepasst, Andere sind eher widerspenstig, die einen ordnen sich unter, die Anderen rebellieren. Auch da gibt es natürlich kein schwarz-weiss, da gibt es alle Abstufungen.

Psychologen wissen sehr wohl, dass sich Menschen auch bei gleichen Umständen oder gleichen Wesensarten ganz unterschiedlich entwickeln können, aber bei transsexuellen Menschen darf das nicht sein. Ist es wirklich so schwer nachzuvollziehen, dass es transsexuelle Menschen gibt wie beispielsweise Kim Petras, die von klein an auf ein Leben in ihrem wahren Geschlecht bestehen, während es Andere gibt wie beispielsweise mich, die jahrzehntelang verzweifelt versuchen, “normal” zu sein? Der Wunsch, normal zu sein, ist im Menschen tief verankert, wir sind nunmal Herdentiere und wünschen uns gesellschaftliche Akzeptanz. Es dürfte nur eine Minderheit der Menschen sein, die so konsequent ihren Weg gehen und ihre Eigenheit leben, im Bewusstsein, dass sie deswegen ausgegrenzt werden.

Wenn man meinen Lebenslauf betrachtet, müsste man mich eindeutig als sekundär transsexuell klassifizieren. Ich wuchs wie ein Junge auf, benahm mich in der Regel wie ein Junge, war irgendwann sogar Mitglied eines Motorradclubs, gründete eine Familie, zeugte ein Kind, bis ich dann “überraschend” im Alter von 42 Jahren an die Tür des Unispitals anklopfte und geschlechtsangleichende Massnahmen forderte. Überraschend? Sekundär? Schaut man jedoch unter die Oberfläche und hört mir zu, was ich von frühster Kindheit an gefühlt habe ohne es je auszudrücken, wie ich vier Jahrzehnte lang gelitten habe, wie ich von Jahr zu Jahr mehr innerlich zerrüttete, weil ich dieses gespielte Mannsein nicht ertragen konnte, wenn man bedenkt, dass ich fast ein Jahrzehnt versuchte, diese Diskrepanz zwischen Innen und Aussen psychotherapeutisch zu verarbeiten – erfolglos – kann man da von sekundär sprechen, davon, dass sich bei mir die Transsexualität “entwickelt hat”?

Gerade an meinem Beispiel zeigt sich die Absurdität einer solchen Zweiteilung. Aufgrund meines Lebenslaufs würde mich jeder Psychologie als sekundär transsexuell klassifizieren. Aufgrund von ein paar psychotherapeutischen Gesprächen würden mich jedoch dieselben Psychologen als primär transsexuell einstufen. Ja was jetzt? Meine unerschütterliche Gewissheit, ein weibliches Wesen zu sein, war schon in frühster Kindheit vorhanden, das hat sich in vierzig Jahren nie geändert. Aber für Aussenstehende sichtbar wurde es erst vier Jahrzehnte später. Primär? Sekundär? Wollen wir eine Münze werfen um zu entscheiden?

Schätzungen zufolge soll etwa ein Viertel der transsexuellen Frauen primär sein, der Rest sekundär. Wundert uns das wirklich, dass dreiviertel der Menschen eher jahrzehntelang sich selbst verleugnen, als dass sie sich selbst sind um den Preis einer unerträglichen gesellschaftlichen Stigmatisierung?

Vorallem transsexuelle Frauen mit einer auf Frauen fixierten sexuellen Orientierung werden oft als sekundär betrachtet. Gerade bei diesen lesbischen Frauen ist es häufig so, dass sie sehr lange versuchen, um jeden Preis normal zu sein. Sie führen scheinbar normale Beziehungen, gründen Familien, zeugen Kinder und hoffen, so ein normales Leben zu führen. Sie wissen ganz genau, dass sie im Falle von geschlechtsangleichenden Massnahmen ihre sexuelle Kompatibilität mit Frauen aufs Spiel setzen.

Ich war nicht viel mehr als 20 Jahre alt, als ich eine Dokumentation im TV sah von Coco, einer transsexuellen Frau aus Zürich. Ich sass fassungslos vor dem TV, mit jeder Minute wurde mir klarer, dass das, was mein Leben bisher so unerträglich gemacht hat, Transsexualität heisst. Neben mir sass meine Freundin die ich liebte, mit der ich später eine Familie gründete. Mir war schlagartig klar, dass es für mich nur einen Weg gibt, um ein menschenwürdiges Leben zu führen, ich müsste denselben Weg gehen wie Coco. Abner damit würde ich diese Frau die ich liebe verlieren. Und ich würde mir so ziemlich alle Chancen nehmen, je wieder so eine Beziehung führen zu können. Was für ein unglaublich hoher Preis wäre das? Als heterosexuelle Frau wäre das viel einfacher gewesen, aber als lesbische TransFrau hiess das, Leben oder Lieben.

Weitere zwanzig Jahre versuchte ich dann verzweifelt, mein Ich zu unterdrücken, weil das Geliebtsein mir viel wichtiger erschien als mein Ichsein. Welch fataler Fehlentscheid! Hätte ich damals gewusst, dass diese lebenslange Selbstverleugnung schlussendlich zwangsläufig irgendwann scheitern muss, hätte ich keine Sekunde gezögert. Aber gerade das Funktionieren innerhalb einer Beziehung, die aus meiner Sicht lesbisch war, von aussen her gesehen jedoch den Anschein einer ganz normalen heterosexuellen Beziehung machte, liess mich in der Hoffnung, dass irgendwann alles gut wird.

Primär? Sekundär? Mit Verlaub, mir persönlich ist bis heute kein transsexueller Mensch begegnet, der mit Vierzig plötzlich aus dem Nichts auftauchend “transsexuell wurde”. Aber ich kenne Viele, die jahrzehntelang unterdrückten, was nicht sein darf.

Die als primär klassifizierten transsexuellen Menschen unterscheiden sich von den Sekundären nicht in ihrer Wesensart, da gibt es keine zwei Formen von Transsexualität, es gibt nur verschiedene Wege, wie jemand mit der Unerträglichkeit des Seins umzugehen versucht.

Tragisch an dieser Zweiteilung ist, dass in vielen Köpfen die Primären die Echten sind, während die Sekundären die Unechten sind. Noch tragischer ist, dass unterdessen auch unter Betroffenen diese Sichtweise angenommen wurde, natürlich nur von denen, die als primär eingstuft werden. Da gibt es tatsächlich transsexuelle Menschen, die sich selbst als primär einordnen, die glauben sie könnten sich selbst legitimieren, in dem sie vermeintlich Sekundäre als unecht abtun. Damit machen sie sich jedoch nur zu Gehilfen einer Psychologensekte, sie werden zu Lakeien von Menschenrechtsverletzern und schlussendlich zu Kanibalen, die ihre eigenen Artverwandten auffressen, um sich selbst zu erhöhen.

Nein, meine lieben Psychologen, nein, meine liebe transsexuelle Elite, es gibt keine zwei Formen von Transsexualität, es gibt nur zwei Wege, auf denen man diesen unvorstellbar schweren Zustand zu überleben versucht. Wenn jemand eine weibliche Hirnstruktur hat und einen männlichen Restkörper, dann handelt es sich da um eine Frau, eine transsexuelle Frau, unabhängig davon, wie lange diese Frau versuchte, dagegen anzukämpfen.

Transsexualität: Psychologische Sichtweise ohne Scheuklappen

Die Vereinigung ‘Aktion Menschenrecht und Transsexualität’ ATME hat kürzlich den Schweizer Psychiater und Psychotherapeut Dr. phil. Horst-Jörg Haupt interviewt. Er gehört zu den wenigen Psychologen, die auch über ihre eigene akademische Grenze hinausschauen und Fakten aus anderen Fakultäten ernst nehmen. Infolgedessen vertritt Dr. Haupt eine interessante Denkweise, die im Gegensatz zu vielen anderen Psychologen wissenschaftliche Fakten höher gewichtet als ein hundert Jahre alter und längst widerlegter Dogmatismus.

Das ganze Interview kann und sollte hier auf der Website von ATME gelesen werden. Hier ein paar Zitate aus dem Interview und ein paar Gedanken dazu………..

Die Sonderbehandlung transsexueller Menschen ist ein Skandal

Für mich ist – ich formuliere das ganz bewusst so – die „Sonderbehandlung“ transsexueller Menschen durch ein perfides, ausgeklügeltes und zynisches medizinisch-juristisches System, ein Skandal ersten Ranges.

Es ist in der Tat schockierend, dass transsexuelle Menschen eine medizinische und juristische Sonderbehandlung unterlaufen müssen, die Seinesgleichen sucht. Dass medizinische Hilfe ein Jahr lang während eines sogenannten Alltagstests verweigert wird ist ein Unikum. Dass die Anerkennung der Identität an eine irreversible Sterilisierung gebunden ist, ist einmalig in Europa – zumindest seit dem Ende des Hitlerreiches. Nicht umsonst beklagte sich der EU-Menschenrechtskommissar Thomas Hammarberg kürzlich in einem Bericht mit den Worten: “It is of great concern that transgender people appear to be the only group in Europe subject to legally prescribed, state-enforced sterilisation.”……. staatlich geforderte Sterilisierung? Das müsste uns wirklich zu denken geben.

“Penis=Mann, kein Penis=Frau” oder wissenschaftliche Fakten?

Der sexologische Mainstream vertritt die einfache Formel: “Penis=Mann, kein Penis=Frau”. Damit fällt man auf das wissenschaftliche Niveau der Zeit um 1900 bis 1905 zurück, als Freud seine „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ formulierte. 100 Jahre später – im Zeitalter der Neurowissenschaft, der Molekulargenetik und einer sozialwissenschaftlich geprägten Psychologie und Medizin – muten solche Auffassungen reichlich überholt an.

Dieser Glaube scheint nicht erschütterbar, obwohl die Neurowissenschaften und die Genetik in den letzten 10 Jahren klare Hinweise dafür gefunden haben, dass Transsexualität auf einer besonderen, angeborenen, körperlichen „Ausstattung“ beruht – und zwar des Gehirns. Aus neurowissenschaftlich-genetischer Sicht ist Transexualität eine – gar nicht so selten vorkommende – körperliche Normvariante.

Es ist höchst erstaunlich, dass die psychologischen Gilden im Jahr 2010 mit unerhörter Faktenresistenz alle wissenschaftlichen Forschungsergebnisse aus der Endokrinologie, Neurologie und Genetik ignorieren und anstelledessen lieber in ihrem genital-fixierten Denken nach Sigmund Freud sitzen bleiben. Die Welt hat sich bewegt, in den letzten hundert Jahren, ein Grossteil der Psychologen scheinen davon nichts mitbekommen zu haben. Mit Verlaub, aber damit disqualifiziert sich die Psychologie zur okkulten Parawissenschaft, die in anständigen Universitäten nicht gelehrt werden dürfte.

Der Mensch ist kein Genital sondern ein “Selbst”

Neben dem Spitzer’schen „Sie sind Ihr Gehirn!“ gibt es für mich deshalb noch ein „Du bist in der Tat!“ bzw. „Du bist, was Du tust!“. Und für die Verrücktheit/Krankheit des „transsexuellen Tuns“ existieren keine wissenschaftlich fundierten Belege. Bestimmte „Sexologen“ glauben und verbreiten dennoch, transsexuelle Menschen seien psychisch gestört.

Manfred Spitzer gilt als einer der anerkanntesten Neurologen der Neuzeit. Er betont immer wieder, dass das Gehirn allein den Menschen ausmacht. Es gibt nichts im Menschen, das nicht vom Hirn gesteuert ist. Die gesamte Persönlichkeit, das Selbst, ist im Gehirn verankert. Wenn also – wie vielfach erfolgt – der wissenschaftliche Beweis erbracht wurde, dass z.B. transsexuelle Frauen eine weibliche Hirnanatomie haben, dann ist es einfach absurd, wenn man das Geschlecht trotzdem an Genitalien oder Chromosomen festmachen will. Wer würde auf die Frage: “Was bist Du”, antworten: “Ein Penis mit etwas Mensch dran”? Gerade bei Psychologen ist es mehr als verwunderlich, dass sie in dieser einen Frage plötzlich nicht das Gehirn ins Zentrum stellen sondern die Genitalien.

Recht auf Selbstbestimmung

Grundsätzlich: das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ist durchzusetzen. Das bedeutet: Weg mit den Gutachterverfahren, denn transsexuelle Menschen selbst sind die ExpertInnen. Weg mit Zwangsmassnahmen, allem voran die Zwangskastration und die Zwangs“psychotherapie“. Keine obligatorischen entwürdigenden Zwangs-Alltags-Tests mehr!

Sowohl der EU-Ministerrat als auch die Parlamentarische Versammlung des Europarates haben sich klar und deutlich gegen die gängigen Behandlungsstandards ausgesprochen und mit der Resolution 1728 ein Ende der Zwangssterilisierungen und sonstigen medizinischen Zwangsmassnahmen gefordert.

Das Gehirn als Zentrum des Menschen

Es gibt viele Hinweise, dass Transsexualität eine biologisch fundierte Variation des Gehirns, d.h. gesunde Normvariante ist und dass genetische, hormonelle und anatomische angeborene Besonderheiten des Gehirns die Basis von Transsexualität darstellen. Das „Ich bin Mann/Frau“, also die Geschlechtsidentität, ist primär angeboren und dies ist funktionell-strukturell im Gehirn fix verankert.
Gemäss dem Satz von Manfred Spitzer „Sie sind Ihr Gehirn“ ist das Gehirn also das entscheidende Geschlechtsorgan. Diese Aussage hat viel mehr Tiefe, als sie zunächst vermuten lässt. Das Gehirn ist der biologische Träger des „Selbst“, also jener Tiefenschicht unserer Subjektivität, wo die ganz persönlichen, „festen“ Vorstellungen „von mir“ angeboren, verwurzelt und verankert sind, also auch der tiefen inneren Gewissheit, wessen Geschlechts „ich bin“. Dass Teile des Selbst angeboren sind, wird heute auch von der Mehrzahl der PsychoanalytikerInnen akzeptiert.

Transsexuelle Menschen gibt es nunmal, was auch immer der liebe Gott sich dabei überlegt hat, es gab sie immer und wird sie immer geben. Dass es sich hierbei um keine psychische Störung handelt, weder Perversion noch Geisteskrankheit ist, wurde mittlerweile mehr als genug nachgewiesen. Ebenfalls nachgewiesen wurde dank einem Jahrhundert erfolgloser Psychotherapierung, dass die Geschlechtsidentität eines Menschen nicht verändert werden kann. Wenn ich also der festen Überzeugung bin, eine Frau zu sein und man eine Wahnvorstellung ausschliessen kann, dann ist das zu respektieren. Ich bin ein Mensch und kein Genital, ich bin Mensch, habe ein Selbst und eine Persönlichkeit. Wenn also nachgewiesen wurde, dass ich nicht gestört bin, dann gibt es keinen medizinischen und erst Recht keinen ethischen oder moralischen Grund, weshalb man mir meine Identität absprechen dürfte. Und es gibt erst Recht keinen Grund, mich wider aller Erkenntnisse zu psychopathologisieren und die dringend benötigte medizinische Hilfe an Bedingungen zu knüpfen, die gegen internationale Menschenrechte verstossen. Es ist höchste Zeit, dass Psychologen ihren fixierten Blick endlich mal von den Genitalien lösen können und die Fakten anerkennen!

Ärzte – Steht auf und beendet diesen akademischen Irrsinn endlich

Auf jeden Fall ist es erfreulich und überfällig, dass sich Fachärzte zu diesem Thema öffentlich äussern, die nebst ihrem Guru Sigmund Freud auch die Realität ausserhalb ihrer Psychothesen wahrnehmen und anerkennen. Wer auch immer sich als Expert/in sieht in dieser Thematik, flehe ich an: Bitte öffnet endlich Eure Münder gegen den psychologischen Mainstream! Wir sind Menschen, die daran zugrunde gehen oder zumindest ihr Leben in gehörigem Mass beeinträchtigt wird, durch die von Euren Akademien postulierte Gestörterklärung. Psychologen haben die Lüge der “gestörten Transsexuellen” in die Welt gesetzt, Ihr wisst um die Fakten, die diese Psychopathologisierung widerlegen, Ihr allein könnt das wiedergutmachen, was Eure Vorgänger begangen haben.

Wir warten auf Euch, auf all diejenigen, die die Fakten kennen und anerkennen, die immer noch still sind weil es blasphemisch wäre, sich gegen eine dogmatische Mehrheit aufzulehnen. Wenn Ihr es nicht tut, bleiben Menschen wie ich auf der Strecke, die eigentlich ganz normale Menschen mit einer etwas anderen Körperentwicklung sind, die weiterhin als “gestörte Transen” missachtet werden……. solange bis Ihr endlich aufsteht und Euer Wissen teilt.

Transsexuelles Gehirn und Phantomschmerz

It’s important to emphasise that there’s nothing wrong or abnormal about being a transsexual, it’s part of the whole spectrum of human sexuality and sexual behaviour.
(Professor V. S. Ramachandran)

Soeben bin ich über ein spannendes Interview gestolpert mit Professor V. S. Ramachandran, dem Direktor des Center for Brain and Cognition University of California San Diego, der sich mit “brain-based body image” (hirnbasierte Körpervorstellung) beschäftigt und im Speziellen der Frage über Phantom-Gefühle nachging. Ramachandran fand interessante Auffälligkeiten bei transsexuellen Menschen………

Phantom-Gefühle oder Schmerzen bedeutet, dass jemand nach einer Amputation das nicht mehr vorhandene Körperteil nachwievor fühlt. Der Grund dafür liegt darin, dass unser Hirn ein body-image hat, das Hirn weiss genau, was zum Körper gehört und lässt sich auch nicht von dieser Überzeugung abbringen, indem es sieht, dass es doch nicht so ist. Wird ein Körperteil amputiert, glaubt das Hirn weiterhin, es würde existieren und wertet Signale aus den Nervenenden entsprechend aus. Bei Männern, denen man aufgrund einer Krebserkrankung den Penis amputieren musste, spüren diesen in etwa 60-85% der Fälle weiterhin, Viele spüren sogar weiterhin Erektionen in diesem nicht mehr vorhandenen Glied.

Ramachandran stellte in seinen Untersuchungen fest, dass bei transsexuellen Frauen nach einer genitalangleichenden Operation nur bei etwa 30% ein Phantom-Effekt auftritt. Auch bei transsexuellen Männern folgt bei der Brustentfernung in der Regel kein Phantomgefühl, im Gegensatz zu Frauen, die eine Brustamputation durchführen mussten. Noch überraschender ist die Tatsache, dass ca 60% der transsexuellen Männer schon vor dem “Penisaufbau” einen Penis spürten, teilweise sogar Erektionen.

The answer is the majority of the transsexuals don’t experience a phantom penis. What’s amazing is that your body image, which includes your genitals, is at least in part programmed by genes and your brain is hard-wired to incorporate the genitals as part of your body image. Even more amazing is the observation that “women” (transMänner) who undergo transgender sexual surgery who acquired an artificial penis, a majority of them since early childhood have experienced a phantom penis. This is absolutely extraordinary because it means that each of us has a brain-based body image which is detailed down to the fine anatomy, including your genitals.

Da wie wir wissen transsexuelle Frauen eine weibliche Hirnanatomie haben, erklärt sich auch, dass das im Hirn verankerte body-image keinen Penis vermisst, wenn er “weg ist”. Dies ist ein weiterer von vielen Hinweisen, dass transsexuelle Menschen eben nicht einfach “dem anderen Geschlecht” angehören wollen sondern tatsächlich dem von ihnen postulierten Geschlecht angehören, zumindest von der Hirnstruktur her, die schlussendlich Seins-bestimmend ist.

Ich für meinen Teil kann diese Beobachtung bisher absolut bestätigen, ich hatte in diesen zwei Monaten nie ein Phantom-Gefühl, da kam nie ein Nervensignal das behauptete, es würde etwas fehlen, da war auch kein Erektionsgefühl, nichts. Das einzige was einmal passierte war, dass ein Kitzeln auf der ehemaligen Vorhaut vom Hirn als “ausserhalb des Körpers” interpretiert wurde. Ein einziger Kontrollblick reichte, damit das Hirn verstand, dass diese Haut nun innerhalb des Körpers ist, von da an war diese Haut im Hirn um-verortet. Aber das hat nichts mit Phantomgefühlen zu tun, denn die Haut ist ja immer noch da, nur der Ort hat gewechselt. Aber von all dem was nun weg ist, habe ich nicht ein einziges Mal etwas vermisst, es fühlt sich an, als sei da nie etwas gewesen.

Hier das ganze Interview, man muss dort den orangen Link drücken auf dem steht: “show transcript”:
ScienceShow: Transsexuals and the phantom penis

Wer’s noch etwas genauer wissen will:
Medical Hypotheses – Occurrence of phantom genitalia after gender reassignment surgery
Journal of Consciousness Studies – Phantom Penises In Transsexuals: Evidence of an Innate Gender-Specific Body Image in the Brain

Zürcher Obergericht: Kein Sterilisierungszwang für transsexuelle Menschen

Endlich – Das Zürcher Obergericht beendet den Sterilisierungszwang von transsexuellen Menschen. Zur Anerkennung des Geschlechts eines Menschen einen operativen Eingriff zu verlangen, verletze die körperliche Integrität der betroffenen Person. Damit folgt das Zürcher Obergericht faktisch den Bestimmungen der europäischen Menschenrechtskonventionen. Zum einem ist das ein Toröffner für die geschätzten 20% der transsexuellen Menschen, die eine genital-angleichende Operation nicht machen können oder wollen. Mehr als das ist es jedoch in meinen Augen ein Paradigmenwechsel, denn begründet wurde dieses Urteil mit den Worten:

Die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen bestimmt sich nicht allein nach seinen körperlichen Merkmalen, sondern nach seiner ganzen Persönlichkeit.

Diese Begründung zeigt ein Denken, das mir ganz neu scheint. Die Forschung der letzten Jahre hat klar gezeigt, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass transsexuelle Menschen nicht den Wunsch haben, dem anderen Geschlecht anzugehören sondern dass transsexuelle Menschen in einem Körper leben, der ihrem eigenen – im Hirn festgelegten – Geschlecht entgegen gesetzt ist. Wir wissen, dass das Geschlecht weder allein durch Genitalien noch alleinbestimmend durch Chromosomen festgelegt wird, das Geschlecht ist ein Aspekt der Persönlichkeit und die Persönlichkeit eines Menschen liegt nicht in den Genitalien sondern im Kopf.

Und das – so habe ich den Eindruck – ist eine Denkweise, die nach einem Jahrhundert Psychopathologisierung erstmals dem gleicht, was Betroffene seit je her für sich in Anspruch nahmen.

Die Frage stellt sich nun auch hier, ob wie beim kürzlichen Fall des deutschen Transsexuellengesetzes nun die Macht der Gutachter umso grösser werden könnte. Das kann noch niemand sagen, weder beim deutschen TSG noch bei diesem Schweizer Grundsatzentscheid. Tatsache ist, dass die Gutachter nun das letzte Glied in der Kette sind, sie sind die alleinige Wache vor dem Tor der Anerkennung – entsprechend übervorsichtig könnten sie da werden und dementsprechend sind diese Sorgen wohl auch berechtigt.

Aber selbst wenn, wäre das nur ein Aufbäumen einer versinkenden alten Zeit, in der Menschen mit vom Geschlecht abweichenden Genitalien psychopathologisiert wurden und die Persönlichkeit des Menschen aufgrund eines Widerspruchs zu den Genitalien als gestört klassifiziert wurde. Mir scheint das wie der Beginn einer Ära, in der man der Persönlichkeit eines Menschen den gebührenden Respekt entgegenbringt, das Wesen ganzheitlich betrachtet und ihm damit das Recht auf Selbstbestimmung und Selbstentfaltung überlässt.

Das mag erst ein kleiner Anfang sein und es ist auch einmal mehr ärgerlich, dass im Tages-Anzeiger von Geschlechtsumwandlung und Wunschgeschlecht geschrieben wird – weit weg von dem worum es wirklich geht – aber es bleibt doch das Novum, dass man hier den transsexuellen Menschen erstmals als ganzheitliche Persönlichkeit wahrgenommen und qualifiziert hat. Das ist ein grosser Tag für uns, davon bin ich überzeugt.

TagesAnzeiger: Wann ist ein Mann … eine Frau?

Transgender-Network: Menschenrechte endlich auch für Schweizer Transmenschen

PS: bei der Gelegenheit habe ich beim Tagi eine neue Funktion entdeckt, links in einer Box. Man kann da mit einem Formular inhaltliche oder grammatikalische Fehler mitteilen. Ich war dann gleich mal so hilfsbereit und habe darauf hingewiesen, dass Ausdrücke wie “Geschlechtsumwandlung” nicht korrekt sind. Dass man das berücksichtigt und den Text ändert, wage ich aus Erfahrung zu bezweifeln, aber soll mir nie jemand kommen, ich hätte nix gesagt ;-)

Das letzte Kapitel – Blog geschlossen

Es war einmal ein Mädchen, sie hatte ein vergnügtes und umgängliches Wesen, war voller Liebe für diese Welt und es dürstete sie zu leben. Aber das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr, eine Laune der Natur bescherte ihr einen männlichen Körper und zwang sie dazu, ein Leben in der männlichen Geschlechterrolle zu leben. So wurde ihr Leben zu einem Albtraum, verborgen in den Tiefen ihrer Seele war sie gefangen, konnte nie wirklich am Leben teilzunehmen. Sie begann Regie zu führen, erfand eine Rolle die sie leben konnte, wurde Junge, dann Mann, dann Vater…… und sie spielte die Rolle die man zynisch “Leben” nannte weiter und weiter, litt daran, dass niemand sie selbst je zu sehen bekam, verzweifelte, weil sie nie selber leben konnte……… bis zu dem Tag an dem sie nicht mehr die Kraft hatte, diese Lüge ihres Lebens weiter zu inszenieren.

Sie begab sich auf einen neuen Weg, ein Weg, der zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich ihr eigener Weg war. Sie wusste, dass sie sehr viel erdulden müsste, sie wusste nicht, ob sie stark genug wäre um der nun drohenden Stigmatisierung zu widerstehen, sie wusste nur eines, sie musste sich endlich zulassen, selbst wenn sie dabei zugrunde ging. Vier Jahrzehnte hatte sie leise gelitten, nun wollte sie dieses Leiden durchbrechen und sie wollte diesmal nicht mehr leise sein, sie wollte ihre viel zu lange versteckten Gefühle laut hinausschreien.

So begann sie ein Blogtagebuch im Internet zu führen, dieses Tagebuch einer transsexuellen Frau, das Du gerade liest. Zweieinhalb Jahre lang beschrieb sie ihren Weg durch die “Geschlechtstransition” in diesem Tagebuch, offenbarte ihr Innerstes und berichtete kompromisslos selbst über intimste Gefühle. So entstand ein Tagebuch, das den Weg einer transsexuellen Frau miterleben lässt, das zeigt wie schwer dieser Weg ist, mit welchen Grausamkeiten man sich auf diesem Weg herumschlagen muss aber auch wie glücklich man dabei werden kann.

Dies ist das letzte Kapitel dieser Geschichte, die nun endlich zuende geschrieben ist. Aus dem transsexuellen Mädchen wurde eine Frau mit transsexueller Vergangenheit, ihre Selbstbefreiung und Selbstentfaltung ist vollbracht, nun kann sie endlich leben als das was sie immer war und doch nie sein durfte – einfach eine Frau die ihr eigenes Leben und sich selbst lieben kann.

Liebe Leserinnen und Leser…….

Es erfüllt mich auch mit Wehmut, dieses Blog heute zu schliessen, weil ich damit den letzten Teil meiner Transition zurücklasse und weil wir hier soviele schöne Gespräche führten, weil ich hier meine Lebenspartnerin fand, weil hier meine Befreiung inszeniert wurde, weil mir dieses Tagebuch soviel gegeben hat und weil ich mit diesem Tagebuch sovielen Betroffenen helfen konnte. Gerade heute, als ich den PC startete mit dem Vorsatz, diesen Beitrag zu schreiben, bekam ich ein Mail von einer transsexuellen Frau die ganz am Anfang ihres Weges steht, sie dankte mir herzlichst für die Hilfe die ich ihr mit meinem Blog gebe, erzählte wie sie mitlachte und mitweinte beim Lesen – und zeigte mir wie wichtig dieses Tagebuch ist für jene, die kaum einen Halt finden zu Beginn dieses Weges.

Aber die Schliessung dieses Blogs ist für mich auch Befreiung, es bedeutet loslassen und das ist der letzte und wichtigste Schritt auf dem Weg einer transsexuellen Frau – loslassen und sich ganz dem Leben widmen.

Das Leben der transsexuellen Frau namens Diana ist erzählt, die Metamorphose vollendet. Es war eine Geschichte voller Höhen und Tiefen und wie ich meine mit einem grandiosen Happy End. Deshalb soll hier nun Schluss sein, weiter geht es nun in meinem neuen Blog “A girl called Diana“.

Dieses Blogtagebuch ist nun geschlossen und wird so als abgeschlossene Geschichte stehen bleiben. Kommentare zu bestehenden Blogbeiträgen werden weiterhin zugelassen und von mir auch beantwortet. Aber neue Beiträge wird es nicht mehr geben, es sei denn, es gäbe noch eine für dieses Tagebuch wesentliche Ergänzung. Die Bilder die ich kürzlich selbst-zensurierend aus dem Blog entfernt habe, werde ich zu gegebener Zeit reaktivieren, bis dahin bleibt das Blog wohl oder übel so wie es momentan vorliegt.

Liebe Leserinnen und Leser…….

Ich möchte an dieser Stelle Euch allen von Herzen danken, für Euer Dasein, für Euer Mitfühlen und vorallem für all die Kommentare, mit denen Ihr mir beigestanden seid. Es war eine tolle und verrückte Zeit mit Euch und so hoffe ich, dass ich Euch auch in meinem neuen Blog wieder lesen werde.

Somit verabschiede ich mich nun hier von Euch, hier am Ende dieser Lebensgeschichte einer transsexuellen Frau……… und ich begrüsse Euch und lade Euch ein in meine zweite Lebensgeschichte, dem Tagebuch einer Frau mit transsexueller Vergangenheit, in dem ich nun bin was ich bin:
a girl called Diana.

Danke…… ich liebe Euch…….. wir lesen uns ;-)



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