(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Was bedeutet Transsexualität / Transidentität

Transsexualität selbst ist keine Krankheit, sondern lediglich ein wissenschaftlich anerkanntes Phänomen, dass vielerlei Ursachen haben kann. Niemand entscheidet sich aus einer Laune heraus zu diesem als “Geschlechtswechsel” wahrgenommenen Schritt. Man ist transsexuell oder man ist es nicht. Die Betroffenen leiden nicht unter einem Zwang die Kleider des somatisch anderen Geschlechts tragen zu müssen und ganz und gar so leben zu wollen, sondern sie empfinden vielmehr die Tatsache im falschen Körper gefangen zu sein und in einer als fremd empfundenen, nur dem Körper entsprechenden, gesellschaftlich geforderten Rolle leben zu müssen, als Zwang. Auch wenn Transsexualität keine Krankheit ist, so kommt doch dem extremen Leidensdruck durch die innere Zerrissenheit im falschen Körper zu stecken, ein sehr deutlicher Krankheitswert zu.
(Johanna Martina Dorsch, Sozialtherapeutin)

Würde man auf der Strasse Leute fragen, was Transsexualität resp Transidentität bedeutet, wäre die häufigste Antwort wohl: “Das ist wenn ein Mann eine Geschlechtsumwandlung macht, weil ER lieber eine Frau wäre”.
Das ist in viellerlei Hinsicht falsch:

  • Transsexuell bedeutet, dass von frühster Kindheit an der biologische Körper nicht mit der inneren Geschlechtsidentität übereinstimmt. Bei einer transsexuellen Frau bedeutet das, dass ein Kind sich als Mädchen fühlt, aber den Körper eines Knaben hat. Es handelt sich also nicht um einen Mann, der eine Frau wird sondern um eine Frau, die ihren männlichen Körper ihrem inneren Geschlecht anpasst.
  • Transsexualität ist keine Frage des Wollens. Niemand würde so einen folgenschweren und schmerzhaften Umwandlungsprozess durchleben, wenn es eine Frage des Wollens wäre. Viel mehr leiden transsexuelle Menschen ein Leben lang unter einem so hohen Leidensdruck, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem sie so einfach nicht mehr so weiter leben können. Der Transformationsprozess ist also nichts was man einfach tun möchte sondern tun muss um nicht zugrunde zu gehen.

Transsexualismus ist gekennzeichnet durch die dauerhafte Gewissheit, sich dem biologisch anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen. Dazu gehören die Ablehnung der mit dem biologischen Geschlecht verbundenen Rollenerwartungen und der drängende Wunsch, sozial und juristisch anerkannt im gewünschten Geschlecht zu leben.
(Dr. Pichlo, MDK Nordrhein)

Beim Thema Transsexualität gibt es eine Reihe von Missverständnissen:

  • Transsexualität hat nichts mit der sexuellen Ausrichtung zu tun sondern ist eine Frage der Geschlechtsidentität. Im englischen wird unterschieden zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und der Geschlechtsidentität (gender). Viele Trans-Frauen stehen auch nach dem Transformationsprozess auf Frauen, sind also so gesehen lesbische Trans-Frauen.
  • Die Geschlechtsidentität ist nicht veränderbar, man hat es jahrzehntelang mit allen Mitteln probiert, mit Elektroschocks bis hin zu Hirnoperationen, das gefühlte Geschlecht lässt sich nicht verbiegen. Deshalb sind Fachleute zum Schluss gekommen, dass man Transsexuellen keine andere Hilfe bieten kann als ihren Körper dem Inneren anzupassen.
  • Transsexualität hat nichts mit Transvestitismus zu tun. Ein Transvestit (männliche Form) fühlt sich als Mann und will auch als Mann leben, er geniesst es einfach, gelegentlich in die Rolle einer Frau zu schlüpfen. Eine Transsexuelle (weibliche Form) fühlt sich als Frau und will in der gesellschaftlichen Rolle einer Frau leben und wahr!-genommen werden.

Ein weiteres folgenschweres Urteil ist, dass Transsexuelle krank oder gar pervers sind. Der klinische Psychologe Dr. Udo Rauchfleisch von der Basler Universitätsklinik, der rund hundert Transsexuelle behandelt hat, wehrt sich vehement gegen die Klassifizierung von Transsexualität als Krankheit. Er bezeichnet diese Wesensart als “Normvariante”.

Wir können Transsexualismus nicht als eine Störung der Geschlechtsidentität betrachten, sondern müssen ihn als Normvariante ansehen, die in sich, wie alle sexuellen Orientierungen, das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit enthält.
(Prof. Dr. Rauchfleisch, Klinischer Psychologe und Psychotherapeut an der Universität Basel)

Über die Ursachen von Transsexualität gibt es unzählige Theorien aber bis heute keine 100% erwiesene Erklärung. Aufgrund vieler sich gegenseitiger wissenschaftlicher Forschungsresultate aus der Neurologie, der Genetik und der Endokrinologie, geht die Fachwelt davon aus, dass hormonelle Auslöser im Mutterleib dazu führt, dass sich das Gehirn und der “Restkörper” sich unterschiedlich entwickeln. Wichtig ist fürs Erste zu wissen:  Transsexuell wird man nicht, man ist es!

Die Ursachen für Transsexualität sind bisher nur wenig erforscht. Wir wissen, dass die Geschlechtsrolle schon sehr früh festgelegt wird und dass es nach einer gewissen Zeit keine Möglichkeit mehr gibt, die geschlechtliche Selbstidentifikation eines Menschen zu verändern.
(Magnus Hirschfeld Archiv für Sexualwissenschaft)

Obwohl nachgewiesen wurde, dass Transsexualität biologische Ursachen hat und am ehesten als endokrinologische Andersartigkeit verstanden werden muss, wird von Seiten der Psychologie grösstenteils weiterhin die Mär einer Geschlechtsidentitätsstörung postuliert.

Weitere Informationen über Transsexualität / Transidentität
- Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)
- Psychiatrische Universitätsklinik – Infoblatt Transsexualismus
- Magnus Hirschfeld Archiv für Sexualwissenschaft – Transsexualität
- Debeka Krankenversicherung – Transsexualität
- Wikipedia – Transsexualität
- Gerda Maria Weiß: Was ist Transsexualität?
- Dr. Pichlo, MDK Nordrhein – Transsexualismus
- Eva Sturm – Zum Verständnis von Transsexualität
- Transgender.at – FAQ
- Dr. Hannelore Hoffmann / Dr. Inoszka Prehm
- Einige Aspekte zur Transsexualität

- Anita-Daniela Krappel – Trans-what?
- Ego-Net – Transsexualität: Frauen, die Männer sind, und Männer, die Frauen sind

Transgenderismus/Transsexualität/Intersexualität – Grundlagen (von Lynn Conway)
- Teil I: Geschlechtszugehörigkeit + Transgenderismus
- Teil IIa: Transsexualismus
- Part III: Life as a Woman After TS Transition
- Part IIIcde: Life as a Woman after TS Transition

Ist Transsexualität eine Krankheit?

Für 99% der Bevölkerung und für einen Grossteil der Fachleute dürfte diese Frage kaum zur Frage stehen, Transsexualität resp Transidentität ist eine Krankheit. Aber ist das wirklich so? Und wenn Transsexualität eine Krankheit wäre, wäre es dann eine psychische Störung oder eine körperliche Fehlbildung? Als ich mich an der Psychiatrischen Universitätsklinik angemeldet habe, habe ich beim Einweisungsgrund “Geburtsgebrechen” angekreuzelt, somit dürfte meine eigene Haltung klar sein, ob sie den Tatsachen gerecht wird, bleibt aber offen.

Wir können Transsexualismus nicht als eine Störung der Geschlechtsidentität betrachten, sondern müssen ihn als Normvariante ansehen, die in sich, wie alle sexuellen Orientierungen, das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit enthält.
(Prof. Dr. Udo Rauchfleisch)

Interessant in dieser Frage ist der Standpunkt von Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, er war jahrelang als klinischer Psychologe und Psychotherapeut an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel tätig und hat dort unzählige Transsexuelle behandelt. Nach all seinen Erfahrungen kommt Rauchfleisch zur Überzeugung, dass Transsexuelle nicht krank sind sondern, dass Transsexualität eine “Normvariante” ist. Die Norm ist, dass ein Mensch männlich oder weiblich ist und dass das biologische Geschlecht mit der inneren Geschlechtsidentität übereinstimmt. Transsexuelle sind also eine Variante zu diesen Norm-Fällen. Die gesellschaftliche Akzeptanz wäre wohl deutlich höher, wenn wir es so sehen könnten und die Stigmatisierung Transsexueller wäre ebenfalls stark reduziert. Aber Rauchfleisch ist wohl in der Minderheit mit seinem Standpunkt, betrachten wir also die Alternativen.

Was ist Krankheit? Wann ist jemand krank? Das Kranksein wird in der Regel so verstanden, dass jemand dann krank ist, wenn etwas an seiner psychischen oder physischen Gesundheit zu Leiden führt. Transsexuelle leiden enorm unter der Kluft zwischen ihrem biologischen Geschlecht und der Geschlechtsidentität. Somit kann man also von einem krankhaften Zustand sprechen. Aber was ist krank, Körper oder Geist?

Die offiziell medizinische Haltung ist seit je her so, dass Transsexualität eine Geschlechtsidentitätsstörung ist (Gender Identity Disorder), schon das Wort sagt also, dass die Identität gestört ist und nicht der Körper. Woher man diese Gewissheit nimmt, ist und bleibt ein Rätsel, denn bis zum heutigen Tag konnte niemand den Beweis dafür erbringen und niemand konnte diesen Standpunkt widerlegen.

Das einzige was man mit Sicherheit weiss ist, dass Transsexuelle schwerstem Leiden ausgesetzt sind, weil ihre Geschlechtsidentität nicht mit dem “biologischen Geschlecht” übereinstimmt. Wenn man aber die wissenschaftlichen Arbeiten anschaut, wird verwirrenderweise klar, dass es da verschiedene Denkansätze gibt. Was war zuerst, das Huhn oder das Ei? War zuerst, die Geschlechtsidentität oder das biologische Geschlecht? Tatsache ist, dass ein Embryo die ersten Tage weder männlich noch weiblich ist, selbst das primäre Geschlechtsorgan unterscheidet sich nicht. Erst nach ein paar Wochen beginnt sich der Körper in eine Richtung zu entwickeln. Was, frage ich, wenn die Geschlechtsidentität bis zu diesem Zeitpunkt bereits festgelegt ist?

Es gibt eine Vielzahl sich gegenseitig bestätigender Studien die davon ausgehen, dass eine hormonelle Störung im Körper der Mutter den Prozess der biologischen Geschlechtsbildung beeinflussen kann. Was also, wenn die Identität bereits festgelegt ist und der Körper sich plötzlich anders entwickelt? Es gibt sogar neurologische Studien, die zeigen, dass transsexuelle Frauen dieselbe anatomische Hirnstruktur haben wie andere Frauen auch, der Bereich BSTc der für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, hat dieselbe Grösse und Neuronendichte. Transsexualität hat auf jeden Fall biologische Ursachen.

Über die verschiedenen möglichen Ursachen möchte ich ein anderes Mal detailierter sprechen, fürs Erste möchte ich den Leser einfach mal mit der Frage konfrontieren, was nun krank sein soll, der Körper, der Geist…. oder eine Gesellschaft, nur nur schwarz-weiss Kategorien anerkennt?

Das einzige was wir mit Sicherheit wissen: Transsexuelle leiden und ihr Leiden kann reduziert werden, das alleine ist wichtig und hier soll Betroffenen auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen werden. Welche das sind, werde ich in einem nachfolgenden Beitrag erläutern.

Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Transsexualität: Entwürdigung per Gesetz

Die Schweizer Bundesverfassung schreibt im ersten Kapitel über die Grundrechte in Artikel 7: Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen. Dieser ethische Grundsatz ist Bestandteil jeder anständigen Nation, doch gilt dieses Grundrecht auch für transsexuelle BürgerInnen? Verstösst es nicht gegen unsere Verfassung, wenn Transsexuelle ein Leben führen müssen, das ihnen im Alltag immer wieder aus formal-juristischen Gründen die Würde entzieht?

Heute musste ich einen Arzttermin abmachen weil mir die Leute von Uni-Spital empfohlen haben, ich solle die Blut- und Leberwerte überprüfen lassen. Dieses kurze Telefon hat mich mal wieder ziemlich erschüttert, nicht wegen der Behandlung durch die Dame am Telefon sondern dadurch, dass ich von Gesetzes wegen gezwungen war, meine Würde als Frau abzulegen und mich als Mann für die Behandlung anzumelden.

Der Grund dafür ist relativ einfach, wenn auch bizarr. Nach Schweizer Gesetz ist eine transsexuelle Frau solange formal-juristisch als Mann zu betrachten, bis ihr primäres Geschlechtsteil umoperiert wurde. Ich will mich jetzt nicht darüber auslassen, dass es ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft ist, wenn das Mannsein oder Frausein allein durch das primäre Geschlechtsorgan definiert wird und so das Geschlecht auf einen Zellklumpen reduziert wird, darüber werde ich bei anderer Gelegenheit schreiben. Diese reduktionistische Sichtweise hat jedoch zur Folge, dass ich als TransFrau in allen formalen Situationen den alten Namen und das falsche Geschlecht angeben muss. Im Falle eines Arztbesuches wird die Behandlung der Krankenkasse weitergeleitet und für die bin und bleibe ich ein Mann, bis zu ebendiesem operativen Eingriff, deshalb muss mich die Arztpraxis im Computer auch als Mann aufführen. Ich habe also schlicht keine andere Wahl als mich beim Arzt als Mann anzumelden, auch wenn ich dann als Frau dort eintreffe, um dann wieder als Mann von der Krankenkasse abgerechnet zu werden.

Das ist nur eine von vielen Situationen in denen Transsexuelle gezwungen werden, trotz Diagnose “Transsexualismus” für mindestens zwei Jahre als Frau im Alltag zu leben und gleichzeitig weiterhin als Mann zu gelten. Wie in aller Welt soll so eine Schizophrenie ausgehalten werden und mit welcher Logik rechtfertigt sich so ein Zustand? Und wo bleibt die Würde eines Menschen, wenn man zwar als transsexuelle Frau diagnostiziert wurde aber formal-juristisch nicht als Solche gilt? Entweder ich bin transsexuell oder ich bin es nicht, entweder ich bin eine (Trans)Frau oder ich bin es nicht, das kann und darf doch nicht davon abhängig sein, ob meine “Behandlung” abgeschlossen ist resp. ob dieser Zellklumpen nun die gesetzeskonforme Anordnung hat.

Egal ob ich mich für eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz bewerbe, ob ich ein Zug-Abo löse oder ein Bankkonto eröffne, ich muss das stets mit der falschen Geschlechtsidentität tun obwohl ich ärztlich bestätigt eine Frau bin die in einem männlichen Körper lebt. Und das ist eine Entwürdigung, die kaum in Worte gefasst werden kann, es ist eine Selbstverleugnung oder Identitätsabsprechung die einem das Ich-sein verunmöglicht.

Wirklich tragisch ist diese Handhabung für Transsexuelle, die keine GaOp machen werden, denn die werden ihr ganzes Leben lang in diesem unerträglichen Zustand bleiben. Genau betrachtet kommt dies schon fast einem Operationszwang gleich und spätestens dann wird die Würde des Menschen nicht nur missachtet sondern mit Füssen getreten.

Solange das so ist, bleibt der Mensch philosophisch gesehen nicht mehr als ein Geschlechtsorgan mit ein bisschen Körper dran, ohne Persönlichkeit, ohne Identität, ohne Seele – einfach ein sich bewegender Zellklumpen.

Sind Transsexuelle männlich oder weiblich?

transsexuell-mann-frauÜber Transsexuelle herrschen viele falsche Vorstellungen, der grösste Irrtum der ein Verständnis von Transsexualität nahezu verunmöglicht, ist die Frage, welchem Geschlecht Transsexuelle angehören.

Für die meisten meiner Mitmenschen dürfte ich als Trans-Frau ein Mann sein, der lieber eine Frau wäre und deshalb seinen Körper verweiblicht. Man sieht das ähnlich wie bei einem Transvestiten, der ein Mann ist, der manchmal Frauenkleider trägt. Aber ist das wirklich so?

Wenn ein Mann sich als Mann fühlt, aber manchmal Frauenkleider trägt, dann ist er “ein Transvestit”….. ergo männlich.
Wenn jemand mit weiblicher Geschlechtsidentität und männlichem Körper eine Geschlechtsangleichung vornimmt, dann ist sie “eine Transsexuelle”….. ergo weiblich.

Auch die Fachwelt scheint das so zu sehen. Wenn jemand sich für Jesus hält, wird er von Psychiatern kaum mit Jesus angesprochen. Wenn ich einmal pro Monat in der Psychiatrischen Universitätsklinik antanze, werde ich als Frau angesprochen.

Es stellt sich die Frage, was denn das Geschlecht ausmacht, ist es der Körper oder ist es die Persönlichkeit? Wäre der Körper ausschlaggebend, wäre dann ein kastrierter Mann noch ein Mann? Und wie würden wir Intersexuelle nennen, die mit beiden Geschlechtsmerkmalen zur Welt kommen, wären die dann Beides?

Ich glaube, dass Transsexuelle erst dann echte Akzeptanz und echten Respekt erfahren, wenn die Leute einsehen, dass eine Trans-Frau eben eine Frau ist und ein Trans-Mann ein Mann. Solange das nicht so ist, werden wir weiterhin als “gestört” stigmatisiert und werden uns weiterhin von der Welt missverstanden fühlen.

Manchmal liest man auch den Ausdruck des “dritten Geschlechts”, was besagen will, dass Transsexuelle irgend etwas zwischen beiden Geschlechtern sind. Das entspricht zwar nicht meinen Empfindungen, aber damit könnte ich leben. Womit ich nicht leben kann ist die Unterstellung, ich sei ein Mann, denn das war ich nie und werde es nie sein.

Ist Transsexualität heilbar?

Wenn Menschen erstmals mit dem Thema Transsexualität resp Transidentität konfrontiert werden, ist die erste Reaktion meistens: “ja aber kann man Transsexualität denn nicht heilen?”.

Die Antwort darauf ist klar, wenn auch überraschend:
Ja man kann Transsexualität heilen……. mittels Hormontherapie und plastischer Chirurgie…. und nein, es gibt keinen anderen Weg um Transsexuelle von ihren Leiden zu erlösen.

Bis zum heutigen Tag ist es nicht ein einziges Mal gelungen, die Geschlechtsidentität eines Menschen zu verändern. Fachleute gehen davon aus, dass spätestens im Alter von 3 Jahren die Geschlechtsidentität so stark ausgeprägt ist, dass sie nie mehr änderbar ist.

Man hat es mit allen Mitteln versucht, weder Medikamente noch Elektroschocks konnten an der Geschlechtsidentität rütteln. Deshalb kam schlussendlich auch die Fachwelt zum Schluss, dass Transsexuellen nur geholfen werden kann, in dem man den Körper der Identität angleicht soweit das möglich ist.

Ich wünschte mir, es gäbe andere Wege als eine chemische Kastration, lebenslang Medikamente einnehmen zu müssen, eine rund 8-stündige Operation mit unzähligen Risiken machen zu lassen und ein Leben lang stigmatisiert zu sein, aber es gibt nur diesen einen Weg, ein harter und beschwerlicher Weg, aber ein Weg, der uns Transsexuellen zu Würde und Lebensfreude verhilft und einer lebenslangen Verzweiflung ein Ende setzt, die für Aussenstehende nicht mal ansatzweise begriffen werden kann.

Kürzlich sah ich in einem Internet-Video eine Rede von einer postOp Transsexuellen, die erzählte, dass sie auf die Frage “bist Du transsexuell” antworten würde: “Nein, seit meiner geschlechtsangleichenden Operation nicht mehr”.

Besser könnte ich es nicht ausdrücken.

Ursachen von Transsexualität

Die Ursachen von Transsexualität sind bis heute nicht bewiesen. Aber im Gegensatz zu früher wird Transsexualismus in der Regel nicht mehr als psychische Erkrankung verstanden sondern als eine Folge biologischer Veränderungen. Transsexuelle bilden sich nicht ein, im falschen Körper zu sein, es sind tatsächlich körperliche Merkmale nachweisbar, die de-facto ausschliessen, dass es eine psychische Krankheit ist.

Im BadHairDays Blog ist schon vor einiger Zeit gut recherchierter Beitrag über “Körperliche Ursachen von Transsexualität” erschienen, der unter Anderem dutzende von Berichten und Forschungsresultaten bietet. Wer es wirklich genau wissen will, soll sich dort austoben, der Beitrag ist sehr informativ und mit den Links kann man wirklich in die Tiefe gehen. Hier möchte ich einfach mal einen einfachen Überblick geben, wie sich die Suche nach Ursachen entwickelt hat und wo wir heute stehen.

Ist Transsexualität eine psychische Krankheit?

Dass Transsexualismus eine psychische Erkrankung sein soll, war den Forschenden der Anfangszeit von Anfang an klar, ungeachtet der Tatsache, dass ihre Klassifizierung, Transsexualität sei eine Persönlichkeitsstörung, nie nachgewiesen werden konnte. Es taten sich bald massive Argumentationsnotstände auf. Wenn Transsexualität wie angenommen eine Art Wahn wäre, wären sich Transsexuelle ihres Zustands nicht bewusst, das heisst, sie würden glauben, wirklich vollumfänglich weiblich zu sein. Aber wie das bei Wissenschaften und Kirchen nunmal ist, wenn etwas mal aufgeschrieben und zum Dogma ernannt wurde, wird dieses “Fakt” zur Denksperre.

Geschlechtsidentität ist nicht änderbar

Doch man musste feststellen, dass man die vermeintlich defekte Geschlechtsidentität nicht ändern kann, weder mit Therapie, Medikamenten oder Elektroschocks. So kam man irgendwann zum Schluss, dass eine Verbesserung des Zustandes nur dann erreicht werden kann, wenn man den Körper dem Selbst anpasst. Und so begann man geschlechtsangleichende Massnahmen, wenn auch nur deshalb, weil halt das angeblich Kaputte nicht geflickt werden kann.

Transsexualität als Variante von Intersexualität?

Doch schon früh stellte der renomierte amerikanische Psychiater Harry Benjamin die Frage, ob Transsexualität nicht eine Variante von Intersexualität sein könnte. Intersexualität bedeutet, dass sich das Geschlecht teilweise in die falsche Richtung entwickelt hat. Früher entschied man sich bei der Geburt für eines der Geschlechter, operierte alles “korrekt” um und hatte somit eine 50% Chance, dass man dem Kind das falsche Geschlecht einoperiert hat. Heute findet hier langsam ein Umdenken statt – zum Glück. Jedenfalls ist die Frage berechtigt: Wenn der Körper in der Lage ist, den Körper teilweise dem falschen Geschlecht entsprechend zu entwickeln, dann kann er das auch ganz. Intersexuelle sind der Beweis dafür, dass ein Körper sich trotz eindeutiger Geschlechtsidentität anders entwickeln kann. Aber Benjamin versank in der Mehrheit, die sich an der Persönlichkeitsstörung festgebissen hatten.

Genetische Merkmale bei Transsexuellen

Weitere Forschungen ergaben, dass es verschiedene genetische Marker gibt, die ein Grossteil der Transsexuellen gemeinsam haben. Dass eine Persönlichkeitsstörung die DNA umprogrammiert, wird niemand behaupten, der auch nur annähernd ganz bei Trost ist. Spätestens hier müsste die Thema, Transsexualität sei eine psychische Erkrankung, fallen gelassen werden.

Hormone im Mutterleib als Ursache von Transsexualität?

Weitere Studien konnten nachweisen, dass Hormone während der Schwangerschaft die Geschlechtsentwicklung massiv verändern können.
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Hormone im Mutterleib beeinflussen Transsexualität

Die weibliche Gehirnstruktur von transsexuellen Frauen

Der meines Erachtens klarste Hinweis kommt von den Forschern J.-N. Zhou, M.A. Hofman und D.F. Swaab, die in ihrer Arbeit mit den Gehirnen verstorbener TransFrauen nachweisen konnten, dass die Stelle im Hirn, die für die geschlechtliche Entwicklung zuständig ist, bei TransFrauen und anderen Frauen gleich beschaffen sind. Die von ihnen ermittelte Neuronendichte ist eine organische Messung, es geht nicht darum was im Kopf vorgeht sondern wie er physikalisch beschaffen ist. Wenn das Zentrum für die Geschlechtsentwicklung bei TransFrauen gleich ist wie bei sonstigen Frauen, dann braucht es ein gehöriges Mass an Faktenresistenz, um dann noch von einer psychischen Erkrankung auszugehen.
NATURE, 378: 68-70 (1995) : Ein Geschlechtsunterschied im menschlichen Gehirn und seine Beziehung zur Transsexualität

Fazit

Transsexuelle bilden sich nicht ein, dem anderen Geschlecht zugehörig zu sein. Transsexuelle haben tatsächlich eine körperliche Anomalie.

Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Transsexualität, Nazidenken, unterlassene Hilfeleistung und Menschenrechtsverletzungen

Manchmal haben wir uns schon so an menschenverachtende Dinge gewöhnt, dass wir gar nicht mehr merken, wie verdreht diese Welt ist. Dann hilft nur noch eine Analogie, um das zubetonierte Denken ein wenig aufzulockern. Mit solchen Analogien möchte ich heute beginnen, weil man das Absurde im Leben manchmal erst sieht, wenn es ad-absurdum geführt wurde.

  1. Jemand kommt zum Arzt und ein Hirntumor wird diagnostiziert. Der Arzt sagt, ja wir können Ihnen helfen, dieses krankhafte Gewebe zu entfernen. Aber dazu muss ich bei Ihnen Schizophrenie diagnostizieren. Aber ich bin ja gar nicht schizophren, antwortet der irritierte Patient. Ja das stimmt schon, das wissen wir auch, antwortet der Arzt, aber krankes Gewebe passt nicht in unser Denkmodell und deshalb müssen wir sie halt als persönlichkeitsgestört deklarieren, um Ihnen zu helfen.
  2. Ein anderer Krebspatient erhofft sich eine Chemotherapie. Das Problem ist, erklärt der Arzt, dass Ihnen nach der Chemotherapie die Haare ausfallen und das Herumlaufen mit einer Glatze kann eine schwere Belastung sein. Um sicher zu sein, dass Sie damit klar kommen, müssen Sie jetzt erst mal ein Jahr lang mit einer Glatze herumlaufen und wir beobachten, ob es Ihnen dabei besser geht. Falls es Ihnen in einem Jahr sichtlich besser geht, werden wir die Behandlung einleiten.
  3. Ein Ausländer beantragt die Einbürgerung, er spricht wie ein Schweizer, verhält sich wie ein Schweizer, alles an ihm ist schweizerisch, ausser der Hautfarbe und dem Pass. Ja klar, antwortet das Einwohneramt, wir können Sie einbürgern lassen, sie sind ja offensichtlich fast vollständig schweizerisch. Aber die Einbürgerung kann erst nach Ihrer Sterilisation resp. Kastration erfolgen. Wir müssen sicher stellen, dass Ihre Reproduktionsfähigkeit eingestellt ist.
  4. Nach einem Autounfall hat jemand ein verbranntes Gesicht und hofft auf medizinische Hilfe. Die Krankenkasse stellt sich auf den Standpunkt, dass es sich hier um ästhetische Massnahmen handelt und Schönheitsoperationen nicht kassenpflichtig sind.

Natürlich wird kein Tumorpatient als geisteskrank diagnostiziert, kein Krebspatient muss ein Jahr Probezeit absolvieren bis zur Chemotherapie und kein Ausländer wird vor der Einbürgerung kastriert – so Sachen gibts nicht mehr im Jahr 2010 – ausser bei Transsexuellen.
Also nochmal das Ganze von vorn, diesmal ohne Analogie:

  1. Obwohl Transsexualität nach neustem Stand der Forschung biologische Ursachen hat, obwohl die anatomische Hirnstruktur ihrem “empfundenen Geschlecht” entspricht und obwohl es genetische Faktoren für Transsexualität gibt, wird eine Behandlung nur ermöglicht, wenn man sich eine Persönlichkeitsstörung “gender identity disorder” diagnostizieren lässt. Zwangspathologisierung nennt man das und damit setzt man Transsexuelle einer gesellschaftlichen Stigmatisierung aus, die wohl einigen das Genick bricht. Die Krankheit ist eine körperliche, die Behandlung verändert den Körper, aber für krank erklärt wird der Geist – wie geistlos muss man sein für so eine Haltung?
  2. Bevor Transsexuelle auch nur die geringste Hilfeleistung erhalten, müssen sie ein Jahr lang einen sogenannten Alltagstest absolvieren, in dem sie das “weibliche Leben” erproben. Ohne hormonelle Veränderungen, ohne Bartepilation, einfach mal ein bisschen Frau spielen, sich der vollen Bandbreite gesellschaftlicher Ächtung aussetzen und ein weiteres Jahr leiden, bis vielleicht – und nur vielleicht – eine Behandlung eingeleitet wird.
  3. Eine Namens- resp. Personenstandsänderung wird nur gewährt, wenn “die Fortpflanzungsfähigkeit” zerstört wurde. Im dritten Reich wurden rund dreihunderttausend Menschen zwangssterilisiert. Heute wird das nur noch in seltenen Fällen gefordert. Transsexuelle dürften die einzigen sein, die eine körperliche Erkrankung haben und zu einer Zwangskastration gezwungen werden, um als das anerkannt zu sein, was sie sind.
  4. Transsexuelle haben – sofern sie Alltagstest und sonstige Schikanen überleben – das Recht auf eine medizinische Behandlung. Diese beschränkt sich auf das Umoperieren des Geschlechtsteils (weil der Mensch ja nur ein Geschlechtsteil mit ein bisschen Persönlichkeit dran ist) sowie die Hormontherapie. Logopädie, Bartepilation u.s.w. werden als ästhetische Behandlung bewertet, ungeachtet dessen, dass eine Frau mit Bart(schatten) sich in dieser Gesellschaft zum Gespött macht.

Warum, fragt sich wer zu fragen wagt, gelten für Transsexuelle Regeln, die sonst in der medizinischen Welt seinesgleichen suchen? Wie kann es sein, dass eugenisches Denken im Stil des dritten Reiches, hier und heute in diesem Land praktiziert wird? Diesen und vielen anderen Fragen geht ein Bericht nach, den die “Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.” zuhanden der UNO geschrieben hat. Ein erschütterndes Dokument, das nicht nur aufzeigt, dass Transsexuelle in hohem Masse Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind sondern auch aufzeigt, dass das dahinterliegende Denken seine Wurzeln direkt im dritten Reich hat und das diejenigen, die für Hitler damals die Rassenreinhaltung übernahmen, die Väter derer sind, die heute Transsexuellengesetze schustern. Und es wird aufgezeigt, dass im speziellen die deutsche Psychoanalyse eine biologische Faktenresistenz betreibt, um entgegen aller Beweise weiterhin an ihrem im Nazireich entstandenen Denken festzuhalten.

Der Bericht ist umfangreich, umso mehr ist er lesenswert:
Menschenrechtsbericht von ATME e.V. zur Situation transsexueller Menschen in Deutschland

Das ganze Thema ist viel zu weitläufig, um es in einem einzelnen Blogbeitrag abzuhandeln und doch interessieren mich einzelne Themenbereiche darin genug, dass ich in nächster Zeit ein paar Artikel schreiben werde, die einzelne von ATME aufgeworfene Aspekte thematisieren.

Psychopathologisierung von Transsexuellen geht weiter und noch weiter

Transsexuelle Menschen werden in dieser Gesellschaft als psychisch gestört betrachtet, man darf sie ausgrenzen, verspotten, diskriminieren und ab und zu auch mal todschlagen. Grundlage dieses Denkens ist der medizinische Irrtum, dass Transsexualität eine Persönlichkeitsstörung sei. Jahrzehntelang hat man aufgrund dieser Fehleinschätzung Transsexuelle zwangstherapiert, versuchte sie mittels Verhaltenstherapie, Elektroschocks und sonstigen lustigen Errungenschaften der modernen Psychiatrie weichzukochen – ohne Erfolg. Bis zum heuten Tag ist es nicht einmal gelungen, die Geschlechtsidentität eines Menschen zu ändern. Schon zu Beginn der Transsexualitätsforschung gab es nahmhafte Stimmen, die den Standpunkt vertraten, dass Transsexualität biologische Ursachen haben könnte. Aber wer einmal im Mahlwerk der Psychiatrie landet, wird von dort nicht mehr freigelassen, niemals.

Die Forschung des letzten Jahrzehnts hat diesen Irrtum entlarvt. Man entdeckte, dass die anatomische Hirn-Struktur von transsexuellen Frauen mit der von “biologisch korrekten Frauen” übereinstimmt. Man fand verschiedene genetische Marker, die bei Transsexuellen gehäuft vorkommen. Kürzlich las ich eine Studie, welche die Forschungsresultate der letzten zehn Jahre zusammenfasste. Daraus resultiert klar, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, vermutlich verursacht durch hormonelle Veränderungen im Mutterleib und genetischen Faktoren. Selbst in der psychosozialen Abteilung des Zürcher Universitätsspitals, an dem ich behandelt und “diagnostiziert” wurde, bestätigte man mir mehrmals, dass sie dort nicht mehr von einer psychischen Störung ausgehen sondern eindeutig biologische Ursachen hinter dem Phänomen Transsexualismus stehen.

All das bewog mich dazu, zu hoffen und zu glauben, dass die internationalen Diagnosebibeln DSM und ICD endlich geändert werden und Transsexualismus nicht mehr unter psychischen Störungen aufgelistet wird sondern irgendwo im Bereich von biologischen Erkrankungen/Veränderungen. Aber die Sektierer der Psychiatrie scheinen einen Narren an uns Transsexuellen gefressen haben, sie wollen uns einfach nicht aus ihren Fittichen entlassen, zumindest macht es diesen Anschein, wenn ich die neuste Entwicklung betrachte.

Während Transsexualität im ICD-10 unter Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen eingereiht ist, zusammen mit Schizophrenie und anderen Erkrankungen, genaugenommen in der Gruppe F64 zusammen mit Transvestitismus, wird Transsexualität nach DSM-IV unter 302.6 als “Gender Identity Disorder” klassifiziert, also eine “Störung der Geschlechtsidentität”.

Spätestens seit man von den bioligischen Ursachen von Transsexualität weiss, müsste Transsexualität aus dem DSM gestrichen werden, weil DSM nur psychische Störungen auflistet. Aber die APA (American Psychiatric Association) hat sich in so zwangsneurotischer Weise an uns festgebissen, dass dort offenbar kollektive Faktenresistenz ausgebrochen ist.

Dieser Tage wurde der erste Entwurf für DSM-V veröffentlicht und aller Fakten zum Trotz wird Transsexualität nachwievor dort eingereiht. Als ob das nicht genug wäre, wurde nun auch Intersexualität in diese Region einsortiert – das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen. Intersexuelle (Zwitter) kommen mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt und werden in der Regel zwecks Geschlechterkonformität mit dem Skalpell kastriert und umgeformt, was an sich schwerste Menschenrechtsverletzung ist. Was für eine psychische Störung soll das denn sein, die bewirkt, dass ein Embryo sich teilweise ins falsche Geschlecht entwickelt? Ich weiss nicht, wie verblödet man sein muss, um auf so eine Idee zu kommen, es ist einfach der Gipfel der Absurdität. Vielleicht haben diese amerikanischen Psychiater zuviele Transsex-Filme geschaut und möchten jetzt alles was geschlechtlich nicht eindeutig ist, in ihren Händen haben, ich weiss es nicht. Aber so eine groteske Form des Fehldenkens gehört offensichtlich dringendst psychiatrisch behandelt. Vielleicht helfen denen ja ein paar kräftige Elektroschocks oder etwas Verhaltenstherapie, auf jeden Fall ist so eine abnorme Denkweise schwer pathologisch.

Die Überarbeitung von DSM-V hat zwar auch Verbesserungen gebracht, vorallem für Kinder die nicht den gesellschaftlichen Geschlechternormen entsprechen. Es braucht nun etwas mehr um diese zu pathologisieren und so bleibt die Hoffnung, dass Kinder zukünftig nicht mehr ganz so schnell in Schablonen gepresst werden und zugunsten geschlechtlicher Eindeutigkeit von psychotischen Psychiatern zwangstherapiert werden. Es gibt nunmal Jungs die weibliche Seiten haben und umgekehrt. Diese “zweite Seite” eines Menschen zu unterdrücken ist einmal mehr eine schwere Menschenrechtsverletzung, die ein Individuum zugunsten der Konformität verkrüppelt.

Für mich als Transsexuelle bleibt der wichtigste Punkt ausgelassen. Ungeachtet der nachgewiesenen biologischen und genetischen Ursachen von Transsexualität gelten wir für die Sektierer der Psychiatrie weiterhin als geistesgestörte Männer, die “den starken Wunsch verspüren, dem ‘zugewiesenen’ Geschlecht anzugehören”. Würde es sich bei Transsexualität um einen Wunsch handeln, wäre es ein medizinisches Wunder, dass dieser Wunsch sowohl DNA als auch die anatomische Hirnstruktur verändern kann.

Die Chance wurde einmal mehr vertan, transsexuellen Menschen die Menschenwürde zukommen zu lassen, die uns gemäss internationalen Menschenrechten zustehen würde. Die Psychopathologisierung wird weiterhin ad-absurdum getrieben und die Gesellschaft weiterhin in diesem Irrtum belassen. Ausgrenzung bis hin zur Verachtung werden weiterhin unser täglicher Begleiter sein und auch dieses Jahr werden wieder eine Hundertschaft Transgender Opfer von Hate-Crimes – weil eine psychiatrische Elite sich über Fakten hinwegsetzt und nicht eingestehen will, dass sie jahrzehntelang Menschenrechtsverletzungen begangen haben.

Solange transsexuelle Menschen weiterhin zusammen mit Pädophilen, Exhibitionisten, Sadomasochisten u.s.w. in einer Schachtel namens Sexual and Gender Identity Disorders einsortiert werden, wird die jahrzehntelange Stigmatisierung von Menschen mit einer biologischen Andersartigkeit weiterhin betoniert und wir zahlen weiterhin den Preis für diese akademische Ignoranz, im Alltag, bei der Jobsuche, im Freundeskreis – so bleiben wir weiterhin wider aller Fakten die Gestörten, die wir nie waren.

UPDATE 23:47…… Ich glaubs nicht, wenn das kein Trost ist für dieses Ärgernis, soeben erfahre ich, dass in Frankreich Transsexualität nicht mehr als Geisteskrankheit gilt *jubel*

Mehr zum Thema DSM-V:
ATME – Ausweitung der Pathologisierung verhindern
BadHairDays-Blog: DSM-V Entwurf
Questioning Transphobia: DSM-V Draft
Cuban Multidisciplinary Society for Sexuality Studies: Statement on depathologisation of transsexualism

Entwurf DSM-V 302.85 Gender Identity Disorder in Adolescents or Adults
Entwurf DSM-V 302.6 Gender Identity Disorder in Children

UPDATE 16. April 2010
Es gibt eine Online-Petition in der man sich gegen die Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen aussprechen kann, bitte unterzeichnet diese Petition um ein Zeichen zu setzen.
TELL THE APA ABOUT TRANSSEXUALISM

Transsexualität ist nun in Frankreich keine Geisteskrankheit mehr

Man glaubt es kaum, aber die Welt dreht sich doch und manchmal sogar zugunsten von uns.

Gestern habe ich mich hier ja noch merklich aufgeregt über den Entwurf der zukünftigen Diagnoserichtlinien (DSM-V) der amerikanischen Psychiatrie-Sekte APA, weil diese Komiker wider wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterhin an der Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen festhalten.

Nun, kaum dass ich mich etwas beruhigt habe, ereilt mich via ATME die Meldung, dass das französische Gesundheitsministerium Transexualität aus der Liste “der psychiatrischen Langzeitleiden” des Sozialgesetzbuchs streicht. Faktisch heisst das, dass nun in Frankreich transsexuelle Menschen nicht mehr als psychisch gestört klassifiziert werden.

Das ist ein Riesenerfolg, nicht nur für Betroffene in Frankreich sondern auf der ganzen Welt. Gerade in Anbetracht davon, dass die Jünger der Psychiatrie sich in kollektiver Faktenresistenz üben, ist es enorm wichtig, dass wenigstens in den Ländern ein Umdenken stattfindet. Die Klassifizierung transsexueller Menschen bestimmt schlussendlich das Denken der Gesellschaft und es wirkt sich – wie ich hoffe – auch auf den Umgang der Medien mit diesem Thema aus.

Jede Veränderung beginnt im Kleinen und zieht immer mehr seine Kreise. Mit jedem Land, das die Fakten anerkennt und transsexuelle Menschen aus der Psychoecke herausholt, wird sich die Akzeptanz erhöhen und dadurch die Stigmatisierung und Ausgrenzung von transsexuellen Menschen reduzieren.

Noch ist ein weiter Weg, bis man uns so wahr!nimmt wie wir wirklich sind, aber solche Paradigmenwechsel sind Signale, die unsere Welt verändern können.

An dieser Stelle möchte ich allen Organisationen, Politikern und nahmhaften Persönlichkeiten danken, die sich jahrelang für diesen Denkwechsel eingesetzt haben. Und ich hoffe von ganzem Herzen, dass allen voran die Weltgesundheitsorganisation WHO endlich ein Signal setzt, das der Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen ein Ende setzt.

Und ich hoffe und bitte die Medien, die jahrzehntelang transsexuelle Menschen als Freaks dargestellt haben, diese Fakten zur Kenntnis zu nehmen und über diesen Denkwandel samt den wissenschaftlichen Gründen für dieses Umdenken genauso zu berichten, wie sie sich bisher auf reisserische “Transen-News” gestürzt haben.

Wir brauchen keine Wissenschaft und keine Forschung, wenn die Resultate von allen Stellen ignoriert werden. Wenn wir Wissenschaft und Medizin ernst nehmen, dann sind wir auch dazu verpflichtet, deren Erkenntnise zu akzeptieren, auch wenn sie ein jahrhundert altes Denkmodell zertrümmern. Der Mythos, Transsexualismus sei eine psychische Erkrankung, ist eindeutig widerlegt. Wer daran festhält, begeht Menschenrechtsverletzungen und trägt die Mitschuld an allen Ausgrenzungen und Diskriminierungen, denen transsexuelle Menschen tagtäglich ausgesetzt sind.

Hier eine kleine Auswahl an ShortNews zu diesem Thema, bleibt zu hoffen, dass einige Medien etwas detaillierter darüber berichten:
La Provence (deutsche Übersetzung)
Deutsche Ärztezeitung
Focus.de
AFP
Thüringische Landeszeitung
Donau-Kurier

Online-Petition gegen DSM-V: Transsexualität ist keine psychische Krankheit!

Vor einiger Zeit habe ich hier darüber berichtet, dass die amerikanische Psychiatriesekte APA (American Psychiatric Association) im Entwurf der neuen Diagnoserichtlinien (DSM-V) Transsexualität weiterhin als psychische Störung auflistet, in derselben Rubrik wie beispielsweise Pädophilie, obwohl diese These mitterweile wissenschaftlich widerlegt ist und bewiesen wurde, dass Transsexualität biologische Ursachen hat.

Nun wurde auf ‘thepetitionsite’ eine Online-Petition lanciert, in der man sich gegen diese Psychopathologisierung aussprechen kann. Ich bitte die LeserInnen, diese Petition zu unterzeichnen, weiterzuverbreiten und vorallem diejenigen, die im Internet aktiv sind (BloggerInnen u.s.w.) diese Petition entsprechend publik zu machen. Zugegeben, so eine Petition hat keinen direkten Einfluss, erst Recht nicht auf die offenbar faktenresistente APA, aber es scheint mir wichtig, dass wenigstens ein Zeichen gesetzt wird.

Die Petitionsunterzeichner fordern, dass Transsexualität (ehemals gender-identity-disorder), die im DSM-V nun als “gender incongruence” verzeichnet ist, mit folgendem Text ergänzt wird:

Gender incongruence, regardless of its etiology or how it is experienced by any person, shall in no way be considered a psychopathology, mental illness or mental disorder. Gender incongruence may, however, be the focus of significant clinical interest and attention.

Kern dieses Zusatzes bedeutet etwas frei übersetzt: Geschlechts-Inkontruenz soll keinesfalls als Psychopathologie, psychische Krankheit oder psychischen Störung betrachtet werden.

Der ganze Petitionstext lautet wie folgt:

We the undersigned,
BELIEVE THAT TRANSSEXUALISM AND SIMILAR CONDITIONS ARE NOT MENTAL ILLNESS, and therefore we call for decisive action:

We recommend that to the diagnosis/criteria pages of provisional DSM-5 diagnostic categories:
302.85–”Gender Incongruence (in Adolescents or Adults)” and
302.6 –”Gender Incongruence (in Children)”
the statement shown below shall be added:

” Gender incongruence, regardless of its etiology or how it is experienced by any person, shall in no way be considered a psychopathology, mental illness or mental disorder. Gender incongruence may, however, be the focus of significant clinical interest and attention.”

We further request that the APA Board of Trustees endorse the above within an official policy statement, at least on an interim basis pending DSM-5 publication.

We ask this in order to explicitly and unambiguously call for medical treatment of transpeople to be on a basis of an overarching aim of promoting health though assessment and treatment on a somatic basis. We believe that somatic treatments of gender incongruent people, with informed consent, have an excellent track record of success and patient satisfaction whereas psychotherapeutic treatments (alone) do not.

In support of these requests we note that:-

1. Current and former gender variant persons, their families and friends, and health care providers worldwide increasingly and publicly call for the depathologization of transsexualism and gender variance as mental illnesses.

2. Recently, the APA Sexual and Gender Identity Workgroup ” … clearly indicated their rejection of the Gender Identity Disorder term because, in their view, [such pathologization] contributes to the stigmatization …”.

3. The presently proposed revisions to DSM-5 do not nearly go far enough in removing the stigma unjustly associated with gender variance.

Mehr zum Thema DSM-V:
Diana: Psychopathologisierung von Transsexuellen geht weiter
ATME – Ausweitung der Pathologisierung verhindern
BadHairDays-Blog: DSM-V Entwurf
Questioning Transphobia: DSM-V Draft
Cuban Multidisciplinary Society for Sexuality Studies: Statement on depathologisation of transsexualism

Entwurf DSM-V 302.85 Gender Identity Disorder in Adolescents or Adults
Entwurf DSM-V 302.6 Gender Identity Disorder in Children

  • Die Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen führt zu Stigmatisierung!
  • Stigmatisierung führt zu Transphobie!
  • Transphobie tötet!

Was bestimmt das Geschlecht – Körper oder Geist?

Die Frage um das Selbstbestimmungsrecht von transsexuellen Menschen steht und fällt mit der Frage, was im Menschen geschlechtsbestimmend ist. Für 99% der Menschen ist der Fall klar, der Körper bestimmt das Geschlecht. Wenn sich das primäre Geschlechtsteil nach aussen richtet, ist es ein Männchen, wenn es nach innen gerichtet ist, ist’s ein Weibchen. Klingt logisch, klingt einfach, ermöglicht das uns so lieb gewordene dualistische Weltbild, aber ist es wirklich so einfach, wie wir gerne hätten?

Das Geschlecht ist nicht zwingend eindeutig
Ich möchte hier am Beispiel von Intersexuellen (Zwittern) aufzeigen, dass diese Sichtweise absurd ist und nicht der Realität entspricht. Ums vorwegzunehmen, ich will hier keinen Zusammenhang zwischen Transsexualität und Intersexualität postulieren. Aber intersexuelle Menschen sind auf grausame Weise zum lebendigen Beweis geworden, dass das Geschlecht weder vom primären Geschlechtsteil noch von gesellschaftlicher Konditionierung festgelegt wird – sondern tief in uns verwurzelt ist und durch nichts, einfach überhaupt nichts, verändert werden kann.

Intersexualität / Hermaphroditismus
Das Thema Intersexualität ist nicht mein Gebiet und es steht mir nicht zu, darüber tiefgründig zu referieren. Trotzdem ist ein kleiner Einblick in dieses Thema notwendig, um zu verstehen, worauf ich hinaus will.

Wenn jemand zur Welt kommt, reicht in der Regel ein Blick zwischen die Beine um das Geschlecht eindeutig festzulegen. Bei transsexuellen Menschen erweist sich dieser kurze Blick zwar irgendwann als Irrtum, aber meistens ist die Sache klar. Nun gibt es aber einen kleinen Prozentsatz an Menschen, die nicht mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kommen. Es lässt sich manchmal nicht klar urteilen, ob das Herausstehende ein kleiner Penis oder eine grosse Klitoris ist. Aber die moderne Welt will Eindeutigkeit und duldet keine Zwischenstufen, also wird seit Jahrzehnten so verfahren, dass man den Chirurgen holt und dass der dieses Geschöpf zurechtschnipselt, in die Richtung, die man gerade für besser hält. Resultat ist, dass meistens der Penis abgeschnitten wird, das Kind also faktisch direkt nach der Geburt kastriert wird. Dass so eine grässliche Art der Verstümmelung und der Missachtung der Menschenwürde bis heute praktiziert wird, ist ein Armutszeugnis für diese angeblich aufgeklärte Welt. Wenn Babies genitalverstümmelt werden, nur weil eine Gesellschaft an ihrem Schwarz-Weiss Denken festhalten will, dann wird das Wort “Menschenwürde” zur Farce.

Die Mediziner in ihrem Machbarkeitswahn waren sich stets sicher, dass sie diese göttliche Macht haben und das Geschlecht eines Menschen chirurgisch festlegen können. Wenn man einen Penis abschmeidet, kann sich dieser Mensch nicht mehr zum Mann entwickeln, logisch oder? Dass diese meist männlichen Mediziner damit faktisch das Mannsein auf dieses kleine Ding zwischen ihren Beinen reduzieren, zeugt von ihrem reduktionistischen Weltbild. Aber die Realität rächte sich grausam.

Menschenrechtsverletzung wird zur Persönlichkeitsstörung
Da der Entscheid, aus einem Menschen mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen einen Mann oder eine Frau zu schnipseln, mit der Wahrscheinlichkeit von 50% falsch entschieden wird, kann es einem nicht verwundern, dass tatsächlich viele der Betroffenen im Verlauf ihrer Entwicklung massive “Störungen” aufzeigen. Man hat beispielsweise einem Jungen aufgrund dieses Fehlentscheides den Penis amputiert und ein Mädchen aus ihm gemacht. Die Eltern haben diesen Jungen als vermeintliches Mädchen erzogen, îhn in Röcke gesteckt, ihm Puppen zu Weihnachten geschenkt, das ganze Umfeld hat diesen Jungen wie ein Mädchen behandelt…… aber dieses Kind fühlte sich nachwievor als Junge.

Wissenschaft und Medizin waren irritiert. Warum “will” dieses “Mädchen” denn ein Junge sein, es muss sich hier um eine Geschlechtsidentitätsstörung handeln. Man hätte schon nach den ersten Fehlschlägen erkennen müssen, dass das Geschlecht nunmal nicht durch das primäre Geschlechtsteil determiniert ist und dass man die Geschlechtsidentität eines Menschen nicht ändern kann. Aber weil Mediziner so umfehlbar sind wie der Papst, wurde dieser “Irrtum” nie wirklich zugegeben und so werden bis heute Babies genitalverstümmelt, in das falsche Geschlecht gezwungen um dann später als geschlechtsidentitätsgestört abgestempelt und psychopathologisiert zu werden.

Diese wohl schlimmste Form der Menschenrechtsverletzung der heutigen westlichen Welt, hat aber etwas nachgewiesen, nämlich, dass weder Skalpell noch Erziehung noch „reparative Verhaltenstherapien“ noch sonstige Wunder der Medizin die Geschlechtsidentität eines Menschen verändern können. Und damit wurde auch bewiesen, dass das Geschlecht eines Menschen nicht alleine durch die Geschlechtsmerkmale oder Erziehung bestimmt ist.

Interexualität ist nicht Transsexualität – oder umgekehrt?
Intersexuelle sind keine Transsexuellen und ich verstehe, dass sie sich uns gegenüber radikal abgrenzen. Denn solange wir den Stempel der Persönlichkeitsstörung aufgedrückt bekommen und solange wir in den psychiatrischen Bibeln in der Schublade von sexuellen Perversionen einsortiert sind, haben Intersexuelle verständlicherweise keine Lust, mit uns in Zusammenhang gebracht zu werden. Eine andere Frage ist, ob Transsexualität eine Unterart von Intersexualität ist. Ich persönlich glaube, dass dem so ist und schon Harry Benjamin, ein Pionier der Transsexualismusforschung vertrat diesen Standpunkt. Aber darum geht es in diesem Beitrag nicht.

Das Geschlecht lässt sich nicht umpolen
Es geht nur darum, dass spätestens durch die Erkenntnisse im Umgang resp. in der Verstümmelung und Konditionierung von intersexuellen Menschen nachgewiesen wurde, dass die Geschlechtsidentität völlig unabhängig von körperlichen Merkmalen und soziologischen Konditionierungen beständig ist.Wenn wir diese nachgewiesene Tatsache anerkennen und akzeptieren, müssen wir auch aufhören damit, transsexuelle Menschen einfach als gestört abzutun. Transsexuelle Menschen gehen kaputt an der Diskrepanz zwischen Körper und Geist – den Geist kann man nicht ändern, das wissen wir spätestens aufgrund dieser Erkenntnisse – deshalb muss transsexuellen Menschen auch auf körperlicher Ebene geholfen werden……… und deshalb ist es eine Frage der Menschenwürde, dass das Geschlecht transsexueller Menschen respektiert wird, unabhängig von körperlichen Merkmalen.

Keine Menschenwürde ohne Selbstbestimmung
Dass die Respektierung des Geschlechts und damit verbunden die Änderung des Personenstandes nachwievor von einer vorgängigen Sterilisation/Kastrierung abhängig gemacht wird, zeugt von der Genitalfixierung dieser Gesellschaft und zeigt, dass unsere Gesellschaft nachwievor die Menschenwürde und Menschenrechte missachtet zugunsten einer postulierten Geschlechts-Binarität.

Aber die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen in der gesellschaftlichen und politschen Sichtweise machen mich trotzdem zuversichtlich, dass irgendwann der Tag kommt, an dem wir die Tatsache anerkennen, dass die Wesensart eines Menschen und damit auch sein Geschlecht, nicht Folge der Zellenanordnung seines Körpers ist sondern dass die Wesensart des Menschen der biologischen Entwicklung vorgegangen ist.

Oder um es religiös oder spirituell zu formulieren, der Körper ist das Gefäss, das die Seele aufnimmt. Die Seele macht den Menschen aus, sie ist nicht Sklave des Gefässes und lässt sich nicht durch das Gefäss formen. Diese Erkenntnis wäre der Anfang zur Wahrung wirklicher Menschenwürde.

Mehr zum Thema Intersexualität:
Zwischengeschlecht.Org
Zwischengeschlecht.Info
Intersex.Schattenbericht.Org
Kastrationsspital.Ch

Transsexualität: Klartext in der Leserbriefspalte

Leider findet man in Zeitungen und Zeitschriften nahezu nie Artikel zum Thema Transsexualität, die auch nur ein klein wenig Fakten liefern. In der Regel sind es entweder Artikel die nichts aussagen oder im Fall von Boulevardblättern irgendwelche transphoben Hetzschriften, die jeglicher Realität fern sind.

Der Tages-Anzeiger hat vor einigen Tagen einen Artikel der ersten Art über einen Trans-Mann publiziert, mit dem tiefsinnigen Titel “Vielleicht auch mal im Stehen pinkeln“. Der Bericht ist relativ umfangreich und wenigstens nicht so despektierlich wie man es von Boulevard-Zeitungen gewohnt ist, aber es wird auch da von “Umwandlung” gesprochen, dass Georges früher ein Mädchen gewesen sei und die Themen kreisen mehr um Genitalien als um medizinische Fakten. Trotzdem ein wenig interessant, man erfährt von den Veränderungen durch die Hormontherapie und dass transsexuelle Menschen ein ganz normales Leben führen können.

Aber zum Glück gibts nicht nur Redakteure sondern auch Leser – und vorallem Leser die denken und schreiben. So war die Leserbriefseite des heutigen Tages-Anzeigers mit einigen guten Beiträgen von Betroffenen und Angehörigen gefüllt, einer davon von einer Gynäkologin, die mit wenigen Worten aussprach, was endlich in allen Zeitungen gedruckt werden müsste: Transsexualität ist keine psychische Störung sondern ein biologisches Phänomen. Die ganzen Leserbriefe können durch klicken des obigen Bildes gelesen werden, die wichtigsten Zeilen dieser Fachärztin möchte ich hier wiedergeben………

Tatsächlich ist auch heute (noch) diese Diagnose unter den psychischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (das heisst Störung der Geschlechtsidentität) aufgeführt. Dies, obwohl die Forschung der letzten Jahre eindeutig darauf hinweist, dass sich die sexuelle Identität bereits vor der Geburt, also noch im Mutterleib ausbildet, möglicherweise gesteuert durch äussere hormonelle Einflüsse, welche direkt auf das Gehirn des Embryos einwirken………… Es wäre für die Betroffenen von Vorteil, wenn man von einer hormonellen Störung mit somatischer Auswirkung sprechen würde………. Das Problem eines transsexuellen Mannes liegt demnach bei der Ausbildung falscher somatischer Geschlechtsmerkmale und nicht bei der psychischen Identifizierung als Mann.

Bettina Flütsch, Zug
Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe FMH

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis auch die Redaktionen von Ringier und Konsorten diese Fakten auf den Tisch legen. Solche Statements von Fachleuten geben Hoffnung, dass die Stigmatisierung von transsexuellen Menschen irgendwann ein Ende haben wird.

In einer Zeit, in der nachgewiesen wird, dass transsexuelle Frauen eine weibliche Hirnstruktur haben, in der Presseräte Boulevardmedien ermahnen wegen diskriminierender Berichterstattung, in der Länder wie Frankreich Transsexualität von der Liste der Geisteskrankheiten streichen, in der der EU-Ministerrat und die Parlamentarische Versammlung des Europarates die Einhaltung von Menschenrechten bei transsexuellen Menschen verlangt…… in so einer Zeit kann man wirklich anfangen zu hoffen, auch wenn gleichzeitig die amerikanische Psychiatriesekte APA wider aller Fakten weiter an der Psychopathologisierung von biologischen Phänomenen festhält.

Niemand muss verstehen, was es heisst, transsexuell zu sein.
Aber akzeptieren kann man es.
(Georges)

Nachtrag: hätt ich’s doch fast vergessen, diesen Samstag hält mein Oberarzt vom Uni-Spital einen kleinen Vortrag zum Thema. Ich werde zu 99% dort sein und bin gespannt, ob er auch so kluge Dinge erzählt wie diese Leserbriefschreiberin………….. Antrittsvorlesung von Bernd Krämer, Oberarzt an der psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich: «Vertauschte Rollen – Tootsie oder Transsexualismus», 8. Mai, 10 Uhr in der Aula der Universität Zürich.

Vortrag – Tootsie oder Transsexualismus

Heute morgen war ich mit meinem Vater, seiner Frau und meiner Logopädin zusammen am Vortrag von Dr. Bernd Krämer an der Universität Zürich. Der Titel lautete “Tootsie oder Transsexualismus” und meine Hoffnung wurde bestätigt, dass diese zwei Worte im Titel ein bewusster Kontrast sein sollen. Der Vortrag war interessant und gut vorgebracht und ich hoffe, dass irgendwelche Medien dort waren und das, was m.E. die zentrale Aussage war, auch irgendwie in ihre Arbeit einfliessen lassen. Es gab zwar wie erwartet auch Dinge die mir nicht in den Kram passten, aber gesamthaft gesehen war es in meinen Augen eine tolle Sache. Dr. Krämer ist der Oberarzt der psychiatrischen Abteilung am Zürcher Universitätsspital und er ist derjenige, der meine Transition sozusagen leitet, deshalb war es für mich spannend zu hören, was seine öffentliche Haltung in dieser Frage ist.

Erst mal meckern: psychische Störung?
Beginnen wir kurz mit dem was mir nicht so passte, weil das auch nicht Zentrum des Vortrags war. Einerseits war ich ein wenig enttäuscht, weil ich hoffte, etwas vertieftere wissenschaftliche Neuigkeiten zu erfahren. Aber das war mehr mein Fehler, dieser Vortrag war kurz und für die breite Öffentlichkeit gedacht, da war mehr als ein Überblick gar nicht möglich. Das Zweite was ich bedauerte, war die Tatsache, dass für ihn Transsexualität “zweifellos” eine psychische Störung ist. Ich hätte mir gewünscht, dass er wenigstens darauf hinweist, dass diese Sichtweise nicht erwiesen ist und dass es genauso gut möglich sein könnte, dass es sich hier um eine körperliche Veränderung handelt (vgl. Harry Benjamin Syndrom).

Transsexualität hat biologische Ursachen
Der Grund, weshalb ich trotzdem begeistert war, liegt darin, dass er sehr sehr deutlich klarstellte, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, sprich körperlich bedingt ist. Er sagte, dass transsexuelle Menschen über messbare genetische Marker verfügen, die klar zeigen, dass man nicht einfach so transsexuell wird sondern dass diese “Andersartigkeit” sozusagen in den Genen liegt und dass hormonelle Einflüsse im embryonalen Zustand vermutlich die Auslöser sind. Ferner erzählte er über die von mir bereits mehrmals erwähnte Tatsache, dass man nachweisen konnte, dass das Hirnareal BSTc, das für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, bei transsexuellen Frauen so ist wie bei nichttranssexuellen Frauen. Die Neuronendichte dieses Areals, also die anatomische Dichte dieses “Zellhaufens” entspricht bei transsexuellen Frauen der einer Frau und nicht eines Mannes. Ziemlich wörtlich sagte er:

Wenn man einem Hirnspezialisten einen Hirnquerschnitt einer transsexuellen Frau zeigt, wird er aufgrund dieses Hirnareals eindeutig darauf schliessen, dass er ein weibliches Gehirn vor sich hat.

Summa summarum sagte Bernd Krämer vorallem zwei Dinge in aller Deutlichkeit:

Transsexualität hat körperliche Ursachen und hat nichts mit anderen rollenspezifischen Spielereien zu tun.

Aufweichung von Geschlechtergrenzen
Um das zu verdeutlichen, begann der Vortrag mit Schilderungen, wie sich Geschlechterrollen und Attribute im Laufe dieses Jahrhunderts verändert haben. Die einst hart abgegrenzten Rollenmuster haben sich enorm aufgeweicht. Frauen tragen Hosen, Männer lange Haare oder zwei Ohrringe, Männer schminken sich, Frauen übernehmen Führungspositionen in Firmen und vieles mehr. Weiter erwähnte er Themen wie DragQueens, die Geschlechtergrenzen überschreiten und vieles mehr.

Transsexualität ist etwas ganz Anderes als Tootsie
Nach weiteren Beispielen kam er dann auf Transsexualismus, erwähnte die oben beschriebenen biologischen Ursachen und unterstrich deutlich, dass Transsexualismus nichts, einfach überhaupt nichts mit dieser Aufweichung von Geschlechtsstereotypen zu tun hat die er zu Beginn beschrieben hat.

Transsexuelle Menschen haben nicht einfach mal Lust Röcke zu tragen oder haben grad Spass daran etwas Frau zu spielen. Sie folgen nicht irgendwelchen kurzlebigen Trends sondern haben eine fixierte Geschlechtsidentität die biologisch begründet ist – gestern, heute und morgen.

Transsexuell wird man nicht, man ist es
Er zitierte zwei Studien, in der herauskam, dass 93% aller transsexuellen Menschen sich schon vor dem 16. Lebensjahr dem “anderen Geschlecht” zugehörig empfanden. Die zweite, neurere Studie zeigte, dass 78% von ihnen schon vor dem 14. Lebensjahr diese Überzeugung hatten. Aus Gesprächen mit anderen Betroffenen und eigener Erfahrung gehe ich davon aus, dass nicht viel weniger von diesen Menschen diese Überzeugung schon viel früher hatten, dazu gibt es bisher aber keine Studien.

Fazit – Kernaussage
Fazit des Vortrags sind zusammengefasst folgende Punkte:

  1. Transsexualität wird nicht anerzogen oder herangewünscht sondern ist biologisch (körperlich) begründet.
  2. Transsexualität hat nichts mit trendiger Metrosexualität zu tun sondern damit, dass die Betroffenen eine fixierte und unveränderbare Geschlechtsidentität haben.
  3. Transsexualität wird bereits im Mutterbauch in der pränatalen Phase determiniert.

Aufklärung – ein guter Anfang
Wer diesen Vortrag gehört hat, wird uns zwar nachwievor in der Ecke der “psychischen Störungen” einordnen, aber – und das ist für mich das Wertvollste – er wird nicht mehr glauben, transsexuelle Frauen seien Männer die es geil finden Röcke zu tragen (oder umgekehrt) sondern weiss jetzt, dass wir im embryonalen Zustand so geworden sind wie wir sind und dass wir uns das nicht ausgesucht haben. Transsexuelle Menschen wollen nicht transsexuell sein, sie sind einfach so zur Welt gekommen.

Damit fällt eine der zwei grossen Stigmatisierungen, diesem “der Kerl spinnt ja, tut so als wäre er eine Frau” hat er klar widersprochen. Die zweite Stigmatisierung, dass wir eine psychische Störung haben, bleibt vorläufig aufrecht erhalten, auch wenn es durch die nachgewiesenen biologischen Ursachen relativiert wird. Für mich ist das ein riesengrosser Fortschritt im Vergleich zu dem, was man früher über uns sagte.

Auch wenn ich nicht in allem einig war, der grösste Teil war wertvolle Aufklärung. Wenn die Öffentlichkeit nur schon das begreift, dass Transsexualität biologische Ursachen hat und nicht einfach eine Spinnerei im Umgang mit Rollenklischees ist, dann haben wir viel erreicht.

Danke, Herr Krämer, möge die Welt das zur Kenntnis nehmen.

Weiterführendes:
Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Transsexualität – eine psychische oder Störung?

Anlässlich des gestrigen Vortrags mache ich mir mal wieder Gedanken über die Frage, ob Transsexualität eine psychische Störung (Geschlechtsidentitätsstörung / gender-identity-disorder) ist wie es in den offiziellen medizinischen Diagnosebibeln dargestellt wird oder ob es sich hier um eine körperliche “Fehlentwicklung” handelt, wie es vor langer Zeit als “Harry Benjamin Syndrom” beschrieben wurde.

Fakten – da ist was schief gelaufen
Beginnen wir erst mal mit dem was wir wissen, bevor wir zu dem kommen, was wir glauben. Unbestritten ist die Tatsache, dass Transsexualität nicht einfach irgendwann entsteht oder irgend eine Spinnerei ist sondern, dass Transsexualität bereits im Mutterbauch entsteht – wenn nicht sogar früher. Man weiss heute, dass transsexuelle Menschen genetische Marker haben, die einen Einfluss auf Androgen- und Östrogen-Rezeptoren haben, was zu einer verminderten Fähigkeit führt, Testosteron aufzunehmen. Weiter weiss man, dass die Hirnregion BSTc, die für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, bei transsexuellen Frauen dieselbe Neuronendichte hat wie bei nichttranssexuellen Frauen. Jeder Hirnspezialist würde ein aufgeschnittenes Hirn einer transsexuellen Frau als weiblich einordnen. Ausserdem weiss man, dass hormonelle Einflüsse im pränatalen Zustand Transsexualität auslösen können, was in Tierversuchen mit Ratten sogar reproduzierbar ist. Und nicht zuletzt weiss man, dass die Geschlechtsidentität spätestens im Alter von drei Jahren unmöglich verändert werden kann.

Wer liegt hier falsch?
Man weiss also, dass es Menschen gibt, deren Fühlen und Denken samt Hirnstruktur nicht dem biologischen Geschlecht entspricht. Man weiss, dass es Fälle gibt, in denen sich Körper und Geist (Seele) nicht in dasselbe Geschlecht entwickeln und das bereits im embryonalen Zustand. Jemand hat sich da wohl geirrt, aber wer? Hat sich das Hirn resp. die Psyche fehlentwickelt, was dann zu einer sogenannten Geschlechtsidentitätsstörung führt oder hat sich der Körper fehlentwickelt?

Intersexualität als Denkvorlage
Ohne intersexuelle Menschen (Zwitter) zu vereinnahmen, sollte in dieser Frage die Tatsache berücksichtigt werden, dass es sehr wohl möglich ist, dass der Körper sich zumindest partiell ins falsche Geschlecht entwickelt. Intersexuelle Menschen kommen mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt und werden dann auch meist “zurechtgeschnipselt”, was faktisch eine grässliche Menschenrechtsverletzung ist. Aber spätestens durch das Phänomen der Intersexualität wissen wir und können nicht leugnen, dass der Körper nicht das absolute Mass ist, das geschlechtsbestimmend ist.

Harry Benjamin Syndrom
Bereits zu Beginn der Transsexualitätsforschung vertrat Harry Benjamin, ein Pionier dieses Forschungszweiges den Standpunkt, dass Transsexualität eine Art Unterform von Intersexualität sein könnte. Etwas vereinfacht folgte er dem Gedanken: Wenn der Körper sich partiell ins Gegengeschlecht entwickeln kann, dann kann er das möglicherweise auch ganz. Das würde erklären, dass beispielsweise Menschen mit weiblicher Hirnstruktur vollständige männliche Geschlechtsmerkmale entwickeln können.

Reparative Verhaltenstherapien
Doch die Psychiatrie entschied sich anders, man konstruierte eine Geschlechtsidentitätsstörung. Diese Denkweise ist nicht per Definition falsch, es ist nachvollziehbar, dass man eher dem Körper Recht gibt als dem Geist und wenn ein Körper so klar einem Geschlecht zuweisbar ist und der Geist so diametral entgegenliegt, dann scheint der Geist halt ziemlich verdreht sein. So begann man transsexuelle Menschen wie schon früher homosexuelle Menschen mit allen erdenklichen Mitteln umzuprogrammieren, zumindest versuchte man dies, sei es mit Elektroschocks oder sei es mit “reparativen Verhaltenstherapien” bei Kindern. Doch bis zum heutigen Tag wurde nicht bei einem Menschen die Geschlechtsidentität umgekehrt. Wenn Transsexualität eine psychische Störung ist, dann offenbar eine Unheilbare.

Widersprüchlichkeit der Psycho-These
Charakteristisch für Transsexualität ist, dass Betroffene sich entgegen den dümmlichen Formulierungen der medizinischen Diagnosebibeln IDC und DSM nicht “den starken Wunsch” verspüren, dem “anderen Geschlecht” anzugehören, sondern, dass sie “der festen Überzeugung” sind, im falschen Körper zu stecken. Wenn jedoch jemand beispielsweise ein Mann ist und der der festen Überzeugung ist, er sei eine Frau, dann ist das nicht einfach eine neurotische Irritation sondern eine handfeste Psychose. Neurotiker denken sich Manches aus, aber nur Psychotiker sind der festen Überzeugung, dass ihr Ausgedachtes Realität ist. Wäre Transsexualität eine psychische Störung, könnte es sich nur um eine Psychose handeln, weil nur das diese feste Überzeugung erklären würde. Und damit wird das Ganze absurd. Denn jeder Psychologe kann bestätigen, dass sich ein Psychotiker seines Zustands nicht bewusst ist, er würde wohl glauben, er hätte tatsächlich eine Gebärmutter in sich oder würde glauben, man hätte sein Geschlecht wegoperiert. Aber bei transsexuellen Menschen fehlen sämtliche Anzeichen einer Psychose, sie wissen genau wer sie sind, was sie tun u.s.w. Kein Psychologe würde heutzutage Transsexualität zu den Psychosen zählen, aber was soll es dann sonst sein, wenn diese Überzeugung derart fixiert und nicht änderbar ist?

Widersprüchlichkeit der Bio-These
Also müsste man mit ein wenig Vernunft annehmen, dass es sich doch um eine biologische Veränderung handelt, dass der Körper sich aus was auch immer für Gründen ins falsche Geschlecht entwickelt hat. Aber da würden Wissenschaftler und im Speziellen Genetiker einwenden, dass ich als TransFrau ein XY-Chromosom, das zu Beginn meines Lebens im Mutterbauch festgelegt war, von der ersten Zellteilung an, körperlich bin ich also 100% Mann. Wie soll so eine Fehlentwicklung erklärbar sein, wenn ich von Anfang an beide Chromosomen hatte?

Letzte Ausfahrt: Seelen-These
Ich persönlich sehe nur ein Erklärungsmodell, das widerspruchsfrei ist. Eine rein psychische Störung kann es wie oben gezeigt unmöglich sein. Eine rein körperliche Fehlentwicklung scheint ebenfalls unglaubwürdig. So stellt sich die Frage, wann und wodurch das Geschlecht eines Menschen festgelegt ist. Es mag Leute geben, für die ein Lebewesen einfach ein sich fortpflanzender Zellklumpen ist oder eine Art Bio-Reaktor der laufen kann. Die Meisten dürften das wohl anders sehen, viele glauben, dass ihr “Ich” nicht einfach eine Projektion einer Bio-Maschine ist sondern etwas, was unser Selbst ausmacht. Man spricht von einer Seele, von einem Geist. Wenn der Mensch aber einen Geist oder eine Seele besitzt, die Voraussetzung dafür ist, dass diese Zellteilung und daraus resultierend dieses Leben entsteht, weshalb sollten wir dann davon ausgehen, dass diese Seele oder dieses Ich ein geschlechtsloses Neutrum ist? Wenn der Körper unsere Identität bestimmen würde, wäre unser Ich tatsächlich eine Projektion dieser Bio-Maschine, können und wollen wir das wirklich glauben? Ich persönlich glaube, dass mein Ich ein Selbst ist und nicht Projektion biochemischer Reaktionen. Dann kann mein Ich auch weiblich sein und dann ist es auch nicht ausgeschlossen, dass bereits bei der ersten Zellteilung “versehentlich” ein falsches Y-Chromosom mitkommt und von da an alle biologischen Prozesse fehlleitet werden.

Im Zweifel für die Angeklagten
Ich kann die Psycho-These meines Erachtens klar widerlegen und die Bio-These scheint auch sehr unglaubwürdig. Aber wer kann “meine” Seelen-These widerlegen? Im Zweifel für die Angeklagten, lautet ein weltweiter juristischer Kodex. Wenn die Psycho-These zu Stigmatisierung und Diskriminierung führt, also faktisch eine grausame Bestrafung bedeutet, wäre es da nicht angebracht, aufgrund der berechtigten Zweifel die einzige These anzunehmen, die nicht jeglicher Vernunft spottet? Ich bin eine Frau, war es immer und werde es immer sein, vor meiner Geburt und nach meinem Tod. Da könnte ich von mir aus auch noch ein Z-Chromosom haben, es würde nichts daran ändern, dass ich “ICH” bin.

Respekt vor dem ICH
Dann aber wäre es Zeit, meinem “Ich” den nötigen Respekt entgegen zu bringen, diese Seele ernst zu nehmen und das Geschlecht meines Selbst zu anerkennen, ungeachtet körperlicher Merkmale. Die Frage ist einfach, sind wir wandelnde Zellklumpen oder sind wir mehr als das. Wenn wir mehr als Zellklumpen sind, dann gebührt diesem “Mehr” auch der nötige Respekt, dann erübrigt sich jegliche Pathologisierung, dann bin ich einfach, was “ICH” bin – eine Frau, deren Körer nicht ganz dem Normalfall entspricht.

Transsexualität nach ICD – Der Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören?

Es gibt kaum etwas, das mich mehr aufregt, als die Formulierung der medizinischen Diagnose-Bibel ICD 10, in der Transsexualität unter F64 definiert wird als:

Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.

Wer auch immer diesen Text geschrieben hat, demonstriert seine Inkompetenz und zeigt, dass er absolut keine Ahnung von Transsexualität hat – bereits die ersten zwei Worte zeugen von vollständigem Unwissen und Unverständnis.

Transsexualität als Wunsch? Wer in aller Welt wünscht sich, ein Leben unter Diskriminierungen zu leben, schwere chirurgische Eingriffe über sich ergehen zu lassen, lebenslang Medikamente zu nehmen u.s.w.?

Ich wünschte mir, ich hätte Flügel (mein ich ernst), trotzdem halte ich mich nicht für einen Vogel oder Engel. Ich wünschte, ich wäre reich, das gibt mir aber nicht das Recht Banken zu überfallen. Jeder Mensch hat tausend Wünsche und jeder Mensch kann damit leben, dass ein Grossteil dieser Wünsche nie in Erfüllung gehen.

Aber genau das ist der Punkt, dem “anderen Geschlecht” anzugehören ist kein Wunsch sondern eine feste Überzeugung. Genau das macht das Leben eines transsexuellen Menschen so unerträglich. Wäre es nur ein Wunsch, würde ich lernen damit zu leben, dass dies halt nicht möglich ist. Aber ich weiss seit meiner Kindheit – mit absoluter Bestimmtheit – dass ich eine Frau bin, dass ich eine weibliche Seele habe, weiblich denke und fühle…… und es ist einfach unsäglich grausam, als Frau in einem männlichen Körper leben zu müssen – oder umgekehrt.

Ich wünschte mir ein B-Körbchen, krieg aber (noch) nicht mal ein A-Körbchen voll. Was solls, damit kann ich leben, ein Wunsch mehr der nicht in Erfüllung geht. Aber ich kann nicht damit leben, als Frau in einem männlichen Körper zu stecken, ein männliches Leben zu führen und männliche Rollenmuster zu übernehmen. Weil es eben kein Wunsch ist sondern eine Gewissheit.

Es ist nicht so, dass ich einfach lieber eine Frau wäre, ganz im Gegenteil. Jahrzehnte lang habe ich mir gewünscht, ich könnte endlich damit klar kommen, diesen Körper zu haben und diesem Geschlecht anzugehören, ich hätte alles gegeben für ein normales Leben. Ich hielt die Diktatur meines Körpers für unumstösslich, wie schön wäre es gewesen, wenn sich mein Innerstes dem untergeordnet hätte. Aber das geht einfach nicht, das Ich passt sich nicht einfach irgendwelchen anatomischen Formen an, es existiert in sich selbst – unumstösslich.

Deshalb ist es nicht mein Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören, es ist meine Überzeugung, Frau zu sein und das nötigt mich, den nicht mit meinem Geschlecht korrespondierenden Körper meinem Selbst anzugleichen.

Mir kommt jedes Mal die Galle hoch, wenn ich von diesem angeblichen Wunsch lese. Ich wünschte mir nie, eine Frau zu sein, ich war stets eine, ich wollte nur ein Leben führen, in der mein Körper dieser Welt nicht ständig vorlog, dass ich keine Frau sein soll.

Solange die Fachwelt diese Sichtweise nicht begreift und ihre Diagnosebibeln weiterhin solchen Unsinn beschreiben, werden sie uns auch nie verstehen, nicht mal ansatzweise. Wirklich verstanden werde ich mich erst dann fühlen, wenn in ICD 10 unter F64 steht:

Die feste Überzeugung, in einem nicht der Geschlechtsidentität entsprechenden Körper zu leben. Der Wunsch Die Notwendigkeit, als Angehöriger des anderen wirklichen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist zwangsläufig mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen nicht dem wirklichen Geschlecht entsprechenden anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch die Notwendigkeit nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen nicht geschlechtskonformen Körper dem bevorzugten wirklichen Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.

So müsste der Text unter Anlehnung an ICD klingen, aber wenn man es genau nehmen will, ist sogar dies falsch und müsste eher so lauten:

Transsexualität ist eine körperliche Fehlentwicklung, bei der sich der anatomische Körper nicht der Geschlechtsidentität entsprechend entwickelt. Aufgrund des daraus resultierenden Leidensdrucks sind chirurgische und hormonelle Behandlungen notwendig.

Aber ich persönlich wäre schon mit der ersten Variante zufrieden und da sehe ich auch grössere Chancen, dass die Götter in Weiss dem irgendwann zustimmen.

Das Fundament der Menschenwürde

Um die Menschenwürde zu schützen, wurden eine Vielzahl von Menschenrechten postuliert. Niemand darf gefoltert oder diskriminiert werden und vieles mehr, wurde in Menschenrechtskonventionen festgelegt und die meisten Staaten haben diese Grundrechte jedes Menschen angenommen. Unter diesen vielen Menschenrechten gibt es eines, das für mich das Herz der Menschenrechte ist und damit das Fundament der Menschenwürde. Es ist das Recht auf Selbstbestimmung. Es ist ein bisschen wie die jesuanische Nächstenliebe, ein Gesetz das alle Anderen mit einschliesst.

Das Recht auf Selbstbestimmung garantiert mir, dass ich in allen Fragen die mich betreffen, stehts vollunfänglich entscheiden kann. Das schliesst jede Freiheitsberaubung geschweige denn Folter mit ein. Das Recht auf Selbstbestimmung spricht mir zu, dass ich lieben kann wen ich liebe, egal welchen Geschlechts. Dass ich allein zu beurteilen habe, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Dass ich entscheide wie ich aussehe, wie ich mich verhalte, solange ich niemanden damit beeinträchtige. Und es verlangt, dass Andere meine Selbstbestimmung respektieren müssen, egal ob es ihnen “in den Kram passt”.

Wir leben hier in einer einigermassen aufgeklärten und freiheitlichen Gesellschaft, Meinungsfreiheit und vieles mehr sind für uns eine Selbstverständlichkeit. Deshalb ist Vielen auch nicht bewusst, wie sehr sie vom Recht auf Selbstbestimmung abhängig sind. Es gibt kaum etwas, was wir nicht sein oder tun dürfen. Hinzu kommt, dass die Meisten so sehr im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft funktionieren, dass sie zwischen Selbstbestimmung und Alltag gar keine Diskrepanz spüren.

Für alle, die in irgend eine Form “andersartig” sind, ist das keine Selbstverständlichkeit. Eine abweichende sexuelle Orientierung oder noch mehr eine nicht der Norm entsprechenden Geschlechtsidentität zu haben, führt nachwievor zu Diskriminierungen bis hin zu Gewalttaten, weil es heute noch genug Menschen gibt, die zwar unbewusst Menschenrechte beanspruchen, sie aber selbst nicht gewähren. Es gibt nachwievor genug transsexuelle Menschen, die beispielsweise unter Kündigungsandrohung im falschen Geschlecht zur Arbeit müssen. Das Recht auf Selbstbestimmung, das uns via Menschenrechte garantiert ist, wird hier mit Füssen getreten.

Aber wie schon bei anderer Gelegenheit geschrieben, Menschenwürde ist wie Schwangerschaft, da gibts keine Zwischenstufen, man ist schwanger oder ist es nicht, man hat Menschenwürde oder nicht.

Ich besitze das schriftlich verbürgte Recht, über mich selbst zu bestimmen, zu sein wer, was und wie ich will, solange ich die Selbstbestimmung Anderer nicht einschränke. Solange ich bei einer Jobsuche oder Wohnungssuche aufgrund meiner Selbstbestimmung diskriminiert werde, solange ich in der Öffentlichkeit mit Beleidigungen oder Übergriffen rechnen muss, solange auch nur ein einziger Mensch sich über mich lustig macht, solange ist mir das Recht auf Selbstbestimmung zwar zugesprochen, aber nicht gewährt.

Vielleicht geht’s uns hierzulande einfach zu gut. Der Schutz der Menschenwürde ist hier so sehr Alltag, dass wir uns gar nicht mehr bewusst sind, wieviel Freiheit wir da eigentlich geniessen dürfen. Es gibt Länder, wo jedes falsche Wort zu Gefängnis oder Folter führen kann, in denen nicht mal die körperliche Integrität respektiert wird. Für uns ist das alles selbstverständlich. Das scheint uns blind zu machen für die Aspekte des Lebens, in denen wir Anderen die Menschenrechte verweigern, die wir selbst beanspruchen.

Ich möchte meine LeserInnen mal dazu anhalten, darüber nachzudenken, wieviel sie tun, das sie nur dank dem Schutz der Menschenrechte tun dürfen, das Anderswo fatale Konsequenzen hätte, wie beispielsweise die Meinungsäusserung. Und dann, wenn Ihr seht, wieviel Gutes Euch das Recht auf Selbstbestimmung gebracht hat, möchte ich Euch anhalten darüber nachzudenekn, wo Ihr selbst dieses Recht nicht gewährt. So Gedanken können die Welt zu einer Besseren machen ;-)

Denn erst wenn wir alle lernen, dass wir Alle respektieren, egal ob wir ihre Wesensart verstehen oder gut heissen, erst dann wird die Mutter aller Menschenrechte endlich gewahrt und aus einem vor langer Zeit gegebenes Versprechen wird eingelöst.

Transsexualität: Leidensdruck nicht verstanden

Diese gleichgültige Verschiebung meiner GaOp hat mir definitiv vor Augen geführt, dass die Experten, die uns behandeln, die Dringlichkeit ihrer Patienten nicht annähernd verstanden haben. Sie sind sich offenbar nicht im Geringsten bewusst, wie hoch der Leidensdruck eines Menschen sein muss, bis man sich in ihre Hände begibt, im Bewusstsein, fortan ein geächtetes Leben zu führen. Wer sein Ich-sein um diesen Preis einfordert, muss einem ungeheuren Leidensdruck folgen.

Dass man mich auf September für die GaOp anmeldet und ich dann Mitte November einen Termin bekomme, zeigt in aller Deutlichkeit, dass ich nicht als dringend taxiert werde. Transsexuelle sind ja nur n’bisschen persönlichkeitsgestört und es macht ja nix, wenn ein “Wunsch” etwas später in Erfüllung geht.

Die Fachleute selbst bestätigen zwar, dass ich eine weibliche Hirnstruktur habe, ich denke und fühle mich wie eine Frau, seit ich denken kann…….. aber sie können sich nicht vorstellen, dass es für eine Frau wirklich ein beschissenes Gefühl ist, ständig einen Penis mit sich rumtragen zu müssen. So etwas Surreales kann schon irgendwie zu Leiden führen, ist das so verwunderlich? Es ist auch verdammt erniedrigend, wenn man als Frau am Zoll einen männlichen Ausweis hinlegen muss. Das macht echt kein Spass, da geht man jedes Mal mal kurz durch die Hölle.

Aber die Experten sind der Ansicht, dass so etwas nicht eilig ist. Ich hab ja schon vierzig Jahre gelitten, da sind Monate oder Jahre zusätzlich ja halb so wild. Wie sonst könnte man erklären, dass transsexuelle Menschen die Einzigen sind, die mit einem medizinischen Problem zu Medizinern gehen und diese verweigern erst mal kategorisch ein Jahr lang die Behandlung, weil das so in den Behandlungsstandards steht?

Verweigerte Hilfeleistung als Behandlungsstandard? Was soll denn sowas?

Wenn jemand wie ich – und ich denke ich spreche da für eine Mehrheit – zwei Jahrzehnte bewusst mit allen Mitteln dagegen ankämpft, so zu sein wie man wäre, wenn man dann diesen Kampf aufgibt, ist man in der Regel ziemlich an den Grenzen des Erträglichen angelangt, andernfalls würde man diesen Schritt nicht wagen. Mir in diesem Fall zu sagen, dass ich jetzt erst mal ein Jahr so tun soll als ob man mir hilft, bis man mir dann hilft, ist wirklich menschenverachtend und wie der EU-Ministerrat kürzlich deutlich ausdrückte, ein klarer Verstoss gegen die europäische Menschenrechtscharta.

Ich bezweifle, dass man bei anderen Patientengruppen Menschenrechtsverletzungen zu Behandlungsstandards ernennen würde. Wäre den Verantwortlichen der Leidensdruck der Betroffenen auch nur ansatzweise bewusst, würden sie nicht vor dem einjährigen Behandlungsprozedere ein zusätzliches Jahr Durchhaltetraining fordern, das ist einfach absurd.

Rein aus medizinischer Sicht wäre meine GaOp Anfang 2010 möglich und sinnvoll gewesen. Es gibt kein einziges medizinisches Argument, weshalb das nicht geschehen ist. Aber es wäre geschehen, wenn die medizinische Kaste begreifen würde, wie unerträglich gerade auch dieses Zwischenstadium ist. Eine rechtliche Anerkennung kriegen wir ja nicht vor der Sterilisierung, wir müssen also zwei Jahre lang als Frau das Leben bestreiten, mit männlichen Ausweispapieren und davon das erste Jahr sogar ohne medizinische Hilfe, keine Hormone die mit der Zeit ein unauffälligeres Leben ermöglichen würde………

Leidensverlängerung als medizinischer Lösungsweg? Mann oh Mann!

Ich glaub es ist bald ein Jahrzehnt her, seit die englischen Behandlungsstandards, auf denen die Deutschen beruhen, überarbeitet wurden und anstelle von einem Jahr Alltagstest drei Monate gefordert werden. Aber hierzulande tut man so, als hätte Moses selbst die veralteten deutschen Standards auf Steintafeln vom Berg geschleppt. Zugegeben, man ist mir wenige Monate entgegen gekommen, vorallem weil ich jahrelange Therapie hinter mir hatte. Faktisch dauerte dieser einjährige Heilungsprozess trotzdem ein Jahr und elf Monate. Das waren elf Monate zuviel.

Weil Elf Monate über dreihundert mal aufstehen bedeutet, sich dreihundert mal anziehen, dreihundertmal fehlplatzierte Geschlechtsorgane verpacken, eine Vielzahl an entwürdigenden Ausweis- oder Ticketkontrollen, dreihundert mal einschlafen und hoffen, dass dieser Albtraum endlich zuende ist……….

Es ist schon ein verrücktes Gefühl, wenn man im Wartezimmer auf den Arzt wartet, mit dem man dann ein Gespräch führt, damit er einem dann in einem Jahr – vielleicht – medizinische Hilfe gewährt. Und es ist nicht weniger verrückt, wenn man auf September angemeldet wird und für November einen Termin kriegt, weil man halt irgendwie nicht so wichtig ist.

Halte jetzt die Fackel
An mein Gesicht
Ein Vogel gleitet übers Wasser
Doch er sieht mich nicht

Mein Schiff ist längst gesunken
Ich bin am ertrinken
Ich kenne so viele Hilfeschreie
Doch kein Schiff in Sicht

(Lacrimosa – Seele in Not)

Was sind schon zwei Monate mehr, sind ja nur sechzig Tage, nur noch sechzig Tage weiter schwimmen, bedeutungslos weiter treiben, weiter durchhalten, weiter weinen weil man im Salzwasser ja nicht ertrinken kann…….

Wenn ich abschliessend mal noch schnell zynisch sein darf: Falls das Ganze doch nur eine verdeckte Ausrottungsstrategie ist, dann muss ich die Akteure enttäuschen, egal wie schwer Ihr meinen Weg macht, ich gehe ihn, notfalls krieche ich ihn, aber ich lasse mich nicht davon abbringen. Aber ich glaube eher nicht an eine Strategie, ich glaube es ist einfach Mitgefühlslosigkeit, Empathielosigkeit. Ärzte müssen sich ein Stückweit distanzieren, sonst wäre der Druck zu gross. Das lernt man früh in diesen Akademien. Vielleicht wurde einfach zuviel gelehrt.

Transsexualität ohne Identität?

Einige dürften sich langsam wundern, weil ich so oft betone, wie wichtig mir der Ausweis ist, der offizielle Identitätsnachweis mit korrekter Geschlechtsangabe und richtigem Namen. Wichtig ist ja vorallem, dass ich als die Diana leben kann, die ich bin. Aber der Ausweis ist eben weit mehr als eine Plastikkarte, es bedeutet, offizielle und anerkannte Identität. Und vorallem bedeutet ein “falscher Ausweis” unzählige Situationen, die von unangenehm bis entwürdigend empfunden werden.

Ein Prachtexemplar einer entwürdigenden Situationen erlebte ich gestern ausgerechnet am Zürcher Universitätsspital in der Dermatologie. Während ich mit einem Rudel anderer Leute im Wartsaal sass, erklang eine Stimme, die mich ins Behandlungszimmer ruft – mit männlicher Ansprache. Genial, was? Da wird ein “Herr” aufgerufen und n’Mädel steht auf und stöckelt davon. Besten Dank auch, so Outings machen ne Menge Spass, vorallem wenn man endlich soweit ist, dass man relativ unauffällig durch den Alltag gehen kann und einfach nur noch als eine von vielen Frauen wahrgenommen wird. Die Ärztin ist noch mehr erschrocken als ich, sie entschuldigte sich sofort und sehr freundlich und erklärte, sie sei über das “m” auf meiner Karte gestolpert. Dort steht nämlich immer noch der alte Vorname und das falsche Geschlecht, mit Diana in Klammer. Die Dermatologie dürfte nicht oft Mädels wie mich haben, das gehört nicht zum “Standard-Programm”. Deshalb verstehe ich auch, dass man da nicht so sehr drauf achtet wie z.B. in der Psychologen-Abteilung, wo täglich so Exemplare wie ich reinspazieren. Aber das macht so eine Situation für mich nicht wirklich angenehmer.

Und so gibt es unzählige weitere Beispiele. Unterdessen falle ich in der Öffentlichkeit so wenig auf, dass ich z.B. beim Grenzübertritt im Falle eines Piepsers beim Scanner ohne zögern zur Frau gewunken werde, damit sie die Körperkontrolle macht. Selbst da hatte ich nicht den Eindruck, dass ihr etwas an mir auffiel. Umso grotesker ist es dann, wenn man eigentlich so weit wäre und dann verwirrte Blicke erntet, wenn man der Stewardess die Bordkarte von einem Mister in die Hand drückt. Dasselbe Spiel läuft auch bei jeder Fahrausweiskontrolle in Zügen, weil mein Halbtax-Abo (wie Bahncard-50 in Deutschland) auf so n’Kerl lautet, der mir nicht im Geringsten ähnlich sieht. Eingeschriebene Briefe und Pakete auf der Post abholen ist ebenfalls spassig ohne zum Gesicht passende Ausweispapiere.

Ausserdem lautet das Bankkonto auf diesen Kerl, die Kreditkarte gehört auch nicht Diana und ihr Einsatz kann vielleicht sogar zu rechtlichen Problemen führen, benutzen einer fremden Kreditkarte……. apropos, im Falle so eines Justizirrtums käme ich für die U-Haft in ein Männergefängnis, da wär ich sogar ohne Ausweis im Mittelpunkt…….. und falls ich morgen vom Blitz getroffen werde und überlebe, wache ich im Spital auf, umgeben von Männern.

Irgendwie ist das schon bizarr. Die Diagnose wurde gestellt, man hat meine Weiblichkeit aus medizinischer Sicht anerkannt. Ich musste ein Jahr lang “Frau spielen” in diesem sogenannten Alltagstest. Aber meine Identität wird mir weiter verweigert, bis zur endgültigen Sterilisation. Bis dahin bleibe ich inexistent und führe ein Leben, das nicht ich bin, zumindest nicht offiziell. Ich würd mich wirklich riesig freuen, wenn mir einer dieser allwissenden Fachleute erklären könnte, weshalb ich als transsexuelle Frau diagnostiziert bin, somit also medizinisch gesehen weiblich bin, aber die Anerkennung meines diagnostizierten Geschlechts nicht anerkannt wird……….. mich persönlich überfordert das rational komplett. Aber ich hab ja auch nicht studiert, mit Studium wüsste ich sicher vom Nutzen solch entwürdigender Erfahrungen.

Transsexuelle Menschen in der Behandlungshölle

Die letzten Wochen habe ich viele emotional arg angespannte Beiträge geschrieben, entweder unter dem Eindruck einer heftigen Depressionsphase oder eines überbordenden Wutausbruchs. Nach meinem Ausraster letzte Nacht, möchte ich nun mal versuchen, etwas rationaler zu beschreiben, was ich an der Behandlung von transsexuellen Menschen kritisiere, vielleicht gelingt es mir so verständlich zu machen, weshalb diese GaOp Verschleppung in mir zu einem emotionalen Orkan wurde.

Der Weg von Verzweifelten
Um die Absurdität dieses Behandlungsprozesses verstehen können, muss man sich vor Augen halten, dass transsexuelle Menschen meistens erst zu einem späten Zeitpunkt Hilfe suchen. Viele von uns haben Jahrzehnte damit verbracht, das eigene Ich zu bekämpfen, versuchten sich zu konditionieren und scheitern doch zwangsläufig früher oder später, weil die Geschlechtsidentität nicht veränderbar ist und weil auf der anderen Seite ein Leben im falschen Körpergeschlecht eine nicht aushaltbare Diskrepanz zwischen Innen und Aussen bedeutet, an der man nur zerbrechen kann. Niemand will “dem anderen Geschlecht” angehören, niemand will lebenslang Hormone essen, sich einer so heftigen Operation unterziehen und eine allumfassende gesellschaftliche Stigmatisierung auf sich nehmen, das versucht man bis an die Grenzen des Erträglichen zu verhindern. Wer also eines Tages an die Tür eines Kompenzzentrums für Transsexualität anklopft, ist in der Regel seelisch ausgebrannt, hat die Grenzen des Erträglichen bereits weit überschritten und braucht dringend Hilfe, nicht irgendwann sondern jetzt in diesem Moment.

Stigmatisierung Geschlechtsidentitätsstörung
Um Hilfe zu erlangen, muss man sich eine Diagnose überstülpen lassen, die den Fakten spottet. Man wird etikettiert als geschlechtsidentitätsgestört, ungeachet der Forschungen aus der Hirnforschung oder der Genetik, die biologische Ursachen nachweisen konnten. Fakt ist, dass Hirn und Restkörper nicht demselben Geschlecht angehören. Unter dem Eindruck einer jahrhundertelangen Psychopathologisierung wird natürlich ein Hirndefekt vorausgesetzt, obwohl niemand den Nachweis erbracht hat und genausogut der Restkörper sich dem falschen Geschlecht entsprechend entwickelt haben könnte (wovon Betroffene aufgrund ihrer Selbstwahrnehmung ausgehen). Man muss sich einreden lassen, man hätte den “Wunsch” dem “anderen Geschlecht” anzugehören, obwohl dieser angebliche Wunsch eine Gewissheit und feste Überzeugung ist und obwohl man nicht dem anderen Geschlecht angehören will sondern nur den Restkörper dem wirklichen Geschlecht angleichen will. Diese Verdrehungen der Tatsachen und die daraus resultierende Psychopathologisierung werden nicht nur zum Fundament einer inadäquaten Behandlung und damit einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen sondern wird auch zum Fundament für eine gesellschaftliche Diskriminierung, in der transsexuelle Menschen als gestört bis hin zu pervers stigmatisiert sind.

Der Alltagstest – unterlassene Hilfeleistung der radikalen Art
Um in den Genuss dieser Psychopathologisierung zu kommen und sich damit die medizinische Behandlung zu verdienen, wird von transsexuellen Menschen ein sogenannter Alltagstest gefordert. Ein Jahr lang müssen sie in der wirklichen Geschlechterrolle leben (was von den Zynikern der Psychiatrie dann “Wunschgeschlecht” genannt wird). Gerade die erste Zeit ist unvorstellbar schwer, weil sich der Körper erst durch die Hormontherapie ein Stück weit dem wirklichen Geschlecht angleicht. Fürs Erste sieht beispielsweise eine transsexuelle Frau einfach aus wie ein Mann in Frauenkleidern. Erst durch die Hormontherapie wird der Gang an die Öffentlichkeit irgendwann einigermassen erträglich. Vorallem die Gesichtszüge sind dabei enorm wichtig. Die medizinische Versorgung wird jedoch während diesem Jahr verweigert. Man soll erleben, ob man den Alltag als transsexuelle Frau durchsteht, was faktisch eine Farce ist, weil man nicht das Leben als transsexuelle Frau sondern das Leben eines Mannes im Rock in die Gesellschaft tragen soll. Diese erste Zeit, die so schmerzhaft ist, wird durch diese unterlassene Hilfeleistung enorm in die Länge gezogen, was Betroffenen massiv zusetzt. Ein weiterer Grund für diesen Alltagstest soll darin liegen, dass die Psychologen eine Diagnose stellen können. Einerseits ist das purer Unsinn, weil niemand auf dieser Welt Transsexualität diagnostizieren kann, die Diagnose können nur Betroffene selbst stellen. Das Einzige, was Psychologen können, ist die Authentizität überprüfen – ungeachtet der Tatsache, dass wohl so manche nicht-transsexuelle Frau bei dieser Überprüfung durchfallen würde, weil sie die notwendigen Geschlechtsstereotypen zuwenig erfüllt. Absurd ist es aber im Speziellen bei jemandem wie mir. Ich kam dahin, mit einem Bericht meines Psychotherapeuten, der fast ein Jahrzehnt lang mit mir nach anderen Auswegen suchte. Sein Bericht wurde nicht in Frage gestellt, der Alltagstest trotzdem ein Jahr lang eingefordert.

Frau “spielen” ohne Identität?
Man soll während dieses Alltagstests als Frau leben, eine Ausweisänderung wird jedoch verweigert, weil die Anerkennung an die Sterilisierung gebunden ist. Reproduktionsfähige transsexuelle Menschen darf es nicht geben – ein letztes Erbe von Dr. Mengele und Konsorten. Für Betroffene bedeutet das, dass man im Alltag in unzählige Situationen kommt, die von unangenehm bis absolut entwürdigend empfunden werden. Ausweiskontrollen mit nicht zum Aussehen passenden Angaben, Probleme mit Kreditkarten, an Bankschaltern, man wird an offiziellen Stellen als Mann angesprochen, wird im Fall eines Unfalls oder im Fall juristischer Probleme in die Männerabteilung gesteckt u.s.w.

Zwangstherapie und Zwangssterilisierung
Man schätzt, dass etwa die Hälfte aller Betroffenen keine geschlechtsangleichende Operation machen wollen. Das kann verschiedene Gründe haben, die Angst vor den Strapazen und möglichen Komplikationen, das kann auch mit der sexuellen Ausrichtung zu tun haben, weil beispielsweise eine lesbische transsexuelle Frau ihre sexuellen Möglichkeiten mit der Partnerin nicht aufgeben möchte. Warum auch immer jemand sich gegen eine GaOp entscheidet, eine offizielle Anerkennung wird in diesen Fällen verweigert, Diagnose hin oder her, bleiben diese Menschen auf dem Papier dem falschen Geschlecht zugesprochen. Faktisch bedeutet das für Einige einen Sterilisationszwang und es gibt tatsächlich Betroffene, die gegen ihren Willen eine GaOp machen, damit sie die rechtlicher Anerkennung bekommen.

Hormontherapie
Nach einem Jahr Alltagstest-Folter wird dann die Diagnose offiziell bestätigt und man wird in die Endokrinologie überwiesen für die Hormontherapie, die dann ein Jahr dauert. Da viele der Betroffenen den Alltagstest nicht ohne Hormone durchstehen können oder wollen, greifen viele zur Selbstmedikation. Es ist ja mit sehr sehr viel Fantasie noch vorstellbar, dass Ärzte einem ein Jahr lang die medizinische Hilfe verweigern. Der Irrsinn übersteigt das Vorstellbare jedoch in Anbetracht der Tatsache, dass zumindest mir sogar ein informelles Gespräch mit der Endokrinologin verweigert wurde. Man akzeptiert die Selbstmedikation, weil man weiss, dass man dies eh nicht verhindern kann, wäscht aber lieber seine Hände in Unschuld resp erfüllt die Behandlungsstandards, als dass man das Überleben der Betroffenen sichern würde. Ich habe beispielsweise regelmässig bei den psychologischen Gesprächen berichtet, was ich wie hoch dosiere. Als ich dann der Endokrinologin sagte, was ich ein Jahr lang genommen hab, war sie entsetzt, weil ich ausgerechnet die Pille erwischte, die das grösste Tromboserisiko hat, was bei einer Raucherin wie mir tödlich sein kann. Ein 30 Sekunden langes Telefon hätte gereicht, um mich zu warnen, damit ich auf ein anderes Präperat umstelle. Aber so Behandlungsstandards scheinen sakrosankt zu sein, da müssen Opfer in Kauf genommen werden.

Geschlechtsangleichende Operation
Die sogenannte GaOp – so glaubte ich – war der einzige Punkt in dieser Behandlungsodyssee, bei dem es nichts zu klagen gibt. Die plastische Chirurgie ist gerade bei uns transsexuellen Frauen zu wahren Wundern fähig und die Resultate sind sehr befriedigend – sofern es nicht zu schweren Komplikationen kommt (bei ca 10% der Betroffenen). Das Problem hier scheint aber, dass zumindest in Zürich die Chirurgie sich der Ernsthaftigkeit und der Dringlichkeit dieses letzten Schrittes nicht bewusst ist. Nur so lässt sich erklären, dass mein auf September frühzeitig angemeldeter Termin auf November verschleppt wurde. Als ich das erste Mal in der Chirurgie antrabte, fragte die Dame am Empfang allen Ernstes: “Gehen Geschlechtsumwandlungen unter kosmetische Operationen oder als Normale?”. Beängstigend, sich in so Hände zu begeben. Wie ich verschiedentlich gehört und gelesen habe, tun sich viele Chirurgen schwer mit GaOps. Sie kennen die Hintergründe zu wenig, sie sehen einfach die vermeintlich gesunden Zellklumpen und es fällt ihnen teils schwer, dieses als unversehrt wahrgenommene Organ zu zerlegen. Das dürfte einer der Hauptgründe sein, dass wir dort nicht grad mit Begeisterung empfangen und ernst genommen werden.

Zusammenfassung
In Kurzfassung heisst das also: Ich muss mich psychopathologisieren lassen, vor der ganzen Welt als gestört erklären lassen. Mit dieser Stigmatisierung wird dann erst ein Jahr lang die medizinische Hilfe verweigert, damit ich ein Jahr lang diese gesellschaftliche Stigmatisierung in vollen Zügen und unter erschwerten Umständen erleben darf. Falls ich mir selber helfe und selber Hormone nehme, verweigert man mir sogar dann eine Information, wenn ich falsche Medikamente nehme. Falls ich eine GaOp will resp brauche, wird das von der Chirurgie nicht genug ernst genommen und ich muss mit Verzögerungen rechnen. Falls ich keine GaOp will, verweigert man mir die Identität, eben weil transsexuelle Menschen sich nicht fortpflanzen dürfen.

Da kann man halt schon irgendwann durchdrehen
Wenn jemand wie ich all das durchlaufen hat, auch einen einjährigen Alltagstest, der spätestens in Anbetracht meiner jahrelangen Psychotherapie medizinisch völlig unbegründet ist, wenn ich nach einem Jahr erfahre, dass ich falsche Hormone erwischt habe, dies regelmässig berichtete und keinen Widerspruch erntete, wenn ich nebst dieser Behandlung all den gesellschaftlichen Verhöhnungen ausgesetzt war – dank einer unwissenschaftlichen Psychopathologisierung – wenn ich dann glaube, diesen Irrlauf endlich beenden zu können, kurz vor dem Ziel stehe und der versprochene Termin dann um zwei Monate verschleppt wird – aus purer Ignoranz heraus……….. ist es dann so schwer zu begreifen, dass vielleicht mit diesen lausigen zwei Monaten die Grenze meiner persönlichen emotionalen Misshandlungstoleranz überschritten wird und ich so gehörig ausflippe, dass erstmals ernsthaft eine Psychopathologisierung in Frage käme?

Die Kettenreaktion der Stigmatisierung
In diesen eineinhalb Jahren habe ich öfters als erträglich in Medien erleben müssen, dass diese sich dazu ermächtigt fühlen, transsexuelle Frauen mit dem Schimpfwort “Transe” zu belegen oder ignorant in der männlichen Form über uns sprechen. Und ich habe öfters als erträglich in Internetdiskussionen erlebt, dass man uns für gestört hält, dass man mir sogar den Wortlaut der Diagnosebibel ICD um die Ohren schlug, als Todschlagargument, das beweisen soll, dass wir ja nur Frauen sein wollen aber eigentlich gestört sind. Und ich habe öfters als erträglich bei gleichen Gelegenheiten erlebt, dass man uns für pervers hält, mit Verweis auf die Psychiatriebibel DSM, in der wir mit Pädophilen und Exhibitionisten in einen Topf geworfen werden. All das nagt an einem, reisst immer mehr Wunden in die Seele und bei all dem bleibt das Bewusstsein, dass all das der Verdienst einer Psychiatrie ist, die uns ein Jahrhundert lang fehldiagnostiziert hat und bis heute nicht bereit ist, diesen Fehler wiedergutzumachen………… dieser Medizinindustrie zu vertrauen, wird so von Monat zu Monat schwerer…….. man möge mir also bitte verzeihen, dass ich diesen Kreisen gegenüber langsam bissig werde.

Transsexualismus – Faktenresistenz der Psychologie

Mehrmals habe ich mich hier lauthals über die Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen beklagt und dabei immer wieder die Faktenresistenz der Psychologen, Sexologen und Psychiater angeprangert, die ungeachtet wissenschaftlicher Fakten um die biologischen Ursachen von Transsexualität nachwievor an ihrer jeglicher Menschenwürde spottenden Psychopathologisierung festhält. Momentan lese ich das Buch einer Psychotherapeutin namens Brigitte Vetter mit dem Titel “Transidentität – ein unordentliches Phänomen”, in dem die Authorin in faszinierender Weise ihre eigene Faktenresistenz demonstriert und so ein prächtiges Fallbeispiel ist für die Ignoranz einer Parawissenschaft namens “Psychologie”. Schon die Tatsache, dass die Authorin transsexuelle Frauen als transsexuelle Männer betitelt, das Begehren transsexueller Menschen als “Wunsch” qualifiziert oder geschlechtsangleichende Massnahmen als Geschlechtsumwandlung benennt, zeugt von einem radikalen Fehldenken. Dieses Buch möchte ich zum Fallbeispiel machen und die dort präsentierten Denkfehler analysieren. Dabei geht es nicht um die Authorin, die sich als Expertin aufspielt, obwohl sie in ihrer Schreiberei ein völliges Unverständnis demonstriert. Viel mehr geht es um das dahinterliegende Denken, das sie repräsentiert, das in der Psychologensekte leider weit verbreitet ist.

Ein kleiner geschichtlicher Rückblick
Seit je her gab es in allen Kulturen Menschen, die Geschlechtergrenzen überschritten. Die Psychopathologisierung nahm ihren Anfang Ende des 19. Jahrhunderts, als Richard von Krafft-Ebbing 1886 in “psychiatrisch-wissenschaftlichen Falldarstellungen” berichtet von “Männern, die dranghaft Frauenkleider tragen, unter ihrer Geschlechtszugehörigkeit leiden und sich dem anderen Geschlecht seelisch zugehörig fühlen”. 1870 beschrieb der Psychiater Carl Friedrich Otto Westphal solche Fälle erstmals mit dem Begriff “konträre Sexualempfindung”. Damit begann die Psychiatrie dieses Phänomen unter skurilsten Bezeichnungen aufzunehmen wie beispielsweise “Geschlechtsumwandlungstrieb” oder “erotischer Verkleidungstrieb”. Wie immer, wenn die Psychiatrie sich resp. den Betroffenen nicht zu helfen weiss, wurden Betroffene erst mal in psychiatrische Kliniken zwangseingewiesen und dort mit Elektroschocks, Insulinschocks bis hin zu Hirnoperationen “behandelt”, so wie man das auch mit homosexuellen Menschen machte oder mit “frigiden Frauen”. Im Jahr 1910 prägte der deutsche Sexualforscher Magnus Hirschfeld den Begriff “Transvestitismus”, im Jahr 1923 unterschied derselbe Hirschfeld erstmals zwischen “Transvestitismus” und wie er es nannte “seelischem Transsexualismus”. Im Jahr 1949 setzte sich im anglo-amerikanischen Raum durch David Oliver Cauldwell der Ausdruck “Psychopathia transsexualis” durch. Eine ernsthafte Unterscheidung dieser zwei komplett unterschiedlichen Phänomene wurde erst 1953 durch Harry Benjamin geprägt, der “Transvestitismus” und “Transsexualismus” klar unterschied und auch den Verdacht äusserte, dass Transsexualismus eine Form von Intersexualität sein könnte (Harry Benjamin Syndrom), was jedoch von den anderen Psychologiegläubigen nicht in Betracht gezogen wurde. Erst in den letzten zwanzig Jahren begannen auch andere Wissenschaftszweige dieses Phänomen zu untersuchen und man entdeckte, dass Transsexualität biologische Ursachen hat. Einerseits fand die Molekularbiologie genetische Marker, die aufzeigten, dass transsexuelle Menschen beispielsweise im Bereich der Androgen-Rezeptoren “genetische Auffälligkeiten” hatten. Der Durchbruch kam dann aus der Hirnforschung, als das Wissenschaftsmagazin “Nature” Studien veröffentlichte, die zeigten, dass die für die Geschlechtsentwicklung zuständige Hirnregion BSTc bei transsexuellen Frauen dieselbe Neuronendichte hat wie bei anderen Frauen, dass transsexuelle Frauen also faktisch eine weibliche Hirnanatomie haben (Zhou, Hofman, Gooren, Swaab). Diese Fakten über biologische Ursachen wurden von der Psychiatriesekte zwar zur Kenntnis genommen, ohne sie jedoch ernst zu nehmen, man war nach einem Jahrhundert Psychopathologisierung viel zu sehr auf die angebliche “Geschlechtsidentitätsstörung” eingeschossen.

Zwischenbemerkung
Bis hierhin ist dieses Buch informativ, so konnte ich auch diesen geschichtlichen Rückblick aufgrund ihrer Angaben zusammenfassen, einzig der Schluss musste von mir ergänzt werden, weil die Authorin bezeichnenderweise gerade in diesem Bereich blind zu sein scheint auf einem Auge, denn beispielsweise die Forschungsresultate betreffend der Hirnregion BSTc werden von ihr vollständig ausgelassen – es ist nicht, was nicht sein darf. Irrwitzig wird das Buch – wie alle Bücher aus der Ecke der Psychologiegläubigen – wenn es um die Ursachen von Transsexualität geht. Hier zeigt sich auf geradezu groteske Weise, dass die Psychologiegläubigen wie alle anderen religiösen Fanatiker mit unterschiedlichen Massstäben messen. Was ihren heiligen Büchern widerspricht, wird kategorisch als “nicht erwiesen” dargestellt. Was ihren heiligen Büchern entspricht, wird bis zum unumstösslichen Gegenbeweis aufrecht gehalten, mag es auch noch so realitätsfremd und widersprüchlich sein. Diese einseitige Wahrnehmung ist jeder Wissenschaft unwürdig, aber wie bereits erwähnt, ist Psychologie keine exakte Wissenschaft sondern eher eine Parawissenschaft. Sie beruht nicht auf Beweisen sondern auf willkürlich aufgestellten Thesen, die als gültig gelten, bis sie widerlegt sind. Da kann man auch wie der koksende Psychologengott Sigmund Freud mal schnell allen Frauen kollektiv einen Penisneid unterstellen oder wie der Zürcher Psychiater und Eugeniker Auguste Forel andersartige Menschen wie beispielsweise Fahrende (Zigeuner) als “geistesschwach” klassifizieren und zwangskastrieren. Welche obskuren Auswüchse diese akademisch gesegnete selektive Wahrnehmung mit sich bringt, zeigt sich in diesem Buch auf faszinierende und wie ich meine demaskierende Weise.

Biologische Ursachen von Transsexualität
Bei der Beschreibung der “biomedizinischen Ursachen” hält sich die Authorin kurz und spürbar ablehnend. Sie beschreibt kurz die Forschungsresultate des Neuroendokrinologe Günter Karl Stalla und seiner Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München (2006), die ein hormonelles Ungleichgewicht während der Embryonalentwicklung nahelegen, fegt das aber vom Tisch mit der abwertenden Aussage, dass diese Ergebnisse keine “biologischen Beweise” für Hormonstörungen seien. Bei den “hirnanatomischen Befunden” (BSTc), nennt sie nicht mal die Authoren der Studie oder sagt etwas über die Hirnquerschnitte, die sogar vom Auge betrachtet werden können, anstelle dessen fegt sie auch das vom Tisch, das sei “wissenschaftlich nicht gesichert”. Zu diesem Thema äusserte sich auch mein Oberarzt vom Zürcher Universitätsspital anlässlich eines Vortrags, sinngemäss sagte er: “Wenn man einen Hirnquerschnitt mit dieser Hirnregion BSTc einer transsexuellen Frau einem Neurologen auf den Tisch legt, wird er das Hirn ohne zu zögern als weiblich klassifizieren”. Nicht gesichert? Weiters geht sie kurz auf die Erkenntnisse aus der Genetik ein, beginnt sicherheitshalber mit dem Hinweis: “Chromosomenaberrationen konnten bislang als Ursache nicht nachgewiesen werden” und erzählt dann kurz von Studien, die Veränderungen in drei Genen zeigten, die für die Ausbildung von Androgenrezeptoren und Östrogenrezeptoren zuständig sind (z.B. CYP17). Ist beispielsweise das Gen für die Ausbildung der Androgenrezeptoren länger, ist die Testosteronaufnahme geringer. Dass das für Transsexualität ursächlich sein könnte, hält sie aber eben für “nicht gesichert”.

Unterschiedliche Massstäbe
Soweit, sogut, könnte man sagen, all die Forschungsresultate zeigen zwar klar, dass Transsexualität in verschiedener Weise körperliche Ursachen hat. Ein absoluter Beweis ist das nicht. Auch wenn transsexuelle Menschen genetische Auffälligkeiten haben, die zuuuuuufällig mit der körpereigenen Hormonverwaltung in Zusammenhang stehen und auch wenn die Hirnregion die für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, zuuuuuufällig dieselbe anatomische Struktur (Neuronendichte) hat wie die “normalen weiblichen Gehirne”, so ist das kein absoluter und unumstösslicher Beweis für deren Ursächlichkeit. Aber – und hier wird es entlarvend – weshalb wird im Bereich der Genetik und der Neurologie ein absoluter und unumstösslicher Beweis verlangt, auf Seiten der psychologischen Erklärungsansätze jedoch jede auch noch so bizarre These als möglich betrachtet, auch wenn all diese psychologischen Thesen einander gegenseitig widersprechen. Bei den biologischen Ursachen sagt die Psychologie, diese seien nicht bewiesen bei den psychologischen Thesen, die sich auf keinerlei wissenschaftliche Studien stützen, sagt man, sie seien nicht widerlegt? Selektive Wahrnehmung?

Psychologische Thesen – Geschlechtsidentitätsstörung
In den nächsten Kapiteln beschreibt die Authorin dann umso leidenschaftlicher verschiedenste psychologische Thesen für die Ursachen von “Geschlechtsidentitätsstörungen”. Dort wird nie darauf hingewiesen, dass die Thesen “nicht bewiesen” sind und die Authorin stört sich auch nicht an der Widersprüchlichkeit dieser Theorien, mittels derer transsexuelle Menschen für gestört erklärt werden. Um die Widersprüchlichkeit der psychologischen Wahrsagekunst zu kaschieren, beginnt die Authorin mit der Einleitung: “Aufgrund der Vielfalt der Entwicklungen, die in Transsexualität münden können, ist eine einheitliche, spezifische oder gar monokausale psychologische Verursachungstheorie nicht möglich”. Dann geht es los mit einer Auswahl an psychologischen “Meinungen”, die vorallem in der Gegenüberstellung an Realsatire kaum zu überbieten sind.

  1. Transsexualität sei die Folge einer erfolglosen Loslösung von der Mutter, aufgrund dessen die Entwicklung einer innerpsychischen Selbstständigkeit scheiterte (z.B. Person und Ovesey 1974 resp. Socarides 1969).
  2. Transsexualität sei eigentlich eine verdrängte Homosexualität. Weil diese verdrängt wird, würde es zu einem “Geschlechtsumwandlungswunsch” kommen, um damit die Sexualität zu legitimieren (z.B. Socarides 1969). In Anbetracht davon, dass es lesbische TransFrauen gibt, ist das mehr als absurd.
  3. Transsexualität sei eine Form des Borderline-Syndroms. Es hat zwar eine völlig andere Symptomatik und transsexuelle Menschen erfüllen die Diagnosekriterien für ein Borderline-Syndrom nicht annähernd, aber man kann’s ja trotzdem mal so postulieren.
  4. Transsexuelle Menschen seien so geworden, weil die Eltern unbewusst ein Kind des anderen Geschlechts wünschten. Das ist statistisch längst widerlegt, aber man kanns ja trotzdem weiter für möglich halten.
  5. Transsexualität sei eine “narzistische Plombe”, mit der vereinfacht gesagt Verlustängste kompensiert werden indem man selbst zur gegengeschlechtlichen Bezugsperson wird (z.B. Morgenthaler 1974).
  6. Transsexualität sei eine Folge eines fehlenden oder mangelhaften gegengeschlechtlichen Vorbildes. Auch das ist statistisch widerlegt, klingt aber so gut, dass man es weiter für möglich hält.
  7. Transsexualität sei eine Reaktion auf eine emotional abwesende und männlich identifizierte Mutter (z.B. Stoller 1979).
  8. Für Stoller-Schüler Lohstein (1979) ist Transsexualität Folge verhinderter Verselbstständigung, weil diese nur in geschlechtsneutralen Bereichen zugelassen worden sei.
  9. Wer’s ganz skuril mag, hält sich an Stoller (1979), der die Ursache darin sieht, dass die Grossmutter die Mutter als Neutrum behandelt hat. Man fragt sich da spontan, was für Drogen dieser Stoller geraucht hat und weshalb er so hoch dosierte.

Die Liste liesse sich beliebig verlängern und soll auch nur eine kleine Auswahl an Absurditäten aufzeigen. Diese neun Beispielthesen sind natürlich stark verkürzt, sagen aber grad in dieser kurzen Vereinfachung die Widersprüchlichkeit untereinander. Diese psychologischen Erklärungsmodelle sind zu vielfältig um sie hier detailierter zu betrachten, ich werde aber einzelne dieser Thesen in separaten Beiträgen beleuchten, zwei davon sind bereits fast fertig und werden bald hier zu lesen sein.

Auffällig ist, dass diese Thesen grösstenteils zwischen 1960 und 1980 postuliert wurden, mittlerweile also bestenfalls dreissig Jahre alt sind. Fast ausnahmslos konnten diese Thesen statistisch widerlegt werden, für möglich gehalten werden sie aber von Psychologiegläubigen bis heute.

Dass diese Authorin im Jahr 2010 solchen Quatsch auflistet, diese widersprüchlichen und grösstenteils widerlegten Thesen für möglich hält, im Gegenzug dazu jedoch wissenschaftliche Fakten aus der Genetik und Neurologie als “nicht erwiesen” abtut, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Aber aller Realsatire zum Trotz, solche Bücher betonieren eine Stigmatisierung von transsexuellen Menschen mit veralteten Vorurteilen, solche Bücher haben das Potential, Menschen zu töten.

Fortsetzung:
Transsexualität und Homosexualität
Transsexualität und Borderline-Syndrom
Primäre und sekundäre Transsexualität
Mein zwiespältiges Verhältnis zur Psychologie

Ergänzend möchte ich noch auf spannenden Beiträge hinweisen, die diese Thematik gut ergänzen:
BadHairDays: Die Suche nach dem heiligen Gral
ATME: Biologische Ursachen
Wissenschaftliche Dissertation von Eva Krause
Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

NACHTRAG: Aller Kritik an diesem Buch zum Trotz muss ich der Authorin doch zwei Dinge zu Gute halten. Erstens hat sie richtig erkannt, dass eine transsexuelle Frau mit einer auf Männer fixierten Geschlechtsorientierung heterosexuell ist resp. umgekehrt ich als transsexuelle Frau die auf Frauen fixiert ist lesbisch ist. Zweitens betont sie die Vielfalt von Geschlechtern oder postuliert teilweise im Sinne Rauchfleischs Transsexualität als Normvariante. Auch sonst findet man in diesem Buch teils gute Denkansätze im Vergleich zu früheren Abhandlungen anderer Psychologen. Aber wenn jemand in Jahr 2010 Transfrauen als “transsexuelle Männer” betitelt, von Geschlechtsumwandlung oder Wunschgeschlecht spricht und sogar wissenschaftliche Fakten die eine Entstigmatisierung bedeuten würden auslässt, dann ist das ein Armutszeugnis für so ein Buch resp. ihre Authorin – und verdient somit trotz guter Ansätze den Vorwurf der Faktenresistenz.



Copyright © 2017 by: (t)-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.